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Höhenkrankheit erkennen: Was ohne Sauerstoffausrüstung hilft

Kopfschmerzen, Übelkeit und ungewöhnliche Schwäche nach einem schnellen Aufstieg können eine akute Höhenkrankheit anzeigen. Solange diese Beschwerden bestehen, wird nicht weiter aufgestiegen. Atemnot in Ruhe, ein neu unsicherer Gang oder Verwirrtheit verlangen einen möglichst raschen begleiteten Abstieg. Wer ohne Sauerstoffausrüstung unterwegs ist, muss diese Entwicklung früh erkennen, solange der Rückweg noch bewältigt werden kann.

Höhenkrankheit entsteht durch den verminderten Sauerstoffdruck in größerer Höhe und eine dafür unzureichende Anpassung des Körpers. Auch ein gut trainierter Bergsteiger kann erkranken. Entscheidend sind unter anderem die erreichte Höhe, die Geschwindigkeit des Aufstiegs und die Höhe der Übernachtungen. Die Beschwerden können erst im Lager auftreten, obwohl der Aufstieg selbst noch gut gelungen ist.

Die Luft enthält weiter Sauerstoff, aber der Druck sinkt

Mit zunehmender Höhe nimmt der Luftdruck ab. Der Sauerstoffanteil der Luft bleibt ungefähr gleich, sein Teildruck wird jedoch geringer. Dadurch gelangt bei jedem Atemzug weniger Sauerstoff ins Blut. Der Körper reagiert unter anderem mit stärkerer Atmung; weitere Anpassungsschritte benötigen Zeit. Gute Ausdauer ersetzt diese Akklimatisation nicht.

Für einen nicht akklimatisierten Menschen wird das Risiko ab ungefähr 2.500 Metern bedeutsam; Beschwerden sind gelegentlich auch darunter möglich. Eine feste Grenze, unterhalb derer jede schwere Höhenreaktion ausgeschlossen wäre, gibt es nicht. Wer schon eine Nacht in mäßiger Höhe verbracht hat, kann beim schnellen Wechsel in ein wesentlich höheres Lager erneut Probleme bekommen.

Zur Einschätzung gehören deshalb die letzten Tage: Wo wurde geschlafen, wie viel Höhe kam hinzu und wann begannen die Beschwerden? Ein Tagesausflug mit anschließender Rückkehr zum tieferen Schlafplatz belastet anders als eine sofortige Übernachtung auf der erreichten Höhe. Ein früher problemlos erreichter Gipfel beweist zudem nicht, dass derselbe Mensch unter einem anderen Aufstiegsprofil wieder beschwerdefrei bleibt.

Kopfschmerz, Atemnot und Gangunsicherheit bedeuten nicht dasselbe

Akute Höhenkrankheit: Kopfschmerz und Krankheitsgefühl

Typisch sind neue Kopfschmerzen nach dem Höhengewinn, häufig zusammen mit Übelkeit, Appetitverlust, Schwindel oder ungewöhnlicher Müdigkeit. Meist beginnen die Beschwerden nach mehreren Stunden, oft am ersten Abend oder in der ersten Nacht. Die Person ist bei einem leichten Verlauf orientiert, kann sicher gehen und bekommt in Ruhe ausreichend Luft. Der zeitliche Zusammenhang stützt den Verdacht, ersetzt aber nicht die Beobachtung des Verlaufs.

Höhenlungenödem: auffälliger Leistungsabfall und Atemnot

Bei einem Höhenlungenödem tritt Flüssigkeit aus den kleinen Lungengefäßen ins Gewebe und in die Lungenbläschen über. Das erschwert den Gasaustausch zusätzlich. Ein plötzlich deutlich langsamer werdender Teilnehmer, der bereits bei geringer Belastung ungewöhnlich kurzatmig ist, kann davon betroffen sein. Husten oder ein Engegefühl im Brustkorb können hinzukommen. Später besteht Atemnot auch in Ruhe; rasselnde Atmung, blutiger oder schaumiger Auswurf sind fortgeschrittene Zeichen. Auf diese späten Befunde wird nicht gewartet. Ein Lungenödem kann auch ohne vorausgehende typische Kopfschmerzen entstehen.

