Nottoilette in einer Survivalsituation – Ausscheidungen sicher beherrschen
Sobald eine Gruppe keinen funktionierenden Sanitärplatz mehr hat, wird die Toilette zu einem Teil der medizinischen Vorsorge. Ein schlecht gewählter Platz bringt Fäkalien über Schuhe, Hände, Fliegen oder Regenwasser zurück zu Trinkwasser und Lebensmitteln. Das Problem ist nicht der Geruch, sondern die unsichtbare Übertragung von Krankheitserregern.
Eine gute Nottoilette muss deshalb nicht aufwendig aussehen. Sie muss zum Boden, zur Aufenthaltsdauer und zur Zahl der Personen passen. Vor allem braucht sie einen festen Ablauf: ein klarer Toilettenplatz, ein erreichbarer Handwaschplatz, getrennte Werkzeuge und eine Person, die bei einer Gruppe den Zustand regelmäßig prüft.
1) Zuerst das passende Verfahren wählen
Es gibt nicht die eine Nottoilette für jede Lage. Die Entscheidung fällt nach wenigen Beobachtungen: Funktioniert noch eine vorhandene Toilette? Kann der Abfall später sicher transportiert werden? Ist der Boden tief, trocken und gut grabbar? Bleibt eine einzelne Person nur kurz oder nutzt eine Gruppe den Platz mehrere Tage?
Ein tiefer Großgraben ist für eine kleine Gruppe selten die beste erste Lösung. Er kostet Kraft, wird schnell zur Stolperstelle und konzentriert sehr viel Material an einem Punkt. Mehrere kontrollierte Einzelstellen, eine flache abschnittsweise genutzte Rinne oder ein Behältersystem lassen sich meist sauberer führen.
2) Der Standort wird nach Wasserfluss und Boden gewählt
Die wichtigste Frage lautet: Wohin fließt Wasser nach starkem Regen? Senken, trockene Bachbetten, Rinnen am Hang, Uferböschungen und der Bereich unterhalb einer Quelle scheiden aus. Der Trinkwasserplatz liegt oberhalb beziehungsweise stromaufwärts, die Toilette deutlich davon getrennt und möglichst in einer anderen Abflusslinie. Auf flachem Gelände wird der Abstand so groß gewählt, wie es die Lage vernünftig zulässt.
Geruch lässt sich durch Abstand, Abdeckung und saubere Behälterführung besser beherrschen als allein durch die Windrichtung. Ein Platz im Windschatten kann angenehm sein, darf aber niemals wichtiger werden als trockener Boden und die Trennung vom Wasser.
3) Ein Einzelloch richtig anlegen und sofort schließen
Das kleine Einzelloch eignet sich für eine Person und eine einmalige Nutzung. Es liegt ungefähr eine Handspanne tief im dunklen Oberboden. Dort sind Feuchtigkeit, Sauerstoff und Bodenleben vorhanden. Tiefer ist nicht automatisch besser: Im hellen oder stark verdichteten Unterboden läuft der Abbau deutlich langsamer.
Das Loch wird nur so groß ausgehoben, dass die Ausscheidung vollständig hineinpasst und anschließend ausreichend Erde darüberliegt. Breite Krater und tiefe Schächte bringen keinen Vorteil. Wenn bereits nach wenigen Zentimetern Wasser, Fels oder grober Schotter erscheint, wird die Grabung beendet und auf Beutel oder Behälter gewechselt.
4) Beutel- und Behälterlösung bei ungeeignetem Boden
Ein stabiler Eimer, eine tragbare Toilette oder ein ähnlicher Behälter ist in vielen länger dauernden Notlagen leichter zu kontrollieren als eine Grabung. Der Behälter braucht einen sicheren Stand, einen dicht schließenden Deckel und einen reißfesten Innenbeutel. Ein zweiter äußerer Beutel schützt beim Transport, falls der Innenbeutel beschädigt wird.
So wird der Behälter vorbereitet
- Der Eimer wird auf festen, waagerechten Boden gestellt. Eine einfache Sitzauflage erleichtert die Nutzung, darf aber keine scharfen Kanten haben.
- Der Innenbeutel wird weit über den Rand gezogen, damit er nicht hineinrutscht. Bei dünnen Müllbeuteln werden zwei Beutel ineinandergesetzt.
