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Karte & Kompass: Maßstab, Marschzahl, Peilung – kompletter Praxisleitfaden

Analoge Navigation funktioniert unabhängig von Akku, Mobilfunk und Satellitenempfang. Verlässlich wird sie jedoch erst, wenn Karte, Kompass, Gelände, Marschzahl und Entfernungskontrolle als ein System verwendet werden. Eine exakt eingestellte Richtung hilft wenig, wenn der Ausgangspunkt falsch ist. Eine richtig erkannte Position reicht ebenfalls nicht, wenn der Kurs beim Umgehen jedes Hindernisses seitlich abdriftet.

Plattenkompass liegt auf einer topografischen Karte; Hilfslinien der Kompasskapsel sind parallel zum Kartengitter ausgerichtet
Plattenkompass und topografische Karte: Die Richtung wird eingestellt, ins Gelände übertragen und dort über eindeutige Marken kontrolliert.
Arbeitsfolge: Standort bestätigen, Karte ausrichten, Ziel und Auffanglinie festlegen, Kartenrichtung ermitteln, Nordbezug korrigieren, Marschzahl einstellen, eine Vormarke wählen und während des Weges Entfernung sowie Geländefolge kontrollieren.

1. Die Karte als Geländemodell verstehen

Eine topografische Karte ist keine verkleinerte Fotografie. Sie wählt Informationen aus, vereinfacht Formen und ordnet Objekte festen Zeichen zu. Der Maßstab entscheidet, wie viele Einzelheiten darstellbar sind. Alter und Ausgabejahr bestimmen, wie vorsichtig Wege, Gebäude, Vegetationsgrenzen und technische Anlagen behandelt werden müssen.

Dauerhaft

Geländeformen

Große Täler, Rücken, Kuppen, Sättel und ausgeprägte Hangkanten ändern sich kaum. Sie sind oft die verlässlichsten Merkmale einer älteren Karte.

Veränderlich

Wege und Bewuchs

Rückegassen entstehen, Pfade wachsen zu, Kahlschläge werden aufgeforstet und Waldränder verschieben sich. Ein Weg allein bestätigt keinen Standort.

Kartenabhängig

Farben und Zeichen

Blau kennzeichnet häufig Gewässer und Braun häufig Höhenlinien. Verbindlich ist nur die Legende des verwendeten Kartenwerks.

Maßstab sicher anwenden

Der Maßstab beschreibt das Verhältnis zwischen Kartenstrecke und waagerechter Strecke im Gelände. Bei 1:25.000 entsprechen 1 Zentimeter auf der Karte 250 Metern im Gelände. Bei 1:50.000 sind es 500 Meter und bei 1:100.000 ein Kilometer. Je größer die Maßstabszahl, desto stärker ist die Landschaft verkleinert und desto weniger Einzelheiten können dargestellt werden.

1:25.000
1 cm = 250 m. Geeignet für genaue Routenführung, Höhenlinienauswertung und kurze Peilabschnitte. Der dargestellte Kartenausschnitt ist vergleichsweise klein.
1:50.000
1 cm = 500 m. Bietet einen größeren Überblick, zeigt aber weniger Kleinformen und Nebenwege.
1:100.000
1 cm = 1 km. Brauchbar für großräumige Planung und Auffangziele, nicht für eine genaue Navigation zu kleinen Geländepunkten.

Eine gerade Strecke wird mit Lineal oder Kartenkante gemessen. Ein kurviger Weg wird in kurze Teilstücke zerlegt oder mit einem Faden nachgelegt. Die gemessene Kartenstrecke ist nicht automatisch die tatsächlich zu gehende Strecke: Kurven, Umwege, Steigung und unpassierbare Stellen kommen hinzu.

Ausdrucke prüfen: Wurde eine Karte beim Drucken an das Papierformat angepasst, kann die aufgedruckte Maßstabszahl falsch geworden sein. Ein mitgedruckter Maßstabsbalken wird nach dem Ausdruck mit einem Lineal kontrolliert.

Kartenrand und Legende zuerst lesen

Vor der Routenplanung werden Kartenblatt, Maßstab, Äquidistanz, Koordinatenbezug, Ausgabejahr und Nordrichtungsangaben geprüft. Die Äquidistanz gibt den Höhenunterschied zwischen zwei benachbarten Höhenlinien an. Sie darf nicht aus dem optischen Abstand der Linien geschätzt werden. Auf einer Karte können beispielsweise 10 Meter, 20 Meter oder ein anderer Wert gelten.

