Kreuzüberblattung herstellen: Anleitung mit Schnurhaspel
Zwei Latten übereinanderzulegen ist noch keine Holzverbindung. Es ist zunächst ein Stapel. Mit einem Blechwinkel und genügend Schrauben lässt sich daraus einiges machen; schöner wird die Sache durch die wachsende Zahl der Schrauben gewöhnlich nicht. Eine Kreuzüberblattung verbindet zwei Hölzer so, dass ihre Oberseiten in einer Ebene liegen. Jedes nimmt an der Kreuzungsstelle die halbe Dicke des anderen auf. Das eignet sich für leichte Rahmen, Gitter und Gestelle und vermittelt nebenbei etwas, das sich später ständig gebrauchen lässt: passgenaues Arbeiten bis zu einer angerissenen Linie.
Die Verbindung hält die Teile in ihrer Lage. Gegen das Auseinanderheben sichern wir sie mit Holzleim. Aus zwei gleich dicken Leisten entsteht eine flache Schnurhaspel: An den vier Enden halten gerundete Kerben die aufgewickelte Schnur. Darauf lässt sich beispielsweise selbst hergestellte Pflanzenschnur aufbewahren, ohne dass aus dem mühsam gedrehten Faden bis zum nächsten Gebrauch ein kleiner, feindseliger Filzball wird. Die Haspel ist ein handliches Gebrauchsgerät und kein tragendes Bauteil.
Darauf kommt es an: An einer Schnurhaspel lässt sich die Kreuzüberblattung als vollständige Verbindung nachvollziehen. Beide Hölzer werden an der Kreuzung bis zur halben Stärke ausgearbeitet und anschließend passend gefügt.
Holz auswählen und die Lage festlegen
Nimm zwei gerade Leisten mit rechteckigem Querschnitt und ohne Ast an der späteren Kreuzung. Für diese handliche Haspel verwenden wir zweimal 240 Millimeter Länge, 36 Millimeter Breite und 18 Millimeter Dicke. Gesunde, glatt gehobelte Reste eignen sich gut. Entscheidend sind die tatsächlich gemessenen Querschnitte. Beide Leisten müssen gleich dick sein. Ist eine verdreht, wird auch die schönste Verbindung anschließend nicht eben liegen.
Du brauchst einen einfachen Anschlagwinkel, ein scharfes Anreißmesser, ein Lineal, eine feine Handsäge, einen scharfen Stechbeitel sowie eine Möglichkeit, das Holz festzuspannen. Ein vorhandenes Streichmaß erleichtert das parallele Anreißen, ist aber keine Voraussetzung. Eine feine Rückensäge lässt sich bei den kurzen Querschnitten gut führen. Der Beitel muss scharf genug sein, dünne Späne abzunehmen. Wenn er vor allem Dellen produziert, ist Schärfen die nächste Arbeit. Mehr Kraft repariert keine Schneide.
Lege die Leisten rechtwinklig übereinander und entscheide, welche später oben sichtbar liegen soll. Markiere die zusammengehörenden Teile und ihre Bezugsflächen mit Bleistift. Bei der unteren Leiste wird die Vertiefung von oben ausgenommen, bei der oberen von unten. Beide Vertiefungen zeigen beim Zusammenfügen zueinander. Wer diesen Punkt übersieht, hat am Ende zwei ordentlich bearbeitete Teile und einen neuen Anlass, Holz nachzukaufen.
Die Breite übertragen statt schätzen
Zeichne die Mitte jeder Leiste bei 120 Millimetern an. Die beiden Mittelpunkte liegen später genau übereinander, damit die Haspel vier gleich lange Arme bekommt. Lege die andere Leiste rechtwinklig und mittig darüber und übertrage ihre beiden Kanten. Bei genau 36 Millimetern Breite liegen die Begrenzungen 102 und 138 Millimeter von einem Leistenende entfernt. Auf diese Weise passt die Aussparung zur wirklichen Breite des Gegenstücks. Eine angeblich 36 Millimeter breite Leiste kann geringfügig davon abweichen; die Verbindung interessiert sich für die Leiste, nicht für die Beschriftung im Baumarkt.
Führe die beiden Begrenzungslinien mit Winkel und Messer über die Oberseite und die seitlichen Flächen. Das Messer trennt die obersten Fasern und schafft eine eindeutige Grenze. Wiederhole das Verfahren am zweiten Teil. Markiere die wegzunehmenden Bereiche mit einem Kreuz. Gerade bei der zweiten Leiste lohnt sich ein erneuter Blick auf die spätere Lage.
