Survival
  1. Home
  2. Wissen

Lehmputz selber machen: Mischen, Auftragen und Glätten

Lehm ist einer der wenigen Baustoffe, bei denen eine vergessene halbe Schüssel nicht automatisch zu einem dauerhaften Denkmal der Unachtsamkeit wird. Solange weder Zement noch andere abbindende Zusätze darin stecken, macht Wasser den getrockneten Lehm wieder verarbeitbar. Aus geeignetem Unterboden, Sand und Wasser lässt sich ein brauchbarer Innenputz herstellen. Dafür braucht man Geduld und Materialproben.

Das folgende Verfahren ist für eine kleine, trockene, raue Ziegelwand im Innenraum gedacht, zunächst etwa einen Quadratmeter. Es eignet sich auch zum Erlernen der Arbeit im wetterdichten Gartenschuppen. Der Putz glättet die Wand und schließt oberflächliche Unebenheiten. Er behebt keine aufsteigende Feuchtigkeit, keine beweglichen Risse und keine lockeren Steine. Auf glattem Beton, Holz, Tapeten, gestrichenen Flächen oder wechselnden Baustoffen wäre ein anderer Aufbau nötig.

Darauf kommt es an: Für eine kleine Putzfläche wird vorhandener Lehm mit geeignetem Zuschlag erprobt. Haftung und Schwinden müssen am konkreten Untergrund geprüft werden, bevor eine größere Mischung angesetzt wird.

Lehm gewinnen und aufbereiten

Brauchbar ist sauberer mineralischer Lehm unterhalb der humosen Erdschicht. Dunkle Gartenerde mit Wurzeln, Kompost und Pflanzenresten gehört ins Beet. Ebenso wenig verwenden wir Aushub von unbekannt belasteten Flächen. Geeignetes vorhandenes Lehmmaterial aus einem bekannten, sauberen Innenbauteil kann ebenfalls wiederaufbereitet werden. Anstriche, Ruß, Salze, Schimmel und Beimischungen aus Gips oder Zement dürfen dabei nicht einfach mit in den Kübel wandern.

Feuchter Lehm lässt sich zwischen den Fingern kneten und zusammenhängend formen; reiner Sand zerfällt. Dieser Tastversuch zeigt zunächst nur, ob bindende Feinanteile vorhanden sind. Er liefert keine fertige Putzrezeptur. Lehm enthält von Natur aus unterschiedlich viel Ton, Schluff und Sand. Zwei gelbe Erdhaufen können sich beim Trocknen vollkommen verschieden benehmen.

Entferne Wurzeln und große Steine von Hand. Zerkleinere trockene Brocken vorsichtig und lege sie in einen alten Eimer oder eine flache Mörtelwanne. Bedecke sie mit Wasser und lass sie mindestens einen Tag stehen; harte Klumpen brauchen länger. Bearbeite den eingeweichten Lehm mit einem kräftigen Holzstab oder einer kleinen Schaufel, bis eine gleichmäßige, dicke Schlämme entsteht. Kleine Mengen lassen sich ohne elektrischen Rührer gründlich mischen. Man muss dabei nur tatsächlich den Boden des Gefäßes erreichen, statt fünf Minuten über einer trockenen Insel zu rühren.

Drücke die Schlämme durch ein Sieb mit etwa zwei Millimetern Maschenweite. Ein entsprechendes Drahtgewebe lässt sich auf vier Restleisten befestigen und über einen Eimer legen. Die Verbindung muss tragen; herausstehende Drahtenden werden umgelegt. Große Steine und harte Klumpen bleiben zurück. Verwende keinen Küchengegenstand weiter für Lebensmittel, nachdem er mit Baustoffen bearbeitet wurde. Zum Schluss soll die Schlämme cremig und gleichmäßig sein, nicht eine dünne braune Suppe. Steht nach dem Absetzen viel klares Wasser oben, schöpfe es ab und rühre erneut.

Dazu kommt sauberer scharfkörniger Sand mit einer Mischung feiner und gröberer Körner bis ungefähr zwei Millimeter. Vorhandener sauberer Mauer- oder Putzsand ist geeignetes Ausgangsmaterial. Er wird durch dasselbe Sieb von gröberen Bestandteilen befreit. Stark verschmutzter Sand, Streusand mit Salz und Material aus einer unbekannten Auffüllung bleiben draußen. Nur ein Sandanteil aus groben, annähernd gleich großen Körnern ergibt noch keinen gut geschlossenen Putz.

Die Mischung wird an der Wand entschieden

Drei beschriftete kleine Eimer reichen für die erste Vergleichsreihe. Benutze für alle denselben Becher und dieselbe gut aufgerührte Lehmschlämme. Mische jeweils einen Becher Schlämme mit einem, zwei und drei Bechern Sand. Das sind drei Startproben, keine drei gleichzeitig gültigen Naturgesetze. Ein sandiger Lehm kann schon bei der ersten Probe zu mager sein; ein sehr tonreicher braucht eventuell noch mehr Sand.

