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Apokalypse? Kein Problem! – der 6-Tage-Plan für die Krisenvorsorge

Es ist ein friedlicher Sonntagmorgen – oder besser gesagt: Er war es. Der Kaffee ist fertig, das Mobiltelefon liegt bei neun Prozent Akkuladung und plötzlich heult eine Sirene. Kurz darauf fallen Strom, Mobilfunk und Leitungswasser aus. Der Kühlschrank schweigt, die Heizung denkt nicht einmal daran, ihren Dienst anzutreten, und der smarte Lautsprecher ist erstmals genauso ratlos wie sein Besitzer.

Natürlich könnte nach zwei Stunden alles wieder funktionieren. Es könnte aber auch länger dauern. Krisenvorsorge beginnt genau an diesem Punkt: nicht mit einem Bunker, zwölf Armbrüsten und einem Jahresvorrat Dosenravioli, sondern mit der nüchternen Frage, welche lebenswichtigen Dinge im eigenen Haushalt ausfallen können – und wie man diese Ausfälle für einige Tage beherrschbar macht.

Unfertiger Notvorrat mit einer teilweise gefüllten Kiste und zwei Wasserkanistern im Keller
Der Sechs-Tage-Plan beginnt mit einem realistischen Grundvorrat statt mit perfekter Ausrüstung.

Wichtig: Die sechs Tage sind Vorbereitungstage im normalen Alltag. Sie sollen nicht erst beginnen, wenn bereits gewarnt wird und der Supermarkt voller Menschen ist, die offenbar alle gleichzeitig ihre lebenslange Leidenschaft für Toilettenpapier entdecken. Ziel ist zunächst eine vollständige Versorgung für drei Tage. Danach wird Schritt für Schritt auf möglichst zehn Tage erweitert.

Was nach sechs Tagen tatsächlich erreicht sein soll

Nach diesem Plan besitzen Sie keinen Schutzschild gegen jede denkbare Katastrophe. Sie kennen aber die Schwachstellen Ihres Haushalts, haben die wichtigsten Vorräte begonnen, können Warnungen empfangen, verfügen über Licht und Informationen ohne Netzstrom und wissen, ob Sie bei einer konkreten Gefahr bleiben oder das Gebäude verlassen müssen. Das ist wesentlich nützlicher als eine beeindruckende Ausrüstungssammlung, deren Batterien leer sind und deren Bedienungsanleitung noch eingeschweißt ist.

Tag 1: Lage und Abhängigkeiten

Risiken, Menschen, Tiere, Medikamente, Warnwege und wichtige Kontakte erfassen.

Tag 2: Wasser

Trink- und Kochwasser berechnen, geeignete Behälter wählen und Brauchwasser getrennt planen.

Tag 3: Lebensmittel

Komplette Mahlzeiten für drei Tage zusammenstellen und anschließend auf zehn Tage ausbauen.

Tag 4: Stromausfall

Licht, Radio, Akkus, sichere Kochmöglichkeit und Wärmeversorgung praktisch testen.

Tag 5: Gesundheit und Alltag

Medikamente, Erste Hilfe, Hygiene, Nottoilette, Dokumente, Bargeld und Familienplan ordnen.

Tag 6: Bleiben oder gehen

Notgepäck, Wege, Treffpunkte, Transportmöglichkeiten und die Entscheidung zur Evakuierung vorbereiten.


Tag 1

Erkenntnis ist der erste Schritt – Bestandsaufnahme statt Weltuntergangskino

Der erste Tag beginnt nicht im Supermarkt, sondern am Küchentisch. Schreiben Sie auf, wer im Haushalt versorgt werden muss und welche Funktionen von Strom, Wasser, Gas, Mobilfunk oder fremder Hilfe abhängen. Ein gesunder Erwachsener im Erdgeschoss hat andere Probleme als eine Familie mit Säugling, ein Mensch mit elektrisch betriebenem Pflegehilfsmittel oder jemand, der ohne Aufzug die Wohnung nicht verlassen kann.

Gehen Sie die wahrscheinlichsten Störungen durch: mehrstündiger Stromausfall, ausgefallene Heizung, verunreinigtes Leitungswasser, Starkregen, Hochwasser, Sturm, Gebäudebrand oder eine behördlich angeordnete Räumung. Es geht nicht darum, jede Hollywood-Handlung vorherzusagen. Entscheidend sind die gemeinsamen Folgen: fehlendes Wasser, keine Kochmöglichkeit, kein Licht, eingeschränkte Kommunikation, Kälte, medizinische Engpässe oder ein blockierter Weg.