Höhenhirnödem: Koordination und Bewusstsein verändern sich

Beim Höhenhirnödem schwillt Hirngewebe an; dadurch wird die Funktion des Gehirns beeinträchtigt. Neu auftretendes Taumeln, auffällige Ungeschicklichkeit, Verwirrtheit oder zunehmende Schläfrigkeit sprechen für einen schweren Verlauf. Betroffene können ihre Lage falsch einschätzen und behaupten, es gehe ihnen gut. Ein Partner achtet deshalb auch darauf, ob jemand plötzlich bei einfachen Tätigkeiten scheitert, nicht mehr sinnvoll antwortet oder beim normalen Gehen ausweicht. Eine solche Veränderung ist kein gewöhnlicher schlechter Schlaf.

Bei unklarer leichter Gangunsicherheit kann auf einer ebenen, gesicherten Fläche geprüft werden, ob einige Schritte mit der Ferse unmittelbar vor der anderen Fußspitze gelingen. Ein Helfer sichert seitlich. Bei bereits deutlichem Taumeln oder Verwirrtheit ist kein zusätzlicher Gehtest nötig: Die Vorbereitung des Abstiegs beginnt. Ein unauffälliger kurzer Test schließt eine spätere Verschlechterung nicht aus.

Kopfschmerzen und Übelkeit haben auch andere Ursachen. Prüfe den Zusammenhang mit Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, Kälte, einem Infekt oder Abgasen. Werden mehrere Personen während des Kochens im geschlossenen Zelt krank, ist auch Kohlenmonoxid denkbar; die Betroffenen müssen aus der Abgasbelastung heraus. Ausgeprägte einseitige Lähmungszeichen sind für ein Höhenhirnödem untypisch und sprechen beispielsweise für einen Schlaganfall. Mehrere Probleme können gleichzeitig bestehen.

Leichte Beschwerden beobachten, bei Verschlechterung Höhe verlieren

Bei leichter akuter Höhenkrankheit ohne Atemnot in Ruhe, Koordinationsstörung oder Bewusstseinsveränderung kann zunächst auf derselben Höhe geruht werden. Der nächste Schlafplatz liegt nicht höher. Eine Gruppe nutzt diese Zeit nicht für einen gemeinsamen weiteren Aufstieg, den der Erkrankte langsam hinterhergehen soll. Er bleibt unter Beobachtung und wird wiederholt nach Beschwerden gefragt.

Werden die Beschwerden trotz Ruhe stärker, wird abgestiegen. Dasselbe gilt bei schweren Beschwerden von Beginn an oder wenn innerhalb eines Tages keine erkennbare Besserung eintritt. Bei Verdacht auf Hirn- oder Lungenödem wird der Abstieg sofort organisiert. Eine Nacht Abwarten kann dann die verbleibende Gehfähigkeit kosten. Der Erkrankte steigt in Begleitung ab und trägt möglichst keine Last.

Bei leichter Höhenkrankheit können schon 300 bis 500 Höhenmeter eine deutliche Besserung bringen. Häufig werden insgesamt 300 bis 1.000 Meter Abstieg benötigt; maßgeblich bleiben Zustand und weiterer Verlauf. Beim Höhenlungenödem wird möglichst mindestens etwa 1.000 Meter oder bis zur deutlichen Besserung abgestiegen. Diese Zahlen beschreiben eine Größenordnung für die Wegplanung. Sie sind kein Anlass, einen weiter schwer Erkrankten nach exakt abgezählten Metern im nächsten Lager zurückzulassen.

Auch ohne Messgeräte lassen sich die wesentlichen Veränderungen beobachten: Atemnot während einer Ruhepause, Antworten auf einfache Fragen, normaler Gang und zunehmender Hilfebedarf. Falls ein Pulsoximeter vorhanden ist, wird mit ruhiger, warmer Hand gemessen. Kälte und Bewegung können den Wert verfälschen. Die Sättigung ist in der Höhe ohnehin niedriger als im Tal; ein einzelner scheinbar brauchbarer Wert entkräftet Verwirrtheit oder deutliche Atemnot nicht.