  • Maßstab und Maßstabsleiste
  • Äquidistanz der Höhenlinien
  • Ausgabe- oder Aktualisierungsjahr
  • verwendetes Koordinatensystem
  • UTM-Zone und Kartenbezug
  • Gitternord, geografisch Nord und magnetisch Nord
  • Missweisung und Bezugsjahr
  • Zeichenerklärung für Wege, Wasser und Bewuchs

2. Höhenlinien und Geländeformen lesen

Höhenlinien verbinden Punkte gleicher Höhe. Eng stehende Linien zeigen einen steilen Hang, weit auseinanderliegende Linien einen flachen. Erst die Form der Linien macht sichtbar, ob sich dort eine Kuppe, ein Tal, ein Rücken, ein Sporn oder ein Sattel befindet.

Topografische Karte mit Höhenlinien und Plattenkompass vor einem realen Tal zwischen zwei bewaldeten Bergrücken
Karte und Landschaft gemeinsam lesen: Der Talzug führt zwischen zwei Rücken hindurch; die Einsenkung zwischen den höheren Geländeteilen bildet einen Sattel.

Kuppe oder Gipfel

Geschlossene Höhenlinien mit nach innen steigenden Höhenwerten kennzeichnen eine Erhebung. Eine Höhenkote kann den höchsten Punkt genauer angeben.

Tal oder Rinne

Die Höhenlinien bilden beim Queren einer Rinne eine V- oder U-Form, deren Spitze bergauf zeigt. Ein Wasserlauf kann die Deutung bestätigen.

Rücken oder Sporn

Die Linien wölben sich in Richtung des tieferen Geländes. Rücken trennen Abflussbereiche und können eine gut erkennbare Bewegungsachse bilden.

Sattel

Der niedrigere Übergang zwischen zwei Erhebungen erscheint als Einsenkung im Kamm. Er kann eine günstige Passage, aber auch eine windoffene Stelle sein.

Mulde oder Senke

Geschlossene Linien können auch eine Vertiefung darstellen. Höhenwerte, Schraffuren und Kartenzeichen zeigen, ob die Höhe nach innen abnimmt.

Steilstufe

Sehr dicht gedrängte Linien warnen vor starker Neigung. Ein kurzer Kartenabschnitt kann dort langsam, rutschig oder nicht passierbar sein.

Gelände nicht nur erkennen, sondern verfolgen

Während der Bewegung wird nicht auf einen einzelnen passenden Hügel gewartet. Die Folge der Formen ist entscheidend. Nach einer Bachquerung kann ein Anstieg zu einem Rücken folgen, danach ein flacher Sattel und anschließend ein steiler Abfall. Stimmt diese Reihenfolge nicht, muss die Standortannahme überprüft werden.

Gegenprobe: Zu jeder vermuteten Position wird nach einem Merkmal gesucht, das sie widerlegen könnte. Fällt der Hang auf die falsche Seite ab oder fehlt eine erwartete Seitenrinne, ist der Standort nicht bestätigt.

3. Kompassaufbau, Haltung und Störquellen

Für die Kartenarbeit eignet sich ein Plattenkompass mit transparenter Grundplatte und drehbarer Kapsel. Die Grundplatte verbindet Punkte auf der Karte. Die Kapsellinien stellen den Bezug zum Kartengitter her. Die Magnetnadel verbindet die eingestellte Richtung mit dem Magnetfeld im Gelände.

Marschrichtungspfeil
Zeigt auf der Grundplatte in die Richtung, in die gegangen oder gepeilt wird. Er darf beim Anlegen nicht versehentlich zum Startpunkt zeigen.
Anlegekante
Verbindet Start und Ziel auf der Karte und dient als Zeichenkante für Peillinien.
Drehkapsel und Gradskala
Speichern die Marschzahl zwischen 0 und 360 Grad. Die Einstellung bleibt beim Übertragen ins Gelände erhalten.
Nordmarke und Hilfslinien
Werden beim Arbeiten auf der Karte parallel zum verwendeten Nordgitter ausgerichtet.
Magnetnadel
Die markierte Nordspitze zeigt magnetisch Nord. Abgelesen wird erst, wenn der Kompass waagerecht liegt und die Nadel frei schwingt.
Romer und Maßstabskanten
Erlauben je nach Kompassmodell das Messen und Eintragen von UTM-Positionen. Die Skala muss zum Kartenmaßstab passen.

Richtig messen

  1. Abstand zu Störquellen: Mobiltelefon, Powerbank, Messer, Magnetverschluss, Lautsprecher, Fahrzeug, Stahlzaun und Stromanlage aus dem unmittelbaren Messbereich entfernen.
  2. Kompass waagerecht halten: Eine geneigte Kapsel bremst die Nadel oder lässt sie anliegen. Der Kompass liegt ruhig vor dem Körper.
  3. Nadel ausschwingen lassen: Nicht im Gehen ablesen. Nach jeder Drehung warten, bis sich die Nadel stabilisiert hat.
  4. Zweite Messung durchführen: Bei unerwartetem Ergebnis einige Meter weitergehen und erneut messen. Ändert sich die Anzeige stark, liegt eine örtliche Störung nahe.
Deklination ist keine örtliche Störung. Die Missweisung beschreibt den großräumigen Winkel zwischen geografisch und magnetisch Nord. Eine Ablenkung durch Stahl oder Elektronik kommt zusätzlich hinzu und wird nicht durch den Deklinationswert ausgeglichen.