Die drei schnellsten Engpässe bestimmen

Notieren Sie zu jedem wichtigen Bereich, wann er kritisch wird. Zwei verbliebene Tabletten eines täglich benötigten Medikaments sind dringlicher als eine weitere Kiste Nudeln. Ein medizinisches Gerät mit vier Stunden Akkulaufzeit ist wichtiger als die Frage, ob der Vorrat ausreichend Schokolade enthält. Schokolade ist zweifellos ein bedeutendes Kulturgut, aber sie lädt keinen Sauerstoffkonzentrator.

Menschen
Kinder, ältere Menschen, Erkrankungen, Mobilität, Allergien, besondere Ernährung und notwendige Unterstützung.
Technik
Heizung, Warmwasser, Herd, Aufzug, elektrische Tür oder Garage, Kühlgeräte, Pflege- und Kommunikationshilfen.
Umgebung
Hochwasserbereiche, Kellerlage, nahe Gewässer, Industrieanlagen, Waldbrandrisiko, nur eine Zufahrt oder winterlich schwer passierbare Wege.
Tiere
Wasser, Futter, Medikamente, Leine, Transportbox, Kennzeichnung und mögliche Ersatzunterkunft.
Hilfe
Nachbarn, Angehörige, Ersatzschlüssel, Abholberechtigte, Pflegekontakte und örtliche Notfalltreffpunkte.

Warnungen empfangen und richtig einordnen

Warnungen können über Cell Broadcast, Warn-Apps wie NINA, Radio, Sirenen, Lautsprecherwagen oder örtliche Informationsstellen kommen. Ein einminütiger auf- und abschwellender Sirenenton bedeutet in Deutschland grundsätzlich: Es besteht Gefahr – informieren Sie sich. Ein einminütiger Dauerton wird üblicherweise zur Entwarnung verwendet. Lokale Besonderheiten sind möglich, und eine Sirene liefert noch keine vollständige Handlungsanweisung. Sie ist der Hinweis, jetzt verlässliche Informationen zu beschaffen.

  • Warn-App einrichten und die gewünschten Orte korrekt auswählen.
  • Prüfen, ob Cell Broadcast am Mobiltelefon empfangen werden kann.
  • Batterie-, Kurbel- oder Autoradio testen und regionale Sender notieren.
  • Örtliche Anlaufstellen, Feuerwehr, Rathaus oder kommunale Notfalltreffpunkte kennen.
  • Wichtige Telefonnummern auf Papier sichern. Eine Kontaktliste in einem entladenen Telefon besitzt vor allem dekorativen Wert.
  • Amtliche Meldung vollständig lesen oder hören: Gefahr, betroffenes Gebiet, erwartete Dauer und konkrete Handlung gehören zusammen.

Aufgabe für Tag 1

  1. Alle Haushaltsmitglieder und besonderen Bedürfnisse auf einer Seite erfassen.
  2. Die drei zeitkritischsten Abhängigkeiten markieren.
  3. Warn-App, Cell Broadcast und Radio prüfen.
  4. Zwei Kontaktpersonen und eine örtliche Informationsstelle notieren.
  5. Fehlende Dinge noch nicht wahllos kaufen, sondern eine geordnete Liste für die folgenden Tage anlegen.
Tag 2

Wasser – weil 40 Dosen Bohnen ohne Getränk eine überraschend schlechte Idee sind

Wasser erhält am zweiten Tag bewusst Vorrang vor dem großen Lebensmitteleinkauf. Als grundlegender Planungswert gelten zwei Liter pro Person und Tag für Trinken und einfache Speisenzubereitung. Darin sind etwa ein halber Liter zum Kochen enthalten. Bei Hitze, Fieber, Stillzeit, körperlicher Belastung oder besonderem medizinischem Bedarf kann deutlich mehr erforderlich sein. Haustiere werden zusätzlich berechnet.

Drei Tage

Eine Person: 6 Liter
Zwei Personen: 12 Liter
Vier Personen: 24 Liter

Zehn Tage

Eine Person: 20 Liter
Zwei Personen: 40 Liter
Vier Personen: 80 Liter

Diese Menge deckt den Grundbedarf für Trinken und Kochen, nicht die gesamte Körperpflege, Reinigung oder Toilettenspülung. Brauchwasser wird getrennt vorgesehen. Das ist weniger romantisch als ein Regal voller Spezialausrüstung, aber in einem Versorgungsausfall erheblich hilfreicher.