Die Aussparung reicht genau bis zur halben tatsächlichen Dicke. Bei den genannten 18 Millimetern sind das neun Millimeter. Miss diese Tiefe an beiden Begrenzungen auf jeder Seitenfläche ab und verbinde die beiden Punkte am Lineal. Kontrolliere die Linie zusätzlich von der gegenüberliegenden Holzfläche aus: Auch dort müssen neun Millimeter übrig bleiben. Falls du ein Streichmaß verwendest, stellst du es einmal auf diese halbe Dicke ein und lässt die Einstellung für beide Leisten unverändert. Aus zwei beinahe gleichen Tiefen entsteht kein bündiges Kreuz.
Sägen und den Grund ausarbeiten
Spanne die erste Leiste so fest, dass du beide Tiefenlinien kontrollieren kannst. Schneide unmittelbar innerhalb der Begrenzungen, also im Abfallholz. Die Messerspur bleibt stehen. Beginne mit kurzen, leichten Zügen und führe die Säge ohne seitlichen Druck. Kontrolliere beide Seiten; eine vorn passende Schnitttiefe kann hinten längst zu tief sein. Beende den Schnitt an der Tiefenmarkierung.
Setze zwischen den beiden äußeren Schnitten mehrere weitere Schnitte. Sie erleichtern das Ausstemmen, weil du keinen breiten Holzblock auf einmal überwinden musst. Auch diese Schnitte dürfen nicht tiefer reichen als die spätere Grundfläche. Ein durchgesägter Millimeter wächst nicht wieder nach, selbst wenn man sehr überzeugend flucht.

Trage das Abfallholz mit dem Beitel in kleinen Portionen ab. Arbeite zunächst oberhalb des Tiefenrisses und nähere dich dem fertigen Grund erst beim Nachputzen. Das Werkstück bleibt gespannt; die freie Hand hält sich hinter der Schneide. Schneide von beiden Seiten zur Mitte, wenn die hintere Kante zum Ausbrechen neigt. Durchgehendes Heraushebeln bis zur gegenüberliegenden Kante kann Fasern ausreißen, die du für einen sauberen Sitz noch gebraucht hättest.
Zum Glätten führst du die ebene Rückseite des Beitels auf der entstehenden Grundfläche, die Fase zeigt nach oben. Nimm dünne Späne ab. Prüfe mit einem geraden Stück Holz, ob der Grund eben ist; eine kleine Erhebung in der Mitte reicht, damit die Verbindung später wackelt. Bearbeite danach die zweite Aussparung auf dieselbe Weise.

Einpassen ohne Gewalt
Füge beide Teile zunächst trocken zusammen. Sie sollen sich mit kontrolliertem Handdruck setzen lassen. Ein schwerer Hammer macht eine zu enge Verbindung möglicherweise kurzfristig zu, verschweigt dir dabei aber, wo das Holz gequetscht oder gespalten wurde. Wenn etwas klemmt, ziehe die Teile auseinander und suche die Druckstelle. Ein wenig Kreide auf einer Kontaktfläche kann zeigen, wo sich beim vorsichtigen Einsetzen Material berührt.
Nimm nur an dieser Stelle dünn nach. Ist die Aussparung zu schmal, bearbeitest du ihre Wange; steht die Oberseite trotz passender Breite hoch, kontrollierst du die Tiefe und den Grund. Schleifpapier ist hier ein schlechtes Mittel zur pauschalen Beruhigung. Es rundet leicht die Kanten und kann aus einem klar begrenzten Fehler eine insgesamt lose Passung machen.
Liegt das Kreuz bündig, prüfe den rechten Winkel und beide Außenflächen. Die passende Verbindung wird für den trockenen Innenraumeinsatz mit einem geeigneten Holzleim dünn bestrichen und gespannt. Verwende Zulagen, damit die Zwingen keine Druckstellen hinterlassen, und halte die Press- und Aushärtezeit des Leims ein. Die Schnur soll später beide Arme belasten dürfen, ohne dass sich das Kreuz beim Abwickeln in zwei Einzelteile verabschiedet.
Eine brauchbare Überblattung erkennt man an geschlossenen Schultern, ebenen Kontaktflächen und bündigen Oberseiten. Sie braucht keine dicke Leimfuge, die einen Ausflug der Säge verbergen soll. Nun fehlt der Haspel noch das, was eine aufbewahrte Schnur von einem bloß dekorierten Holzkreuz unterscheidet: eine saubere Führung an den Enden.
