SODIS in Survivalsituationen – Trinkwasser mit PET-Flaschen und Sonnenlicht desinfizieren
Bei der SODIS-Methode wird mikrobiologisch belastetes Wasser in durchsichtigen PET-Flaschen mehrere Stunden dem Sonnenlicht ausgesetzt. UV-A-Strahlung und die Erwärmung des Wassers wirken dabei zusammen und inaktivieren einen großen Teil der enthaltenen Krankheitserreger. Das Verfahren benötigt weder Brennstoff noch Chemikalien und kann deshalb sinnvoll sein, wenn kein Feuer möglich ist, ein Kochgefäß fehlt oder vorhandener Brennstoff für andere Aufgaben benötigt wird.

SODIS ist jedoch keine schnelle Universallösung für jedes gefundene Wasser. Das Verfahren eignet sich nur für ausreichend klares Süßwasser ohne Hinweise auf chemische Belastungen, Öl, Kraftstoffe, starke Algenblüten oder einen hohen Salzgehalt. Es entfernt weder Schwebstoffe noch gelöste Schadstoffe und erzeugt auch kein destilliertes Wasser. Seine Stärke liegt ausschließlich in der solaren Desinfektion geeigneten Ausgangswassers.
In einer Survivalsituation muss deshalb zuerst entschieden werden, ob Wasserquelle, Flasche, Sonneneinstrahlung und verfügbare Zeit zusammenpassen. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, sind Abkochen, ein geeigneter Wasserfilter oder eine andere nachweislich wirksame Aufbereitungsmethode vorzuziehen. Sind alle Bedingungen erfüllt, lässt sich mit mehreren Flaschen gleichzeitig ein brauchbarer Trinkwasservorrat herstellen.
Was SODIS bedeutet und wie die Methode wirkt
Die Abkürzung SODIS steht für Solar Water Disinfection, also solare Wasserdesinfektion. Das Wasser wird nicht durch ein Filtermedium gepresst und muss auch nicht bis zum Siedepunkt erhitzt werden. Stattdessen dringt der UV-A-Anteil des Sonnenlichts durch die Flaschenwand in das Wasser ein. Dort schädigt die Strahlung wichtige Zellbestandteile und das Erbmaterial von Mikroorganismen. Gleichzeitig entstehen unter Beteiligung von Sauerstoff reaktive Verbindungen, die den Schädigungsprozess verstärken.
Erwärmt sich das Wasser in der Sonne, beschleunigt die Temperatur die Inaktivierung zusätzlich. Besonders deutlich wird dieser gemeinsame Effekt bei Wassertemperaturen oberhalb von ungefähr 50 °C. Für die praktische Anwendung ohne Thermometer wird die Belichtungszeit trotzdem nicht nach Gefühl verkürzt. Die feste Sechs-Stunden-Regel berücksichtigt, dass Flasche, Wasser, Wind und Sonnenintensität während eines Tages ständig wechselnden Bedingungen ausgesetzt sind.
Desinfektion ist keine vollständige Reinigung
Nach einer erfolgreichen Behandlung können inaktivierte Mikroorganismen und feine Partikel weiterhin im Wasser vorhanden sein. SODIS macht sie unschädlich, entfernt sie aber nicht körperlich aus der Flasche. Auch Geschmack, Härte und Mineralstoffgehalt ändern sich kaum. Sichtbar klares Wasser nach der Behandlung bedeutet daher nicht, dass zuvor enthaltene Stoffe verschwunden sind.
Das Verfahren darf nicht mit einer Solardestille verwechselt werden. Bei einer Destille verdampft Wasser und wird getrennt als Kondensat gesammelt. Dadurch können Salze und viele nicht flüchtige Stoffe zurückbleiben. Bei SODIS bleibt dagegen das gesamte Wasser einschließlich seiner gelösten Bestandteile in derselben Flasche.
Wann SODIS sinnvoll eingesetzt werden kann
Die Methode eignet sich besonders für Lagen mit intensiver Sonneneinstrahlung, mehreren geeigneten Flaschen und genügend Zeit bis zum Verbrauch. Sie kann parallel zu anderen Arbeiten laufen: Sind die Flaschen am Morgen vorbereitet und ausgelegt, benötigen sie während der Belichtung nur gelegentliche Kontrolle auf Schatten oder Lageveränderungen.