Geeignete Behälter und Lagerorte

  • Nur lebensmittelechte, saubere Behälter nutzen; ehemalige Kanister für Kraftstoff oder Reinigungsmittel sind ausgeschlossen.
  • Mehrere Größen kombinieren. Kleine Flaschen sind leicht zu verteilen und zu tragen, größere Kanister nutzen den Lagerraum besser.
  • Nur Behälter wählen, die gefüllt noch sicher bewegt und ausgegossen werden können. Ein 30-Liter-Kanister sieht sehr effizient aus, bis ihn jemand zur Spüle heben soll.
  • Kühl, lichtgeschützt und frostsicher lagern; Herstellerhinweise und Kontrollintervalle beachten.
  • Nicht den gesamten Vorrat im hochwassergefährdeten Keller oder an nur einer Stelle unterbringen.
  • Auch einen sauberen, passenden Ausgießer oder Hahn bereithalten, damit das Wasser nicht beim Öffnen großzügig den Fußboden versorgt.

Die Badewanne ist nicht automatisch ein Trinkwassertank

Wenn ein Ausfall angekündigt wurde und noch einwandfreies Leitungswasser verfügbar ist, werden zuerst saubere, lebensmittelechte Behälter gefüllt. Eine gewöhnliche Badewanne kann Reinigungsmittelreste enthalten, über den Stopfen Wasser verlieren und lässt sich nicht hygienisch verschließen. Ohne einen dafür vorgesehenen lebensmittelechten Wanneneinsatz eignet sich das Wasser eher als Brauchwasser für Reinigung oder Toilette, nicht als verlässlicher Trinkwasservorrat. Die Badewanne ist vieles – Wellnessbereich, Wäscheablage, gelegentlich U-Boot für Kinder – aber nicht durch bloßes Ausspülen zertifiziert.

Wasseraufbereitung: Verfahren haben Grenzen

Trübes Wasser wird zunächst abgesetzt oder vorgefiltert. Danach richtet sich die eigentliche Aufbereitung nach der vermuteten Belastung und dem eingesetzten Verfahren. Viele tragbare Hohlfaserfilter halten Bakterien und Protozoen zurück, aber nicht automatisch Viren, gelöste Chemikalien, Salze oder Kraftstoffe. Aktivkohle kann Geschmack und bestimmte Stoffe reduzieren, macht jedoch aus unbekanntem, chemisch belastetem Wasser keine sichere Trinkquelle.

Abkochen oder korrekt eingesetzte Desinfektionsmittel können viele Krankheitserreger inaktivieren. Sie entfernen keine Treibstoffe, Schwermetalle, andere giftige Chemikalien oder radioaktive Stoffe. Eine behördliche Abkochempfehlung ist außerdem etwas anderes als ein vollständiges Nutzungsverbot. Bei einem Nutzungsverbot gelten ausschließlich die amtlichen Vorgaben. Wer Benzingeruch wahrnimmt, benötigt eine andere Wasserquelle und keinen besonders entschlossenen Kochtopf.

Aufgabe für Tag 2

  1. Personenzahl × Tage × 2 Liter rechnen; Tiere und besondere Bedürfnisse ergänzen.
  2. Zunächst drei Tage vollständig einlagern.
  3. Zusätzliches Brauchwasser und geeignete Behälter planen.
  4. Alle Behälter beschriften, verteilen und auf Tragbarkeit prüfen.
  5. Vorhandene Filter oder Mittel anhand ihrer Anleitung prüfen: Wogegen wirken sie tatsächlich, wie lange und mit welcher Einwirkzeit?
Tag 3

Lebensmittel – der Supermarkt bleibt heute erfreulich unverwüstet

Am dritten Tag wird eingekauft – zu einem ganz normalen Zeitpunkt, in ganz normalen Mengen. Die Krise hat überraschend selten Rücksicht auf Öffnungszeiten. Deshalb ist es sinnvoller, jede Woche einige regulär genutzte Produkte zusätzlich mitzunehmen, als bei einer Warnung gemeinsam mit der halben Stadt um die letzten Nudeln zu verhandeln.

Für die Vorratsplanung kann bei einem Erwachsenen mit rund 2.200 Kilokalorien pro Tag gerechnet werden. Das ergibt etwa 6.600 Kilokalorien für drei Tage und 22.000 Kilokalorien für zehn Tage. Der tatsächliche Bedarf kann je nach Körpergröße, Alter, Gesundheit, Temperatur und körperlicher Belastung höher oder niedriger liegen. Kinder werden nicht einfach wie kleine Erwachsene berechnet, sondern nach Alter und gewohntem Bedarf versorgt.

Die Kalorienzahl allein ergibt jedoch noch keinen brauchbaren Vorrat. Planen Sie vollständige Mahlzeiten für die tatsächlichen Personen: Frühstück, Hauptmahlzeit und kleinere Mahlzeit – zunächst für drei Tage, später für zehn. Entscheidend ist, dass die Produkte vertragen werden, ohne Kühlung haltbar sind und zur vorhandenen Kochmöglichkeit passen. 22.000 Kilokalorien in Form von trockenem Reis sehen auf dem Papier beeindruckend aus, benötigen aber Wasser, Brennstoff und eine gewisse Bereitschaft, sehr lange ausschließlich Reis zu essen.

