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Lederbeutel selber nähen: Anleitung mit Sattlernaht

Leder kann erstaunlich lange halten. Häufig scheitert ein Gegenstand vorher an einer aufgescheuerten Naht, einem ausgerissenen Loch oder an der wunderbaren Idee, eine Handvoll winziger Metallteile in der Jackentasche aufzubewahren. Spätestens beim Hinknien entscheidet dann eine Schraube, ob der Tag noch einen medizinischen Nebenschauplatz braucht. Ein kleiner Lederbeutel ordnet solches Zeug, ohne selbst aus zwanzig empfindlichen Einzelteilen zu bestehen.

Dieser Beutel bekommt einen gefalteten Boden, zwei von Hand genähte Seiten und eine übergreifende Klappe. Ein durch die Klappe geführter Lederriemen wird zum Schließen herumgelegt. Kein Futter, kein Reißverschluss und keine ausgestanzte Verzierung muss die eigentliche Arbeit verdecken. Du stellst das Schnittmuster her, schneidest das Leder zu, bereitest die Löcher vor und nähst mit einem Faden, an dessen beiden Enden je eine Nadel sitzt.

Darauf kommt es an: Die Sattlernaht wird mit zwei Nadeln durch dieselben vorbereiteten Löcher geführt. Der Beitrag zeigt den Aufbau an einem vollständigen Beutel, einschließlich Zuschnitt und Nahtabschluss.

Den Zuschnitt festlegen

Für das Werkstück eignet sich etwa zwei Millimeter starkes, pflanzlich gegerbtes Rindleder von mittlerer Festigkeit. Ein noch geschmeidiger Rest aus einer alten Tasche oder Mappe ist brauchbar, wenn Stärke und Zustand stimmen; rissiges, brüchiges Altleder bleibt Ausschuss. Sehr weiches Möbelleder verhält sich anders; extrem steifes Sohlenleder lässt sich an dieser kleinen Tasche schlecht falten. Die glatte Narbenseite wird außen liegen, die rauere Fleischseite innen. Wähle einen gleichmäßigen Bereich ohne tiefe Narben, dünne Stellen oder Risse. Was an einer Haut natürlich ist, muss an einer belasteten Naht noch lange nicht günstig sein.

Schneide zuerst eine Papierschablone als Rechteck von 160 × 390 Millimetern. Von einer kurzen Kante aus gemessen liegen Faltlinien bei 160 und bei 320 Millimetern. Die ersten 160 Millimeter ergeben die Vorderseite, die nächsten 160 die Rückseite, die verbleibenden 70 die Klappe. Runde nur die beiden freien Klappenecken großzügig ab. Boden und Seiten bleiben rechteckig.

Falte das Papier zur Probe: Vorderteil an der ersten Linie nach oben, Klappe an der zweiten nach vorn. Das fertige flache Beutelmaß liegt ungefähr bei 160 × 160 Millimetern. Es gibt keinen eingesetzten Bodenstreifen und keine seitlichen Zwickel. Der Beutel ist deshalb für eine überschaubare Menge kleiner Gegenstände gedacht. Er wird kein Werkzeugkoffer, nur weil du lange genug etwas hineindrückst.

Übertrage den Umriss sparsam auf die Fleischseite und schneide auf einer festen Schneidunterlage mit einem scharfen Messer am Lineal entlang. Mehrere kontrollierte Schnitte sind besser als ein gewaltsamer Zug, bei dem die Klinge auswandert. Die haltende Hand bleibt auf der sicheren Seite des Lineals. Schneide Rundungen abschnittsweise; das Messer soll nicht plötzlich in die Werkbank springen, wenn die Kurve zu eng wird.

Der einteilige Zuschnitt liegt mit der Fleischseite nach oben.
Der einteilige Zuschnitt liegt mit der Fleischseite nach oben. Die beiden Linien trennen Vorderseite, Rückseite und die kürzere Klappe. Nur die freien Klappenecken werden gerundet; die Maße werden am eigenen Zuschnitt abgetragen.

Die Falten und Nahtlinien vorbereiten

Markiere die beiden Faltlinien auf der Fleischseite, ohne das Leder einzuschneiden. Feuchte nur diese Bereiche mit wenig Wasser gleichmäßig an. Das Leder soll biegsam werden, nicht triefen. Forme die Falten über eine glatte Kante mit sanftem Radius und drücke sie von Hand oder mit einem glatt geschliffenen Holzstück an. Eine messerscharfe Knickkante belastet das Leder unnötig. Lass es in der gewünschten Form trocknen, bevor du die Naht endgültig festlegst.

