Survival
  1. Home
  2. Wissen

Ford Tourneo Custom / Transit als Campervan – Ausbau und praktische Lösungen

Ford Tourneo Custom Titanium X mit Campervan-Ausbau
Der Ford Tourneo Custom nach dem Umbau zum Reise- und Schlaf-Fahrzeug.

Dieser Ausbau basiert auf einem Ford Tourneo Custom Titanium X aus dem Jahr 2019 mit 185 PS und Automatikgetriebe. Das Ziel war kein großer Wohnmobilausbau, sondern ein kompakter Campervan mit festem Schlafplatz, Heckküche, Standheizung, Zusatzstrom, Kühlbox und einem deutlich vergrößerten Wasservorrat. Gleichzeitig sollten Kajaks transportiert und der vorhandene Innenraum möglichst sinnvoll genutzt werden.

Entstanden ist ein Fahrzeug, das mehrere typische Probleme eines kompakten Campers löst: Die Schlafstelle muss nicht jeden Abend vollständig neu gebaut werden, die Küche ist vom Heck aus erreichbar, die Kühlbox läuft über eine eigene Batterie und die Standheizung ermöglicht auch Touren bei niedrigen Temperaturen. Viele der Lösungen sind speziell auf dieses Fahrzeug zugeschnitten und zeigen, worauf es bei einem eigenen Tourneo- oder Transit-Ausbau praktisch ankommt.

SchlafenKlappbares Bett mit rund zwei Metern Liegelänge, Verdunkelung, Fenstertaschen und abgetrennter Fahrerkabine.
Kochen und KühlenMOVASO-Heckküche, Dometic-Kompressorkühlbox und angepasste Schublade für den Primus-Tupike-Kocher.
Strom und Wärme95-Ah-AGM-Zusatzbatterie, Ladebooster, CTEK-Anschluss, 12-Volt-Steckdosen, Wechselrichter und Webasto-Luftstandheizung.
Wasser60-Liter-Tank, 12-Volt-Druckpumpe, externe Befüllung, Waschbecken und Anschluss für eine Heckdusche.

Das Basisfahrzeug

Der Tourneo Custom bringt für einen kompakten Camper bereits gute Voraussetzungen mit: einen vergleichsweise geräumigen Fahrgastraum, mehrere Sitzschienen, große Schiebetüren und eine weit öffnende Heckklappe. Beim hier gezeigten Titanium X waren außerdem Klimaautomatik, beheizbare Vordersitze, Ledersitze, Ford SYNC 3 mit Navigation und Smartphone-Anbindung sowie Rückfahrkamera und Einparkhilfe vorhanden.

ModellFord Tourneo Custom Titanium X, Baujahr 2019
Motor2,0-Liter EcoBlue TDCi, 185 PS beziehungsweise 136 kW
Getriebe und AntriebAutomatikgetriebe und Frontantrieb
AbmessungenEtwa 5.339 × 1.986 × 1.971 Millimeter, abhängig von der Modellvariante

Die Fahrzeughöhe bleibt damit für viele Parkhäuser und Fähren noch überschaubar. Dachträger, Kajakhalter und Beladung verändern die tatsächliche Höhe jedoch deutlich. Für Reisen ist deshalb nicht nur die Fahrzeuglänge wichtig, sondern auch eine gut sichtbare Notiz mit der aktuellen Gesamthöhe und dem zulässigen Gesamtgewicht.

Heizung und Kälteschutz

Webasto-Luftstandheizung unter dem Beifahrersitz

Unter dem Beifahrersitz wurde eine Webasto-Luftstandheizung mit 3,5 kW Leistung eingebaut. Ihr Abgasrohr verläuft neben der Abgasanlage des Fahrzeugs bis zum Heck. Damit bleiben die Abgase nicht unmittelbar unter dem Wohnbereich stehen und die Heizung kann den Innenraum unabhängig vom laufenden Motor erwärmen.

Entscheidend ist nicht allein die Heizleistung. Ansaugung, Warmluftführung, Kraftstoffleitung, Abgasführung und die Abstände zu brennbaren Materialien müssen als Gesamtsystem funktionieren. Im Betrieb bleiben Zu- und Abluftöffnungen frei. Der eingebaute Kohlenmonoxidwarnmelder ist eine zusätzliche Sicherung, ersetzt aber keine sauber montierte Heizung und keine Lüftung.