Die Endkerben ausarbeiten
Markiere mittig an jeder der vier schmalen Stirnseiten eine U-förmige Kerbe von zwölf Millimetern Breite und acht Millimetern Tiefe. Die Kerbe wird durch die ganze 18-Millimeter-Dicke ausgearbeitet. Ihr Grund ist rund; an den beiden Seiten bleiben je zwölf Millimeter breite Holzpartien stehen. Übertrage den Umriss auf Ober- und Unterseite, damit die Kerbe nicht schräg durch den Arm wandert. Die vier Leistenenden bleiben außen auf ihren ursprünglichen 240 Millimetern Gesamtlänge.
Spanne jeweils einen Arm dicht hinter dem Ende fest. Säge die beiden kurzen Kerbenseiten im Abfallbereich ein und bleibe zunächst vor dem runden Grund stehen. Nimm das Holz dazwischen mit kleinen Beitelschnitten von beiden flachen Seiten heraus. Arbeite nur bis etwa zur halben Dicke, bevor du das Werkstück wendest; so bricht die Gegenseite nicht aus. Eine schmale Rundfeile, eine passende Halbrundraspel oder Schleifpapier um ein rundes Holzstück bringt den Grund auf die gezeichnete Form. Ein vorhandener Rundstab von etwa zwölf Millimetern Durchmesser ist dafür ausreichend.
Runde anschließend alle Kanten, über die die Schnur läuft, sparsam ab. Besonders die Übergänge vom Kerbengrund zu Ober- und Unterseite dürfen keine scharfen Lippen behalten. Glätte auch die Außenkanten und die vier Armspitzen. Ziehe zum Prüfen ein Stück derselben Schnur ohne starken Zug in beide Richtungen durch jede Kerbe. Bleiben Fasern hängen oder entsteht eine blank gescheuerte Stelle, wird weiter geglättet. Einen Grat mit der eigenen sorgfältig hergestellten Schnur wegzuschleifen wäre eine recht teure Art, das Schleifpapier zu sparen.
Aufwickeln und wieder abnehmen
Die fertige Haspel misst weiterhin 240 × 240 Millimeter über die Armenden und 18 Millimeter in der Dicke. Sie nimmt leichte Schnur von wenigen Millimetern Stärke auf. Dickes Tau gehört auf ein größeres Gerät. Wähle zwei gegenüberliegende Endkerben zum Wickeln und halte einen der seitlich abstehenden Arme mit der Hand. Knote den Schnuranfang mit einer leicht lösbaren Schlaufe nahe der Kreuzung fest. Führe die Schnur auf der Vorderfläche zur ersten Endkerbe, dort durch die gerundete Kerbe um das Leistenende auf die Rückseite und auf dieser zur gegenüberliegenden Endkerbe. Dort kehrt sie auf die Vorderseite zurück. Jede neue Runde folgt diesem Weg. Die Schnur liegt somit längs über Vorder- und Rückseite derselben Leiste; die Kerben verhindern, dass sie seitlich von den Enden rutscht. Der quer liegende Arm bleibt als Griff frei. Seine beiden Kerben können ebenso benutzt werden, wenn du die Wickelrichtung um eine Vierteldrehung wechselst.

Wickle nur mit leichtem Handzug und verteile die Runden über die Kerbenbreite. Die Kerben halten die Lage, sie sind kein Anlass, die Schnur wie einen Zaunspanndraht anzuziehen. Höre auf, solange der Wickel noch sicher innerhalb der gerundeten Kerben liegt. Sichere das freie Ende mit einer lösbaren Schlaufe um den äußeren Wickel, damit es beim Ablegen nicht durchrutscht. Selbst gedrehte Pflanzenschnur kommt erst vollständig trocken auf die Haspel. Feuchte Fasern können beim Trocknen schrumpfen; ein fest auf Holz gespannter Wickel behindert das und hält Feuchtigkeit unnötig lange zwischen seinen Lagen.
Zum Gebrauch löst du das Ende und wickelst die benötigte Länge in umgekehrter Richtung ab. Drehe die Haspel dabei mit oder führe die Schnur abwechselnd über Vorder- und Rückseite aus den beiden Kerben heraus; ziehe sie nicht unter Gewalt quer durch den ganzen Wickel. Soll die gesamte Schnur abgenommen werden, wird sie abgewickelt. Die Haspel ist kein zerlegbarer Garnhaspelmechanismus, bei dem ein voller Strang von selbst herunterfällt. Trocken und luftig gelagert hält sie den Vorrat übersichtlich und die Enden auffindbar. Das klingt bescheiden, bis man eine halbe Stunde damit verbracht hat, den Anfang eines Knäuels zu suchen, das offensichtlich beschlossen hat, keinen zu haben.
