SODIS | Wasser mit Sonnenlicht behandeln – unter passenden Bedingungen
SODIS steht für solare Wasserdesinfektion. Das Verfahren nutzt Sonnenstrahlung, insbesondere UV-A, um Krankheitserreger in Wasser zu inaktivieren. Dafür wird relativ klares Wasser in geeigneten transparenten Flaschen der Sonne ausgesetzt. Die Wirkung hängt unter anderem von Strahlungsdosis, Wasserbeschaffenheit und Erregerart ab.

Welche Aufgabe das Verfahren erfüllt
SODIS ist eine Methode zur Verringerung mikrobieller Risiken. Es entfernt weder gelöste Salze noch zuverlässig chemische Verunreinigungen. Wasser mit vermuteter Belastung durch Kraftstoffe, Pestizide oder andere Chemikalien wird durch eine Behandlung in der Sonne nicht zu einer geeigneten Trinkwasserquelle.
Auch klares Aussehen ist kein Nachweis unbedenklicher Wasserqualität. Es beantwortet lediglich einen Teil der Frage, ob Sonnenstrahlung ausreichend durch das Wasser gelangen kann. Gegen bestimmte Viren und Protozoen ist die Wirksamkeit begrenzter als gegen viele krankheitserregende Bakterien.
Geeignete Flaschen und ausreichend klares Wasser
Das Eawag-Handbuch von 2016 beschreibt transparente, farblose PET-Flaschen bis zwei Liter. Etiketten werden entfernt, die Flaschen vor der ersten Verwendung gereinigt. Stark zerkratzte, trübe oder beschädigte Flaschen sind ungeeignet. Unbekannte Kunststoffe nicht durch Anbrennen und Riechen zu bestimmen versuchen.
Trübung beeinträchtigt die Behandlung. Die Anwendungshinweise nennen höchstens 30 NTU als Grenze. Der dort beschriebene Lesetest durch eine gefüllte Flasche kann eine grobe Orientierung geben, ersetzt aber keine Messung und keine Prüfung auf chemische Belastungen. Zu trübes Wasser muss vorab mit einem geeigneten Verfahren geklärt werden. Eine solche Klärung allein ist noch keine Desinfektion.
Wie die Sonnenexposition beschrieben wird
Die gefüllten, verschlossenen Flaschen werden horizontal oder leicht geneigt an einem sauberen, unbeschatteten Platz ausgelegt. Bäume, Gebäude oder andere Gegenstände dürfen sie während der Behandlung nicht zeitweise abschatten. Eine reflektierende Unterlage ist keine Voraussetzung und rechtfertigt für sich genommen keine kürzere Behandlungszeit.
| Bedingung im beschriebenen Anwendungsgebiet | Vorgabe des Eawag-Handbuchs |
|---|---|
| Überwiegend sonnig, weniger als 50 Prozent Bewölkung | Ein ganzer Tag; mindestens sechs Stunden einschließlich der Mittagsstunden |
| Überwiegend bewölkt, mehr als 50 Prozent Bewölkung | Zwei aufeinanderfolgende Tage |
| Anhaltender Regen oder sehr starker Nebel | SODIS nicht anwenden |
Warum sechs Stunden in Deutschland keine Garantie sind
Die Zeitregeln wurden für ausreichend sonnenreiche tropische und subtropische Bedingungen entwickelt. Das Handbuch begrenzt ihre geografische Übertragbarkeit ausdrücklich. Für einen beliebigen Ort in Deutschland lässt sich deshalb aus „sechs Stunden im Hellen“ keine bestätigte Desinfektion ableiten, insbesondere nicht im Winter.
Ein warmer Flascheninhalt, heller Himmel oder eine bestimmte Lufttemperatur zeigt nicht an, welche wirksame Strahlungsdosis das Wasser erhalten hat. Eine eigene pauschale Verlängerung um einige Stunden schließt diese Lücke ebenfalls nicht.
Behandeltes Wasser vor erneuter Verunreinigung schützen
Das Wasser bleibt bis zum Verbrauch in der Behandlungsflasche. Beim Ausgießen saubere Gefäße verwenden und den Flaschenhals nicht verunreinigen. Das Handbuch empfiehlt den Verbrauch innerhalb von ein bis zwei Tagen; daraus wird keine Langzeitlagerung abgeleitet.
Für eine Vorsorgeplanung müssen passende Bedingungen, ausreichend Flaschen und die Wartezeit tatsächlich verfügbar sein. Bei akutem Wasserbedarf oder ungeeigneter Witterung braucht es eine andere verlässlich geeignete Versorgung. SODIS sollte daher nicht als universelle Ersatzlösung für fehlendes Trinkwasser eingeplant werden.