Vier Fragen an jedes Vorratsgericht

Kann es ohne Kühlung lagern?

Kühl- und Gefriergeräte fallen bei längerem Stromausfall aus. Der Grundvorrat muss davon unabhängig bleiben.

Kann es ohne Erhitzen gegessen werden?

Einige vollständige Mahlzeiten sollten ohne Kocher auskommen, falls Gerät, Brennstoff oder sicherer Betriebsort fehlen.

Wie viel Wasser und Brennstoff braucht es?

Trockene Bohnen sind haltbar, benötigen aber deutlich mehr Wasser, Zeit und Energie als verzehrfertige Hülsenfrüchte.

Wird es wirklich gegessen?

Eine Krise ist ein ungünstiger Zeitpunkt, zehn Tage lang ein Lebensmittel kennenzulernen, das schon beim ersten Probieren niemand mochte.

Ein sinnvoller Mix

  • Ohne Erhitzen essbar: Knäckebrot, Aufstriche, verzehrfertige Hülsenfrüchte, Fisch-, Fleisch- oder Pflanzenkonserven, Obstkonserven, Nüsse und geeignete Fertiggerichte.
  • Mit kurzer Kochzeit: Haferflocken, Couscous, Kartoffelflocken, kleine Nudeln, schnell garende Getreideprodukte und vorgekochte Lebensmittel.
  • Energie und Eiweiß: Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, haltbare Milchprodukte, Fisch, Fleisch oder pflanzliche Alternativen kombinieren.
  • Fett und Geschmack: Öl, Nussmus, haltbare Soßen, Gewürze, Kaffee oder Tee erhöhen Energiedichte und Akzeptanz. Moral ist schließlich auch ein Stoffwechselvorgang.
  • Besondere Versorgung: Säuglingsnahrung, Allergieprodukte, medizinisch notwendige Kost und Tierfutter von Anfang an einrechnen.
  • Dosenöffner: Er gehört direkt zum Vorrat. Eine Konserve ist robust, lange haltbar und ohne Öffnungshilfe ein erstaunlich wirkungsvoller Briefbeschwerer.

Rotation statt Ravioli-Schicksal

Neue Ware wird nach hinten gestellt, ältere zuerst verbraucht. Der Vorrat besteht möglichst aus Lebensmitteln, die ohnehin regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. So bleibt er aktuell und wird nicht alle fünf Jahre in einer feierlichen Zeremonie entsorgt. Kontrollieren Sie Verpackungen auf Feuchtigkeit, Schädlingsbefall, Rost, undichte Gläser und aufgeblähte Dosen. Beschädigte oder aufgeblähte Konserven werden nicht probiert.

Lagern Sie Vorräte erreichbar und nicht direkt auf einem möglicherweise feuchten Boden. In einem hochwassergefährdeten Gebäude gehören wichtige Lebensmittel und Wasser nicht vollständig in den Keller. Ein Teil an einem zweiten geeigneten Ort erhöht die Ausfallsicherheit.

Aufgabe für Tag 3

  1. Für jede Person drei Frühstücke, drei Hauptmahlzeiten und drei kleinere Mahlzeiten aufschreiben.
  2. Mindestens mehrere Mahlzeiten ohne Erhitzen vorsehen.
  3. Kochwasser, Brennstoff und notwendige Hilfsmittel mitrechnen.
  4. Fehlende Produkte in normalen Mengen kaufen und sinnvoll lagern.
  5. Eine geplante Tagesration probeweise zubereiten und essen. Fehlende Zutaten werden so entdeckt, bevor sie fehlen.
Tag 4

Stromausfall – Licht, Information, Kochen und Wärme ohne neue Katastrophe

Am vierten Tag wird für einige Stunden die Sicherung der ausgewählten Räume ausgeschaltet – sofern dadurch keine medizinischen Geräte, Heizungsanlagen, Alarmtechnik oder andere kritische Systeme beeinträchtigt werden. Nun zeigt sich, ob die Stirnlampe auffindbar ist, das Radio funktioniert und die Powerbank tatsächlich geladen wurde. Der Aufkleber „20.000 mAh“ allein erhellt leider keinen Raum.

Beleuchtung und elektrische Reserve

  • Mindestens eine Stirnlampe hält bei Arbeiten beide Hände frei; eine Raumleuchte versorgt den gemeinsamen Aufenthaltsbereich.
  • Passende Ersatzbatterien oder geladene Akkus werden direkt bei den Geräten gelagert und regelmäßig kontrolliert.
  • Powerbanks mit den eigenen Telefonen und Kabeln testen. Kapazitätsangaben sind keine Garantie für eine bestimmte Zahl vollständiger Ladungen.
  • Solar- und Kurbelgeräte können ergänzen, sollten aber vorab praktisch getestet werden. Fünf Minuten hektisches Kurbeln für zwei Prozent Akku sorgen vor allem für sehr warme Unterarme.
  • Kerzen nur standsicher, mit Abstand zu brennbaren Stoffen und unter ständiger Aufsicht verwenden. Batterielicht ist meist die sicherere Lösung.