4. Marschzahl: Richtung statt Schrittzahl

Die Marschzahl – auch Marschrichtungszahl – ist die am Kompass eingestellte Richtung in Grad. Sie wird im Uhrzeigersinn von Nord aus gezählt: Nord entspricht 0 beziehungsweise 360 Grad, Ost 90 Grad, Süd 180 Grad und West 270 Grad. Die persönliche Schrittzahl für 100 Meter ist etwas anderes und gehört zur Entfernungskontrolle.

0° / 360°

Nord

Ausgangspunkt der Gradskala. Werte kurz unter 360 Grad liegen westlich von Nord, kleine Werte östlich davon.

90°

Ost

Eine Vierteldrehung im Uhrzeigersinn von Nord.

180°

Süd

Die Gegenrichtung zu Nord.

270°

West

Drei Vierteldrehungen im Uhrzeigersinn von Nord.

Gegenrichtung

Rückmarschzahl

Bei Werten unter 180 Grad werden 180 Grad addiert, bei höheren Werten 180 Grad abgezogen.

Beispiel

72° ↔ 252°

Die Gegenrichtung zur Marschzahl 72 Grad beträgt 252 Grad.

Warum schon wenige Grad wichtig sind

Eine kleine Winkelabweichung wächst mit der Entfernung. Fünf Grad ergeben nach einem Kilometer bereits ungefähr 87 Meter seitlichen Versatz, nach zehn Kilometern rund 870 Meter. In dichtem Wald kann zusätzlich eine Geh-Abdrift entstehen, obwohl die Marschzahl korrekt eingestellt wurde. Deshalb werden lange Strecken in kontrollierbare Abschnitte geteilt.

5. Drei Nordrichtungen, Missweisung und Gitterkonvergenz

„Die Karte einnorden“ ist keine vollständige Anweisung, solange nicht feststeht, auf welche Nordrichtung sich Karte und Kurs beziehen. Bei präziser Arbeit werden geografisch Nord, Gitternord und magnetisch Nord unterschieden.

Geografisch Nord
Die Richtung entlang eines Meridians zum geografischen Nordpol. Sie wird auch rechtweisend Nord genannt.
Gitternord
Die Richtung der senkrechten Linien eines ebenen Koordinatengitters, beispielsweise des UTM-Gitters. Sie kann wegen der Kartenprojektion von geografisch Nord abweichen.
Magnetisch Nord
Die Richtung der Kompassnadel im Erdmagnetfeld. Sie verändert sich abhängig von Ort und Zeit.
Missweisung / Deklination
Der Winkel zwischen geografisch Nord und magnetisch Nord. Auf älteren Karten kann ein Bezugsjahr mit jährlicher Änderung angegeben sein.
Meridiankonvergenz
Der Winkel zwischen geografisch Nord und Gitternord. Für eine UTM-Karte ist er Bestandteil der Umrechnung zwischen Karten- und Kompassrichtung.

Vorzeichen und Umrechnung

Formeln sind nur sicher, wenn die Vorzeichen genau definiert sind. In der folgenden Schreibweise ist eine östliche Lage der jeweiligen Nordrichtung positiv und eine westliche negativ. Der Kartenkurs bezieht sich auf Gitternord, der Kompasskurs auf magnetisch Nord.

Karte → Kompass: Kompasskurs = Kartenkurs + Gitterkonvergenz − Deklination

Kompass → Karte: Kartenkurs = Kompasskurs − Gitterkonvergenz + Deklination

Andere Kartenwerke können Winkel oder Vorzeichen anders benennen. Deshalb wird nicht blind eine Merkhilfe wie „Ost addieren“ übernommen. Maßgeblich sind das Nordrichtungsdiagramm der Karte und die klar benannte Umwandlung: vom Kartenkurs zum Kompasskurs oder vom Kompasskurs zurück zur Karte.

Nicht doppelt korrigieren: Ist die Deklination bereits fest am Kompass eingestellt, darf sie nicht zusätzlich noch einmal rechnerisch auf den Kurs angewendet werden. Vor jeder Route wird festgelegt, ob die Korrektur am Instrument oder manuell erfolgt.

