Axtstiel wechseln: Ersatzstiel einpassen und verkeilen
Ein Axtkopf kann mehrere Stiele überleben. Ein lockerer Kopf gehört jedoch fest auf den Stiel, bevor die Axt wieder geschwungen wird. Ein Stück Stahl, das sich unterwegs selbstständig macht, erweitert deinen Arbeitsbereich auf eine ziemlich unerfreuliche Weise.
Beim Einstielen wird das Holz an das Auge angepasst, also an die Öffnung im Kopf. Ein Holzkeil spreizt anschließend das obere Stielende. Er sichert eine bereits gute Passung; einen ringsum zu dünnen Stiel kann er nicht nachträglich brauchbar zaubern. Deshalb wird wiederholt eingepasst.
Darauf kommt es an: Diese Anleitung behandelt das Einpassen eines geeigneten Ersatzstiels in einen herkömmlichen Axtkopf. Der Holzkeil sichert eine gute Passung; er gleicht keinen zu dünnen Stiel aus.
Kopf und Ersatzstiel zusammenbringen
Diese Arbeit gilt für einen herkömmlichen Axtkopf mit durchgehendem Auge und einem von unten eingesetzten Holzstiel. Vergossene Kunststoffstiele und andere konstruktive Befestigungen brauchen ein dazu passendes Verfahren. Bevor du etwas zerlegst, sieh dir die Richtung des Kopfes, die Stielform und die Lage der Schneide an. Bei einem asymmetrischen Werkzeug muss seine besondere Ausrichtung erhalten bleiben.
Wähle einen trockenen Ersatzstiel, dessen Form, Länge und vorgesehene Verwendung zum Kopf passen. Esche ist ein traditionelles europäisches Stielholz; auch Hickory ist verbreitet. Entscheidend ist ein gerader, möglichst durchgehender Faserverlauf ohne Äste oder Risse in den belasteten Bereichen. Lack verlängert keine schräg auslaufenden Fasern. Das für das Auge vorgesehene Ende muss zum Einpassen etwas Holz übrig haben. Ist es bereits kleiner als die Öffnung, ist es der falsche Stiel.
Lege außerdem einen trockenen Holzkeil, eine feine Säge, eine Holzraspel und ein scharfes Messer oder einen geeigneten Schabhobel bereit. Für das Entfernen des alten Holzes genügen eine Handbohrmaschine oder Bohrwinde mit passendem Holzbohrer und ein Austreiber. Dieser kann aus einem festen, geradfaserigen Rest eines alten Stiels bestehen, sofern er kleiner als das Auge ist und beim Austreiben nicht darin klemmt. Richte die Schneide vom Körper und von der haltenden Hand weg und sichere den Kopf gegen Verrutschen. Ein geeigneter Schneidenschutz bietet bei der Arbeit zusätzlichen Schutz. Der Kopf braucht eine feste Auflage, die ihn hält und den Weg durch das Auge frei lässt.
Das alte Holz herausnehmen
Säge den beschädigten Stiel knapp unterhalb des Kopfes ab. Entferne zugängliche Metallkeile oder Schrauben, bevor gebohrt wird. Halte den Kopf auf einer Holzunterlage fest eingespannt und bohre mit der Handbohrmaschine mehrere Löcher in das verbliebene Holz. Der Bohrer darf weder an den Stahl noch an einen verbliebenen Metallkeil geraten. Die Löcher schwächen den festgekeilten Rest, damit er sich herausarbeiten lässt. Bei einem nach oben erweiterten Auge wird das alte Holz zur weiteren Öffnung herausgetrieben. Stütze den Kopf dazu umgedreht auf zwei kräftigen Holzstücken ab: Die größere obere Augenöffnung zeigt nach unten in den freien Zwischenraum, der Austreiber kommt von der abgesägten Stielseite. Der Rest muss frei austreten können.