Gib Wasser nur in kleinen Mengen dazu. Der Mörtel soll sich kräftig auf die Wand drücken lassen, an der Kelle zusammenhalten und unter Druck verstreichen. Er darf nicht herunterlaufen. Zu viel Wasser macht die Arbeit scheinbar bequemer und die spätere Trocknung gründlicher unbequem. Halte fest, wie viel Sand und Wasser in jeder Probe steckt.

Bürste an der vorgesehenen Wand lose Teile und Staub ab. Die Fugen müssen fest sein. Feuchte die Ziegel gleichmäßig an; warte, bis kein glänzender Wasserfilm mehr steht. Sie sollen dem frischen Putz nicht sofort das Wasser entziehen. Trage die drei Proben nebeneinander auf, jeweils etwa 20 mal 20 Zentimeter groß und zehn Millimeter dick. Drücke den ersten Mörtel fest in die Rauigkeit und ergänze dann die Schichtstärke. Beschrifte die Wand neben den Feldern mit den Mischungen.

Nun müssen die Proben vollständig trocknen. Das dauert bei einem Zentimeter Schicht je nach Raum und Wetter mehrere Tage, unter ungünstigen Bedingungen länger als eine Woche. Die Oberfläche allein genügt nicht: Brich von einer entbehrlichen Probe ein kleines Randstück ab und prüfe, ob es innen noch dunkler und feucht ist. Die übrigen Flächen bleiben zur Haftprüfung erhalten. Lüfte den Raum und halte die Wand vor Frost geschützt. Ein Heizlüfter direkt vor der Probe verkürzt vor allem die Zeit bis zum nächsten Irrtum.

Beurteile danach Risse, Haftung und Abrieb. Ein dichtes Netz breiter Schrumpfrisse spricht für zu viel bindenden Lehm oder für zu nasse Verarbeitung. Probiere dieselbe Mischung mit mehr Sand und gleicher, mäßiger Arbeitsfeuchte erneut. Zerfällt der Putz unter kräftigem Reiben mit der trockenen Hand und löst fortwährend Sand, fehlt Bindung; dann wird der Sandanteil verringert. Leichtes oberflächliches Abstauben ist etwas anderes als ein Mörtel, aus dem sich ohne Mühe Löcher reiben lassen.

Beispiel einer Vergleichsreihe: links Schrumpfrisse, in der Mitte eine geschlossene Oberfläche, rechts Abrieb unter der Hand.
Beispiel einer Vergleichsreihe: links Schrumpfrisse, in der Mitte eine geschlossene Oberfläche, rechts Abrieb unter der Hand. Welches Verhältnis bei deinem Lehm funktioniert, entscheidet erst die vollständig getrocknete eigene Probe.

Löst sich ein Feld als ganze Scholle, wird zusätzlich der Untergrund geprüft: Staub, zu glatte Oberfläche oder falsches Vornässen lassen sich nicht mit beliebig mehr Ton beheben. Die brauchbare Mischung trocknet ohne störende offene Risse, bleibt fest an der Wand und lässt sich nicht ohne Weiteres zerreiben. Erfüllt keine Mischung das, wird weiter mit kleineren Abstufungen zwischen den Proben gearbeitet oder ein anderes Ausgangsmaterial verwendet. Ein misslungener Test hat seinen Zweck erfüllt, solange er klein bleibt.

Kurze saubere Strohfasern können später eine faserhaltige Unterputzmischung ergeben. Für dieses kleine Vorhaben bleiben wir zunächst bei der erfolgreich erprobten Lehm-Sand-Mischung. Stroh ist kein Mittel, mit dem sich ein grundsätzlich zerbröselnder Putz nachträglich gesund erzählen lässt.

Mit einfachen Werkzeugen auftragen

Für einen Quadratmeter mit zehn Millimetern Unterputz werden rechnerisch zehn Liter fertiger Mörtel benötigt. Fugen, Unebenheiten und Verluste kommen hinzu. Für einen späteren fünf Millimeter starken Oberputz sind es weitere fünf Liter. Bereite die gewählte Mischung in kleinen Portionen nach den notierten Becherverhältnissen vor und halte ihre Feuchte gleich. Der Eimerinhalt wird immer wieder vom Boden her durchgearbeitet. Auch guter Lehm hilft wenig, wenn unten eine andere Mischung liegt als oben.

Du brauchst eine Kelle, ein gerades Brett zum Abziehen, einen Eimer Wasser, einen breiten Pinsel oder Handfeger zum Anfeuchten und ein kleines Reibebrett. Ein ebenes, glatt geschliffenes Holzbrett mit aufgeschraubtem Griff kann als Reibebrett dienen; die Schrauben dürfen auf der Arbeitsseite nicht hervortreten. Eine dünne verbogene Verpackungsplatte eignet sich dafür ebenso wenig wie für die Beurteilung einer geraden Wand.

