Körperhygiene in einer Survivalsituation – Infektionen, Hautschäden und Ausfälle verhindern
Körperhygiene ist in einer Notlage keine Frage des Komforts. Saubere Hände unterbrechen die Übertragung von Durchfallerregern, trockene Füße erhalten die Gehfähigkeit, gepflegte Haut bleibt eine Barriere gegen Keime und eine gereinigte Wunde entzündet sich seltener. Bereits kleine Versäumnisse können aus einer beherrschbaren Lage ein medizinisches Problem machen.
Eine vollständige Körperwäsche steht dabei nicht an erster Stelle. Wenn Wasser, Zeit und Kraft knapp sind, werden zuerst die Tätigkeiten abgesichert, bei denen Keime in Mund, Nahrung, Trinkwasser oder Wunden gelangen können. Danach folgen Füße, Hautfalten, Zähne, Intimbereich und Kleidung. Entscheidend ist eine kurze Routine, die auch bei Kälte, Erschöpfung und Dunkelheit funktioniert.
1) Was in einer Notlage tatsächlich krank macht
Das größte Hygienerisiko entsteht, wenn kleinste Mengen von Ausscheidungen über Finger, Kochgeschirr, Wasserbehälter oder Lebensmittel in den Mund gelangen. Eine Person mit Erbrechen oder Durchfall kann eine Gruppe zusätzlich über gemeinsam benutzte Flaschen, Handtücher und Kontaktflächen anstecken. Händedesinfektionsmittel hilft gegen viele Erreger, ersetzt nach dem Toilettengang aber keine gründliche Wäsche mit Wasser und Seife.
Daneben wirken Feuchtigkeit, Reibung und Schmutz. Aufgeweichte Haut reißt leichter ein, Sand im Schuh erzeugt Blasen, verschwitzte Hautfalten entzünden sich und kleine Schnittwunden werden unter einem nassen Verband zum Keimherd. Kälte verschärft das Problem: Wer für eine Körperwäsche auskühlt, verliert mehr, als durch die Reinigung gewonnen wird.
Hände, Wasser, Nahrung
Die wirksamsten Barrieren sind saubere Hände, geschütztes Trinkwasser, getrennte Gefäße und eine Toilette außerhalb von Küche und Wasserstelle.
Nässe, Reibung, Schmutz
Reinigung allein genügt nicht. Die Haut muss danach trocknen können; Wunden benötigen eine saubere Abdeckung und regelmäßige Kontrolle.
Füße, Zähne, Schlaf
Schmerzende Füße, Zahnentzündung oder dauerhaft feuchte Kleidung schränken Bewegung, Schlaf und Entscheidungsfähigkeit ein.
Sauber und keimfrei sind nicht dasselbe
Im Feld entsteht keine sterile Umgebung. Das ist auch nicht erforderlich. Ziel ist eine klare Trennung zwischen möglichst sauber und bereits verunreinigt. Ein gespülter Becher kann für Trinkwasser geeignet sein, während derselbe Becher nach Kontakt mit Waschlappen oder Wundsekret nicht mehr in den sauberen Bereich gehört. Diese einfache Trennung ist wichtiger als eine große Sammlung verschiedener Pflegemittel.
2) Waschplatz und Lager in saubere Bereiche teilen
Ein funktionierendes Lager trennt Trinkwasser, Küche, Körperwäsche, Wundversorgung, Abfall und Toilette. Die Bereiche dürfen sich nicht über Wege, ablaufendes Wasser oder gemeinsam benutzte Gefäße gegenseitig verunreinigen. Der Toilettenbereich liegt so, dass Niederschlag nichts in Richtung Wasserentnahme, Küche oder Schlafplatz transportiert.
Der Waschplatz braucht keine aufwendige Konstruktion. Ein aufgehängter Wasserbeutel oder eine Flasche mit sparsamem Auslass ermöglicht fließendes Wasser, ohne dass schmutzige Hände den Vorrat berühren. Seife, sauberes Tuch und Abfallbeutel bleiben trocken und griffbereit. Benutztes Waschwasser wird dort verteilt, wo es weder eine Wasserquelle noch den Lagerboden oder den Toilettenbereich erreicht.
