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Notnahrung an Gewässern – Rhizome, Knollen, Sprosse und Pollen

Ufer und Röhrichte können im Notfall mehr liefern als einige grüne Blätter. Unterirdische Speicherorgane von Rohrkolben, Schilf, Teichbinse, Sumpfziest und Klette enthalten Kohlenhydrate, die tatsächlich zur Versorgung beitragen können. Der Aufwand ist jedoch hoch: graben, waschen, Fasern entfernen, Stärke absetzen lassen und alles vollständig garen. Pollen, junge Sprosse und Wasserlinsen sind nur Ergänzungen und dürfen nicht mit einer tragfähigen Kalorienquelle verwechselt werden.

Am Gewässer entscheidet nicht nur die Pflanzenart: Rhizome liegen genau dort, wo sich Schlamm, Keime und eingetragene Schadstoffe sammeln. Ein üppiger Bestand unterhalb eines Abwasserrohres, neben intensiv bewirtschafteten Flächen, an einer Straßenentwässerung oder in einem stehenden Algenteppich ist keine brauchbare Nahrungsquelle. Kochen tötet viele Krankheitserreger, entfernt aber keine Schwermetalle, Kraftstoffe oder andere gelöste Chemikalien.

Was sich im Ernstfall wirklich lohnt

Erste Wahl: RohrkolbenGroße Bestände, kräftige Rhizome und eine abtrennbare Stärkefraktion bieten den besten Ertrag. Dafür werden sauberes Wasser, ein Gefäß und Zeit benötigt.
Zweite Wahl: Knollen und WurzelnSumpfziest und junge Klettenwurzeln lassen sich nach dem Waschen direkt garen. Der Ertrag pro Pflanze bleibt begrenzt, die Verarbeitung ist aber einfacher.
Nur als ZusatzSchilfsprosse, Rohrkolbenpollen, Queckenrhizome und Wasserlinsen verbessern eine vorhandene Mahlzeit, lösen aber allein kein Energieproblem.

Bevor Energie in das Ausgraben fließt, wird der Bestand abgeschätzt. Einzelne Rohrkolben, wenige dünne Queckenrhizome oder eine Handvoll Wasserlinsen rechtfertigen den Aufwand nicht. Ein großer Rohrkolbenbestand am vergleichsweise sauberen Rand eines Sees kann dagegen eine brauchbare Stärkemenge liefern. In kaltem Wasser, tiefem Schlamm oder an steilen Ufern kommt zusätzlich das Risiko von Auskühlung, Einsinken und Stürzen hinzu.

Rohrkolben – Typha latifolia und Typha angustifolia

Natürlicher Rohrkolbenbestand im flachen Wasser mit braunen Kolben und langen bandförmigen Blättern
Die braunen Fruchtkolben und langen flachen Blätter machen einen älteren Rohrkolbenbestand gut erkennbar.

Breit- und Schmalblättriger Rohrkolben bilden dichte Bestände im flachen Wasser und in weichem Uferboden. Ihre langen Blätter sind flach, bandförmig und entspringen in Büscheln aus dem Rhizom. Der bekannte braune Fruchtkolben bleibt häufig bis in den Winter stehen. Während der Blüte sitzt der männliche, hellere Abschnitt oberhalb des weiblichen Kolbens. Beim Breitblättrigen Rohrkolben grenzen beide meist aneinander; beim Schmalblättrigen ist häufig ein sichtbarer Abstand vorhanden.

Die kräftigen Rhizome verlaufen waagerecht im Schlamm und verbinden mehrere Triebe. Außen sind sie bräunlich, innen hell und von vielen zähen Fasern durchzogen. In diesen Fasern sitzt die Stärke. Im Spätherbst, Winter und zeitigen Frühjahr ist der Speicher meist ergiebiger als während des starken Austriebs. Der tatsächliche Ertrag schwankt jedoch so stark mit Jahreszeit, Standort und Rhizomalter, dass feste Prozent- oder Kalorienrechner keinen praktischen Wert haben.