Geeignetes Ausgangswasser kann aus einem Bach, einer Quelle, einem Brunnen, einer Zisterne oder einem anderen Süßwasservorkommen stammen, sofern keine erkennbare chemische Belastung vorliegt. Regenwasser kann ebenfalls behandelt werden, wenn es über verschmutzte Dächer, Planen oder Rinnen aufgefangen wurde. Direkt in einem sauberen Gefäß gesammelter Regen ist meist günstiger als stark trübes Oberflächenwasser.
Ungünstige und ungeeignete Ausgangslagen
- Akuter Wassermangel: Wer sofort trinken muss, kann nicht erst sechs Stunden oder zwei Tage auf die Behandlung warten. SODIS muss frühzeitig begonnen werden.
- Dauerregen, dichter Nebel oder sehr geringe Sonneneinstrahlung: Ohne ausreichende Strahlungsdosis lässt sich die Wirkung nicht sicher über die normale Zeitregel abschätzen.
- Stark trübes oder dunkel gefärbtes Wasser: Schwebstoffe und Färbung schwächen die UV-Strahlung auf dem Weg durch die Flasche.
- Meer- oder Brackwasser: SODIS entfernt kein Salz und macht Meerwasser nicht trinkbar.
- Ölfilm oder Kraftstoff- und Lösungsmittelgeruch: Sonnenlicht entfernt keine unbekannte chemische Belastung.
- Wasser aus Industrieflächen oder stark belastetem Hochwasser: Neben Mikroorganismen können zahlreiche gelöste Schadstoffe vorhanden sein.
- Sichtbare Algenblüte: Bestimmte Cyanobakterien können lichtbeständige Giftstoffe bilden, die mit SODIS nicht zuverlässig entfernt werden.
Die passende PET-Flasche auswählen
Bewährt haben sich farblose, transparente PET-Getränkeflaschen mit höchstens zwei Litern Inhalt. Bei größeren oder dickeren Behältern verlängert sich der Weg des Lichts durch das Wasser. Dadurch erreicht weniger wirksame Strahlung die der Sonne abgewandte Seite. Kleine Flaschen sind außerdem leichter waagerecht auszulegen, zu transportieren und einer bestimmten Person oder Tagesration zuzuordnen.
Das PET-Zeichen befindet sich häufig als Recyclingcode „1“ am Flaschenboden. Die Flasche muss durchsichtig und frei von deutlicher milchiger Alterung sein. Leichte Gebrauchsspuren verhindern die Behandlung nicht, starke Kratzer und eine trübe Oberfläche verringern jedoch die Lichtdurchlässigkeit. Solche Flaschen werden ersetzt, sobald eine bessere verfügbar ist.
Warum klares PET günstiger als beliebiges Glas ist
PET lässt den für SODIS wichtigen UV-A-Bereich ausreichend passieren, ist leicht und zerbricht bei Transport oder Erwärmung nicht so schnell. Glas ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen, seine UV-A-Durchlässigkeit hängt aber stark von Glasart, Dicke und Beschichtung ab. Ohne genaue Kenntnis des Materials bleibt eine klare PET-Getränkeflasche die besser kalkulierbare Wahl.
Farbige Getränkeflaschen, Kanister aus undurchsichtigem Kunststoff und Metallbehälter sind ungeeignet. Auch durchsichtige Behälter mit großem Durchmesser sind ungünstig, weil die wirksame Strahlung nicht tief genug in die Wasserschicht eindringt. Der Deckel muss dicht schließen, damit während und nach der Behandlung weder Schmutz noch Insekten in das Wasser gelangen.
PET in einer Survivalsituation einordnen
Die Flaschen werden nicht über Feuer erhitzt, sondern nur dem Sonnenlicht ausgesetzt. Untersuchungen der SODIS-Anwendung ergaben bei bestimmungsgemäßer Nutzung keinen Grund, die Methode wegen des Flaschenmaterials zu verwerfen. In einer wirklichen Notlage wiegt das Risiko durch mikrobiologisch belastetes Wasser wesentlich schwerer als theoretische Bedenken gegenüber einer dafür geeigneten PET-Flasche. Behälter, in denen zuvor Kraftstoff, Reinigungsmittel oder andere Chemikalien aufbewahrt wurden, werden trotzdem nicht verwendet.