Gefäße eindeutig zuordnen
Ein Behälter dient nur der Entnahme von sauberem Wasser. Eine zweite Schüssel kann für Körperwäsche oder Kleidung verwendet werden. Wundspülung wird direkt aus einer sauberen Flasche durchgeführt. In der Gruppe helfen Farbe, Form oder eine fühlbare Markierung, damit die Zuordnung auch bei wenig Licht bestehen bleibt.
3) Handhygiene: die wichtigste Einzelmaßnahme
Hände werden nach der Toilette, nach Kontakt mit Ausscheidungen oder Erbrochenem und vor jeder Tätigkeit gereinigt, bei der etwas in Mund oder Wunde gelangen kann. Dazu gehören Kochen, Essen, Wasserbehandlung, Medikamentengabe, Kontaktlinsen und Verbandwechsel. Auch nach dem Ausziehen von Einmalhandschuhen ist eine Reinigung nötig.
Waschen mit wenig Wasser
- Hände kurz anfeuchten und den Wasserfluss stoppen.
- Seife auf Handflächen, Handrücken, Fingerzwischenräume, Daumen, Fingerspitzen und den Bereich unter den Nägeln verteilen.
- Mindestens 20 Sekunden gründlich reiben.
- Mit sauberem, fließendem Wasser abspülen. Das Auslassventil wird nicht mit den bereits gereinigten Fingern verschmutzt.
- An der Luft oder mit einem persönlichen sauberen Tuch trocknen. Ein dauerhaft feuchtes Gemeinschaftshandtuch verteilt Keime erneut.
Wann Händedesinfektionsmittel reicht – und wann nicht
Ein alkoholisches Mittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol ist eine gute Zwischenlösung, wenn kein Wasser verfügbar und die Haut nicht sichtbar schmutzig oder fettig ist. Verwenden Sie genug, um alle Flächen bis zum Trocknen feucht zu halten. Nach Toilettengang, Erbrechen, Durchfall, Kontakt mit Erde oder sichtbar verschmutzten Händen bleibt Waschen mit Seife die zuverlässigere Maßnahme. Gegen Noroviren wirkt Handdesinfektion allein nicht ausreichend.
Feuchttücher entfernen einen Teil des Schmutzes, ersetzen aber weder Seife noch ein geeignetes Desinfektionsmittel. Sie können sinnvoll sein, um groben Schmutz vor der Desinfektion abzunehmen. Danach gehören sie in einen geschlossenen Abfallbeutel.
4) Waschen bei knappem Wasser
Starre Literangaben helfen in einer Notlage wenig. Wasserbedarf hängt von Hitze, Kälte, Krankheit, Belastung und verfügbarer Quelle ab. Trinken, Zubereitung lebenswichtiger Nahrung und Wundspülung dürfen nicht durch eine Ganzkörperwäsche gefährdet werden. Gleichzeitig ist es falsch, Hygiene vollständig einzustellen: Eine gezielte Wäsche der entscheidenden Bereiche benötigt nur kleine, getrennte Portionen.
Sehr wenig Wasser
- Hände zu den kritischen Zeitpunkten
- Zähne und Mund
- Wunden und verschmutzte Verbände
- Füße, Leiste und stark scheuernde Bereiche
- Gesicht nur bei Schmutz, Salz oder Augenreizung
Ausreichend Wasser
- kurze Tuchwäsche in festgelegter Reihenfolge
- Unterwäsche und Socken spülen
- Waschlappen nach jeder Nutzung reinigen und trocknen
- Koch- und Trinkgefäße getrennt behandeln
- Reserve für Erkrankung oder Wundversorgung zurückhalten
Reihenfolge der Tuchwäsche
Beginnen Sie mit Gesicht und Hals, danach folgen Oberkörper und Achseln. Leiste, Gesäß und Füße kommen zuletzt. Für Gesicht und Intimbereich sind getrennte Tücher ideal. Ist nur eines vorhanden, wird es nach jeder Nutzung gründlich mit Seife gereinigt, ausgespült und vollständig getrocknet. Ein feuchter Lappen, der zusammengerollt im Beutel liegt, wird selbst zum Hygieneproblem.