Aktuelle Werte mit dem Rechner bestimmen

Der Team-Survival-Deklinationsrechner ermittelt für Ort und Datum die magnetische Deklination und den passenden Korrekturwert. Er unterscheidet zwischen Karten mit sichtbarem UTM-Gitter und Karten ohne UTM-Gitter. Die Webversion kann am Desktop verwendet werden; unterwegs steht außerdem die Android-App im Google Play Store mit Offline-Berechnung, Kompasshilfe, Sensorprüfung, Peilung und Wegpunkten zur Verfügung.

Vorbereiten statt improvisieren: Deklination, Gitterkorrektur, Kartenbezug und Datum werden vor dem Aufbruch auf der Karte oder dem Routenblatt notiert. So bleibt der Wert verfügbar, wenn das elektronische Gerät später ausfällt.

Deklinationsrechner

Standort bestimmen oder Koordinaten eingeben und anschließend den Korrekturwert für die verwendete Kartenart auswählen.

Deklinationsrechner

Missweisung, Gitternordabweichung und Korrekturwert für Karte und Kompass berechnen.

6. Karte einnorden und Standort bestätigen

Beim Einnorden wird die Karte so gedreht, dass ihre Richtungen mit den Richtungen im Gelände übereinstimmen. Erst danach lassen sich links, rechts, vor und hinter dem Standort direkt zwischen Karte und Landschaft übertragen.

Mit Kompass einnorden

  1. Nordbezug bestimmen: Prüfen, ob an Kartenrand, Nordpfeil oder UTM-Gitter ausgerichtet wird.
  2. Korrekturwert festlegen: Missweisung und gegebenenfalls Gitterkonvergenz für Ort, Datum und Kartenart berücksichtigen.
  3. Kompass auflegen: Eine lange Kante oder die Kapsellinien parallel zu einer senkrechten Nordlinie der Karte legen.
  4. Karte und Kompass gemeinsam drehen: Die Einheit drehen, bis die ruhende Nadel zum korrigierten Nordwert passt.
  5. Gelände prüfen: Talachsen, Wege, Gewässer und sichtbare Kuppen müssen nun in der erwarteten Richtung liegen.

Ohne Kompass nach Gelände ausrichten

Zwei sicher identifizierte Geländepunkte werden auf der Karte gesucht. Die Karte wird gedreht, bis die Verbindung beider Kartenpunkte parallel zur sichtbaren Verbindung im Gelände liegt. Danach müssen weitere Merkmale passen. Mit nur einem Zielpunkt bleibt eine Drehung um den eigenen Standort möglich; ein zweiter Punkt oder eine bekannte lineare Struktur beseitigt diese Mehrdeutigkeit.

Standortkette statt Einzelmerkmal

Starke Bestätigung

Bachgabelung unterhalb einer Wegkurve, anschließender Anstieg zu einem Sattel und passender Waldrand auf der richtigen Hangseite.

Schwache Bestätigung

Ein breiter Weg, ein einzelner großer Baum oder ein unbenannter Hügel, der in ähnlicher Form mehrfach vorkommt.

7. Von der Karte ins Gelände peilen

Bei dieser Arbeitsrichtung sind Start und Ziel auf der Karte bekannt. Daraus wird zuerst ein Kartenkurs ermittelt, anschließend ein korrigierter Kompasskurs und schließlich eine sichtbare Marschrichtung im Gelände.

  1. Start und Ziel verbinden: Anlegekante des Kompasses so auf die Karte legen, dass der Marschrichtungspfeil vom Start zum Ziel zeigt.
  2. Kapsel zum Gitter drehen: Kapsellinien parallel zu den senkrechten Gitterlinien ausrichten. Die Nordmarke muss zum oberen Kartenrand zeigen.
  3. Kartenkurs ablesen: Der Wert an der Ablesemarke ist der Kurs bezogen auf das verwendete Kartengitter.
  4. Zum Kompasskurs umrechnen: Missweisung und Gitterkonvergenz nach Kartenangabe beziehungsweise Rechner berücksichtigen.
  5. Kompass waagerecht vor den Körper nehmen: Den Körper drehen, bis die Nordspitze der Nadel an der korrigierten Nordmarke liegt.
  6. Vormarke auswählen: In Richtung des Marschpfeils einen eindeutigen Baum, Felsen, Geländeknick oder anderen festen Punkt wählen.
  7. Bis zur Marke gehen: Nicht ständig auf den Kompass sehen. An der Vormarke den Kurs erneut aufbauen und zurückblicken.
Person richtet einen Spiegelkompass auf eine markante Felskante; die Kompassnadel ruht auf der Nordmarke
Nach dem Einstellen wird die Richtung auf eine eindeutige Geländemarke übertragen; erst danach beginnt der nächste Abschnitt.