- Etwas trockenes saugfähiges Material am Boden bindet Flüssigkeit. Geeignet sind beispielsweise trockenes Sägemehl, zerrissenes Papier oder dafür vorgesehenes Bindemittel.
- Nach jeder Nutzung kommt nur so viel trockenes Material darüber, dass die Oberfläche bedeckt ist. Der Deckel wird sofort geschlossen.
- Der Beutel wird gewechselt, bevor er schwer, randvoll oder kaum noch sicher zuzubinden ist. Der verschlossene Innenbeutel kommt in den unbeschädigten Außenbeutel.
Reinigungsmittel, Asche, Kalk und andere Chemikalien werden nicht wahllos in den Behälter gegeben. Sie können Beutel und Haut angreifen, problematische Dämpfe bilden oder eine spätere Behandlung erschweren. Besonders chlorhaltige Reiniger dürfen nicht mit anderen Mitteln gemischt werden.
5) Toilette für Familie oder Gruppe organisieren
Bei mehreren Personen entscheidet weniger die Bauform als die Führung. Ein unklarer Platz wird bald an mehreren Stellen genutzt; Papier liegt offen, Kinder laufen durch den Bereich und niemand fühlt sich für Wasser oder Abdeckung zuständig. Deshalb gibt es genau einen freigegebenen Weg, einen Handwaschplatz am Ausgang und eine eindeutig benannte Person, die Material und Zustand kontrolliert.
Kleine Gruppe, kurzer Aufenthalt
Geeignet sind getrennte Einzellöcher oder ein Behälter. Jede Person erhält Papier und einen kleinen Abfallbeutel. Benutzte Stellen werden nicht erneut geöffnet.
Kleine Gruppe, mehrere Tage
Ein Eimer- oder Beutelsystem ist gut kontrollierbar. Bei geeignetem Boden kann eine flache Rinne abschnittsweise genutzt werden: immer nur ein kurzer Abschnitt offen, nach jeder Nutzung Erde darüber.
Größere Gruppe
Mehrere Toilettenplätze verhindern Warteschlangen und Ausweichstellen. Frauen, Kinder, ältere Menschen und Verletzte müssen den Platz sicher erreichen und nutzen können.
Längerer fester Standort
Der Platz braucht Sichtschutz, eine trittsichere Sitz- oder Hockhilfe, Regenabdeckung, tägliche Kontrolle, Verbrauchsmaterial und einen festgelegten Wechsel- oder Entleerungsplan.
Bei einer flachen Gruppenrinne wird von einem Ende zum anderen gearbeitet. Nur die gerade benötigte Stelle bleibt zugänglich; nach der Nutzung wird sie sofort mit der bereitliegenden Erde bedeckt. Die Rinne wird nicht bis zum Rand gefüllt. Sobald eine sichere Erdüberdeckung nicht mehr möglich ist, wird sie geschlossen und ein neuer Platz eröffnet.
Eine tiefe Grube mit improvisiertem Sitz benötigt eine stabile Einfassung und Schutz gegen Absturz. Fehlen Holz, Werkzeug oder Zeit für einen belastbaren Aufbau, bleibt die flache abschnittsweise Nutzung oder ein Behälter die sicherere Lösung.
6) Die Sanitärzone im Lager aufbauen
Der Ablauf verläuft immer von sauber nach schmutzig und anschließend über die Handwäsche zurück. Trinkwasserbehälter werden niemals in die Toilettenzone getragen. Benötigtes Waschwasser steht in einem eigenen, klar erkennbaren Behälter.
Ein einfacher Handwaschplatz funktioniert mit einem Kanister, einer Flasche mit kleinem Auslauf oder einem aufgehängten Behälter, der nur wenig Wasser abgibt. Das Abwasser versickert auf einer dafür vorgesehenen Stelle und läuft weder zum Trinkwasser noch über den Toilettenweg. Ein Fußhebel oder eine Kippvorrichtung verringert die Zahl der berührten Flächen, ist aber keine Voraussetzung.
7) Hände, Werkzeuge und Oberflächen sauber halten
Nach dem Toilettengang und nach jeder Arbeit an Behältern werden die Hände mit Wasser und Seife gründlich gewaschen. Das gilt ebenso vor der Zubereitung von Lebensmitteln, vor dem Essen und vor der Versorgung einer Wunde. Sichtbarer Schmutz wird zuerst abgewaschen; Alkoholgel verteilt ihn lediglich und erreicht nicht alle Erreger zuverlässig.