Alte Stielreste werden nicht ausgebrannt. Damit würdest du den Kopf unkontrolliert erhitzen und möglicherweise seine Wärmebehandlung verändern. Den Stahl zu verschlechtern wäre eine arbeitsintensive Entsorgung.
Entferne Holzreste und lose Ablagerungen aus dem Auge. Du brauchst die vorhandene Innenform sauber und erkennbar, nicht mit der Feile großzügig erweitert. Kontrolliere den Kopf auf Beschädigungen. Ein tatsächlich gerissenes oder stark verformtes Auge wird nicht durch einen neuen Stiel wieder zuverlässig. Bei unklaren Rissen oder alten Schweißreparaturen endet das Einstielen an dieser Stelle, bis der Kopf fachlich beurteilt ist.
Die Passung allmählich herstellen
Setze den neuen Stiel von unten in den Kopf ein und prüfe, wo er anliegt. Nimm ihn wieder heraus. Die berührten Stellen zeichnen sich häufig als gedrückte oder geglättete Flächen ab. Dort trägst du mit Raspel oder Schneidwerkzeug wenig Material ab. Danach folgt die nächste Probe. Arbeite rundum gleichmäßig und kontrolliere regelmäßig, ob der Kopf in der vorgesehenen Richtung sitzt.
Der Stiel soll im Auge großflächig anliegen und sich bis zu seinem vorgesehenen Sitz einsetzen lassen. Ein einzelner harter Absatz kann einen festen Sitz vortäuschen, obwohl weiter oben große Lücken bleiben. Ebenso falsch ist es, den ganzen Zapfen pauschal dünner zu raspeln, weil eine Stelle klemmt.
Sobald die Passung stimmt, markierst du am noch herausnehmbaren Stiel die spätere Unter- und Oberkante des Kopfes. Die Schulter soll am unteren Augenrand sauber anliegen. Das Stielende wird so bemessen, dass es im endgültigen Sitz etwa drei Millimeter über die obere Augenöffnung hinausragt. Diese Markierungen brauchst du für den Keilschlitz. Die endgültige Montage erfolgt erst nach dessen Prüfung.
Den Keil einsetzen
Der Schlitz im Stielende nimmt den Holzkeil auf. Bei der hier behandelten gewöhnlichen Axt liegt er mittig entlang der langen Augenachse, also in der Richtung von der Schneidenseite zum Nacken. Der Keil spreizt dadurch quer dazu gegen die beiden seitlichen Augenwände. Ein quer zur langen Augenachse eingesägter Schlitz würde das Holz in eine andere Richtung drücken. Ein vorhandener Schlitz wird deshalb vor dem Einsetzen ebenfalls auf seine Lage geprüft.
Als Orientierung für diesen herkömmlichen Aufbau reicht der Schlitz innerhalb des Kopfes ungefähr zwei Drittel der Augenhöhe hinunter. Gemessen wird die Augenhöhe entlang des Stiels zwischen oberer und unterer Öffnung. Der kleine Holzüberstand kommt zur Sägetiefe hinzu: Ist das Auge beispielsweise 60 Millimeter hoch und stehen oben drei Millimeter Holz über, endet der von dieser Holzstirn aus 43 Millimeter tiefe Schnitt etwa 40 Millimeter unter der Kopfoberkante. Im unteren Drittel des Auges bleibt das Holz ungeteilt. Das Beispiel ersetzt keine abweichende Vorgabe für ein bestimmtes Axtmodell.
Nimm den Stiel heraus, spanne ihn mit Holzbeilagen fest und markiere die benötigte Tiefe auf beiden Seiten. Säge den schmalen geraden Schlitz vom oberen Ende aus, ohne über die Tiefenlinie hinauszulaufen. Ein bereits zu tiefer Schnitt wird nicht mit Leim wieder zum ungeteilten Stiel. Reicht er unter den späteren Kopf, ist dieser Stiel für den beschriebenen Aufbau ungeeignet. Kontrolliere auch, dass der Sägeschnitt nicht seitlich auswandert.

Der trockene Holzkeil soll den Schlitz über dessen nutzbare Länge in der langen Augenachse ausfüllen, ohne mit seinen seitlichen Enden vorzeitig am Stahl hängen zu bleiben. Er läuft gleichmäßig aus; eine stumpfe dicke Keilspitze spaltet, bevor sie sauber führt. Passe einen vorhandenen Keil mit einem Schneidwerkzeug an, falls er zu breit oder zu dick ist. Er muss tief genug eingetrieben werden können, um den Stiel im oberen Augenbereich zu spreizen, ohne vorher auf dem Schlitzgrund aufzusetzen. Markiere seine mögliche Eindringtiefe vorab. Einen kurzen dicken Keil halb hineinzuschlagen ersetzt keinen passenden langen Keil.
Setze den vorbereiteten Stiel nun endgültig ein. Der Kopf liegt mit dem oberen Augenbereich auf zwei festen Holzauflagen; die Öffnung dazwischen lässt den Stielüberstand frei. Schneide und Nacken werden nicht als Schlagflächen benutzt. Treibe den Stiel mit einem Holzhammer beziehungsweise einer hölzernen Zulage am unteren Stielende kontrolliert ein. Prüfe den Schultersitz, den Überstand und die Ausrichtung der Schneide zum Griff. Erst dann wird verkeilt.
Stelle zum Verkeilen das untere Stielende auf eine feste Holzunterlage und stabilisiere die aufrechte Axt gegen seitliches Kippen. Der Stiel muss die Schläge unmittelbar auf die Unterlage übertragen können; eine seitliche Schraubstockklemmung allein ersetzt diese Abstützung nicht. Setze den trockenen Keil gerade an. Wird für das verwendete Stielsystem Leim vorgesehen, kommt er dünn an die betreffenden Kontaktflächen. Treibe den Keil mit kontrollierten Schlägen und einer hölzernen Zulage ein, damit sein oberer Rand nicht frühzeitig zerbröselt. Beobachte das Holz: Ein neu entstehender Riss, der unter das Auge läuft, ist kein Zeichen besonderer Festigkeit. Dann wird die Arbeit unterbrochen und der Stiel beurteilt beziehungsweise ersetzt.
Säge den überstehenden Keil und das Stielende sauber ab; ein kleiner Überstand über dem Kopf bleibt erhalten. Ein zusätzlicher Metallkeil ist keine allgemeine Pflicht. Manche Axtmodelle sind ausdrücklich nur mit einem Holzkeil vorgesehen. Ob und welcher Metallkeil hinzukommt, richtet sich nach der Konstruktion des konkreten Werkzeugs. Wahllos Metall in das Stielende zu treiben kann das Holz spalten, statt die Verbindung zu verbessern.

Den Sitz kontrollieren
Prüfe vor dem ersten Gebrauch, ob sich der Kopf gegenüber dem Stiel verdrehen oder verschieben lässt. Ist Bewegung spürbar, wird nicht probeweise kräftiger zugeschlagen. Nach den ersten vorsichtigen Arbeiten folgt die nächste Kontrolle. Neue Risse, wandernde Keile oder eine veränderte Lage des Kopfes müssen geklärt werden, bevor die Axt weiterbenutzt wird.
Lagere die Axt trocken und nicht unmittelbar an einer starken Wärmequelle. Sehr trockene Heizungswärme kann den Stiel schrumpfen lassen. Einen lockeren Kopf durch Einweichen vorübergehend festzubekommen beseitigt die Ursache nicht. Er wird ordentlich neu eingepasst. Die Axt soll als Ganzes bei dir bleiben.