Schütze den Boden mit einer Plane oder alten Brettern. Putze lose Wandteile ab und feuchte die Fläche wie bei der erfolgreichen Probe vor. Drücke zuerst eine dünne Lage Mörtel kräftig in die Oberfläche und arbeite dann auf zehn Millimeter Gesamtdicke. Auf tiefen Fehlstellen wird nicht ein einzelner klumpiger Berg aufgebaut. Größere Vertiefungen füllst du vorher und lässt sie trocknen, bevor die durchgehende Schicht darüberkommt.

Wenn du eine gleichmäßig ebene Fläche möchtest, setze links und rechts zwei gerade, etwa zehn Millimeter starke Leisten als vorübergehende Abziehlehren. Sie werden sicher gehalten und in einer Ebene ausgerichtet. Das Abziehbrett liegt auf beiden auf. Führe es mit kurzen seitlichen Bewegungen nach oben; überschüssigen Mörtel nimmst du ab, fehlenden ergänzt du. Bearbeite eine kleine Fläche vollständig, bevor du die nächste beginnst. Eine Wand hat keinen Vorteil davon, wenn alle ihre Ecken gleichzeitig unfertig sind.

Das gerade Abziehbrett liegt auf beiden Lehren auf.
Das gerade Abziehbrett liegt auf beiden Lehren auf. Beim Arbeiten nach oben bleibt darunter die abgezogene Fläche zurück; Fehlstellen werden ergänzt. Die Lehren kommen anschließend heraus.

Ziehe die Lehren heraus, solange der Mörtel noch bearbeitbar ist. Fülle ihre Rillen mit derselben Mischung und ziehe sie bündig ab. Die Unterputzoberfläche bleibt rau. Falls sie beim Abziehen sehr glatt wurde, ritzst du sie mit einem Kamm oder mehreren Nagelspitzen in einem Restholz flach auf. Das Werkzeug führt nur über die Oberfläche; es gräbt keine tiefen Furchen bis auf die Ziegel. So findet die spätere feine Lage Halt.

Lass den Unterputz vollständig austrocknen. Lüfte regelmäßig, vermeide aber heftige direkte Zugluft auf ganz frischem Putz. Dunkle feuchte Stellen müssen verschwinden. Bei kühler, dauerhaft feuchter Witterung wird die Arbeit verschoben oder auf eine kleinere Fläche begrenzt. Lehm trocknet durch die Abgabe von Wasser. Er hat keine geheime zweite Methode für schlecht gelüftete Räume.

Eine dünnere Lage und die spätere Reparatur

Für den Oberputz wird nochmals eine kleine Probe auf dem trockenen Unterputz angelegt. Verwende fein gesiebte Lehmschlämme und Sand bis zwei Millimeter. Beginne mit dem bereits brauchbaren Verhältnis, prüfe aber die dünnere Schicht gesondert. Häufig verträgt sie einen etwas höheren Sandanteil. Das wird ausprobiert, nicht aus dem Wort »Oberputz« abgeleitet. Die hier vorgesehene Schicht ist etwa fünf Millimeter dick; eine grobe Mischung lässt sich nicht auf Papierstärke glattstreichen.

Feuchte den trockenen Unterputz leicht und gleichmäßig an. Trage die erprobte feine Mischung dünn auf und ziehe sie ab. Arbeite Anschlussbereiche aneinander, solange die Kante noch feucht ist. Sobald die Oberfläche nicht mehr schmiert, aber noch bearbeitbar ist, wird sie mit dem leicht angefeuchteten Reibebrett in ruhigen kreisenden Bewegungen geschlossen. Klebt alles am Brett, ist es zu früh. Rieselt die Oberfläche unter Druck, ist sie zu trocken oder die Mischung zu mager. Unablässiges Nachgießen löst dieses Problem nicht; es wäscht die feinen Bestandteile an die Oberfläche.

Das glatte Reibebrett liegt flächig am noch bearbeitbaren Oberputz.
Das glatte Reibebrett liegt flächig am noch bearbeitbaren Oberputz. Die Oberfläche wird geschlossen, sobald sie nicht mehr schmiert.

Nach vollständiger Trocknung bürstest du nur lose Körner sanft ab und prüfst die Fläche erneut. Lehmputz darf leicht unregelmäßig aussehen, aber nicht bei Berührung von der Wand verschwinden. Eine nicht ausreichend gebundene Schicht wird neu gemischt, statt unter einem harten Anstrich versteckt.

Kleine spätere Schäden lassen sich anfeuchten, an den Rändern leicht aufrauen und mit der aufgehobenen trockenen Mischung ausbessern. Deshalb beschriftest du einen Rest mit dem verwendeten Verhältnis. Dauerhaft nass werden darf die Fläche trotzdem nicht.