RhizomEnergetisch interessantester Teil. Das helle Mark wird zerquetscht und in Wasser ausgewaschen; die schweren Stärkekörner setzen sich am Gefäßboden ab.
Junger SprossNur der helle, weiche Innenbereich sehr junger Triebe wird genutzt. Er wird geschält und gekocht. Sobald der Trieb faserig wird, sinkt der Nutzwert stark.
Unreifer BlütenstandDer noch grüne, kompakte Blütenstand kann gekocht werden. Er ist saisonal sehr kurz verfügbar und bringt deutlich weniger Energie als Rhizomstärke.
PollenDer gelbe Pollen des männlichen Blütenteils wird trocken abgeschüttelt, gesiebt und einer vorhandenen Teig- oder Stärkemasse beigemischt. Er ist keine alleinige Mehlgrundlage.

Rohrkolbenstärke ohne unnötige Arbeit gewinnen

  1. Rhizom verfolgen: Am äußeren Rand eines dichten Bestandes ist das Freilegen meist leichter als zwischen alten, verfilzten Pflanzen. Nur feste, unverfaulte Stücke verwenden.
  2. Außen reinigen: Schlamm zunächst im Entnahmegewässer abspülen. Die eigentliche Verarbeitung erfolgt anschließend mit dem saubersten verfügbaren Wasser.
  3. Öffnen: Dunkle Außenhaut abziehen oder das Rhizom längs spalten. Faulige, weich gewordene oder übel riechende Bereiche werden vollständig verworfen.
  4. Mark zerlegen: Das helle Innere klein schneiden, zerstoßen oder zwischen zwei sauberen Steinen quetschen. Ganze Rhizomstücke geben nur wenig Stärke frei.
  5. In Wasser kneten: Die Masse in einem Gefäß kräftig auswaschen. Ein Stoffrest hält grobe Fasern zurück; die milchige Flüssigkeit muss in das Gefäß gelangen.
  6. Absetzen lassen: Die Flüssigkeit ruhig stehen lassen, bis sich unten eine helle Schicht bildet. Das obere Wasser vorsichtig abgießen und den Vorgang bei stark verschmutzter Stärke wiederholen.
  7. Vollständig garen: Das feuchte Sediment mit Wasser zu Brei kochen oder mit anderem Mehl zu flachen Fladen verarbeiten. Rohe Stärke und schlammige Rhizomreste werden nicht gegessen.
Ohne Sieb: Ein sauberes Stück dichtes Gewebe wird über das Gefäß gelegt. Zerquetschtes Rhizom kommt hinein und wird im Wasser ausgeknetet. Die Fasern bleiben im Tuch, während die feinen Stärkekörner durchgehen und sich unten sammeln.

Rohrkolben von problematischen Uferpflanzen trennen

Merkmal
Rohrkolben
Kein Rohrkolben
Fruchtstand
Langer dichter brauner Kolben
Schwertlilie mit dreikantiger Kapsel; Igelkolben mit kugeligen Köpfen; Kalmus mit seitlichem grünlichem Kolben
Blätter
Flach, bandförmig, ohne kräftige Mittelrippe
Schwertlilie deutlich schwertförmig und gefaltet; Kalmus häufig mit ausgeprägter Mittelrippe und gewelltem Rand
Rhizom
Kräftig, waagerecht, innen hell und stark faserig
Ein Rhizom allein ist kein Bestimmungsmerkmal; Schwertlilie und Kalmus besitzen ebenfalls kräftige Rhizome
Junge Blätter allein reichen nicht: Solange Kolben oder andere eindeutige Merkmale fehlen, können Rohrkolben, Schwertlilie, Kalmus und andere Uferpflanzen ähnlich wirken. Erst wird die gesamte Pflanze bestimmt, danach ein unterirdischer Teil entnommen.

Schilf – Phragmites australis

Natürlicher Schilfbestand mit hohen Halmen, breiten Blättern und großen lockeren Rispen
Gegliederte Halme, breite wechselständige Blätter und große lockere Rispen unterscheiden Schilf vom Rohrkolben.

