Outdoor-Erste-Hilfe – Herz-Lungen-Wiederbelebung in der Wildnis
Ein Kreislaufstillstand im abgelegenen Gelände unterscheidet sich medizinisch nicht grundsätzlich von einem Kreislaufstillstand in der Stadt. Schwieriger sind jedoch das Erkennen, die Alarmierung, das Heranführen eines AED, die körperlich anstrengende Reanimation und die lange Zeit bis zur Übergabe an den Rettungsdienst. Deshalb braucht es einen einfachen Ablauf, eine klare Aufgabenverteilung und Entscheidungen, die auch bei Kälte, Nässe, Dunkelheit oder fehlendem Mobilfunk funktionieren.
Bei einer reglosen Person zählt nicht die perfekte Diagnose. Reagiert sie nicht und atmet sie nicht normal, wird ein Kreislaufstillstand angenommen. Der Notruf wird ausgelöst, danach beginnen sofort Brustkompressionen. Schnappatmung, vereinzeltes Seufzen oder langsames, angestrengtes Luftschnappen sind keine normale Atmung.
1. Kreislaufstillstand schnell erkennen
Sprich die Person laut an und berühre sie an den Schultern. Bleibt jede Reaktion aus, ruf sofort weitere Helfer heran und löse den Notruf aus. Öffne anschließend den Atemweg durch vorsichtiges Überstrecken des Kopfes und Anheben des Kinns. Prüfe höchstens zehn Sekunden, ob sich der Brustkorb regelmäßig hebt und ob eine normale Atmung hör- oder fühlbar ist.
Laien sollen keinen langen Pulstest durchführen. Ein schwacher Puls ist selbst unter guten Bedingungen schwer sicher zu ertasten; bei Kälte, Stress und Handschuhen ist das noch unzuverlässiger. Entscheidend ist die Kombination aus Bewusstlosigkeit und fehlender normaler Atmung.
Was häufig fälschlich für Atmung gehalten wird
- Schnappatmung: einzelne, geräuschvolle oder krampfartige Atemzüge mit langen Pausen.
- Hecheln nach Belastung: Auch eine sportlich wirkende, keuchende Atmung unmittelbar nach einem Kollaps kann bereits Zeichen des Kreislaufstillstands sein.
- Kurze Krampfbewegungen: Zu Beginn eines Kreislaufstillstands können einzelne Zuckungen oder ein kurzer krampfartiger Anfall auftreten. Nach Ende der Bewegungen wird sofort die Atmung geprüft.
2. Der Sofortablauf im Gelände
Steinschlag, Absturz, fließendes Wasser, Lawinenhang, Blitzgefahr, Feuer oder Verkehr zuerst beherrschen. Ist der Ort akut gefährlich, wird die Person so weit wie nötig an eine sichere Stelle gebracht.
Laut ansprechen, an den Schultern berühren und gleichzeitig nach weiteren Helfern rufen.
In Deutschland und der EU 112 wählen, Lautsprecher einschalten und das Telefon neben Dich legen. Bei einer Gruppe telefoniert eine Person, während eine andere die Atmung prüft.
Atemweg öffnen und höchstens zehn Sekunden auf normale Atmung achten. Bei Bewusstlosigkeit und unnormaler Atmung sofort von einem Kreislaufstillstand ausgehen.
Handballen auf die untere Hälfte des Brustbeins, zweite Hand darüber, Arme gestreckt und Schultern senkrecht über dem Brustkorb.
Ist ein Gerät erreichbar, wird es geholt und sofort angeschlossen. Die laufende Reanimation wird dafür so kurz wie möglich unterbrochen.
Liegt die Person an einem sicheren Ort, wird sie nicht erst zu einem vermeintlich besseren Platz getragen. Jede unnötige Verlagerung kostet Zeit und unterbricht die Durchblutung des Gehirns. Unebener Boden wird nur so weit ausgeglichen, dass der Oberkörper stabil liegt und Du senkrecht drücken kannst.
3. Brustkompressionen, die tatsächlich wirksam sind
Handposition
Öffne oder verschiebe dicke Jacken so weit, dass Du die Mitte des Brustkorbs zuverlässig findest. Setze den Handballen auf die untere Hälfte des Brustbeins, nicht auf den Oberbauch und nicht auf die Rippen. Lege die zweite Hand darauf und verschränke die Finger. Die Finger sollen keinen Druck auf die Rippen ausüben.