Vorder- und Rückmarke gemeinsam nutzen

Eine Vormarke zeigt zum nächsten Zwischenpunkt. Eine Rückmarke liegt hinter dem eigenen Standort auf derselben Linie. Beim Erreichen der Vormarke wird zurückgeblickt. Liegt die Rückmarke seitlich, ist der Kurs bereits abgedriftet. In dichtem Wald, Nebel oder unruhigem Gelände werden die Abschnitte so kurz gewählt, dass beide Marken eindeutig bleiben.

Typischer Richtungsfehler: Der Kompass wird mit dem Marschpfeil zum Start statt zum Ziel auf die Karte gelegt. Die Gradzahl kann dabei plausibel aussehen, führt aber genau in die Gegenrichtung.

8. Vom Gelände zurück in die Karte

Eine Geländepeilung wird benötigt, wenn ein sichtbares Objekt auf der Karte identifiziert, eine eigene Linie eingetragen oder der Standort durch Kreuzpeilung bestimmt werden soll.

  1. Objekt eindeutig identifizieren: Kirchturm, markanter Gipfel, Sendemast oder unverwechselbare Felskante müssen sicher auf der Karte zugeordnet werden können.
  2. Ziel anvisieren: Marschrichtungspfeil auf das Objekt richten und den Kompass waagerecht halten.
  3. Kapsel drehen: Nordmarke unter die ruhende Nordspitze der Magnetnadel drehen.
  4. Magnetischen Kurs ablesen: Wert notieren und nicht aus dem Gedächtnis weiterarbeiten.
  5. In Kartenkurs umrechnen: Deklination und Gitterkonvergenz in der passenden Richtung anwenden.
  6. Linie eintragen: Kompasskante am bekannten Kartenpunkt anlegen, Kapsellinien parallel zum Kartengitter ausrichten und die Gegenrichtung zum eigenen Standort zeichnen.

Kreuzpeilung und Rückwärtseinschneiden

Von einem unbekannten Standort werden zwei oder besser drei bekannte Geländepunkte gepeilt. Nach der Umrechnung werden die Gegenrichtungen von den Kartenpunkten aus eingezeichnet. Die Linien schneiden sich wegen Messfehlern häufig nicht in einem Punkt, sondern bilden ein kleines Toleranzdreieck. Der Standort wird innerhalb dieses Bereichs mit Hangseite, Höhe, Weg und Gewässer weiter eingegrenzt.

Günstige Zielverteilung: Fast hintereinanderliegende Peilziele erzeugen einen flachen Schnitt und eine lange Unsicherheitszone. Seitlich deutlich getrennte Ziele liefern einen besseren Schnitt. Ein drittes Ziel prüft, ob eines der Objekte falsch zugeordnet wurde.

9. Entfernung ohne GPS kontrollieren

Die Marschzahl gibt die Richtung an, nicht die Entfernung. Für die Strecke werden persönliche Schrittwerte, Gehzeit, Höhenlinien und passierte Kontrollpunkte kombiniert. Die Schrittzahl darf nicht aus einer allgemeinen Tabelle übernommen werden.

Persönlichen Schrittwert ermitteln

  1. 100 Meter sicher vermessen: Eine markierte Strecke, Sportanlage oder belastbare Kartenstrecke verwenden.
  2. Zählweise festlegen: Entweder jeden Schritt oder nur jedes Aufsetzen desselben Fußes als Doppelschritt zählen. Nicht zwischen beiden Verfahren wechseln.
  3. Mehrfach gehen: Mindestens mehrere Durchgänge im normalen Marschtempo durchführen und den Mittelwert bilden.
  4. Geländewerte ergänzen: Weg, Wiese, leichter Anstieg, Abstieg, Unterholz und Schnee getrennt testen. Hindernisse verändern Schrittlänge und gerade Vorwärtsstrecke.
  5. Belastung berücksichtigen: Rucksackgewicht, Müdigkeit und Dunkelheit können den persönlichen Wert verschieben. Als Bereich arbeiten, nicht mit Scheingenauigkeit.

Schritte unterwegs zählen

Nach jeweils 50 oder 100 Schritten wird eine Perle verschoben, ein Stein von einer Tasche in die andere gelegt oder ein Strich auf dem Routenblatt gesetzt. Nach jedem Peilabschnitt werden Richtung und Entfernung gemeinsam notiert. Wer nur eine ständig wachsende Gesamtzahl führt, verliert nach einer Unterbrechung schnell den Bezug.

Gehzeit

Die reine Bewegungszeit dient als Gegenprüfung. Pausen, Suche nach einer Querung und Umwege werden getrennt festgehalten.

Höhengewinn

Jede überquerte Höhenlinie verändert die erwartete Höhe um die Äquidistanz. Mehrere Gegenanstiege verlängern die Route auch bei gleicher Endhöhe.

