Tierische Notnahrung – Fische, Flusskrebse und Weichtiere
Ein Gewässer kann in Mitteleuropa über längere Zeit Nahrung liefern, doch nicht alles, was sich fangen oder sammeln lässt, ist den Aufwand wert. Fische sind meist die beste Beute: Sie liefern verwertbares Fleisch, lassen sich mit einer einfachen Schnur fangen und können vollständig zu Brühe verarbeitet werden. Flusskrebse sind örtlich ergiebig, besitzen aber wenig Fleisch pro Tier. Süßwassermuscheln und Schnecken stehen deutlich dahinter, weil Ertrag, sichere Bestimmung und gesundheitliche Risiken ungünstig zusammenkommen.
Was sich am Gewässer wirklich lohnt
Bestes Verhältnis
Eine Leine arbeitet mit wenig Kraftaufwand. Auch kleine Weißfische ergeben zusammen eine brauchbare Mahlzeit und können samt Haut und sauberem Skelett ausgekocht werden.
Gut bei dichtem Bestand
Sie lassen sich nachts mit Köderschnur oder kleiner Falle fangen. Wirklich ergiebig werden sie erst, wenn mehrere Tiere in kurzer Zeit erreichbar sind.
Meist kein guter Tausch
Große Süßwassermuscheln sind vielfach geschützt und als Filtrierer problematisch. Kleine invasive Muscheln und Wasserschnecken liefern kaum Fleisch und sind schwer sicher zu beurteilen.
Wasser lesen, bevor Kraft verloren geht
Die Fangmethode ist selten das eigentliche Problem. Entscheidend ist, ob Köder oder Falle dort liegen, wo sich Tiere ohnehin bewegen. Zehn Minuten Beobachtung sparen häufig Stunden an einem leeren Platz. Achte auf springende Kleinfische, Ringe an der Oberfläche, jagende Barsche, trübe Fraßstellen, Krebsschalen am Ufer und Laufwege zwischen Deckung und tieferem Wasser.
Kleinfische: wenig Einzelmasse, aber schnell verfügbar
Rotauge, Rotfeder, Ukelei, kleine Brassen und junge Barsche stehen häufig näher am Ufer als große Fische. Der einzelne Fang ist klein, dafür braucht es weder eine starke Schnur noch einen großen Haken. Für Suppe sind mehrere handlange Fische oft wertvoller als stundenlanges Warten auf einen einzelnen großen Fisch.
Tuch als Hebefläche
Ein dichtes, reißfestes Tuch wird zwischen zwei langen Griffstangen befestigt. Zwei kurze Queräste halten die Fläche offen und formen beim Anheben eine flache Mulde. Einige Krümel, Wurmstücke oder Insektenlarven kommen in die Mitte. Sobald sich Fische darüber sammeln, wird das Tuch zügig und gleichmäßig angehoben. Das funktioniert am besten in einer ruhigen, höchstens knietiefen Bucht mit festem Stand.
Tuchzug in einer Engstelle
Zwei Personen führen die Stäbe dicht am Grund und ziehen das Tuch langsam durch eine schmale Schilflücke oder einen flachen Seitenarm. Die Unterkante muss den Boden berühren; sonst fliehen die Fische darunter. Kurz vor dem Ufer werden die Stäbe zusammengeführt und das Tuch muldenförmig angehoben.
Flaschenfalle
Bei einer großen PET-Flasche wird das obere Drittel abgetrennt, umgedreht und als Trichter eingesetzt. Kleine Löcher lassen Wasser und Geruch durch. Etwas Köder hinein, die Flasche mit Kies beschweren, mit einer Rückholschnur sichern und waagerecht an einer Krautkante ablegen. Die Öffnung muss so klein bleiben, dass nur Kleinfische hineingelangen.