Kälte verändert die Priorität
Bei niedriger Temperatur wird nur in einem windgeschützten Bereich gewaschen. Legen Sie trockene Kleidung und Handtuch vorher bereit und reinigen Sie Körperabschnitte nacheinander, statt den gesamten Körper freizulegen. Wenn Zittern beginnt oder trockene Kleidung fehlt, wird die Wäsche abgebrochen. Trocknung und Wärmeerhalt stehen dann vor zusätzlicher Reinigung.
5) Fußhygiene: Beweglichkeit erhalten
Füße sind in einer längeren Survivalsituation ein kritisches System. Nasse Haut quillt auf, wird empfindlich und reißt leichter. Sand, Falten in der Socke und schlecht sitzende Schuhe verstärken die Reibung. Schon eine kleine Blase verändert den Gang und kann Knie, Hüfte oder den unverletzten Fuß überlasten.
Routine bei jeder längeren Pause
- Schuhe öffnen und Fremdkörper, Falten sowie feuchte Stellen prüfen.
- Socken ausziehen, Füße reinigen und besonders zwischen den Zehen trocknen.
- Einlegesohlen herausnehmen; Schuhe weit öffnen und luftig unterstellen.
- Trockene Socken anziehen. Das feuchte Paar getrennt aufhängen und nicht im Rucksack einschließen.
- Rötung, Druckstelle oder Brennen sofort entlasten und abkleben, bevor eine Blase entsteht.
- Nägel kurz und gerade halten; eingerissene Kanten glätten, statt sie abzureißen.
Aufgeweichte oder kältegeschädigte Füße
Schmerz, Schwellung, Taubheit, ungewöhnliche Blässe oder fleckige Verfärbung nach langer Nässe sind mehr als ein Komfortproblem. Beenden Sie die weitere Durchnässung, entfernen Sie enge nasse Schuhe und Socken, trocknen Sie vorsichtig und lagern Sie die Füße erhöht. Nicht kräftig reiben, massieren oder direkt an Feuer, Heizstein oder sehr heißem Wasser erwärmen. Bei anhaltender Taubheit, deutlicher Schwellung, Blasenbildung oder Verfärbung ist medizinische Hilfe nötig.
6) Hautfalten, Reibung und Körpergeruch
Körpergeruch selbst ist selten das Hauptproblem. Kritisch sind Salz, Feuchtigkeit und Reibung in Achseln, Leiste, Gesäßfalte, unter Brust oder BH-Band, am Hüftgurt und zwischen den Oberschenkeln. Reinigen Sie diese Bereiche gezielt und lassen Sie sie vollständig trocknen, bevor Kleidung oder Tragesystem wieder anliegen.
Eine dünne Schicht geeigneter Barriere- oder Reibschutzcreme kann auf intakter Haut helfen. Dick aufgetragene Creme auf feuchter, verschmutzter Haut schließt dagegen Nässe ein. Puder gehört nicht in offene Wunden und sollte nicht eingeatmet werden. Brennende Rötung, nässende Stellen, unangenehmer Geruch oder kleine Pusteln sprechen dafür, Belastung zu reduzieren und die Stelle häufiger zu kontrollieren.
Insektenstiche und Kratzstellen
Aufgekratzte Stiche sind kleine Wunden. Reinigen Sie die Stelle, halten Sie Fingernägel kurz und decken Sie stark beanspruchte Bereiche locker ab. Wenn ein Stich rasch anschwillt, die Rötung wandert, rote Linien entstehen oder allgemeines Krankheitsgefühl hinzukommt, ist das keine normale Hautpflege mehr.