Boden, Schienen und Wärmeverlust

Die Leerräume der Sitzschienen wurden mit passend zugeschnittenen Gummimattenstreifen ausgefüllt. Darüber liegen Gummi- und Teppichboden. Das ergibt eine ebenere Fläche, vermindert kalte Kontaktstellen und verhindert, dass kleine Gegenstände in den offenen Schienen verschwinden. Der Bodenaufbau ist bewusst flach gehalten, damit keine unnötige Innenhöhe verloren geht.

Zusatzbatterie, Ladewege und Stromverbraucher

Standheizung und Kompressorkühlbox sollen die Starterbatterien nicht entladen. Deshalb sitzt unter dem Beifahrersitz eine 95-Ah-AGM-Batterie als getrennte Versorgungsbatterie. Ein Ladebooster lädt sie während der Fahrt kontrolliert nach. Im Heck zeigt eine Votronic-Anzeige den Ladezustand beziehungsweise die aktuelle Batteriespannung an.

12 VoltZusätzliche Steckdosen zwischen den Vordersitzen und im Heck versorgen Kühlbox, Beleuchtung und mobile Geräte aus dem Aufbaustromkreis.
230 VoltEin Wechselrichter hinter dem Fahrersitz stellt bei Bedarf Netzspannung bereit. Seine mögliche Leistung wird durch Batterie, Verkabelung und Absicherung begrenzt.
Laden am StellplatzEin 10-A-CTEK-Ladegerät kann am Batteriesystem unter dem Beifahrersitz oder im Motorraum angeschlossen werden.
KontrolleDie Anzeige im Heck macht sichtbar, wann Verbraucher reduziert oder die Zusatzbatterie nachgeladen werden sollte.

Bei einem ähnlichen Ausbau sollte zuerst der tägliche Bedarf abgeschätzt werden: Kühlbox, Standheizung, Licht, Wasserpumpe, Ladegeräte und Wechselrichter laufen nicht gleich lange und ziehen sehr unterschiedliche Ströme. Erst daraus ergeben sich sinnvolle Batteriegröße, Kabelquerschnitte und Sicherungen. Jede Plusleitung wird möglichst nah an ihrer Stromquelle abgesichert; Leitungen sind gegen Scheuern, Hitze und lose Ladung geschützt.

Fahrzeugeinstellungen mit FORScan

Am konkreten Fahrzeug wurden mehrere Einstellungen mit FORScan angepasst: das Ladelevel der beiden Ford-Hauptbatterien, der Police- beziehungsweise Dark-Mode, das Abbiegelicht sowie die Bedienmöglichkeit der Sitzheizung über den Touchscreen. Die Anhebung des eingestellten Ladelevels von 80 auf 95 Prozent erwies sich bei diesem Fahrzeug in Verbindung mit dem übrigen Batteriesystem als nützlich.

Solche Änderungen lassen sich nicht ungeprüft auf jedes Baujahr, jedes Batteriemanagement oder jede Steuergeräteversion übertragen. Vor einer Änderung werden die ursprünglichen Werte gesichert und die passende Konfiguration des konkreten Fahrzeugs geprüft. FORScan ersetzt weder den Ladebooster noch eine korrekt geplante Aufbauelektrik.

Schlafbereich, Verdunkelung und Stauraum

Die MOVASO-Heckküche wurde mit einem klappbaren Bett kombiniert. An der Verbindung zur Küche wurde das Bett um mindestens 30 Zentimeter gekürzt und versetzt; die nutzbare Liegelänge beträgt danach etwa zwei Meter. Das Bett ist mit den vorhandenen Bodenpunkten und Spanngurten verbunden. Vor jeder Fahrt müssen Bett, Kühlbox, Kocher, Wasserbehälter und lose Ausrüstung so gesichert sein, dass sie bei einer starken Bremsung nicht durch den Innenraum fliegen können.

Eine Gardine auf Schienen trennt die Fahrerkabine vom Schlafbereich. Die bereits getönten Heckscheiben erhielten zusätzlich Solarplexius-Elemente von Sunplex. Seitliche Fenstertaschen von outdoor-living.it nutzen die sonst weitgehend ungenutzten Flächen vor den Scheiben und übernehmen gleichzeitig einen Teil der Verdunkelung. Netze an geeigneten Stellen halten leichte Kleidung und häufig benötigte Kleinteile griffbereit.