Information ohne Internet

Ein Batterie-, Kurbel- oder Autoradio ermöglicht den Empfang regulärer Rundfunksender, über die Behörden Warnungen und Hinweise verbreiten können. Es gibt nicht die eine magische Katastrophenschutzfrequenz, die man nur geheim genug notieren muss. Speichern Sie regionale öffentlich-rechtliche Sender, legen Sie die benötigten Batterien dazu und notieren Sie lokale Informationsstellen.

Das Mobiltelefon wird in den Energiesparmodus versetzt. Helligkeit reduzieren, unnötige Funkverbindungen abschalten und nur gezielt kommunizieren. Kurze Textnachrichten benötigen oft weniger Netzkapazität als wiederholte Anrufe. Gerüchte aus sozialen Netzwerken werden nicht ungeprüft weitergeleitet – auch dann nicht, wenn sie in Großbuchstaben geschrieben und mit zwölf roten Ausrufezeichen versehen sind.

Kochen ohne Netzstrom

Die Ersatzkochmöglichkeit richtet sich nach Gerät und Einsatzort. In Innenräumen kommen nur Geräte infrage, deren Hersteller diesen Betrieb ausdrücklich erlaubt. Anleitung, Lüftung, Abstände, Brennstoff und Brandschutz müssen zusammenpassen. Gewöhnliche Campingkocher, Holzkohlegrills, benzinbetriebene Kocher und viele Gasgeräte werden ausschließlich im Freien und weit genug von Türen, Fenstern und Lüftungsöffnungen betrieben. Ein Kohlenmonoxidmelder ist sinnvoll, macht ein ungeeignetes Verbrennungsgerät aber nicht geeignet.

Kohlenmonoxid ist farb-, geruch- und geschmacklos. Generatoren, Holzkohlegrills und nicht für Innenräume zugelassene Kocher gehören weder in Wohnung, Keller, Garage, Schuppen, Wintergarten noch Zelt. Abgase dürfen nicht in Gebäude ziehen.

Ermitteln Sie den Brennstoffbedarf mit einem Probelauf: Bereiten Sie eine typische Mahlzeit mit dem vorgesehenen Gerät zu und messen Sie den Verbrauch. Deckel, passende Topfgröße, Einweichen und Nachquellen sparen Energie. Brennstoff gehört in dichte, robuste Behälter, getrennt von Lebensmitteln, offenen Flammen und heißen Geräten. Der Vorrat muss so stehen, dass nichts umkippt, ausläuft oder von Kindern erreicht wird.

Wärme erhalten

Prüfen Sie, ob die vorhandene Heizung ohne Netzstrom funktioniert. Viele Gas- und Ölheizungen benötigen Strom für Steuerung, Zündung oder Pumpen. Bei Ausfall wird ein geeigneter Aufenthaltsraum genutzt, während andere Räume kühler bleiben können. Mehrere lockere Kleidungsschichten, Mütze, warme Socken, Decken, ein zur erwartbaren Temperatur passender Schlafsack und Isolierung gegen kalte Böden halten die Wärme am Menschen.

Kerzen sind keine brauchbare Raumheizung. Sie liefern wenig Wärme und erhöhen Brand- sowie Luftbelastungsrisiken. Ein sogenannter Teelichtofen ändert daran nichts; er sammelt die gleiche geringe Wärmemenge lediglich an einem heißen Gegenstand. Die Physik lässt sich auch in der Apokalypse nur ungern überreden.

Aufgabe für Tag 4

  1. Lampen, Radio, Powerbanks, Kabel und Batterien vollständig testen.
  2. Einen sicheren Aufenthaltsraum und die vorhandene Wärmeausrüstung festlegen.
  3. Eine Mahlzeit mit der vorgesehenen Ersatzkochmöglichkeit probeweise zubereiten.
  4. Zulässigen Betriebsort und Brennstofflagerung anhand der Herstellerangaben prüfen.
  5. Feuerlöscher, Löschdecke und Kohlenmonoxidmelder kontrollieren, soweit sie zur Ausstattung gehören.
Tag 5

Gesundheit, Hygiene und Dokumente – die unspektakulären Dinge, die plötzlich spektakulär fehlen

Am fünften Tag kümmern Sie sich um alles, was in Ausrüstungswerbung selten dramatisch aussieht: persönliche Medikamente, Seife, Toilettenbeutel, Ersatzbrille, Kontaktdaten und Kopien wichtiger Unterlagen. Gerade diese Dinge entscheiden jedoch häufig darüber, ob eine Störung nur unbequem oder medizinisch problematisch wird.