Lege Vorder- und Rückseite genau aufeinander, Fleischseiten nach innen. Mit gepolsterten Klammern hältst du die Lagen fest. Blankes Metall hinterlässt leicht Druckstellen; ein kleines Lederreststück unter den Backen erspart der Tasche einen fabrikneuen Unfallschaden.

Ziehe auf der Vorderseite je eine Nahtlinie sechs Millimeter von der seitlichen Kante entfernt. Die Löcher beginnen acht Millimeter unterhalb der offenen Vorderkante und enden acht Millimeter vor dem Bodenfalz. Bei vier Millimetern Stichabstand liegen dazwischen gleichmäßige Markierungen. Die Naht läuft nur an den beiden Seiten. Die obere Öffnung wird selbstverständlich nicht zugenäht, auch wenn man dann eine sehr zuverlässig geschlossene Tasche hätte.

Eine flache angerissene Linie genügt. Eine tiefe herausgeschnittene Nut schwächt dieses relativ dünne Leder. Markiere die Stichpunkte mit Lineal und einem feinen Stift im Vier-Millimeter-Abstand. Eine entsprechend markierte Pappkante dient als wiederverwendbare Schablone. So bleibt die Teilung gleichmäßig, ohne dass du dafür ein Prickeisen oder ein Rädchen kaufen musst.

Steche die Löcher mit einer scharfen, schlanken Lederahle durch beide aufeinanderliegenden Lagen. Eine Ahle mit geeignetem Griff gehört zu den wenigen Werkzeugen, die sich hier lohnen; ein grober Nagel reißt unkontrolliert große Löcher und ist kein gleichwertiger Ersatz. Zum Vorstechen liegt das Leder auf einem Korkrest, oder es wird zwischen zwei glatten Holzleisten knapp unter der Naht eingespannt. Diese Leisten klemmst du mit einer Schraubzwinge aufrecht an der Werkbank fest. Sie ersetzen eine gekaufte Nähkluppe und lassen später beide Hände zum Nähen frei. Ein Korkstück hinter dem Austritt schützt die Hand. Die Ahle wird rechtwinklig durch die Lagen geführt und behält bei jedem Loch dieselbe Drehstellung. So liegen die Austritte ebenfalls auf einer geraden Linie. Wenn sie auf der Rückseite dicht an der Kante herauskommen, stimmt die Führung nicht; ein kräftigerer Faden heilt diesen Fehler nicht.

Mit zwei Nadeln nähen

Für jede Seitennaht genügt ein eigener Faden. Schneide als großzügigen Anfang etwa einen Meter gewachstes Sattlergarn ab, beispielsweise ein zum Lochbild passendes Leinengarn um 0,6 Millimeter. Dicke, Lochgröße und Nadeln müssen zusammenpassen. Die Nadeln haben stumpfe Spitzen, weil die Ahle den Weg bereits hergestellt hat. Eine scharfe Nadel findet andernfalls gelegentlich eine eigene Abkürzung durch den Faden, und diese Abkürzung wird später mühsam.

Fädle an jedes Ende eine Nadel. Gegen das Herausrutschen kannst du das kurze Fadenende mit der Nadel durchstechen und die entstehende Sicherung zum Öhr ziehen, wie es zur Garnart passt. Ziehe nicht einfach einen dicken Knoten vor das Öhr; er muss anschließend durch jedes enge Loch und wird dabei nicht sympathischer.

Beginne am dritten Loch unterhalb der Öffnung. Ziehe eine Nadel hindurch, bis auf beiden Seiten gleich viel Faden steht. Nähe zunächst die zwei Stiche zurück zur Beutelmündung. Bei jedem Stich führst du die erste Nadel durch das nächste Loch, ziehst den Faden weitgehend durch und hältst ihn an einer fest gewählten Lochseite. Dann geht die zweite Nadel von der Gegenseite durch dasselbe Loch. Sie darf den bereits liegenden Faden nicht durchstechen.

Der erste Faden ist bereits durchgezogen und wird beiseitegehalten.
Der erste Faden ist bereits durchgezogen und wird beiseitegehalten. Die zweite Nadel geht daneben durch dasselbe Loch zurück zur anderen Seite.

Prüfe das bei Unsicherheit, indem du den ersten Faden ein kleines Stück zurückziehst, während die zweite Nadel noch im Loch liegt. Lässt er sich frei bewegen, sind die Fäden getrennt. Hakt er fest, nimm die zweite Nadel zurück und setze neu an. Beide Enden werden anschließend gleichmäßig angezogen. Der Stich liegt satt, ohne das Leder einzuschnüren.