Kontrollpunkte

Eine eindeutige Bachgabelung oder Wegkreuzung bestätigt den Fortschritt stärker als eine geschätzte Durchschnittsgeschwindigkeit.

Abbruchzeit

Vor dem Abschnitt wird festgelegt, wann ein nicht erreichtes Ziel aufgegeben wird. Licht und Kraft für Rückweg oder Standortwechsel bleiben erhalten.

10. UTM-Koordinaten lesen und eintragen

Das UTM-System bildet die Erde zonenweise in einem metrischen Gitter ab. Auf vielen topografischen Karten liegen senkrechte und waagerechte Linien im Abstand von einem Kilometer. Eine Koordinate wird immer zuerst nach rechts und anschließend nach oben gelesen: zuerst der Ostwert beziehungsweise Easting, danach der Nordwert beziehungsweise Northing.

  1. Zone und Bezug feststellen: UTM-Zone, gegebenenfalls Breitenband sowie Kartenbezug gehören zur eindeutigen Ortsangabe.
  2. Linke Gitterlinie lesen: Der Ostwert der unmittelbar links vom Punkt liegenden Kilometerlinie bildet die Basis.
  3. Rechtsanteil ergänzen: Abstand des Punktes von dieser Linie mit passender Romer-Skala oder Maßstabskante bestimmen.
  4. Untere Gitterlinie lesen: Der Nordwert der unmittelbar unterhalb des Punktes liegenden Kilometerlinie bildet die zweite Basis.
  5. Hochanteil ergänzen: Abstand des Punktes von der unteren Linie bestimmen und an den Nordwert anhängen.
  6. Stellenzahl prüfen: Ost- und Nordwert müssen mit gleicher Genauigkeit angegeben werden. Fehlende Ziffern verändern die beabsichtigte Genauigkeit.
  7. Rückprobe: Die notierte Koordinate erneut auf der Karte eintragen. Der gesetzte Punkt muss am Ausgangsort liegen.
Romer-Skala passend wählen: Eine 1:25.000-Skala wird nicht für eine 1:50.000-Karte verwendet. Auch ein skaliert ausgedrucktes Kartenblatt kann die Ablesung verfälschen.

Koordinaten vollständig übermitteln

Eine Zahlenfolge ohne System, Zone und Bezug kann missverständlich sein. Bei der Weitergabe werden Kartenbezug beziehungsweise Datum, UTM-Zone und vollständige Ost- und Nordwerte genannt. Werden verkürzte Koordinaten verwendet, muss für alle Beteiligten feststehen, welches Kilometer- oder 100-Kilometer-Feld gemeint ist.

11. Routen planen, die Fehler auffangen

Eine robuste Route ist nicht zwingend die kürzeste. Sie nutzt gut erkennbare Linien, eindeutige Zwischenpunkte und eine Grenze hinter dem Ziel. Kleine Ziele werden erst aus der Nähe angesteuert.

Leitlinie
Bach, Weg, Waldrand, Höhenrücken oder andere langgestreckte Struktur, die ungefähr in die gewünschte Richtung führt.
Kontrollpunkt
Weggabelung, Bachknick, Kuppe, Sattel oder deutliche Vegetationsgrenze, an der der bisherige Weg geprüft wird.
Auffanglinie
Breite Straße, großer Fluss, Bahnlinie oder ausgeprägter Kamm hinter dem Ziel. Ihr Erreichen zeigt, dass die geplante Tiefe erreicht oder überschritten wurde.
Angriffspunkt
Ein auffälliger Punkt nahe einem kleinen Ziel. Erst von dort beginnt der kurze, genaue Schlussabschnitt.
Seitliches Anhalten
Eine lineare Auffanglinie wird bewusst links oder rechts des Ziels erreicht. Danach ist bekannt, in welcher Richtung entlang der Linie gesucht werden muss.
Ausweichziel
Vorab gewählter Ort, der bei Zeitverlust, Wetterverschlechterung oder unpassierbarem Gelände sicherer erreichbar ist.

Routenblatt für jeden Abschnitt

Vor dem Losgehen

  • bestätigter Startpunkt
  • Ziel und Angriffspunkt
  • Karten- und Kompasskurs
  • Distanz und erwartete Gehzeit
  • Höhengewinn und Gelände
  • Auffanglinie und Abbruchzeit

Während des Abschnitts

  • Abgangszeit
  • Schrittblöcke
  • passierte Kontrollpunkte
  • Umwege und Kurswechsel
  • Abweichungen vom Geländeplan
  • neuer bestätigter Standort

12. Hindernisse ohne Kursverlust umgehen

Dickicht, Felsriegel, Moor, Gewässer und Sperrflächen zwingen zu seitlichen Bewegungen. Viele kleine, nicht dokumentierte Richtungswechsel zerstören die ursprüngliche Linie. Vor der Umgehung werden deshalb eine Rückmarke und ein erkennbarer Punkt jenseits des Hindernisses gesucht.