Medikamente und Erste Hilfe

  • Regelmäßig benötigte Medikamente möglichst für mindestens zehn Tage vorhalten, soweit ärztliche Verordnung, Haltbarkeit und Lagerung dies erlauben.
  • Aktuellen Medikamentenplan mit Wirkstoff, Dosierung und Einnahmezeiten auf Papier bereithalten.
  • Kühlpflichtige Präparate nicht einfach in eine Kühlbox legen und hoffen. Mit Arzt, Apotheke oder Versorger klären, welche Temperatur, Ersatzversorgung und maximale Unterbrechung gelten.
  • Verbandmaterial, Pflaster, sterile Kompressen, Mullbinden, Einmalhandschuhe, Schere und Fieberthermometer ergänzen und auf Haltbarkeit prüfen.
  • Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig auffrischen. Ein perfekt sortierter Verbandkasten behandelt niemanden selbstständig.
  • Ersatzbrille, Hörgerätebatterien und benötigte Mobilitätshilfen einplanen.

Hygiene bei ausgefallenem Wasser

Sauberes Wasser bleibt zuerst für Trinken, Medikamente, Säuglingsnahrung und Lebensmittel vorgesehen. Bei knapper Menge hat Händehygiene Vorrang vor ausgedehnter Körperpflege. Besonders wichtig sind Hände nach dem Toilettengang, vor dem Essen, vor der Zubereitung von Lebensmitteln und nach der Versorgung kranker Menschen.

Wenn Kanalisation oder Wasserversorgung ausfallen, kann eine Campingtoilette oder ein stabiler Eimer mit dicht schließendem Deckel vorbereitet werden. Dazu gehören reißfeste Beutel, Bindematerial, saugfähiges Material, Toilettenpapier und Handschuhe. Ausscheidungen, Windeln und Abfälle werden dicht verschlossen, von Nahrung und Wasser getrennt und nach örtlichen Anweisungen entsorgt. Feuchttücher gehören nicht in eine möglicherweise bereits gestörte Kanalisation.

Hygiene-Grundausstattung

  • Seife und Händedesinfektionsmittel
  • Toilettenpapier und reißfeste Beutel
  • Damenhygiene, Windeln und Pflegebedarf
  • Zahnpflege und Waschlappen
  • Haushaltshandschuhe und Abfallbeutel

Gesundheits-Grundausstattung

  • Persönliche Medikamente
  • Medikamenten- und Allergieplan
  • Erste-Hilfe-Material
  • Ersatzbrille und Hilfsmittel
  • Wichtige medizinische Kontakte

Dokumente, Bargeld und Kontaktplan

Originale wichtiger Dokumente werden geordnet und geschützt gelagert. Kopien können in einer wasserdichten Mappe und zusätzlich verschlüsselt auf einem Datenträger gesichert werden. Zur Auswahl gehören Personaldokumente, Versicherungsdaten, medizinische Informationen, Vollmachten, wichtige Verträge, Eigentumsnachweise und aktuelle Kontaktlisten. Nicht jede alte Kaufquittung muss in den Evakuierungsrucksack. Die Garantie des Fernsehers gewinnt durch den Stromausfall selten an operativer Bedeutung.

Ein angemessener Bargeldbetrag in kleiner Stückelung ist sinnvoll, weil Kartenzahlung und Geldautomaten bei Strom- oder IT-Ausfall nicht funktionieren können. Der Betrag richtet sich nach Haushalt und Möglichkeiten; er wird sicher verwahrt und nicht öffentlich präsentiert.

Legen Sie zwei Treffpunkte fest: einen in unmittelbarer Nähe, falls nur das Gebäude verlassen werden muss, und einen weiter entfernten, wenn das Wohngebiet nicht erreichbar ist. Bestimmen Sie außerdem eine Kontaktperson außerhalb der eigenen Region. Alle Haushaltsmitglieder sollten Namen, Adresse und Telefonnummer kennen oder auf Papier bei sich tragen.