Heckküche und Kühlbox

Die Heckküche bündelt Kochen, Spülen, Kühlung und Stauraum dort, wo bei geöffneter Heckklappe gut gearbeitet werden kann. Eine passend eingesetzte Dometic-Kompressorkühlbox nutzt den vorhandenen Bauraum. Die Schublade der Küche war für den Primus Tupike mit zwei Flammen zunächst rund drei Zentimeter zu kurz und wurde so angepasst, dass der Kocher liegend transportiert werden kann.

Beim Kochen bleibt der Kocher auf einer standsicheren, hitzefesten Fläche und wird im gut belüfteten Heckbereich verwendet. Brennstoff, Zündquelle und heiße Teile haben Abstand zu Gardinen, Bettzeug und Taschen. Nach dem Kochen wird das Gerät vollständig abgekühlt und erst dann wieder in der Schublade verstaut.

Vom 10-Liter-Kanister zum 60-Liter-Wassersystem

Die ursprüngliche Lösung bestand aus einem 10-Liter-Kanister mit Tauchpumpe. Sie war kompakt, reichte für längere Aufenthalte aber nur begrenzt. Deshalb wurde sie durch einen externen Nuova-Rade-Tank mit 60 Litern Fassungsvermögen und eine 12-Volt-Druckwasserpumpe ersetzt. Das System versorgt das Waschbecken und einen zusätzlichen Duschanschluss im Heck.

Der Tank kann von außen befüllt werden; die Anschlüsse liegen im Bereich des Waschbeckens und wurden mit Gardena-Komponenten aufgebaut. Soll das Wasser als Trinkwasser verwendet werden, müssen Tank, Schläuche, Dichtungen und Verbinder ausdrücklich lebensmittelecht und sauber zu halten sein. Andernfalls wird das System als Brauchwasseranlage genutzt und Trinkwasser getrennt mitgeführt.

Gewicht nicht unterschätzen: 60 Liter Wasser wiegen ungefähr 60 Kilogramm. Tank, Halterung und Leitungen müssen diese Masse auch beim Bremsen, in Kurven und auf schlechten Wegen aufnehmen. Ein großer Tank gehört möglichst tief, fest und sinnvoll zur Achslastverteilung eingebaut.

Für Frostperioden braucht die Anlage außerdem eine Möglichkeit, Tank, Pumpe und Leitungen vollständig zu entleeren. Bleibt Wasser in tiefen Leitungsstellen stehen, können Schläuche, Verbinder oder Pumpengehäuse beschädigt werden.

Licht, Kohlenmonoxidwarnung und Transport

Frontrunner-LED-Lichtstreifen oberhalb der Fenstertaschen beleuchten den Schlafbereich. Ein weiterer LED-Streifen unter dem Bett sorgt für Licht in Bodennähe und kann unterschiedliche Farben anzeigen. Praktisch ist eine getrennte Schaltung: helles Arbeitslicht für Küche und Stauraum, zurückhaltendes Licht im Schlafbereich und eine leicht erreichbare Abschaltung vom Bett aus.

Im Heck ist ein AngelEye CO-AE-9D-DER Kohlenmonoxidwarnmelder mit digitaler Anzeige montiert. Seine Funktion und die Stromversorgung werden regelmäßig geprüft. Ein CO-Warnmelder reagiert auf Kohlenmonoxid, aber nicht automatisch auf Propangas, Rauch oder Sauerstoffmangel; diese Gefahren dürfen nicht miteinander verwechselt werden.

Auf dem klappbaren Original-Ford-Dachträger sitzen Thule K-Guard 840 Kajakträger. Vor der Fahrt werden Dachlast, Trägerfreigabe, Befestigungspunkte und die zusätzliche Fahrzeughöhe kontrolliert. Besonders bei Seitenwind, Fähren, Parkhäusern und niedrigen Ästen verändert Dachladung das Fahrverhalten und den benötigten Freiraum.


Bilder nach dem Umbau

Die folgenden Aufnahmen zeigen den fertigen Innenausbau aus verschiedenen Blickrichtungen. Auf kleinen Bildschirmen stehen die Fotos einzeln untereinander; auf größeren Ansichten werden sie paarweise angeordnet.