Ein Tuchfang lohnt nur dort, wo tatsächlich Schwärme sichtbar sind. Wildes Herumwaten vertreibt die Fische, trübt das Wasser und kostet mehr Energie als der Fang bringt. Auch ein zu grobes Gewebe ist ungeeignet: Es wölbt sich stark, bewegt viel Wasser und lässt sich kaum schnell anheben.
Handleine und passive Uferleine
Eine echte Angelschnur und einige Haken wiegen fast nichts und sind für Notausrüstung kaum zu ersetzen. Fehlen sie, ist dünne, glatte und nassezugfeste Schnur besser als dicke Paketschnur. Ein brauchbarer Haken lässt sich aus dünnem Draht biegen. Ein gerader Dorn oder eine sogenannte Gorge muss tief geschluckt werden und fasst unzuverlässiger; sie ist nur eine Notlösung, wenn kein gebogener Haken hergestellt werden kann.
- Schnur prüfen: Knoten festziehen, kräftig ziehen und die letzten Zentimeter auf Scheuerstellen kontrollieren. An scharfem Stein oder Muschelbelag reißt auch gute Schnur schnell.
- Tiefe einstellen: Im Fluss den Köder knapp über dem Grund anbieten. Im Stillwasser zuerst Uferkante und Mittelwasser testen, später bei ausbleibenden Bissen tiefer gehen.
- Köder klein halten: Der Haken muss frei bleiben. Ein großes Köderstück wird häufig abgezupft, ohne dass der Fisch den Haken ins Maul bekommt.
- Leine sichern: Die passive Leine an einem elastischen Ast befestigen, nicht an losem Totholz. Ein kleiner Rindenanzeiger oder die Bewegung der Astspitze zeigt Zug.
- Regelmäßig kontrollieren: Köder erneuern, verhedderte Schnur ordnen und Fang rasch versorgen. Viele schlecht kontrollierte Leinen bringen weniger als zwei oder drei sauber gesetzte.
Köder aus der direkten Umgebung
Für Weißfische
Wurmstücke, kleine Larven, weiche Insekten, Brot, gekochtes Getreide oder ein fester Brei aus zerdrückten Samen. Sehr weicher Köder wird um den Hakenschenkel gedrückt.
Für Barsch und Döbel
Würmer, größere Insekten, Larven und kleine Fischstücke. Ein bewegter Köder kann reizen, doch ständiges Einholen kostet Kraft und verhakt sich leicht.
Für Aal am Abend
Wurm, Fischstück oder kräftig riechendes tierisches Material dicht am Grund. Die Schnur stärker wählen und nicht direkt in ein Wurzelgewirr legen.
Ein Blei ist nicht zwingend nötig. Ein gelochter Kiesel, ein Klemmspalt in einem kleinen Stein oder feiner Draht bringen den Köder nach unten. Als Schwimmer reichen trockenes Schilf, Rinde oder ein kleines Stück helles Holz. Der Abstand zwischen Gewicht und Haken sollte so groß sein, dass der Köder noch natürlich bewegt wird.
Fallen, Trichter und Leitsteine
Eine Falle spart nur dann Energie, wenn sie an einem natürlichen Laufweg steht. Das Grundprinzip ist immer gleich: Eine weite Öffnung führt in einen engeren Hals; Ködergeruch zieht Tiere hinein, die kleine Rücköffnung erschwert den Ausgang.
Korb- oder Flaschentrichter
Für Kleinfische genügt eine Flasche. Für größere Tiere lässt sich ein länglicher Korb aus biegsamen Weidenruten bauen und mit einem nach innen gerichteten Trichter schließen. Das Geflecht muss eng genug sein, die Öffnung zeigt nicht direkt in starke Strömung. Gewicht am Boden und eine sichere Rückholschnur verhindern Verlust.
Kurze Steinführung
In einem sehr flachen Seitenarm können zwei niedrige Reihen aus vorhandenen Steinen Fische zu einer engen Fangstelle oder einem Korb lenken. Die Reihen bilden ein weites V zur Strömung hin. Sie sollen lenken, nicht das gesamte Wasser aufstauen. Der Bau lohnt nur, wenn dort zuvor Fischbewegung gesehen wurde.