Trübung ohne Messgerät beurteilen
Für SODIS sollte die Trübung unter etwa 30 NTU liegen. NTU ist eine Messeinheit für die Streuung von Licht durch Schwebstoffe. In einer Survivalsituation steht normalerweise kein Trübungsmessgerät zur Verfügung. Deshalb kann die Lichtdurchlässigkeit mit einfachen Vergleichstests beurteilt werden.
Zeitungstest
Die gefüllte Flasche wird aufrecht auf eine Zeitung oder einen anderen kontrastreichen Text gestellt. Beim Blick durch die Flaschenöffnung von oben müssen große dunkle Buchstaben am Boden noch erkennbar sein. Sind sie nicht lesbar, ist das Wasser zu trüb und muss vorgeklärt werden. Der Test ersetzt keine Laborbestimmung, liefert aber eine brauchbare Entscheidung für die Anwendung.
Fingertest
Fehlt bedrucktes Papier, wird die Hand hinter die gefüllte Flasche gehalten. Lassen sich die einzelnen Finger durch das Wasser deutlich erkennen und zählen, ist die Lichtdurchlässigkeit eher ausreichend. Verschwimmen Hand und Finger zu einer undeutlichen Fläche, wird das Wasser weiter geklärt oder eine andere Methode gewählt.
Trübes Wasser vor der Belichtung klären
Vorbehandlung und Desinfektion sind zwei getrennte Schritte. Absetzen und Stofffilterung verbessern die Lichtdurchlässigkeit, machen das Wasser aber noch nicht trinkfertig. Erst danach beginnt die eigentliche SODIS-Behandlung.
- Absetzen: Das Wasser möglichst ruhig in einem Gefäß stehen lassen. Gröbere Sand- und Schlammpartikel sinken nach unten.
- Abgießen: Die klarere obere Schicht vorsichtig in ein zweites Gefäß oder direkt durch einen Stofffilter gießen, ohne den Bodensatz aufzuwirbeln.
- Vorfiltern: Ein mehrfach gefaltetes Shirt, ein Halstuch oder ein anderes ausreichend dichtes Gewebe hält weitere Schwebstoffe und Pflanzenreste zurück.
- Erneut prüfen: Zeitungstest oder Fingertest mit dem vorgeklärten Wasser wiederholen.
Ein improvisierter Stofffilter entfernt keine Viren und keine verlässliche Bandbreite an Bakterien oder Protozoen. Er dient bei SODIS vor allem dazu, das Wasser für UV-A-Strahlung durchlässiger zu machen. Aktivkohle kann bestimmte Gerüche und organische Stoffe mindern, bietet aber ebenfalls keine allgemeine Lösung für unbekannte Chemikalien.
SODIS Schritt für Schritt durchführen

1. Flasche vorbereiten
Flasche und Deckel werden mit dem besten verfügbaren Wasser gereinigt. Aufkleber können entfernt werden, wenn sie einen größeren Teil der Flaschenwand verdecken. Der Schraubverschluss wird auf Beschädigungen geprüft. Eine undichte Flasche kann beim Transport erneut Schmutz aufnehmen und lässt sich nach der Behandlung nicht geschlossen lagern.
2. Klares Wasser einfüllen
Das vorgeklärte Wasser wird eingefüllt. Ein kleiner Luftraum bleibt bestehen, damit sich das erwärmte Wasser ausdehnen kann; die Flasche muss nicht bis unter den Deckel gepresst voll sein. Anschließend wird sie dicht verschlossen. Die früher häufig beschriebene Abfolge „zu drei Vierteln füllen, 20 Sekunden schütteln und dann auffüllen“ ist für normal sauerstoffhaltiges Quell- oder Oberflächenwasser nicht erforderlich. Entscheidend sind klares Wasser, geeignete Flaschen und die vollständige Belichtungszeit.
Stammt das Wasser aus einem lange verschlossenen, erkennbar sauerstoffarmen Vorrat, kann kurzes Schütteln vor dem endgültigen Auffüllen den Sauerstoffeintrag erhöhen. Daraus wird jedoch kein zusätzlicher Pflichtschritt für jede Flasche gemacht.
