Seilende sichern: Takling mit Garn selber herstellen
Ein gutes Seil kann Jahre überstehen und an seinem offenen Ende innerhalb weniger Minuten aussehen, als hätte jemand einen Pinsel schlecht gelaunt auseinandergebaut. Die einzelnen Stränge lösen sich, Fasern hängen heraus, und bei jedem Durchziehen wird der Schaden größer. Ein Takling hält das Ende mit einer straffen Garnwicklung zusammen. Er braucht weder Metallhülse noch Strom noch einen besonders bedeutenden Gesichtsausdruck.
Wir arbeiten an einem intakten, ungefähr 8 Millimeter starken Hanfseil für gewöhnliche Bindearbeiten im Haus und Garten. Ein brauchbarer vorhandener Rest genügt. Sein Ende soll sich sauber durch eine Schlaufe führen lassen, ohne dabei immer weitere Fasern zu verlieren. Die einfache Taklung ist ein kontrollierbarer Abschluss, keine Reparatur des gesamten Seils. Sie schafft weder eine Lastöse noch eine geprüfte Verbindung für Menschen oder schwere schwebende Lasten.
Darauf kommt es an: Ein Takling hält die Litzen am Ende eines Seils zusammen. Er ist eine Abschlusswicklung, keine Seilverbindung und keine Reparatur für einen beschädigten tragenden Seilabschnitt.
Erst gesundes Seil, dann Garn
Biege und prüfe das Seil vor der Arbeit. Brüchige Fasern, tiefe Schnitte, stark abgeriebene Stellen und morsches Material verschwinden nicht unter einer ordentlichen Wicklung. Ist nur das äußerste Ende aufgefasert, lässt sich der beschädigte Abschnitt später hinter der neuen Sicherung abschneiden. Reicht der Schaden weiter ins Seil hinein, wird zuerst entschieden, ob überhaupt noch ein brauchbares Stück übrig bleibt. Eine hübsche Manschette am kranken Seil ist Handwerk gewordene Augenwischerei.
Für den Takling nimmst du ungefähr einen Meter festes, gewachstes Leinengarn um 0,8 Millimeter Stärke. Es soll sich eng anlegen lassen und beim kräftigen Ziehen zwischen den Händen nicht zerfallen. Dünnes Nähgarn würde sehr viele Windungen brauchen; eine dicke Paketschnur baut unnötig auf. Ein vorhandener passender Faden ist gut, ein zufällig vorhandener unpassender Faden bleibt unpassend. Wachs ersetzt seine Festigkeit nicht.
Außerdem brauchst du eine Schere für das Garn, ein scharfes Messer zum sauberen Ablängen des Seils und ein kleines Opferholz. Eine Nadel wird bei diesem einfachen Takling nicht verwendet. Die Wicklung klemmt ihre eigenen Enden ein. Gerade deshalb müssen die Windungen geschlossen anliegen und die versteckte Klemmstelle an der richtigen Stelle bleiben.
Die Schlaufe unter die Wicklung legen
Halte die ursprünglichen Seilstränge zusammen, ohne sie aufzudrehen. Falls das offene Ende bereits auseinandergehen will, sichere es vorläufig mit etwas Klebeband. Die eigentliche Wicklung entsteht auf dem bloßen, gesunden Seil, ein Stück hinter dieser Sicherung. Sie wird nicht auf das Klebeband gesetzt. Am Ende werden Sicherung und überstehender Seilrest zusammen abgeschnitten.
Lege das Seil so vor dich, dass sein freies Ende von dir wegzeigt. Die folgende Wicklung wächst in Richtung dieses Endes. Bilde im Garn eine längliche, ungefähr 3 Zentimeter lange Schlaufe und lege sie längs auf das Seil. Ihr geschlossener Bogen zeigt zur Seilspitze. Die beiden Garnenden zeigen zu dir. Eines bleibt etwa 10 Zentimeter lang; das andere ist das lange Arbeitsende. Mit einem winzigen Rest als kurzem Ende lässt sich später schlecht ziehen. Die eingesparten Zentimeter erscheinen dann als besonders sinnlose Sparmaßnahme.
Drücke Schlaufe und kurzes Ende mit dem Daumen an. Beginne am körpernahen Teil der Schlaufe und führe das lange Ende einmal um das ganze Seil. Diese erste Windung erfasst auch die beiden längs liegenden Garnteile. Halte sie fest und lege die nächste unmittelbar daneben, etwas näher zur Seilspitze. So wächst ein geschlossenes Band von Windungen über der längs liegenden Schlaufe.