Körperposition
Knie dicht am Brustkorb. Arme und Ellenbogen bleiben gestreckt, die Schultern befinden sich senkrecht über den Händen. Der Druck entsteht aus dem Oberkörper und nicht aus den Armen. So erreichst Du die erforderliche Tiefe länger und ermüdest langsamer.
Tiefe, Tempo und Entlastung
Drücke den Brustkorb bei Erwachsenen mindestens 5 und höchstens 6 Zentimeter tief. Halte ein Tempo von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Nach jedem Druck muss der Brustkorb vollständig zurückfedern; lehne Dich in der Entlastungsphase nicht auf. Unterbrechungen werden auf ein Minimum begrenzt.
Untergrund
Eine feste, möglichst ebene Fläche verbessert die Kompressionen. Eine dünne Isomatte schützt vor Nässe und Schnee, darf aber nicht so weich sein, dass ein erheblicher Teil des Drucks in der Unterlage verschwindet. Auf einem schmalen Steig, im Boot oder auf einem steilen Hang muss zuerst eine Position hergestellt werden, in der Helfer und betroffene Person nicht abstürzen oder ins Wasser geraten.
Helferwechsel
Wirksame Kompressionen ermüden schnell. Bei mehreren Helfern wird ungefähr alle zwei Minuten gewechselt, möglichst während einer AED-Analyse oder unmittelbar nach einem 30er-Zyklus. Der nächste Helfer kniet bereits auf der gegenüberliegenden Seite und übernimmt ohne lange Erklärung. Wird die Drucktiefe sichtbar geringer, erfolgt der Wechsel früher.
4. Beatmung: wann und wie
Wenn Du Beatmungen beherrschst, wechselst Du 30 Brustkompressionen mit zwei Beatmungen ab. Öffne den Atemweg, verschließe die Nase, dichte Mund zu Mund oder mit einer geeigneten Taschenmaske ab und blase ungefähr eine Sekunde lang nur so viel Luft ein, bis sich der Brustkorb sichtbar zu heben beginnt. Zwei Versuche sollen die Kompressionspause nicht unnötig verlängern.
Wenn sich der Brustkorb nicht hebt
Korrigiere einmal die Kopfposition und die Abdichtung. Entferne nur Fremdkörper, die im Mund deutlich zu sehen und leicht greifbar sind. Nicht blind mit den Fingern im Rachen suchen. Lässt sich auch beim zweiten Versuch keine Luft einblasen, beginne sofort wieder mit 30 Kompressionen. Ein festsitzender Fremdkörper kann die Ursache sein.
Wenn keine Beatmung möglich ist
Kannst oder willst Du keine Atemspende durchführen, gib ohne Unterbrechung Brustkompressionen. Das ist bei einem plötzlich kollabierten Erwachsenen wesentlich besser als keine Reanimation. Bei Ertrinken, Kindern, Ersticken und vielen anderen durch Sauerstoffmangel verursachten Kreislaufstillständen ist die Beatmung allerdings besonders wichtig. Eine Taschenmaske mit Rückschlagventil gehört deshalb in die Erste-Hilfe-Ausrüstung von Tourenleitern.
5. Notruf, Standort und fehlender Empfang
Seit den ERC-Leitlinien 2025 gilt für Erwachsene besonders klar: Bereits bei einer nicht reagierenden Person wird der Rettungsdienst alarmiert. Die Atemkontrolle läuft während des Verbindungsaufbaus. Mit eingeschaltetem Lautsprecher kann die Leitstelle die Beurteilung unterstützen und die Reanimation anleiten.
Diese Angaben braucht die Leitstelle
- genauer Standort als Koordinate, Wegname, markante Geländestelle oder Hüttennummer;
- Zustiegs- oder Zufahrtsrichtung sowie Hindernisse für Boden- oder Luftrettung;
- „Person bewusstlos, keine normale Atmung, Reanimation läuft“;
- vermutete Ursache wie Sturz, Ertrinken, Blitzschlag, Unterkühlung oder plötzlicher Kollaps;
- Anzahl der Helfer, Uhrzeit des Zusammenbruchs oder Fundzeit und vorhandener AED;
- Rückrufnummer und verbleibende Akkukapazität.
Wenn kein Mobilfunk verfügbar ist
Ein vorhandener Satelliten-Notrufsender wird sofort aktiviert. In einer Gruppe bleibt mindestens eine Person bei der Reanimation; eine weitere sucht Verbindung oder weist Rettungskräfte ein. Geht eine einzelne Person allein an einen Ort mit Empfang, muss sie den schnellsten realistischen Weg wählen und so bald wie möglich zurückkehren. Bei einem plötzlich kollabierten Erwachsenen hat die Alarmierung Vorrang, weil Defibrillation und professionelle Hilfe ohne Alarmierung nicht eintreffen können.