Gemeines Schilf bildet hohe, oft meterweite Bestände. Die Halme sind rund, hohl und durch feste Knoten gegliedert. Die breiten Blattspreiten gehen in eine den Halm umfassende Blattscheide über. Im Spätsommer und Herbst erscheinen große, verzweigte, zunächst bräunlich-violette und später silbrige Rispen. Unterirdisch breiten sich lange, knotige Rhizome aus.

Die Rhizome speichern Kohlenhydrate, sind jedoch faserig und in der Praxis meist weniger ergiebig als Rohrkolbenrhizome. Sie können gereinigt, klein geschnitten, zerquetscht und wie Rohrkolben ausgewaschen werden. Alternativ wird das gekochte weiche Innere ausgekaut und die Faser ausgespuckt. Sehr junge, noch helle Sprosse werden von den zähen Hüllen befreit und vollständig gegart. Alte grüne Sprosse und Halme sind keine Nahrung.

Erkennbar anHohen knotigen Halmen, breiten wechselständigen Blättern und einer großen lockeren Rispe – niemals an einem braunen „Zigarren“-Kolben.
Brauchbare TeileRhizome sowie sehr junge, noch weiche Sprosse. Samen und alte Pflanzenteile stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand.
VerarbeitungRhizome zerkleinern und Stärke auswaschen; junge Sprosse schälen und kochen. Stark riechende oder schwarz verfärbte Stücke aussortieren.
EinordnungReserve bei großem Bestand. Wenn gleichzeitig Rohrkolben verfügbar ist, besitzt dieser wegen der leichteren Stärkewinnung meist Vorrang.
Schnittverletzungen: Trockene Schilfblätter besitzen scharfe Ränder, alte Halme splittern. Zum Freilegen der Rhizome werden die Hände nicht blind zwischen abgebrochene Halme und Scherben im Uferboden geschoben.

Teichbinse – Schoenoplectus lacustris

Teichbinse im flachen Wasser mit runden grünen Halmen und seitlich wirkenden braunen Blütenständen
Die runden grünen Halme und scheinbar seitlich sitzenden braunen Blütenstände kennzeichnen die Teichbinse.

Die Teichbinse wächst in flachem stehenden oder langsam fließenden Wasser. Ihre hohen grünen Halme sind rund und innen mit lockerem Mark gefüllt. Der braune, verzweigte Blütenstand wirkt seitlich angesetzt, weil ein Hüllblatt den Halm geradlinig fortsetzt. Aus dem kräftigen Rhizom treiben neue Halme und verdickte Knospen.

Rhizom, junge Rhizomknospen und sehr junge Halmgrundstücke wurden regional als Nahrung genutzt. Für die Notsituation ist die Art dennoch nur zweite Wahl: Das Freilegen kostet Kraft, die Stücke sind oft faserig und die Bestimmung ohne Blütenstand verlangt Erfahrung. Die gereinigten hellen Teile werden klein geschnitten und lange gekocht oder geröstet. Ein direkter Vergleich mit Kartoffeln oder Getreidemehl wäre irreführend.

Wichtigstes MerkmalRunder, markgefüllter Halm ohne die breiten flachen Blätter des Rohrkolbens und ohne die gegliederten, beblätterten Halme des Schilfs.
NutzwertKohlenhydrathaltige Reserve in einem großen sicher bestimmten Bestand; geringerer praktischer Ertrag als Rohrkolbenstärke.

Quecke – Elymus repens

Quecke an einem trockeneren Ufer mit flachen Grasblättern, zweizeiliger Ähre und hellen knotigen Rhizomen im ausgespülten Boden
Helle, zähe Rhizome mit Knoten und spitzen Enden durchziehen den Boden unter der zweizeiligen Queckenähre.

Quecke ist keine Wasserpflanze. Sie wächst auf Böschungen, Wegen, Brachflächen und den trockeneren Bereichen eines Ufers. Die flachen Grasblätter sitzen an knotigen Halmen; die Ährchen stehen in zwei Reihen an einer schmalen Ähre. Unterirdisch bildet die Pflanze lange gelbliche bis weißliche Rhizome mit deutlich erkennbaren Knoten und harten, spitzen Enden.