3. Flaschen waagerecht auslegen
Die Flaschen werden waagerecht auf eine saubere, vollständig unverschattete Fläche gelegt. In dieser Position ist die Wasserschicht flacher als bei einer stehenden Flasche, sodass das Licht einen größeren Teil des Inhalts erreicht. Die Flaschen liegen nicht übereinander. Äste, Ausrüstung, Felsen oder ein im Tagesverlauf wandernder Schatten dürfen die Flaschen nicht länger verdecken.
Eine reflektierende Metallfläche, helles Blech oder eine Rettungsdecke kann den Lichteintrag auf die Unterseite verbessern. Ein dunkler Untergrund erhöht dagegen eher die Erwärmung. Beides kann die Behandlung unterstützen, ersetzt aber weder direkte Sonne noch die notwendige Zeit. Reflektierendes Material wird so befestigt, dass Wind es nicht über die Flaschen schlägt oder diese in den Schatten legt.
4. Belichtungszeit nach Wetterlage bestimmen
- Sonnig bis höchstens etwa zur Hälfte bewölkt: mindestens sechs Stunden, möglichst vom Vormittag bis zum späten Nachmittag.
- Mehr als die Hälfte des Himmels bewölkt: zwei aufeinanderfolgende Tage belichten.
- Anhaltender Regen: SODIS nicht als verlässliches Verfahren einplanen. Regenwasser auffangen oder eine andere Aufbereitungsmethode verwenden.
- Flasche zeitweise im Schatten: Bei einer wesentlichen Unterbrechung wird die Behandlung verlängert oder am folgenden Tag wiederholt.
Die Zeit beginnt, wenn die Flaschen vollständig in direkter Sonne liegen. Ein kurzer heller Abschnitt am späten Nachmittag ersetzt keinen sechsstündigen Belichtungstag. In hohen Breiten, im Winter oder bei sehr tiefem Sonnenstand kann die Strahlungsintensität trotz wolkenlosem Himmel gering sein. Fehlt eine Möglichkeit, die UV-Dosis zu messen, wird nicht mit verkürzten Zeiten gearbeitet; bei zweifelhaften Bedingungen ist Kochen oder ein geeignetes Filtersystem besser kalkulierbar.
5. Trinken und lagern
Nach vollständiger Behandlung wird das Wasser am besten direkt aus der Flasche getrunken. Dadurch entfällt das Umfüllen in möglicherweise verunreinigte Becher oder Behälter. Soll es aufbewahrt werden, bleibt die Flasche geschlossen und wird an einem möglichst kühlen, schattigen Platz gelagert. Der Flaschenhals und die Innenseite des Deckels dürfen nicht mit ungewaschenen Händen oder Rohwasser in Berührung kommen.
Jede Flasche sollte erkennbar als „in Behandlung“ oder „fertig“ gelten. In einer Gruppe können unterschiedliche Plätze für Rohwasser, belichtete Flaschen und trinkfertige Flaschen festgelegt werden. Ein einfacher Strich, ein Band oder die Ausrichtung des Deckels verhindert, dass eine erst teilweise behandelte Flasche versehentlich getrunken wird.
Welche Krankheitserreger SODIS erfasst
Bakterien
Bei korrekter Anwendung ist SODIS besonders gegen viele krankmachende Bakterien wirksam. Dazu gehören unter anderem fäkale Indikatorbakterien sowie Erreger aus den Gruppen Escherichia coli, Shigella, Salmonella, Vibrio und Campylobacter. Die Wirkung setzt ausreichend hohe UV-A-Dosis, geringe Trübung und eine geeignete Flasche voraus.
Viren
Auch verschiedene wasserbürtige Viren werden durch solare Desinfektion inaktiviert. Viren reagieren jedoch je nach Art unterschiedlich auf UV-A-Strahlung und Erwärmung. Die vollständige Belichtungszeit ist deshalb gerade dort wichtig, wo menschliche Fäkalien oder Abwasser als Belastungsquelle möglich sind. Ein üblicher Mikrofilter allein hält Viren häufig nicht zuverlässig zurück; die Kombination mit SODIS kann das Behandlungskonzept verbessern, wenn alle Bedingungen für beide Verfahren erfüllt sind.