Rechtwinklige Umgehung

Seitlich auf einer klaren Richtung bis zu einer markanten Ecke gehen und Schritte zählen. Anschließend parallel zum ursprünglichen Kurs am Hindernis entlanglaufen. Hinter dem Hindernis um denselben Betrag zurückversetzen. Jeder Richtungswechsel wird notiert.

Neuer Angriffspunkt

Ist eine geometrische Umgehung unnötig kompliziert, wird ein markantes Ende des Hindernisses, eine Bachmündung oder Wegkreuzung als neuer sicherer Punkt angesteuert. Von dort wird der Kurs vollständig neu geplant.

Sichtmarke halten

Bleibt das Ziel jenseits des Hindernisses sichtbar, wird es während der Umgehung wiederholt kontrolliert. Die bequemste Lücke darf die ursprüngliche Richtung nicht unbemerkt ersetzen.

13. Navigation in Wald, Nebel und Dunkelheit

Sinkt die Sichtweite, werden die Peilabschnitte kürzer und die Bedeutung von Leitlinien größer. Eine Marschzahl kann zwar eingestellt werden, doch ohne sichtbare Marke entsteht beim Gehen schnell seitliche Abweichung. Hangneigung, Hindernisse und unterschiedlich lange Schritte verstärken den Fehler.

Navigator peilt mit einem aufgeklappten Spiegelkompass im Nebel einen markanten gegabelten Baum in kurzer Entfernung an
Bei geringer Sichtweite wird nicht auf ein fernes Ziel zugelaufen: Marschzahl einstellen, eine nahe eindeutige Vormarke anpeilen, bis dorthin gehen und die Richtung erneut aufbauen.

Dichter Wald

Nur bis zu einer eindeutig unterscheidbaren Vormarke gehen. An jeder Marke zurückblicken und die Linie neu aufbauen.

Nebel

Starke Leitlinien und kurze Distanzen verwenden. Steilgelände, Klippen, Gewässer und Moore begrenzen die mögliche Route.

Dunkelheit

Tempo senken und kleine Geländekanten prüfen. Eine rechnerisch kurze Route kann wegen unsichtbarer Hindernisse ungeeignet sein.

In einer Gruppe kann eine Person als Rückmarke stehen bleiben, während eine zweite Person bis kurz vor die Sichtgrenze vorausgeht und auf die Linie eingewiesen wird. Erst danach rückt die hintere Person nach. Die Gruppe bleibt in Sicht- oder Sprechkontakt.

Bewegung hat Grenzen: Bei Whiteout, unbekanntem Steilgelände, Hochwasser oder vollständig verlorener Rückkehrlinie wird ein Kurs nicht erzwungen. Eine bekannte Position ist oft wertvoller als eine Bewegung auf Verdacht.

14. Standort verloren: geordnet neu ansetzen

Orientierungsverlust beginnt häufig mit einem Widerspruch: Die erwartete Kreuzung fehlt, der Hang fällt auf die falsche Seite oder die Gehzeit ist deutlich überschritten. Wer dennoch weiterläuft, vergrößert den Suchraum und entfernt sich vom letzten sicheren Punkt.

  1. Stoppen: Nicht noch bis zur nächsten Kurve oder Kuppe weitergehen. Den aktuellen Punkt sichtbar markieren.
  2. Letzte Sicherheit bestimmen: Welcher Standort war wirklich bestätigt? Wann wurde er verlassen und welche Richtung folgte?
  3. Beobachtungen trennen: „Der Bach fließt nach links“ ist eine Beobachtung. „Das ist der Nordbach“ ist eine Deutung und muss geprüft werden.
  4. Große Geländeformen vergleichen: Tal, Rücken, Hangrichtung, Höhe und Gewässer zuerst betrachten; kleine Wege und Einzelobjekte danach.
  5. Rückkehr prüfen: Ist der letzte sichere Punkt nah und die Spur eindeutig, wird kontrolliert zurückgegangen. Bei Dunkelheit oder gefährlichem Gelände kann Bleiben sicherer sein.
  6. Nur zu einem breiten Ziel bewegen: Falls Bewegung nötig ist, wird eine sichere Auffanglinie gewählt. Ein kleines Ziel wird nicht blind gesucht.
  7. Plan hinterlassen: Richtung, Uhrzeit und Ziel am Haltepunkt notieren. Jede spätere Planänderung beginnt wieder an einem markierten Punkt.

Bleiben oder weitergehen?