Die gereinigten Rhizome schmecken nach längerem Kauen leicht süßlich. Sie können klein geschnitten, ausgekocht oder trocken geröstet und zermahlen werden. Der überwiegende Faseranteil begrenzt jedoch den Ertrag. Eine kräftige Handvoll Rhizome ergibt eher einen Zusatz für Brei oder Getränk als eine eigenständige Mahlzeit.

VorteilHäufig, ganzjährig auffindbar und außerhalb des nassen Schlamms leichter zu reinigen.
NachteilViel Faser, geringer essbarer Anteil und erheblicher Sammelaufwand. Nicht mit frei erfundenen Kalorienwerten schönrechnen.

Sumpfziest – Stachys palustris

Sumpfziest am feuchten Ufer mit gegenständigen gesägten Blättern und violetten Lippenblüten in Quirlen
Gegenständige gesägte Blätter und violette Lippenblüten in übereinanderstehenden Quirlen kennzeichnen den Sumpfziest.

Sumpfziest wächst in feuchten Wiesen, Gräben, an Ackerrändern und auf nährstoffreichen Uferböden. Wie andere Lippenblütler besitzt er einen vierkantigen Stängel und gegenständige Blätter. Die länglichen Blätter sind zugespitzt und gesägt; die rosa- bis violettfarbenen Lippenblüten stehen in Scheinquirlen. Im Herbst entstehen an unterirdischen Ausläufern kleine helle, gegliederte Knollen.

Diese Knollen wurden in Mittel- und Nordeuropa besonders in Notzeiten genutzt. Sie sind wesentlich kleiner als Kartoffeln, lassen sich aber einfacher verarbeiten als ein faseriges Rohrkolbenrhizom. Nach sicherer Bestimmung werden sie gründlich aus dem Boden gewaschen und gekocht oder geröstet. Bei unbekannter Art wird nicht aufgrund einer einzelnen hellen Knolle entschieden; mehrere Ziest-Arten besitzen andere oder keine brauchbaren Speicherorgane.

Beste ZeitSpätherbst bis Frühjahr, wenn die kleinen Knollen ausgebildet sind und der oberirdische Bestand noch sicher zugeordnet werden kann.
VerarbeitungMehrfach waschen, dunkle oder weiche Stücke entfernen und die Knollen vollständig garen. Schälen ist bei kleinen Exemplaren kaum sinnvoll.
ErtragEinzelne Pflanzen liefern wenig. Interessant wird Sumpfziest erst bei einem größeren zusammenhängenden Bestand.
StandortFeuchter Boden ist typisch; direkt aus belastetem Grabenschlamm oder überschwemmten Ablagerungen werden keine Knollen entnommen.

Große Klette – Arctium lappa

Erstjährige Große Klette als bodennahe Blattrosette mit breiten Blättern und sichtbarer hellfilziger Blattunterseite
Die erstjährige Klette bleibt bodennah; ihre großen Blätter sind unterseits deutlich heller und filzig.

Die Große Klette ist ebenfalls keine eigentliche Wasserpflanze, wächst aber häufig auf nährstoffreichen, feuchten Säumen. Im ersten Jahr bildet sie eine große bodennahe Rosette. Die Blätter sind breit herzförmig bis eiförmig, lang gestielt und unterseits grau-filzig. Erst im zweiten Jahr entwickelt sich der hohe verzweigte Stängel mit den bekannten hakigen Klettenfrüchten; dann ist die Pfahlwurzel zunehmend verholzt.

Nur die Wurzel einer sicher bestimmten erstjährigen Pflanze ist als Nahrung interessant. Sie sitzt tief und bricht beim Ziehen leicht ab. Nach dem Ausgraben wird sie gründlich gewaschen, dünn geschält, längs geteilt und so lange gekocht, bis sie weich ist. Klettenwurzel enthält vor allem Inulin statt Stärke. Große Mengen können deshalb Blähungen und Bauchbeschwerden verursachen; eine kleine Portion wird zuerst mit anderer Nahrung kombiniert.