7) Kleine Wunden sauber versorgen
Bei einer verschmutzten Schnitt- oder Schürfwunde ist reichliches Spülen wichtiger als routinemäßiges Einbringen eines Desinfektionsmittels. Verwenden Sie Trinkwasser oder entsprechend aufbereitetes klares Wasser. Ein kleiner Strahl aus einer Flasche entfernt Erde und lose Fremdkörper, ohne dass die Wunde mit Fingern ausgewischt wird.
- Blutung kontrollieren: Mit sauberer Kompresse direkten Druck ausüben. Starke oder nicht stoppende Blutung hat Vorrang vor Reinigung.
- Hände und Arbeitsfläche reinigen: Handschuhe verwenden, wenn vorhanden. Sterilität ist nicht erreichbar; sauber und geordnet genügt.
- Spülen: Sichtbaren Schmutz mit reichlich sauberem Wasser auswaschen. Wasserstoffperoxid, Alkohol und aggressive Zusätze gehören nicht in die offene Wunde.
- Fremdkörper beurteilen: Nur lose, oberflächliche Teile mit sauberer Pinzette entfernen. Tief sitzende oder größere Gegenstände bleiben bis zur medizinischen Versorgung unangetastet.
- Abdecken: Eine nicht verklebende saubere Auflage schützt vor Schmutz und Reibung. Durchfeuchtete oder verschmutzte Verbände wechseln.
- Kontrollieren: Schmerz, Rötung, Schwellung, Wärme, Sekret, Geruch und Beweglichkeit mindestens täglich vergleichen.
Wann eine kleine Wunde nicht mehr klein ist
Tiefe Stichwunden, Bissverletzungen, offene Brüche, starke Verschmutzung, Fremdkörper, Funktionsverlust, Gefühlsstörung und Wunden an Auge, Hand, Gelenk oder Genitalbereich benötigen frühzeitig professionelle Versorgung. Zunehmende Rötung, Eiter, Fieber, rote Streifen oder rasch stärker werdender Schmerz sind Zeichen einer möglichen Infektion.
8) Mund- und Zahnhygiene
Zahnschmerzen können Schlaf, Nahrungsaufnahme und Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen. Putzen Sie die Zähne morgens und abends mit einer kleinen Menge fluoridhaltiger Zahnpasta und sauberem Wasser. Das Wasser darf nicht aus einer Quelle stammen, die auch für die Körperwäsche als unsicher gilt.
Fehlt eine Zahnbürste, kann vorübergehend ein sauberes weiches Tuch über dem Finger Beläge von erreichbaren Zahnflächen entfernen. Holzsplitter, Draht oder scharf geschnitzte Stäbchen verletzen Zahnfleisch und schaffen neue Eintrittsstellen. Zahnbürsten werden getrennt gelagert und nicht geteilt.
Warnzeichen im Mund
Eine zunehmende Schwellung von Zahnfleisch, Wange oder Hals, Fieber, Eiteraustritt, Schluckbeschwerden oder eingeschränkte Mundöffnung können auf eine ausbreitende Entzündung hinweisen. Besonders Schwellung am Mundboden und Atemprobleme verlangen sofortige Hilfe.
9) Intimhygiene und Menstruation
Für die tägliche Reinigung genügt sauberes Wasser. Gewaschen werden die äußeren Bereiche; aggressive oder stark parfümierte Produkte und innere Spülungen reizen Schleimhäute. Nach der Reinigung vollständig trocknen und feuchte Unterwäsche wechseln. Beim Toilettengang wird von vorne nach hinten gereinigt, damit Darmkeime nicht in Richtung Harnröhre gelangen.
Menstruationsprodukte in einer Notlage
Das geeignete Produkt ist dasjenige, dessen Anwendung bereits vertraut ist und für das Wasser, Privatsphäre, Trocknung und Entsorgung gesichert werden können. Vor und nach jedem Wechsel Hände reinigen. Einwegprodukte kommen nach Gebrauch in einen undurchsichtigen, dicht schließenden Beutel. Wiederverwendbare Einlagen benötigen gründliche Wäsche und vollständige Trocknung; feucht verpacktes Material wird nicht erneut verwendet.