- Seife, Wasser und ein sauberes Trockentuch oder Lufttrocknung bilden die erste Wahl.
- Händedesinfektionsmittel ist eine Zwischenlösung, wenn Waschen gerade nicht möglich ist. Gegen manche Durchfallerreger ist es deutlich weniger wirksam als gründliches Händewaschen.
- Handschuhe schützen nur während einer einzelnen schmutzigen Arbeit. Nach dem Ausziehen werden die Hände trotzdem gewaschen.
- Schaufel, Eimerdeckel, Sitzauflage und Transportbox werden als schmutzige Gegenstände behandelt. Sie kommen nicht in die Nähe von Kochgeschirr.
- Offene Schnitte und aufgeweichte Haut werden vor der Arbeit wasserdicht abgedeckt.
8) Durchfall und Erbrechen verändern den gesamten Ablauf
Bei Durchfall oder Erbrechen steigt das Ansteckungsrisiko stark. Die erkrankte Person nutzt möglichst einen eigenen Behälter oder einen klar getrennten Toilettenplatz. Sie bereitet keine Speisen für andere zu und greift nicht in gemeinsame Trinkwasserbehälter. Wenn Betreuung nötig ist, übernimmt sie möglichst immer dieselbe Person.
Bei Norovirus und ähnlichen Magen-Darm-Infektionen reicht Händedesinfektionsmittel allein nicht aus. Wasser und Seife, getrennte Gegenstände und das sofortige Entfernen von Verunreinigungen sind dann besonders wichtig.
9) Papier, Windeln und Menstruationsprodukte
Alles, was nicht Ausscheidung und Erde ist, wird als Abfall behandelt. Feuchttücher bleiben lange stabil, Windeln quellen auf und Menstruationsprodukte lassen sich in einem kleinen Erdloch weder zuverlässig abdecken noch kontrollieren. Jeder Toilettenplatz braucht deshalb einen dichten Beutel nur für diese Materialien.
Toilettenpapier
Sparsam verwenden und in einem undurchsichtigen, verschließbaren Beutel sammeln. Ein kleiner Innenbeutel erleichtert später das saubere Verpacken.
Feuchttücher
Immer getrennt mitnehmen. Auch als „abbaubar“ bezeichnete Tücher bleiben im Boden lange erhalten und werden von Tieren freigelegt.
Windeln und Einlagen
Fäkalreste möglichst in die Toilette geben, das Produkt einrollen und dicht verpacken. Für Pflegebedürftige wird zusätzlicher Beutelvorrat eingeplant.
Menstruationsprodukte
Diskrete, undurchsichtige Beutel, Wasser zur Reinigung und ein sicherer Wechselplatz gehören von Anfang an zur Sanitärplanung.
Blätter, Moos und andere Naturmaterialien bergen zusätzliche Risiken: unbekannte Pflanzen, Dornen, Pilzbefall und kleine Verletzungen. Sie sind kein gleichwertiger Ersatz für mitgeführtes Papier. Schnee kann reinigen, führt aber rasch zu kalten, nassen Händen und ersetzt ebenfalls nicht die anschließende Handwäsche.
10) Urin getrennt handhaben
Urin füllt einen Behälter schnell und macht eine Erdlatrine nass. Bei gesunden Personen kann deshalb ein eigener Urinplatz sinnvoll sein. Er liegt ebenfalls fern von Wasser, Küche, Wegen und Schlafplätzen. Der Untergrund muss Flüssigkeit aufnehmen können; eine Mulde, in der Urin stehen bleibt, ist ungeeignet.
Bei einer größeren Gruppe wird der Urinplatz gewechselt, bevor Boden und Vegetation sichtbar überlastet sind. Bei Krankheit, Pflege oder unsauberer Trennung können fäkale Verunreinigungen enthalten sein; dann gilt dieselbe sorgfältige Handhygiene wie an der Toilette. In Hochwasser, auf Fels oder in dicht genutzten Notunterkünften ist ein geschlossener Sammelbehälter meist besser kontrollierbar.
11) Vorgehen bei schwierigen Böden und Wetterlagen
Hochwasser und nasser Boden
Keine Grube anlegen. Ausscheidungen in Beuteln oder Behältern sammeln und oberhalb des Wassers lagern. Der Platz muss auch bei weiter steigendem Pegel erreichbar bleiben.