Protozoen und widerstandsfähige Dauerstadien
Bei Giardia, Cryptosporidium und anderen Protozoen hängt die Wirkung stärker von Art, Entwicklungsstadium, Temperatur und Strahlungsdosis ab. Einzelne Dauerstadien können längere Expositionszeiten benötigen als die für Bakterien etablierte Standardbehandlung. Besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für solche Erreger, etwa bei deutlich durch Tier- oder Menschenkot belastetem Wasser, ist ein geeigneter Mikrofilter mit anschließender Desinfektion oder Abkochen die besser kalkulierbare Lösung.
SODIS wird deshalb nicht mit dem Versprechen beschrieben, unter allen Bedingungen jedes denkbare infektiöse Stadium zu beseitigen. Die Methode reduziert ein mikrobiologisches Risiko bei geeignetem Wasser erheblich, ihre Leistung hängt aber enger von Sonne, Klarheit und Durchführung ab als beim kräftigen Abkochen.
SODIS mit anderen Verfahren kombinieren
Mehrere Aufbereitungsstufen können sich sinnvoll ergänzen. Bei trübem Wasser ist die Vorbehandlung ohnehin notwendig. Ein technischer Wasserfilter kann zusätzlich Protozoen und je nach Porengröße Bakterien zurückhalten. Die nachfolgende solare Desinfektion wirkt dann auf die verbliebene mikrobiologische Belastung, insbesondere auf kleine Erreger, die den Filter passieren könnten.
Die günstigste Reihenfolge lautet:
- Wasserquelle mit möglichst geringer Belastung auswählen.
- Wasser absetzen lassen und grob durch Stoff vorfiltern.
- Falls vorhanden, durch einen geeigneten technischen Wasserfilter behandeln.
- Gefiltertes Wasser in saubere PET-Flaschen füllen.
- Flaschen nach den vollständigen SODIS-Zeitregeln belichten.
- Wasser direkt aus der Behandlungsflasche trinken oder geschlossen lagern.
Wird zuerst mit SODIS behandelt und danach durch einen bereits benutzten Filter gepumpt, kann dessen Auslass oder Rohwasserseite das Wasser erneut verunreinigen. Die solare Desinfektion steht daher am Ende der Behandlungskette. Chemische Desinfektionsmittel werden nicht beliebig zusätzlich dosiert; ihre Menge und Kontaktzeit richten sich nach Produkt, Wassertrübung und Herstellerangaben.
Trinkwassermenge realistisch planen
Die begrenzte Flaschengröße ist einer der wichtigsten praktischen Nachteile von SODIS. Eine einzelne Zwei-Liter-Flasche deckt den Bedarf einer Person bei Hitze, körperlicher Arbeit oder Krankheit nicht zuverlässig. Für mehrere Personen werden daher viele Flaschen und eine ausreichend große besonnte Fläche benötigt.
Die Planung beginnt nicht erst, wenn der letzte Rest Trinkwasser verbraucht ist. Sobald geeignete Flaschen und eine Wasserstelle verfügbar sind, wird die erste Charge angesetzt. Gleichzeitig bleiben bereits sichere Reserven unangetastet, bis die Belichtungszeit vollständig abgelaufen ist. Bei bewölktem Wetter muss bedacht werden, dass jede Charge zwei Tage gebunden sein kann. Dann werden zusätzliche Flaschen oder ein alternatives Verfahren benötigt.
Mehrere Flaschen werden mit Starttag und ungefährer Startzeit markiert. Ohne Stift können sie in getrennten Reihen liegen: unbehandeltes Wasser, heute angesetzte Flaschen und fertige Flaschen. Dieses einfache System ist bei einer Gruppe wichtiger als eine theoretisch perfekte Anordnung, deren Behandlungszeiten später niemand mehr zuordnen kann.
Einfluss von Untergrund, Temperatur und Flaschenlage
Waagerechte Lage
Waagerecht liegende Flaschen bieten dem Sonnenlicht eine größere Fläche und eine geringere Wassertiefe. Eine stehende Flasche wirft zudem einen Teil ihres Inhalts selbst in den Schatten. Deshalb wird sie nur zum Befüllen und für den einfachen Trübungstest aufgestellt, während der Behandlung aber hingelegt.