Erstes JahrNur Blattrosette, fleischigere Pfahlwurzel, beste Nutzbarkeit vor dem Austrieb des Blütenstängels.
Zweites JahrHoher Stängel und Klettenfrüchte, Wurzel zäh und verholzt; der Grabungsaufwand lohnt nicht mehr.

Wasserlinsen – Lemna-Arten

Natürliches Vorkommen kleiner grüner Wasserlinsen auf einer ruhigen Gewässeroberfläche zwischen Wasserpflanzen
Wild wachsende Wasserlinsen sind überwiegend Wasser und übernehmen Belastungen aus ihrem Gewässer besonders leicht.

Die hohen Eiweißwerte, mit denen Wasserlinsen beworben werden, beziehen sich auf getrocknete Pflanzen aus kontrollierter Kultur und auf bestimmte Arten. Eine frisch abgeschöpfte Wildmenge besteht überwiegend aus Wasser. Außerdem lassen sich zwischen den winzigen Schwimmkörpern Algen, Insektenlarven, Schnecken, Kot und andere Pflanzen kaum vollständig aussortieren.

Wasserlinsen nehmen Nährstoffe und je nach Standort auch Metalle oder andere Schadstoffe aus dem Wasser auf. Gerade ein besonders dichter Teppich weist häufig auf ein sehr nährstoffreiches, warmes und schlecht durchmischtes Gewässer hin. Für eine akute Notsituation ist die Art deshalb keine vorrangige Nahrung. Wer sie nicht sicher bestimmen und den Gewässerverlauf nicht einschätzen kann, investiert seine Zeit besser in eine andere Quelle.

Nicht mit kontrollierter Kultur verwechseln: Dass bestimmte Wasserlinsenarten unter überwachten Bedingungen als Lebensmittel verwendet werden, macht eine unbekannte grüne Schicht auf einem Tümpel nicht automatisch essbar.

Gefährliche und ungeeignete Uferpflanzen

Sumpf-Schwertlilie – Iris pseudacorusSchwertförmig gefaltete Blätter, gelbe Blüten und später dreikantige Kapseln. Alle Teile sind problematisch, besonders das kräftige Rhizom. Pflanzensaft kann zudem die Haut reizen.
Wasserschierling – Cicuta virosaExtrem giftige Doldenpflanze an nassen Standorten. Weiße Dolden und gefiederte Blätter; der unterirdische Bereich kann kammerartig gegliedert sein. Nie probieren oder mit essbaren Wurzeln verwechseln.
Sumpf-Calla – Calla palustrisBreite herz- bis pfeilförmige Blätter, weißes Hochblatt und später rote Beeren. Enthält reizende Stoffe und ist keine Ersatzpflanze für Rohrkolben.
Kalmus – Acorus calamusSchwertartige aromatische Blätter und ein seitlich wirkender grünlicher Blütenkolben. Das Rhizom wird wegen problematischer Inhaltsstoffe nicht als Notnahrung eingeplant.
Gelbe Teichrose und SeerosenDie großen Rhizome wirken ergiebig, enthalten jedoch wirksame Alkaloide und verlangen artspezifische historische Verfahren. Für improvisierte Notnahrung sind sie ungeeignet.
Pfeilkraut – Sagittaria sagittifoliaDie gekochten Knollen sind grundsätzlich nutzbar, liegen aber an langen Ausläufern tief im Schlamm. Natürliche Bestände sind oft klein; ohne sichere Pfeilblätter und Blüten wird nicht danach gegraben.