Eine Menstruationstasse spart Abfall, setzt aber saubere Hände und sicheres Spülwasser voraus. Während der Nutzung wird sie nach Herstellerangabe geleert und gespült; am Ende des Zyklus wird sie entsprechend der Produktanweisung ausgekocht. Ist diese Hygiene nicht möglich, kann ein Einwegprodukt vorübergehend die sicherere Lösung sein.
10) Toilette und Ausscheidungen sicher beherrschen
Ausscheidungen müssen zuverlässig von Trinkwasser, Lebensmitteln, Kochgeschirr und Händen getrennt bleiben. Ein pauschaler Abstand allein garantiert das nicht. Geländeform, Fließrichtung, Hochwasser, Grundwasser und Boden entscheiden, ob eine Stelle geeignet ist. Oberhalb einer Wasserentnahme, in Ufernähe, in trockenen Bachbetten und in Flutrinnen wird keine Toilette angelegt.
Einzelperson oder kurze Notlage
In geeignetem tiefem Boden kann eine einzelne kleine Grube genutzt und anschließend vollständig mit Erde verschlossen werden. In felsigem Gelände, auf gefrorenem Boden, bei hohem Grundwasser, Überschwemmung oder dichter Belegung ist ein stabiler, auslaufsicherer Beutel die kontrollierbarere Lösung. Papier, Feuchttücher und Hygieneprodukte werden verschlossen gesammelt, wenn sie nicht sicher mit dem übrigen Inhalt behandelt werden können.
Gruppe oder längerer Aufenthalt
Für eine Gruppe wird früh ein gemeinsamer, klar markierter Toilettenbereich mit Sichtschutz und Handwaschplatz eingerichtet. Ein definierter Zugang verhindert, dass benutzte Flächen überquert werden. Erde zum Abdecken und ein ausschließlich dort eingesetztes Werkzeug bleiben am Platz. Wenn Boden oder Wasserlage keine sichere Grube erlauben, werden Ausscheidungen in verschließbaren Behältern oder Beuteln gesammelt.
Der Handwaschplatz gehört an den Ausgang
Seife und Wasser stehen dort, wo der Toilettenbereich verlassen wird. Das ist wirksamer als ein Waschplatz irgendwo im Lager. Das Toilettenwerkzeug berührt weder Küche noch Feuerholzablage und wird nicht für andere Arbeiten eingesetzt.
11) Trinkgefäße, Kochgeschirr und Nahrung
Körperhygiene endet nicht an der Haut. Viele Infektionen entstehen, weil gereinigte Hände anschließend einen verschmutzten Flaschenverschluss, Löffel oder Schneidbereich berühren. Trinkflaschen werden nicht geteilt. Deckel und Gewinde bleiben sauber, und Restwasser aus einem persönlichen Trinkgefäß wird nicht in den gemeinsamen Vorrat zurückgegossen.
- Eine Person mit Durchfall oder Erbrechen bereitet keine Nahrung für die Gruppe zu.
- Rohes und verzehrfertiges Essen werden mit getrennten Flächen oder zeitlich getrennt verarbeitet.
- Löffel zum Probieren kommen nicht erneut in den gemeinsamen Topf.
- Spüllappen werden nach Nutzung gereinigt, getrocknet und nicht für Körper oder Wunden verwendet.
- Lebensmittel und Geschirr bleiben vor Fliegen, Nagern, Bodenwasser und Toilettenwerkzeug geschützt.
Sauberes Wasser sauber halten
Aufbereitetes Wasser kommt in einen gereinigten, geschlossenen Behälter. Entnommen wird durch Ausgießen oder einen Hahn. Ein gemeinsamer Becher, der immer wieder in den Vorrat taucht, macht die vorherige Wasseraufbereitung teilweise zunichte.