Bleiben spricht dafür

  • Die geplante Route ist anderen bekannt.
  • Verletzung, Erschöpfung oder Kälte verschlechtern sich bei Bewegung.
  • Sicht und Gelände erlauben keinen kontrollierten Kurs.
  • Am Ort sind Schutz, Wasser und Signalgebung möglich.

Bewegen kann sinnvoll sein

  • Am Standort besteht eine unmittelbare Gefahr.
  • Der sichere Rückweg ist noch eindeutig.
  • Eine breite Auffanglinie ist nah und gefahrlos erreichbar.
  • Wasser oder Schutz sind nachweisbar in sicherer Reichweite.

15. Häufige Fehler und klare Korrekturen

Marschzahl als Schrittzahl
Falsch. Marschzahl bezeichnet die Richtung in Grad. Schritte und Doppelschritte kontrollieren die Entfernung.
Kartenkurs direkt laufen
Missweisung und gegebenenfalls Gitterkonvergenz fehlen. Erst in den passenden magnetischen Kompasskurs umrechnen.
Kompass neben Elektronik
Handy, Magnetverschluss oder Metall können die Nadel ablenken. Mit Abstand und an einem zweiten Ort erneut messen.
Nordmarke verkehrt herum
Die Kapsellinien liegen parallel zum Gitter, zeigen aber nach Süden. Vor dem Ablesen die Nordrichtung der Karte prüfen.
Start und Ziel vertauscht
Der Marschpfeil zeigt zum Start. Kompasskante neu anlegen und die Gegenrichtung kontrollieren.
Zu lange Vormarke
Das Ziel verschwindet hinter Bewuchs oder Gelände. Kürzere Abschnitte mit eindeutiger Vorder- und Rückmarke wählen.
Fremden Schrittwert nutzen
Körpergröße, Tempo, Untergrund und Belastung unterscheiden sich. Eigene Werte auf 100 Metern ermitteln.
UTM falsch herum lesen
Immer zuerst nach rechts zum Ostwert, danach nach oben zum Nordwert. Stellenzahl und Zone kontrollieren.
Weg gilt als sicherer Standort
Neue Rückegassen und alte Karten erzeugen Fehlzuordnungen. Geländeform und weitere Merkmale müssen ebenfalls passen.
Widerspruch ignorieren
Fehlen erwartete Merkmale, wird sofort angehalten. Weiterlaufen macht aus einer kleinen Unsicherheit einen großen Standortfehler.

16. Praktischer Trainingsaufbau

Die Techniken werden zuerst auf bekanntem Gelände mit einer sicheren Kontrolle geübt. Das Ziel ist nicht, einmal zufällig richtig anzukommen, sondern Fehler früh zu erkennen und den eigenen Weg jederzeit erklären zu können.

Stufe 1 · Karte lesen

Maßstab, Äquidistanz, Legende und Nordrichtungen finden. Kuppen, Täler, Rücken, Sporne und Sättel auf Karte und im sichtbaren Gelände zuordnen.

Stufe 2 · Richtung übertragen

Kurze Kartenkurse bestimmen, Korrekturwert anwenden, Marschzahl einstellen und Ziel über eine Vormarke erreichen. Jede Richtung mit einer zweiten Methode kontrollieren.

Stufe 3 · Entfernung führen

Persönlichen Schrittwert auf mehreren Untergründen ermitteln. Schrittzahl, Gehzeit und Kontrollpunkte für kurze Abschnitte gemeinsam notieren.

Stufe 4 · Standort bestimmen

Geländepeilungen in die Karte übertragen, Kreuzpeilung mit zwei und drei Zielen durchführen und das Toleranzdreieck durch Geländeformen eingrenzen.

Stufe 5 · Fehler einbauen

Eine falsche Abzweigung, unpassende Marschzahl oder ausgelassene Kontrolle bewusst vorgeben. Danach feststellen, an welchem Merkmal der Fehler zuerst erkennbar war.

Material regelmäßig prüfen

  • Karte wasserdicht und gefaltet zugänglich halten
  • Ausdruck und Maßstabsbalken vergleichen
  • Kompassnadel auf freie Bewegung prüfen
  • größere Kapselblase und Beschädigungen beachten
  • Deklinationswert und Kartenjahr aktualisieren
  • Routenwerte mit Bleistift auf der Karte notieren
  • UTM-Zone und Kartenbezug kennzeichnen
  • persönliche Schrittwerte erneut kontrollieren
Belastbare Navigation: Richtung, Entfernung und Geländefolge müssen gleichzeitig zusammenpassen. Weichen zwei dieser drei Größen deutlich voneinander ab, wird nicht weitergerechnet, sondern am letzten bestätigten Punkt neu angesetzt.