Warum Speeren meist enttäuscht
Vom Ufer täuscht die Lichtbrechung über die tatsächliche Lage des Fisches. Dazu kommen Fluchtreaktion, schlechte Sicht und rutschiger Grund. Speeren ist allenfalls in sehr klarem, flachem Wasser auf kurze Distanz sinnvoll; eine ruhende Leine arbeitet zuverlässiger und bindet weniger Zeit.
Fisch vollständig nutzen
Fisch verdirbt schnell, besonders bei warmem Wetter. Ein gefangener Fisch wird sofort getötet, ausgenommen und aus der Sonne gebracht. Ein kräftiger Schlag auf den Kopf macht ihn bewusstlos; anschließend werden die Kiemenbögen durchtrennt. Beim Öffnen des Bauchs die Gallenblase nicht verletzen. Kiemen, Darm und den dunklen Blutstrang entlang der Wirbelsäule entfernen, danach mit sauberem Wasser abspülen.
- Kleine Fische: Kopf und Kiemen entfernen oder den Kopf sauber auskochen. Bauch öffnen, Eingeweide herausnehmen und die Seiten bis zur Wirbelsäule einschneiden. In Brühe werden Fleisch und Fett genutzt; Gräten lassen sich danach leichter aussortieren.
- Größere Fische: In flache Stücke schneiden oder entlang der Wirbelsäule filetieren. Gleichmäßig dünne Teile garen zuverlässiger als ein dicker ganzer Fisch über hoher Flamme.
- Kochen: Ist ein Gefäß vorhanden, ist Suppe die sicherste und sparsamste Methode. Haut, saubere Abschnitte und das Skelett geben Fett und Mineralstoffe an die Brühe ab. Kiemen und Eingeweide gehören nicht hinein.
- Braten oder Glutgaren: Nur mäßige Hitze verwenden und den Fisch wenden. Außen verkohltes, innen glasiges Fleisch ist nicht durchgegart. An der dicksten Stelle muss es undurchsichtig sein und sich leicht von Gräte oder Wirbelsäule lösen.
- Räuchern: Warm- beziehungsweise Heißräuchern kann garen. Kalter Rauch allein macht rohen Süßwasserfisch nicht sicher. Zum Aufbewahren muss das Fleisch zusätzlich weitgehend trocknen und vor Fliegen geschützt bleiben.
Flusskrebse: nachts mit wenig Aufwand fangen
Flusskrebse sitzen tagsüber unter Steinen, Wurzeln, Totholz und in Uferhöhlen. In der Dämmerung laufen sie über flache Kies- und Schlammflächen. In Gewässern mit dichtem Bestand ist eine Köderschnur einfacher als eine gebaute Falle: Ein Stück Fisch wird so fest angebunden, dass der Krebs daran ziehen kann, ohne es sofort abzureißen.
Köderschnur
Den Köder vor einer Deckung ablegen und die Schnur leicht gespannt halten. Zieht ein Krebs, langsam bis in sehr flaches Wasser führen. Dort mit einer gegabelten Rute hinter ihm den Rückweg sperren und mit einem kleinen Tuch, Korb oder improvisierten Kescher aufnehmen. Über tiefem Wasser lässt er häufig los.
Kleine Krebsfalle
Ein flacher Korb mit trichterförmigem Eingang wird mit Fischresten beködert und zwischen Uferdeckung und offener Fraßfläche abgelegt. Eine Fallöffnung von oben funktioniert nur, wenn die Seiten rau genug zum Hochklettern sind. Häufig kontrollieren, denn Krebse finden Ausgänge, beschädigen sich gegenseitig oder fressen den Köder vollständig auf.