Erntezeiten ohne falsche Monatsgenauigkeit

Spätherbst bis zeitiges Frühjahr: Rohrkolben- und Schilfrhizome tragen gespeicherte Kohlenhydrate. Sumpfziestknollen sind ausgebildet, und erstjährige Klettenwurzeln sind vor dem neuen Austrieb brauchbar.
Frühjahr: Sehr junge Rohrkolben- und Schilfsprosse sind noch weich. Gleichzeitig ist die Verwechslungsgefahr hoch, wenn alte Fruchtstände fehlen.
Frühsommer: Rohrkolbenpollen ist nur während weniger trockener Tage verfügbar. Ein gelber Staubfilm am männlichen Blütenteil zeigt den richtigen Zeitpunkt.
Sommer und Frühherbst: Blüten und Fruchtstände erleichtern die Bestimmung. Unterirdische Speicherorgane können während kräftigen Wachstums jedoch weniger ergiebig sein.

Aufwand, Wasser und Brennstoff richtig einsetzen

Gefäß vorhandenRohrkolbenstärke auswaschen und absetzen lassen. Eine abgeschnittene Flasche, ein Topf oder ein anderer dichter Behälter genügt; ein Spezialgerät ist nicht nötig.
Nur Messer und FeuerSumpfziestknollen oder Klettenwurzel sind einfacher. Rohrkolbenrhizom kann längs geöffnet, gekocht und ausgekaut werden, bleibt aber sehr faserig.
Wenig BrennstoffErst alles mechanisch zerkleinern und dünne Fladen statt dicker Klumpen garen. Nasse Stärke muss nicht erst getrocknet werden, wenn sie sofort verbraucht wird.
Wenig sauberes WasserKeine stark verschlammten Rhizome verarbeiten. Das viele Waschwasser kann den möglichen Energiegewinn vollständig zunichtemachen.

Eine brauchbare Rohrkolbenmahlzeit

Frisch abgesetzte Rohrkolbenstärke wird mit so wenig Wasser verrührt, dass ein dicker Brei entsteht, und unter ständigem Rühren vollständig erhitzt. Ist bereits Nussmehl, Eichelmasse oder Getreidemehl vorhanden, verbessert ein Anteil Rohrkolbenstärke die Bindung. Pollen wird nur als kleine trockene Zugabe eingerührt. Grüne Sprosse oder Wasserlinsen machen aus einer energiearmen Mahlzeit keine vollwertige Ration.

Häufige Fehler

Nur ein Blatt vergleichenJunge Rohrkolben und mehrere giftige Uferpflanzen können ohne Blüte oder Fruchtstand ähnlich aussehen. Der gesamte Bestand muss zusammenpassen.
Im Entnahmewasser fertig waschenSchlamm lässt sich dort grob entfernen. Die letzte Reinigung und die Lebensmittelzubereitung erfolgen mit dem saubersten verfügbaren Wasser.
Rhizome nur kochenGanze Rohrkolben- und Schilfrhizome bleiben extrem faserig. Zerkleinern, Auskneten und Absetzen erschließen die Stärke wesentlich besser.
Pollen als Mehl berechnenPollen schwankt im Nährwert, lässt sich nur kurz sammeln und bindet keinen Teig wie Getreidemehl. Er bleibt eine Zugabe.
Wasserlinsen nach Trockenwert bewertenHohe Eiweißanteile der Trockenmasse sagen wenig über eine nasse Handvoll aus einem unbekannten Teich aus.
Zu lange lagernFeuchte Stärke, gekochte Wurzeln und gewaschene Knollen verderben rasch. Ohne sichere Trocknung werden nur Mengen für den unmittelbaren Verbrauch verarbeitet.

Wenn nach dem Essen Beschwerden auftreten

Brennen im Mund, starkes Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Krämpfe, auffällige Müdigkeit oder Herzbeschwerden nach einer Uferpflanze werden ernst genommen. Bei möglichem Verzehr von Wasserschierling, Schwertlilie, Sumpf-Calla, Kalmus oder einer unbekannten Wurzel wird sofort der Notruf 112 verständigt.

  • Kein Erbrechen auslösen und keine Hausmittel verabreichen.
  • Pflanzenreste, Rhizomstücke und die ungegessene Mahlzeit sichern.
  • Fundort fotografieren und Zeitpunkt, Zubereitung sowie ungefähre Menge notieren.
  • Bei leichteren unklaren Beschwerden ein Giftinformationszentrum kontaktieren.