Die Positionsübermittlung wird vor jeder Tour vorbereitet: Offlinekarte, geladener Akku, lokale Notrufnummern außerhalb der EU und die Bedienung des Satellitengeräts müssen bekannt sein. Ein Gerät, dessen SOS-Funktion erst im Ernstfall erklärt werden muss, spart keine Zeit.
6. AED im abgelegenen Gelände einsetzen
Ein automatisierter externer Defibrillator analysiert den Herzrhythmus und gibt nur dann einen Schock frei, wenn ein schockbarer Rhythmus erkannt wird. Er ersetzt keine Brustkompressionen. Auch die Meldung „kein Schock empfohlen“ bedeutet nicht, dass die Reanimation beendet wird.
Nässe, Metall und Kälte
Nach einer Wasserrettung wird die Person aus dem Wasser auf eine sichere Fläche gebracht. Trockne die Brust an den Klebestellen zügig ab; die Reanimation soll dadurch nicht lange verzögert werden. Niemand darf während Analyse oder Schock direkten Kontakt zur Person haben. Bei starkem Regen oder Schnee schützt ein Helfer Gerät und Klebeflächen, soweit das ohne Unterbrechung möglich ist. Sehr kalte Akkus verlieren Leistung, deshalb wird ein mitgeführter AED nach Herstellerangaben temperiert und gelagert.
Ist ein eigener AED für Wanderer sinnvoll?
Für die meisten Einzelwanderungen ist ein AED wegen Gewicht, Wartung, Batterie- und Elektrodenkontrolle kein Standardgegenstand. Anders kann die Bewertung bei bewirtschafteten Hütten, abgelegenen Arbeitsplätzen, regelmäßig genutzten Camps, großen Gruppen oder Teilnehmenden mit bekannt hohem Risiko ausfallen. Entscheidend ist ein belastbares Konzept aus Standort, Erreichbarkeit, regelmäßiger Prüfung und Ausbildung – nicht eine Produktliste.
7. Reanimation als Team organisieren
Bei mehreren Helfern muss nicht jeder alles gleichzeitig tun. Eine Person führt und spricht kurze, eindeutige Aufträge aus. Rückmeldungen werden wiederholt, damit keine Aufgabe verloren geht.
Zwei Helfer
- Helfer 1 prüft die Atmung und beginnt Kompressionen.
- Helfer 2 setzt den Notruf ab, nennt den Standort und holt den AED.
- Danach Wechsel ungefähr alle zwei Minuten.
Drei oder mehr Helfer
- eine Person komprimiert, eine beatmet und bereitet den Wechsel vor;
- eine Person telefoniert, dokumentiert Zeiten und bedient den AED;
- weitere Helfer sichern die Stelle, weisen Rettungskräfte ein und bauen Wetterschutz auf.
Wärmeschutz, Licht und Wetterschutz werden um die laufende Reanimation herum organisiert. Eine Plane darf die Arbeit nicht behindern und muss ausreichend belüftet bleiben. Offene Flammen, glühende Kocher und Abgase haben in unmittelbarer Nähe einer Sauerstoffgabe oder eines AED nichts zu suchen.
8. Sonderlagen, die den Ablauf verändern
Ertrinken
Die eigene Sicherheit hat Vorrang; ohne geeignete Fähigkeit und Auftriebshilfe darf kein unkontrollierter Rettungsversuch im Wasser erfolgen. Brustkompressionen im Wasser sind nicht wirksam. Nach möglichst schneller Rettung auf eine feste Fläche beginnt die Wiederbelebung mit fünf Beatmungen, anschließend folgt der normale Ablauf mit Kompressionen und Beatmungen. Wasser wird nicht durch Bauchstöße oder ein Hochhalten der Beine „aus der Lunge“ entfernt. Sichtbares Erbrochenes wird rasch beseitigt, danach geht die Beatmung weiter.
Beim Ertrinken ist Sauerstoffmangel meist die zentrale Ursache. Beatmungen dürfen daher nicht durch die Suche nach einem AED verzögert werden. Sobald Reanimation und Beatmung laufen, wird ein vorhandener AED angeschlossen.