Unter Steinen suchen
Nur flache, einzeln bewegliche Steine vom Ufer aus anheben. Nicht blind in Löcher greifen. Der Krebs flieht mit schnellen Schlägen rückwärts; eine Astgabel hinter dem Schwanz blockiert diesen Weg besser als der Versuch, nach den Scheren zu greifen.
Verarbeiten
Nur lebende, kräftig reagierende Tiere verwenden. Bereits tot gefundene Krebse verderben unbemerkt. Sie werden vollständig gekocht, bis das Schwanzfleisch weiß und fest ist. Die rote Schalenfarbe allein zeigt nicht, ob das Innere ausreichend heiß war. Der größte Anteil sitzt im Schwanz; bei großen Tieren lohnt zusätzlich das Scherenfleisch. Den dunklen Darmfaden aus dem Schwanz entfernen. Der weiche Inhalt des Kopfbruststücks wird bei unbekannter Gewässerbelastung nicht gegessen.
Der Ertrag wird leicht überschätzt. Viele kleine Krebse können weniger Fleisch liefern als ein einziger mittelgroßer Fisch. Deshalb zuerst mit einer Köderschnur prüfen, ob mehrere Tiere innerhalb kurzer Zeit erscheinen, und erst dann eine Falle bauen.
Süßwassermuscheln und Schnecken richtig einordnen
Die aus Küstenratgebern bekannte Regel „geschlossene Muschel sammeln, geöffnete Muschel wegwerfen“ reicht im Binnenland nicht. Große Teich-, Fluss- und Bachmuscheln lassen sich leicht verwechseln; viele Bestände sind selten oder geschützt. Außerdem filtern Muscheln ständig Wasser und können Keime sowie Schadstoffe anreichern. Wässern leert höchstens einen Teil des Darminhalts und spült Sand aus – es entgiftet das Tier nicht.
Große Fluss- und Teichmuscheln
Trotz ihrer Größe keine vernünftige Zielbeute. Schwierige Bestimmung, häufig geschützte Arten, zähes Fleisch und unkalkulierbare Belastung sprechen gegen das Sammeln.
Zebra- und Quaggamuscheln
In vielen Seen massenhaft vorhanden, aber sehr klein. Die scharfkantigen Schalen verletzen leicht Hände und Füße; der geringe Fleischertrag rechtfertigt das Öffnen kaum.
Wasser- und Landschnecken
Arten sind schwer sicher zu unterscheiden und können Parasiten tragen. Weinbergschnecken sind zudem nicht einfach frei verfügbare Sammelnahrung. Nacktschnecken werden nicht verwendet.
Fangstrategie für einige Stunden oder mehrere Tage
Fischen ist eine Ergänzung, kein Grund, Rettung, Wärme, Trinkwasser oder einen sicheren Lagerplatz zu vernachlässigen. Passive Geräte sind deshalb besonders wertvoll: Sie arbeiten während Holz gesammelt, Wasser aufbereitet oder ein Signal vorbereitet wird. Ein aktiver Fangversuch erhält ein klares Zeitlimit. Bleibt jede Spur aus, wird die Stelle gewechselt.
Fehler, die Fang oder Mahlzeit kosten
- Fangen, bevor Fischbewegung oder Deckung erkannt wurde
- Den Köder größer wählen als das Maul der häufigsten Fische
- Den Haken vollständig im Köder verstecken
- Die Schnur über scharfe Steine oder Muschelbänke führen
- Zu viele schlecht kontrollierte Leinen setzen
- Eine Falle ohne feste Rückholschnur ablegen
- Im Fangbereich unnötig durchs Wasser laufen
- Fisch in Sonne oder warmem Uferwasser liegen lassen
- Räuchern mit vollständigem Durchgaren verwechseln
- Krebse verwenden, die bereits tot gefunden wurden
- Den roten Krebspanzer als Garprobe ansehen
- Muscheln durch Wässern für „entgiftet“ halten