12) Kleidung und Schlafsystem als Teil der Hygiene
Direkt am Körper getragene Kleidung nimmt Schweiß, Hautfett und Schmutz auf. Wenn Waschen nicht möglich ist, bringen Ausschütteln, Auslüften und vollständiges Trocknen bereits einen großen Gewinn. Besonders Unterwäsche und Socken werden gewechselt, bevor feuchte Stellen die Haut aufweichen.
Feucht werden lassen, dann trocknen
Die Tagschicht darf beansprucht werden, wird in Pausen aber geöffnet und gelüftet. Nasse Kleidung liegt nicht zusammengedrückt im Schlafbereich.
Nur für Ruhe und Schlaf
Eine trockene körpernahe Schicht bleibt verpackt. Sie schützt in der Nacht und wird nicht für unnötige Arbeiten im Regen geopfert.
Feuchtigkeit täglich herauslassen
Öffnen, wenden und lüften, sobald die Lage es zulässt. Nasse Füße, Schuhe und verschmutzte Kleidung bleiben außerhalb.
Offen trocknen
Nach Gebrauch reinigen, auswringen und luftig aufhängen. Persönliche Tücher werden nicht innerhalb der Gruppe getauscht.
13) Wenn in der Gruppe Erbrechen oder Durchfall beginnt
Jetzt entscheidet Organisation. Die erkrankte Person erhält ein eigenes Trinkgefäß, eigenes Handtuch und möglichst einen getrennten Schlaf- und Toilettenbereich. Sie bereitet keine Nahrung zu und fasst den gemeinsamen Wasservorrat nicht an. Eine feste gesunde Person übernimmt Versorgung und achtet konsequent auf Händewaschen.
- Flüssigkeit sichern: Kleine, häufige Mengen einer geeigneten Rehydratationslösung anbieten, sofern die Person trinken kann.
- Ausscheidungen begrenzen: Beutel, Eimer oder Toilettenbereich so vorbereiten, dass nichts über Lagerwege getragen wird.
- Kontaktflächen reinigen: Erbrochenes und Stuhl mit Handschuhen aufnehmen, Abfall verschließen und die Fläche erst reinigen, dann mit einem gegen den vermuteten Erreger geeigneten Mittel nach Produktangabe behandeln.
- Textilien vorsichtig behandeln: Verunreinigte Kleidung nicht ausschütteln. Getrennt verpacken oder mit Waschmittel gründlich reinigen und vollständig trocknen.
- Hände mit Seife waschen: Desinfektionsgel allein ist bei einem möglichen Norovirusausbruch keine ausreichende Barriere.
Zeichen gefährlicher Austrocknung
Sehr wenig oder kein Urin, ausgeprägte Schwäche, Schwindel beim Aufstehen, trockener Mund, Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit, anhaltendes Erbrechen oder Kreislaufprobleme verlangen rasche Hilfe. Blut im Stuhl, starke Bauchschmerzen und hohes Fieber sind ebenfalls Gründe, die Selbstversorgung zu beenden.
14) Hygiene an Klima und Lage anpassen
Trocknung vor Ganzkörperwäsche
Hände, Füße, Leiste und Wunden abschnittsweise reinigen. Trockene Kleidung liegt vorher bereit. Nasse Füße und Verbände häufiger kontrollieren.
Hautfalten und Salz
Schweiß, Salz und Reibung regelmäßig entfernen. Kleidung locker tragen, Hautfalten trocknen und Wasserverluste durch unnötig lange Wäsche vermeiden.
Reibung früh stoppen
Füße, Schuhinneres, Augenbereich und Falten kontrollieren. Sand wird vor dem Eincremen entfernt, sonst wirkt er weiter wie Schleifmittel.
Wasser gezielt einsetzen
Schmelzwasser kostet Brennstoff. Trinkwasser, Hände und Wunden haben Vorrang. Feuchte Tücher dürfen nicht an Haut oder Material festfrieren.
Offene Haut schützen
Flutwasser kann Ausscheidungen, Chemikalien und scharfe Gegenstände enthalten. Wunden wasserdicht abdecken und Kontakt so weit wie möglich vermeiden.