Am obersten Loch wechselst du die Richtung und nähst nun die gesamte Seitennaht zum Boden hin. Die ersten beiden Stiche werden dadurch doppelt belegt und sichern den Nahtanfang. Halte bei allen folgenden Stichen dieselbe Reihenfolge der Nadeln und dieselbe Lage der Fäden ein. Das gibt ein ruhiges Nahtbild. Mal oben, mal unten kreuzen funktioniert als Übung in Zufälligkeit, aber die Naht wird dabei ungleichmäßig.

Ziehe die Fäden jeweils seitlich in Richtung ihrer Nahtlinie an, nicht hektisch nach oben. Zu geringe Spannung lässt Schlaufen stehen; zu starke schneidet die Löcher größer oder verzieht die Kante. Falls eine Nadel nur mit großer Kraft durchpasst, kontrolliere die Lochweite und Fadenlage. Nimm die Ahle zum behutsamen Öffnen des vorhandenen Lochs. Die Zange ist keine Einladung, eine verklemmte Nadel samt bereits durchstochenem Faden durchs Leder zu reißen.

Am Ende nähst du drei Stiche in den bereits vorhandenen Löchern zurück. Schneide die Fäden anschließend kurz ab und sichere die Enden des Leinengarns mit einem winzigen Tropfen geeignetem Lederkleber. Kein großes Knäuel und keine starre Leimpfütze sollen an der Kante entstehen. Nähe die zweite Seite ebenso. Die Naht kann zum Schluss auf einer glatten Unterlage mit sehr leichten Schlägen eines glatten Hammers gesetzt werden. Dabei wird das Garn angedrückt, nicht das Leder plattgeschlagen.

Kanten und Verschluss fertigstellen

Kontrolliere die Seitenkanten. Kleine ungleiche Überstände werden vorsichtig bündig geschnitten oder geschliffen, ohne den Abstand zur Naht wesentlich zu verkleinern. Scharfe Außenkanten lassen sich mit feinem Schleifpapier auf einem kleinen Holzklotz sparsam glätten. Ein wenig Wasser und ein glattes Reibholz glätten anschließend die Kanten. Mehr Feuchtigkeit und mehr Reibung sind nicht automatisch besser; die Kante soll geschlossen werden und nicht dunkel verbrannt aussehen.

Setze in die Klappe zwei runde Löcher von ungefähr sechs Millimetern Durchmesser. Sie sitzen symmetrisch zur Mitte, etwa sechzehn Millimeter voneinander entfernt und rund dreißig Millimeter vor dem freien Klappenende. Eine vorhandene Lochzange erledigt das sauber. Ohne sie spannst du das Leder zwischen zwei glatte Opferholzreste und bohrst durch das Paket mit einem scharfen Sechs-Millimeter-Bohrer. Die Klemmung hält das Leder flach und verhindert, dass es sich mitdreht. Probiere diese Ausführung zuerst an einem Rest: Das Loch muss ohne ausgefranste oder eingerissene Ränder entstehen. Die Löcher dürfen nicht in eine vorhandene dünne oder eingerissene Stelle fallen.

Führe einen etwa einen Meter langen, fünf Millimeter breiten Lederriemen von außen durch das erste Loch und von innen durch das zweite zurück. Zwischen den Löchern liegt innen eine kurze Brücke; außen bleiben zwei ungefähr gleich lange Enden. Schließe die Klappe, führe die Enden gegenläufig um den Beutel und binde sie vorn mit einem einfachen lösbaren Knoten zusammen. Passe die Länge erst nach einer Probe mit dem vorgesehenen Inhalt an. Abschneiden geht schneller als wiederanwachsen lassen.

Die Riemenenden kommen aus den beiden Löchern, laufen entgegengesetzt um den Beutel und werden vorn lösbar verbunden.
Die Riemenenden kommen aus den beiden Löchern, laufen entgegengesetzt um den Beutel und werden vorn lösbar verbunden. Die kurze Brücke bleibt innen.

Prüfe den gefüllten Beutel von innen und außen. Keine offene Naht, keine herausgezogene Fadenschlaufe und kein beginnender Einriss darf bleiben. Spitze Gegenstände erhalten eine eigene Abdeckung; eine Beutelwand ist kein Stichschutz. Halte das Leder sauber und lass es bei Nässe langsam trocknen, mit geöffnetem Beutel und ohne Heizkörper. Nun hast du einen Gebrauchsgegenstand, dessen schwächste Stelle du kennst und dessen Naht du bei Bedarf selbst erneuern kannst. Das ist ein brauchbarer Fortschritt gegenüber einer Tasche, die schon beim Kauf nur noch auf ihre erste Reklamation wartet.