Schwere Unterkühlung
Bei einer bewusstlosen, stark unterkühlten Person können Atmung und Kreislauf extrem langsam sein. In dieser klaren Sonderlage dürfen Lebenszeichen bis zu einer Minute sorgfältig geprüft werden. Fehlen sie, beginnt die Reanimation. Die Person wird möglichst waagerecht und schonend behandelt, gegen weiteren Wärmeverlust geschützt und nicht unnötig bewegt.
Eine schwere Unterkühlung kann die Überlebenszeit verlängern. Deshalb darf ein scheinbar aussichtsloser Verlauf nicht nach einer beliebigen Minutenzahl beendet werden. Verzögerte oder intermittierende Kompressionen sind ausschließlich für technisch schwierige Rettungen bei vermuteter Kerntemperatur unter 28 °C vorgesehen und gehören in die Entscheidung professioneller, entsprechend ausgebildeter Rettungskräfte. Laien führen kontinuierliche HLW durch, solange dies sicher und möglich ist.
Blitzschlag
Nach einem Blitzschlag können Atem- und Kreislaufstillstand gleichzeitig auftreten. Beginne sofort mit Beatmung und Kompressionen. In einem Ereignis mit mehreren Betroffenen werden zuerst die Personen ohne Lebenszeichen behandelt, weil hier eine schnelle Wiederbelebung erfolgreich sein kann. Ein getroffener Mensch speichert keine elektrische Ladung und kann berührt werden, sobald keine akute Gefahr durch weitere Blitze besteht.
Lawinen- und Schneeburial
Zuerst müssen Kopf und Atemweg freigelegt werden. Reanimation und Bergung erfolgen nach den Anweisungen der Rettungsleitstelle und der Lawinenrettung. Verschüttungsdauer, freier oder verlegter Atemweg, Körpertemperatur und Verletzungen beeinflussen die Entscheidung erheblich. Starre Aussagen wie „nach einer bestimmten Zeit lohnt es sich nicht mehr“ sind hier falsch.
Sturz und schwere Blutung
Bei einem traumatischen Kreislaufstillstand reicht Drücken allein häufig nicht aus. Sind mehrere Helfer vorhanden, stoppt einer sofort eine lebensbedrohliche äußere Blutung mit direktem Druck, Druckverband oder – bei dafür geeigneter massiver Extremitätenblutung – Tourniquet, während andere Notruf, Atemweg und Reanimation übernehmen. Der Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung darf das Öffnen des Atemwegs und notwendige lebensrettende Maßnahmen nicht verhindern.
9. Wiederbelebung bei Kindern und Säuglingen
Bei Kindern entsteht ein Kreislaufstillstand häufiger infolge eines Atemproblems. Beatmung hat deshalb besonderes Gewicht. Nach der Atemkontrolle werden fünf initiale Beatmungen gegeben. Wer speziell in der Kinderreanimation ausgebildet ist, arbeitet anschließend mit 15 Kompressionen zu 2 Beatmungen; sonst ist 30 zu 2 richtig. Kann niemand beatmen, sind alleinige Kompressionen besser als keine Hilfe.
Kind ab etwa einem Jahr
Drücke auf der unteren Hälfte des Brustbeins ungefähr ein Drittel der Brustkorbtiefe. Abhängig von Größe und Kraft genügt eine Hand; bei größeren Kindern können zwei Hände erforderlich sein. Tempo: 100 bis 120 pro Minute.
Säugling unter einem Jahr
Drücke ebenfalls ungefähr ein Drittel der Brustkorbtiefe. Die genaue Technik sollte praktisch an einer Trainingspuppe erlernt werden. Beatme nur mit so viel Luft, dass sich der kleine Brustkorb sichtbar hebt.
Ein AED kann bei Kindern jeden Alters verwendet werden. Sind passende Kinderelektroden oder ein Kindermodus vorhanden, werden sie eingesetzt. Fehlen sie, folgt man den Anweisungen des vorhandenen Geräts und achtet darauf, dass sich die Elektroden nicht berühren.
10. Lange Rettungszeit: Qualität erhalten
Eine lange Anfahrt ändert nicht das Ziel: möglichst ununterbrochene, tiefe Kompressionen, wirksame Beatmung und frühestmögliche Defibrillation. Sie verlangt aber ein konsequenteres Ressourcenmanagement.
- Wechselrhythmus festlegen: Niemand drückt bis zur völligen Erschöpfung. Der nächste Helfer übernimmt, bevor die Qualität deutlich sinkt.