Aufgabe für Tag 5

  1. Persönliche Medikamente, Hilfsmittel und Erste-Hilfe-Material prüfen.
  2. Eine praktikable Nottoiletten- und Abfalllösung zusammenstellen.
  3. Dokumentenmappe, Papierkontaktliste und kleinen Bargeldbestand ordnen.
  4. Zwei Treffpunkte und eine externe Kontaktperson festlegen.
  5. Bedarf von Kindern, älteren Menschen und Tieren vollständig ergänzen.
Tag 6

Bleiben oder gehen – Evakuierung ist eine Entscheidung, kein Wanderurlaub

Der letzte Vorbereitungstag behandelt das Verlassen der Wohnung. Dabei gilt nicht automatisch: Strom weg, Rucksack auf, ab in den Wald. Ein intaktes Gebäude bietet oft Schutz, Vorräte, sanitäre Möglichkeiten und eine bekannte Umgebung. Verlassen wird es bei unmittelbarer Gefahr, behördlicher Anweisung oder wenn lebenswichtige Bedürfnisse dort nicht mehr gesichert werden können.

Eher bleiben
Gebäude sicher, keine Räumungsanweisung, Versorgung vorübergehend möglich, Wege gefährlicher als der Standort und verlässliche Informationen vorhanden.
Gebäude verlassen
Brand, Rauch, Gasgeruch, Einsturzgefahr, rasch eindringendes Wasser, örtliche Räumungsanweisung oder andere unmittelbare Gefährdung.
Geordnet evakuieren
Behördliche Anordnung, unbewohnbares Gebäude, nicht mehr sicher versorgbare Erkrankung oder klar festgelegtes Schutzziel.

Notgepäck: tragbar schlägt beeindruckend

Das Notgepäck soll den Weg zu einer sicheren Unterkunft erleichtern, nicht den gesamten Haushalt ersetzen. Die genaue Auswahl hängt von Entfernung, Verkehrsmittel, Jahreszeit, Gesundheit und Zielort ab. Sechs Liter Wasser pro Person im Rucksack wiegen allein sechs Kilogramm. Eine sinnvolle Startmenge wird deshalb mit bekannten Auffüllmöglichkeiten und dem Vorrat am Ziel abgestimmt.

Dokumente: wasserdichte Mappe, Kontaktliste, medizinische Angaben, Bargeld und Schlüssel.
Gesundheit: persönliche Medikamente, kleines Erste-Hilfe-Set, Brille und notwendige Hilfsmittel.
Wasser und Nahrung: realistisch tragbare Wassermenge, Flasche, sofort essbare Lebensmittel und persönliche Sonderkost.
Kleidung: wetterangepasste Wechselwäsche, feste Schuhe, Wärme- und Regenschutz.
Information: Telefon, Powerbank, Kabel, Radio oder andere geeignete Empfangsmöglichkeit sowie Papierkarte.
Licht und Alltag: Stirnlampe, Hygieneartikel, Trinkgefäß, robuste Beutel und ein kleines Reparaturset.
Kinder und Tiere: Nahrung, Windeln, vertrauter Gegenstand, Leine, Transportbox, Kennzeichnung und Unterlagen.

Der fertig gepackte Rucksack wird angehoben, aufgesetzt und mindestens über Treppen sowie eine kurze Strecke getragen. Der 18-Kilo-Rucksack wirkt im Flur ausgesprochen kompetent. Nach vier Stockwerken verwandelt er sich jedoch häufig in eine sehr persönliche Charakterprüfung. Was nicht getragen werden kann, muss reduziert, auf mehrere Personen verteilt oder anders transportiert werden.

Wege, Verkehrsmittel und Ziele

  • Mindestens zwei Wege zu einem realistischen Ziel festlegen und auf Papierkarte markieren.
  • Hochwasserbereiche, Tunnel, Brücken, Bahnübergänge und mögliche Sperrungen berücksichtigen.
  • Mit Kindern, älteren Menschen oder Mobilitätshilfen die tatsächliche Wegzeit ermitteln.
  • Fahrzeug regelmäßig betriebsbereit halten und den Tank möglichst nicht bis auf die Reserve leer fahren.
  • Einen Kraftstoffvorrat nur in dichten, dafür geeigneten Kanistern lagern. Kanister kühl, standsicher und fern von Flammen, Zündquellen und Wohnräumen aufbewahren; regelmäßig auf Undichtigkeiten prüfen.
  • Nicht zu einem unbekannten Ziel aufbrechen, nur weil der Rucksack endlich einmal benutzt werden soll.

Der Familienablauf

Wer holt Kinder ab? Wer hilft einer eingeschränkten Person? Wer nimmt Medikamente, Dokumentenmappe und Tierausstattung? Wo wird eine Nachricht hinterlassen, wenn die Familie getrennt ist? Diese Fragen werden vorab verteilt. Ein einfacher Plan ist besser als fünf konkurrierende Pläne, die erst im Treppenhaus mit wachsender Lautstärke vorgestellt werden.

Aufgabe für Tag 6

  1. Bleibe- und Evakuierungskriterien für die wichtigsten örtlichen Gefahren aufschreiben.
  2. Notgepäck für die tatsächlichen Personen und Tiere zusammenstellen.
  3. Gewicht prüfen und den gepackten Rucksack praktisch tragen.
  4. Zwei Wege und zwei Treffpunkte mit einer Papierkarte kontrollieren.
  5. Rollen verteilen und einen kurzen Probelauf durchführen.