Reflektierende Fläche
Helles Wellblech, eine Metallplatte oder eine faltenarm ausgelegte Rettungsdecke reflektiert Licht auf die Unterseite. Eine solche Fläche ist hilfreich, aber keine Voraussetzung. Fehlt sie, können die Flaschen auch auf Holz, Stein, Beton oder trockenem Boden liegen. Wichtiger als das Material ist eine unverschattete Lage über die gesamte Behandlungszeit.
Erwärmung
Ein dunkler Untergrund kann die Wassertemperatur erhöhen, reflektiert aber weniger UV-A-Licht. Bei kühler Luft kann die zusätzliche Erwärmung nützlich sein. Bei sehr starker Hitze muss eine Flasche nicht absichtlich auf so hohe Temperaturen gebracht werden, dass sie sich stark verformt. Die normale Erwärmung im Sonnenlicht reicht für die festgelegte Methode aus.
Wind und wechselnder Schatten
Wind kühlt die Flaschen und kann leichte Unterlagen verschieben. Er beendet die UV-Wirkung nicht, verringert aber den unterstützenden Temperatureffekt. Die Flaschen werden gegen Wegrollen gesichert, ohne ihre Oberseite abzudecken. Der Sonnenlauf wird bereits bei der Platzwahl berücksichtigt: Eine am Morgen freie Fläche kann am Nachmittag vollständig im Baum- oder Felsschatten liegen.
Typische Fehler bei der solaren Wasserdesinfektion
- Die Methode mit beliebigem Sonnenlicht gleichsetzen: Eine Flasche kurz auf einen warmen Stein zu legen, ist keine vollständige SODIS-Behandlung.
- Stark trübes Wasser verwenden: UV-A-Strahlung erreicht dann vor allem die äußere Wasserschicht, während Partikel Bereiche im Inneren abschirmen.
- Farbige oder milchige Flaschen einsetzen: Das Material verringert den wirksamen Lichteintrag.
- Große Kanister verwenden: Zu große Wassertiefe verhindert eine gleichmäßige Bestrahlung.
- Flaschen stehend belichten: Waagerecht ist die durchstrahlte Wasserschicht flacher und die bestrahlte Oberfläche größer.
- Nur die Lufttemperatur beachten: Ein heißer Tag garantiert keine ausreichende UV-Dosis, wenn die Flaschen im Schatten oder unter dichter Bewölkung liegen.
- Sechs Stunden auf mehrere kurze Tage verteilen: Die Standardbehandlung erfolgt an einem ausreichend sonnigen Tag zusammenhängend vom Vormittag bis zum Nachmittag; bei starker Bewölkung gelten zwei vollständige Tage.
- Meerwasser behandeln: Krankheitserreger können reduziert werden, der Salzgehalt bleibt jedoch unverändert hoch.
- Chemisch auffälliges Wasser verwenden: SODIS entfernt keine Kraftstoffe, Schwermetalle, Pestizide oder Algentoxine.
- Behandelte und unbehandelte Flaschen verwechseln: Reihen, Markierungen oder getrennte Lagerplätze verhindern diesen Fehler.
- Nach der Behandlung in ein schmutziges Gefäß umfüllen: Am sichersten bleibt das Wasser bis zum Trinken in derselben verschlossenen Flasche.
Praktischer Ablauf im Lager
- Früh am Tag eine geeignete Süßwasserquelle und eine vollständig besonnte Fläche auswählen.
- Benötigte Tages- und Reservemenge anhand von Personen, Wetter und Belastung abschätzen.
- Ausreichend klare PET-Flaschen zusammensuchen und stark beschädigte Exemplare aussortieren.
- Wasser absetzen, vorfiltern und mit Zeitungstest oder Fingertest auf ausreichende Klarheit prüfen.
- Flaschen füllen, mit kleinem Ausdehnungsraum dicht verschließen und eindeutig als neue Charge markieren.
- Waagerecht und unverschattet auslegen; Schattenverlauf und Wind berücksichtigen.
- Bei sonnigem bis halb bewölktem Wetter mindestens sechs Stunden warten, bei stärkerer Bewölkung zwei Tage.
- Fertige Flaschen geschlossen und schattig lagern oder direkt daraus trinken.
- Die nächste Charge beginnen, bevor der vorhandene Vorrat knapp wird.
