Kartenangaben zu Missweisung und Gitternord
Gute Wanderkarten und topografische Karten enthalten oft Angaben zur Missweisung, zum Gitternord oder zur Gitterabweichung. Einfache Freizeitkarten, ältere Karten oder stark vereinfachte Übersichtskarten enthalten solche Hinweise dagegen häufig nicht.
Auch das Alter der Karte spielt eine Rolle. Das Gitternord der Karte bleibt bei derselben Projektion gleich, die Missweisung verändert sich jedoch mit der Zeit. Ein Beispiel: Für Berlin lag die Missweisung um 2016 grob bei etwa 3,5° Ost. Heute liegt sie dort ungefähr bei 5° Ost. Das ist ein Unterschied von rund 1,5°.
Auf 10 Kilometer Entfernung ergeben 1,5° Abweichung rechnerisch etwa 260 Meter seitlichen Unterschied. Eine alte Kartenangabe muss deshalb nicht völlig falsch sein, kann bei genauer Navigation aber spürbar danebenliegen.
Warum wird eine Karte eingenordet?
Eine Karte wird eingenordet, damit Karte, Kompass und Gelände in dieselbe Richtung ausgerichtet sind. So lässt sich schneller erkennen, wo man steht und wie Wege, Schneisen, Bachläufe oder Geländekanten zur Karte passen.
Wichtig ist das auch, wenn Sie zwischen zwei Punkten auf der Karte eine Marschrichtung bestimmen wollen. Erst wenn die Karte richtig eingenordet ist, kann eine Peilung sauber abgenommen und mit dem Kompass ins Gelände übertragen werden.
Wie benutze ich die Zahl?
Der angezeigte Korrekturwert ist für das genaue Einnorden der Karte gedacht. Legen Sie den Kompass mit einer langen Außenseite an eine senkrechte Gitterlinie der Karte. Drehen Sie Karte und Kompass gemeinsam, bis die Magnetnadel auf dem berechneten Wert steht.
Bei einem Wert von 6,7 Grad wird die Magnetnadel nicht einfach auf 0 Grad gebracht. Sie richten Karte und Kompass so aus, dass die Nadel bei 6,7 Grad steht.
Welche Karte brauche ich?
Am einfachsten funktioniert das Verfahren mit einer topografischen Karte oder Wanderkarte, auf der ein gut sichtbares Gitternetz eingezeichnet ist. Für das Einnorden nimmt man eine senkrechte Gitterlinie und legt die lange Außenseite des Kartenkompasses sauber daran an.
Hat die Karte kein sichtbares Gitternetz, kann man stattdessen den Kartenrand oder eine gerade Außenkante des bedruckten Kartenbildes verwenden. In diesem Fall arbeitet man nicht mit der Gitternordabweichung, sondern mit der Missweisung. Die aktuelle Missweisung steht nach der Standortbestimmung im Rechner unter „Rechenweg anzeigen“ als „Missweisung / Deklination“.
Warum zeigen andere Rechner andere Werte?
Viele Online-Rechner geben nur die magnetische Deklination aus. Das ist die reine Missweisung zwischen geografisch Nord und magnetisch Nord. Für die Arbeit mit Wanderkarten und sichtbarem Gitternetz kann zusätzlich die Abweichung zum Gitternord wichtig sein.
Deshalb kann der hier angezeigte Kartenwert von einem normalen Deklinationsrechner abweichen. Das ist kein Widerspruch. Ein normaler Rechner beantwortet die Frage nach der reinen Missweisung. Dieser Rechner bildet daraus zusammen mit der Gitternordabweichung den Wert für die Karte.
Warum ist 4°46′ nicht 4,46°?
Manche Rechner oder Kartenangaben verwenden Grad und Winkelminuten. Ein Wert wie 4°46′ bedeutet 4 Grad und 46 Winkelminuten. Das wird leicht falsch gelesen, weil es auf den ersten Blick wie eine Dezimalzahl aussieht.
Ein Grad hat 60 Winkelminuten. Deshalb sind 4°46′ nicht 4,46°, sondern ungefähr 4,8°. Der Rechner zeigt den fertigen Wert als Dezimalgrad an, weil diese Schreibweise am Kompass leichter zu verwenden ist.
Typische Fehler beim Einnorden der Karte
Ein häufiger Fehler ist eine ungenaue Anlage des Kompasses. Die lange Außenseite des Kartenkompasses muss sauber an einer senkrechten Gitterlinie liegen. Liegt der Kompass schräg, entsteht der Fehler bereits vor dem eigentlichen Ausrichten.
Ein weiterer Fehler sind magnetische Störungen. Messer, Handy, Uhr, Fahrzeug, Metallteile, Stromleitungen oder magnetische Verschlüsse können die Kompassnadel beeinflussen. Der Kompass sollte deshalb nicht direkt neben solchen Störquellen verwendet werden.
Wo sind die Grenzen?
Der berechnete Wert ist eine Hilfe für die Arbeit mit Karte und Kompass. Er ersetzt nicht den Abgleich mit dem Gelände. Eine Richtung sollte immer zu Wegen, Höhenlinien, Gewässern, Geländekanten und anderen sichtbaren Merkmalen passen.
Der UTM-Bezug gilt außerdem nur im üblichen UTM-Bereich. In Polargebieten oder bei Karten ohne UTM-Gitter ist diese Art der Berechnung nicht die passende Methode. Auch lokale magnetische Besonderheiten können dazu führen, dass die Kompassnadel anders reagiert als erwartet.