Wenn die Störung bereits begonnen hat

Der Sechs-Tage-Plan dient der Vorbereitung. Läuft die Krise schon, wird nicht versucht, die gesamte Liste hektisch nachzuholen. Dann entscheidet die konkrete Gefahr. Bei Brand, Gasgeruch, Einsturzgefahr oder eindringendem Wasser zählt die unmittelbare Rettung. Bei einer Warnung werden amtliche Hinweise befolgt. Bei einem Stromausfall ohne weitere Gefahr werden zunächst Licht, Informationen, medizinische Abhängigkeiten und die sichere Versorgung des Haushalts geordnet.

In den ersten Minuten

  • Akute Gefahr erkennen und Personen sichern.
  • Notruf oder Warnmeldung beachten.
  • Medizinische Geräte und hilfsbedürftige Menschen prüfen.
  • Brand-, Gas- und Wasserrisiken kontrollieren, ohne sich zu gefährden.

In der ersten Stunde

  • Verlässliche Informationen beschaffen.
  • Telefonenergie sparen und Angehörige knapp informieren.
  • Kühlgeräte geschlossen halten.
  • Trinkwasserbestand und Heizungslage prüfen.

Für die nächsten Stunden

  • Gemeinsamen Aufenthaltsraum einrichten.
  • Lebensmittel mit begrenzter Haltbarkeit sinnvoll priorisieren.
  • Nachbarn mit Unterstützungsbedarf einbeziehen.
  • Entwicklung und behördliche Hinweise regelmäßig prüfen.

Nicht tun

  • Keine ungeeigneten Koch- oder Heizgeräte in Innenräumen betreiben.
  • Nicht wegen Gerüchten aufbrechen.
  • Keine unbekannten Wasserquellen blind verwenden.
  • Notrufleitungen nicht für reine Informationsfragen blockieren.

Ab dem siebten Tag: aus dem Projekt wird eine Gewohnheit

Nach sechs Vorbereitungstagen steht ein brauchbares Grundsystem. Nun wird der Drei-Tage-Vorrat auf fünf, sieben und möglichst zehn Tage erweitert. Ein fester Kontrolltermin – beispielsweise beim Wechsel von Sommer- und Winterzeit – reicht für viele Bereiche aus. Medikamente, Wasser, Lebensmittel, Akkus und saisonale Kleidung benötigen jeweils ihre eigenen Intervalle.

  • Verbrauchte Lebensmittel und Hygieneartikel zeitnah ersetzen.
  • Wasser nach Herstellerangaben kontrollieren und erneuern.
  • Powerbanks laden, Batterien prüfen und beschädigte Akkus aussortieren.
  • Dokumente, Kontakte, Medikamente und Treffpunkte aktualisieren.
  • Notgepäck an Jahreszeit, Körpergröße und veränderte Bedürfnisse anpassen.
  • Einmal jährlich einen mehrstündigen Stromausfall im Haushalt üben, ohne sicherheitsrelevante Systeme abzuschalten.

Und die Apokalypse? Die darf gern ausbleiben. Der Vorrat hilft schließlich auch bei Krankheit, Sturm, Hochwasser, einem längeren Stromausfall oder einer unterbrochenen Versorgung. Wenn am Ende nur die älteren Ravioli planmäßig gegessen werden müssen, war die Krisenvorsorge trotzdem kein Fehlschlag – sondern ungewöhnlich gut organisiertes Abendessen.

Die komplette Sechs-Tage-Kontrolle

Besondere Bedürfnisse, medizinische Abhängigkeiten und örtliche Gefahren sind schriftlich erfasst.
Warn-App, Cell Broadcast, Radio und lokale Informationswege wurden praktisch geprüft.
Mindestens drei Tage Trink- und Kochwasser sind sinnvoll gelagert; Brauchwasser ist getrennt bedacht.
Für mindestens drei Tage stehen vollständige, vertraute Mahlzeiten bereit, darunter Lebensmittel ohne Erhitzung.
Licht, Akkus, Wärmeausrüstung und eine sichere Kochlösung funktionieren tatsächlich.
Medikamente, Erste Hilfe, Hygiene und eine Nottoilettenlösung sind vorhanden.
Dokumentenmappe, Bargeld, Papierkontakte, Treffpunkte und Zuständigkeiten sind geklärt.
Notgepäck ist vollständig, tragbar und auf Menschen, Tiere, Ziel und Jahreszeit abgestimmt.
Der Ausbau auf möglichst zehn Tage und ein regelmäßiger Kontrolltermin sind festgelegt.