Pflegeplatz organisieren
Saubere Unterlage, Wasser, Handschuhe, Verband und Abfall vor Beginn bereitlegen. Pflegeutensilien bleiben vom Kochplatz getrennt.
15) Ein Tagesablauf, der auch unter Belastung funktioniert
Morgens
- Hände und Zähne reinigen.
- Füße, Zehenzwischenräume, Leiste und vorhandene Wunden kontrollieren.
- Trockene Socken anziehen; feuchte Schlafkleidung geschützt verpacken.
- Wasserbehälter, Auslass und Trinkgefäße auf Schmutz prüfen.
Während Bewegung und Arbeit
- Vor Essen und Wasserbehandlung Hände reinigen.
- Druckstellen, Sand im Schuh und nasse Kleidung bei der ersten Gelegenheit korrigieren.
- Kleine Schnitte sofort spülen und abdecken.
- Saubere und benutzte Ausrüstung nicht in derselben offenen Tasche lagern.
Vor der Ruhephase
- Füße reinigen, trocknen und Schuhe weit öffnen.
- Achseln, Leiste und Reibstellen gezielt waschen und trocknen.
- Zähne putzen, Wunden kontrollieren und Verbände bei Bedarf wechseln.
- Tücher, Socken und feuchte Kleidung luftig aufhängen.
- Toilettenplatz, Handwaschwasser und Abfall für die Nacht erreichbar vorbereiten.
16) Hygienemodul für Notgepäck und Gruppe
Klein, aber vollständig
- kleines Stück Seife in eigener Dose
- Händedesinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol
- Zahnbürste und fluoridhaltige Zahnpasta
- zwei kleine farblich unterscheidbare Tücher
- trockene Reservesocken und Unterwäsche
- Nagelknipser oder kleine Feile
- dicht schließende Abfallbeutel
Sauber versorgen
- Einmalhandschuhe
- Spülflasche oder Spritze ohne Nadel
- Kompressen und nicht verklebende Wundauflagen
- Fixierpflaster und Tape
- Pinzette
- Reibschutz für intakte Haut
- persönlich benötigte Menstruationsprodukte
Struktur schaffen
- Wasserbehälter mit Hahn
- klar getrennte Waschschüsseln
- zusätzliche Seife und Handschuhe
- verschließbarer Toiletten- und Krankheitsabfall
- geeignetes Flächendesinfektionsmittel
- Markierung für saubere und verunreinigte Bereiche
- orale Rehydratationslösung
Wenn Ausrüstung fehlt
- Flasche mit kleinem Loch als sparsamer Wasserstrahl
- saubere Stoffstücke statt Waschlappen
- Topf nur vorübergehend als Waschschüssel und danach gründlich reinigen
- mehrlagiger stabiler Beutel als Nottoilette
- Schnur als Trocknungsleine unter Schutz
17) Häufige Fehler und die wirksame Korrektur
18) Kontrolle vor der Ruhephase
- Hände wurden vor Kochen und Essen sowie nach der Toilette mit Seife gereinigt.
- Sauberes Trinkwasser wurde nicht durch Hände, Becher oder Tücher verunreinigt.
- Füße und Zehenzwischenräume sind trocken und auf Druckstellen geprüft.
- Ein trockenes Paar Socken bleibt für den Schlafbereich reserviert.
- Hautfalten und Reibstellen sind sauber, trocken und entlastet.
- Wunden sind gespült, sauber abgedeckt und auf Veränderungen kontrolliert.
- Zähne wurden mit sauberem Wasser geputzt.
- Benutzte Tücher und Kleidung hängen luftig und berühren keine Küchengegenstände.
- Toilettenwerkzeug und Ausscheidungen bleiben vom Lagerbetrieb getrennt.
- Der Handwaschplatz ist auch nachts erreichbar.
- Abfälle sind geschlossen und vor Tieren geschützt.
- Kranke Personen haben eigene Gefäße, Tücher und einen festgelegten Toilettenweg.