- Zeit dokumentieren: Fundzeit, Beginn der HLW, Helferwechsel, AED-Analysen und Schocks werden notiert oder laut in eine Sprachaufnahme gesprochen.
- Wärmeverlust bremsen: Trockene Isolation unter und um den Körper legen, ohne den Brustkorb oder die AED-Elektroden zu verdecken.
- Akkus und Licht sichern: Stirnlampe statt Handlampe; Telefon und Satellitengerät vor Kälte und Nässe schützen.
- Nicht unter laufender Handkompression tragen: Auf einer bewegten improvisierten Trage sind wirksame und sichere Kompressionen meist nicht möglich. Transportentscheidungen werden mit der Leitstelle abgestimmt.
Mechanische Kompressionsgeräte sind Ausrüstung professioneller Rettungsteams. Sie können bei langem Transport oder schwierigem Gelände nützlich sein, gehören aber weder in ein gewöhnliches Tourenset noch in die Hände Ungeübter.
11. Wenn wieder Lebenszeichen auftreten
Bewegt sich die Person gezielt, öffnet sie die Augen oder beginnt sie wieder normal zu atmen, stoppe die Kompressionen und prüfe die Atmung erneut. Der AED bleibt angeschlossen. Eine bewusstlose, normal atmende Person wird so gelagert, dass der Atemweg offen bleibt; meist ist das die stabile Seitenlage. Bei möglichem schweren Trauma wird nur so viel bewegt, wie für einen freien Atemweg erforderlich ist.
Schütze vor Auskühlung, beobachte die Atmung ohne Unterbrechung und halte Dich bereit, die Reanimation sofort wieder zu beginnen. Es gibt nichts zu essen oder zu trinken. Auch bei rascher Erholung bleibt der Rettungsdienst erforderlich, denn ein erneuter Kreislaufstillstand ist möglich.
12. Wann nicht begonnen oder beendet wird
Eine Reanimation wird begonnen, wenn eine Person bewusstlos ist, nicht normal atmet und keine eindeutigen Umstände dagegensprechen. Nicht begonnen wird bei akuter unbeherrschbarer Gefahr für die Helfer, bei offenkundig nicht mit Leben vereinbaren Verletzungen, eindeutigen sicheren Todeszeichen oder einer zweifelsfrei gültigen Vorausentscheidung gegen Reanimation.
Begonnene HLW wird fortgeführt, bis die Person wieder eindeutige Lebenszeichen zeigt, professionelle Kräfte übernehmen, die Leitstelle eine entsprechende Anweisung gibt, die Helfer körperlich nicht mehr können oder die Lage gefährlich wird. Für organisierte Berg- und Expeditionsrettung existieren besondere Kriterien zur Beendigung einer Reanimation. Sie kombinieren Ursache, beobachteten oder unbeobachteten Stillstand, AED-Befunde, Erfolg der bisherigen Maßnahmen und Sonderlagen. Eine einzige Zeitangabe reicht dafür nicht aus.
13. Häufige Fehler unter realen Bedingungen
Zu lange prüfen
Wiederholtes Pulstasten, das Suchen nach Pupillenreaktionen oder die Vermutung einer Ohnmacht verzögern die ersten Kompressionen.
Schnappatmung akzeptieren
Einzelne röchelnde Atemzüge sind kein ausreichender Kreislauf. Bewusstlos plus unnormale Atmung bedeutet Reanimation.
Zu flach oder zu schnell drücken
Hektik ersetzt keine Tiefe. Schultern über die Hände, Brustkorb vollständig entlasten und den Helfer rechtzeitig wechseln.
Lange Beatmungspausen
Wenn die Beatmung nicht gelingt, wird nach zwei kurzen Versuchen sofort weitergedrückt.
AED abwarten
Kompressionen beginnen sofort. Das Gerät wird parallel geholt und angeschlossen.
Unkoordiniertes Team
Ein Leiter, namentliche Aufträge, bestätigte Rückmeldungen und angekündigte Wechsel verhindern Stillstand im Ablauf.
14. Vorbereitung für Touren und Survivalkurse
Ein gelesener Ablauf ersetzt kein Training. Brustkompressionen, Atemwegöffnung, Taschenmaske, AED und der Helferwechsel müssen an geeigneten Trainingspuppen geübt werden. Für Tourenleiter ist ein aktueller Erste-Hilfe-Kurs mit Schwerpunkt auf abgelegenen Einsatzorten sinnvoll.