Schnee und Frost
Nicht in Schnee oder Eis vergraben. Beim Tauen wird das Material wieder freigelegt oder mit Schmelzwasser verteilt. Behälter und Doppelsack verwenden.
Fels, Karst und Schotter
Spalten sind keine Toilette. Wasser kann darin sehr schnell und ungefiltert weiterlaufen. Die Ausscheidungen werden vollständig aufgefangen.
Trockene, heiße Gebiete
Der Abbau läuft langsam, Wind legt flache Ablagen wieder frei. Behälter oder Doppelsack sind zuverlässiger. Volle Beutel bleiben schattig und gegen Tiere geschützt.
Heiß und feucht
Fliegen und Geruch nehmen rasch zu. Nach jeder Nutzung sofort abdecken, Deckel schließen, Kontaktflächen reinigen und den Platz häufiger kontrollieren.
Starkregen am Hang
Seitliche Rinnen und scheinbar trockene Mulden werden schnell zu Wasserwegen. Toilettenplatz aus der Abflusslinie verlegen und geschlossene Behälter sichern.
12) Nachtbetrieb, Kinder und geschwächte Personen
Viele Hygienefehler entstehen nachts: Der Weg ist zu weit, Papier fehlt oder eine Person hält sich im Dunkeln an schmutzigen Flächen fest. Eine kleine, nach unten gerichtete Leuchte am Weg und am Toilettenplatz reicht aus. Stolpernde Schnüre, offene Löcher und steile Böschungen gehören nicht auf die Route.
- Kinder gehen je nach Alter nicht allein. Die Begleitperson zeigt anschließend direkt die Handwäsche.
- Für Verletzte oder Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit wird ein stabiler Sitz nahe genug am Lager aufgebaut. Ein Behälter ist hier meist sicherer als eine entfernte Grube.
- Ein Deckeleimer im geschützten Bereich kann nachts als Zwischenlösung dienen. Er wird am Morgen kontrolliert, verschlossen und an den vorgesehenen Lagerplatz gebracht.
- Privatsphäre wird durch Plane, Decke oder natürliche Deckung geschaffen. Der Sichtschutz darf weder Fluchtweg noch Aufsicht vollständig blockieren.
13) Platz wechseln und alte Toilette schließen
Eine Toilette wird geschlossen, bevor sie überläuft, der Boden aufweicht, Fliegen zunehmen oder sichere Abdeckung fehlt. Bei Behältern zählt die sichere Handhabung: Lieber häufiger einen leichteren Beutel wechseln als einen schweren, instabilen Beutel zu heben. Bei Erdstellen muss genug sauberer Aushub vorhanden bleiben, um die Oberfläche vollständig zu schließen.
Ein geschlossenes Einzelloch wird verfüllt und angetreten. Bei einer Rinne wird der letzte Abschnitt mit der restlichen Erde bedeckt und die Oberfläche so hergestellt, dass kein Regenwasser darin stehen bleibt. Innerhalb der Gruppe wird der alte Platz markiert oder in einer Lagerskizze vermerkt. Der neue Platz erhält sofort wieder Materialpunkt, Handwäsche und einen eindeutigen Weg.
14) Häufige Probleme und direkte Korrekturen
15) Kurze Einsatzkontrolle
- Toilettenverfahren passt zu Boden, Wasserstand, Aufenthaltsdauer und Personenzahl.
- Trinkwasser, Küche und Schlafplätze liegen außerhalb von Weg und Abflusslinie der Toilette.
- Papier, dichte Abfallbeutel, Schaufel, Beleuchtung und Reservematerial sind am richtigen Platz.
- Der Handwaschplatz am Ausgang enthält Wasser und Seife; ein Vorrat steht bereit.
- Kinder, Kranke und Verletzte können die Toilette sicher erreichen und benutzen.
- Volle Beutel und schmutzige Werkzeuge sind klar von Lebensmitteln und Kochzeug getrennt.
- Bei Durchfall oder Erbrechen gibt es eine eigene Toilette, eigene Gegenstände und engere Kontrollen.
- Der Wechsel des Platzes oder Behälters erfolgt, bevor Überfüllung und Verschmutzung beginnen.