Die Schlaufe ist kein Schmuck. Sie wird am Schluss das Arbeitsende unter die Wicklung ziehen. Ihr Bogen muss deshalb vor der wachsenden Wicklung erreichbar bleiben. Verschwindet er schon beim Wickeln vollständig, hörst du auf und legst diesen Abschnitt neu. Ein unsichtbares Loch findet sich nicht dadurch leichter, dass man mit der Schere darin sucht.
Gleichmäßig wickeln und richtig einziehen
Für das 8-Millimeter-Seil soll das Garnband etwa 12 Millimeter breit werden. Jede Windung liegt neben der vorherigen, nicht kreuzweise auf ihr. Halte die Spannung gleichmäßig und drehe das Seil bei Bedarf in der Hand mit. Ziehst du die erste Hälfte lose und die zweite verzweifelt fest, hast du zwei verschiedene Wicklungen nebeneinander und noch keinen ordentlichen Takling.
Kontrolliere die Unterseite ebenfalls. Ein scheinbar glattes Garnband kann auf der abgewandten Seite gekreuzte Windungen verstecken. Schiebe kleine Lücken früh zusammen. Stark übereinandergeratene oder lockere Windungen werden wieder geöffnet. Ein weiterer Überzug würde den Fehler nur dicker machen.
Ist die gewünschte Breite erreicht, hältst du die letzte Windung fest und führst das lange Arbeitsende vollständig durch den noch offenen Schlaufenbogen. Es wird nur durchgesteckt, nicht mit einer zusätzlichen Schlinge verknotet. Halte dieses Ende unter leichter Spannung, während du am kurzen Garnende auf der anderen Seite ziehst. Der Bogen verkleinert sich, nimmt das Arbeitsende mit und wandert unter das Garnband.

Ziehe langsam in kurzen Abschnitten. Die umgelegte Verbindung soll ungefähr in der Mitte der Wicklung liegen bleiben. Sie darf nicht auf der anderen Seite wieder herauskommen: Dann wäre die Klemmung erneut draußen, und die ganze sorgfältige Wickelei könnte sich auflösen. Mehr Zug ist hier kein Zeichen größerer Gewissenhaftigkeit. Es ist häufig nur der kürzeste Weg zurück zum Anfang.
Abschneiden, prüfen, verwenden
Bevor etwas gekürzt wird, drückst du die Windungen nochmals dicht zusammen und versuchst, den Takling mit den Fingern längs zu verschieben. Er muss an seiner Stelle bleiben. Wandert er, öffnet sich die Wicklung oder rutscht ein Garnende heraus, wird neu gearbeitet. Ein Abschluss, der sich schon auf dem Tisch verabschiedet, bekommt im Garten keine besseren Manieren.
Schneide die Garnenden auf wenige Millimeter zurück. Lege das Seil auf das Opferholz und kappe es ungefähr 5 Millimeter vor dem Takling. Halte es seitlich gegen Wegrollen; die schneidende Hand arbeitet von der haltenden weg. Der Schnitt soll die Stränge sauber trennen. Weder die Klinge noch der Schnitt gelangen in die Garnwicklung. Eine Flamme gehört nicht dazu. Hanf und Leinen lassen sich nicht zu einem Kunststoffknopf verschmelzen.
Kontrolliere das fertige Ende rundum. Die Windungen liegen geschlossen, der kurze Seilüberstand franst nicht weit auseinander, und kein Garnende löst sich beim Anfassen. Ist auch das andere Ende des Seilstücks offen, bekommt es denselben Abschluss. Nun lässt sich das Seil ordentlich aufbewahren und für seine gewöhnlichen Bindearbeiten benutzen.

Ein einfacher Takling bleibt eine Verschleißstelle. Wird eine Windung angeschnitten oder aufgescheuert, kann sich die Wicklung rasch lösen. Prüfe sie deshalb vor Gebrauch und erneuere sie bei Schäden. Feuchtes Naturseil wird vor dem Wegpacken gut getrocknet. Dieser kleine Abschluss erhält brauchbares Material; er macht daraus weder ein unzerstörbares Seil noch eine Ausrede, den Rest nie wieder anzusehen.