Die Route muss mit dem Zustand des Erkrankten begehbar sein

Ein Abstieg hilft nur, wenn die Person das tiefere Gelände erreicht. Prüfe zuerst den bekannten Rückweg, die Karte und die tatsächlich sichtbaren Passagen. Ein tiefer liegendes Tal hinter einem weiteren Pass ist für einen schwer Erkrankten kein unmittelbarer Abstieg. Auch eine steile Schuttrinne kann trotz großer Höhendifferenz ungeeignet sein. Gesucht wird ein Weg, auf dem Höhe verloren geht und der mit den vorhandenen Helfern bewältigt werden kann.

Ein Serpentinenweg führt rechts neben einer steilen felsigen Schuttrinne ins tiefere Tal
Rechts führt ein Serpentinenweg talwärts, links fällt eine steile Schuttrinne ab. Für den Abstieg mit einem Erkrankten zählt die begehbare Route; die gerade Linie ins Tal kann zusätzliche Sturzgefahr schaffen.

Gepäck und Begleitung verteilen

Ein Begleiter übernimmt den Rucksack des Erkrankten oder verteilt dessen Inhalt in der Gruppe. Wetterschutz, Wärmeschutz, Wasser und Orientierungsmittel bleiben für den Rückweg erreichbar. Wer die Strecke kennt, führt. Ein weiterer Helfer kann den Erkrankten seitlich unterstützen und Veränderungen bemerken. Die Person wird auch auf vermeintlich einfachen Wegstücken nicht allein vorausgeschickt.

Die körperliche Arbeit möglichst klein halten

Ein noch sicher gehender Mensch mit leichteren Beschwerden kann langsam und ohne schwere Last absteigen. Bei einem vermuteten Lungenödem ist zusätzliche Anstrengung besonders ungünstig, weil sie den Druck in den Lungengefäßen weiter erhöhen kann. Ein vorhandenes geeignetes Transportmittel oder eine tatsächlich tragfähige Transportlösung mit genügend Helfern ist dann vorzuziehen. Ein Einzelner kann einen schwer Atemnötigen auf schwierigem Bergweg meist nicht verlässlich tragen.

Atmung, Orientierung und Gang unterwegs erneut prüfen

Nutze kurze Pausen zur Beurteilung, ohne aus dem notwendigen Abstieg eine lange Rastfolge zu machen. Wird die Atmung bei sinkender Höhe ruhiger? Antwortet die Person weiterhin sinnvoll? Reicht die Unterstützung noch aus? Zunehmendes Taumeln oder eine weiter nachlassende Belastbarkeit kann eine andere Transportweise oder eine Änderung der Route nötig machen.

Die Versorgung am tieferen Ort fortsetzen

Auch nach erster Erleichterung wird der Erkrankte warm gehalten und weiter beobachtet. Ein schwerer Verlauf benötigt erreichbare medizinische Behandlung. Husten, Atemnot oder neurologische Auffälligkeiten können andere Ursachen haben oder fortbestehen. Eine kurze Besserung unterwegs ist deshalb keine ausreichende Grundlage, die Person wieder allein weitergehen zu lassen.

Allein unterwegs ist frühes Umkehren besonders wichtig. Bei beginnenden Beschwerden kannst du den bekannten Rückweg noch bewusst wählen, Wegpunkte abgleichen und Last reduzieren. Sobald Orientierung oder Koordination nachlassen, geht diese Fähigkeit verloren. Das macht den Unterschied zwischen einer noch selbstständig möglichen Umkehr und einer Lage, die ohne andere Menschen kaum zu bewältigen ist.

Wetter und Gelände können die wirksame Behandlung verhindern

Ist der Abstieg durch Sturm, Dunkelheit oder eine unpassierbare Passage vorübergehend blockiert, wird der Erkrankte körperlich ruhig und warm gehalten. Bei Atemnot ist eine unterstützte aufrechte Oberkörperhaltung oft angenehmer. Eine wache Person, die sicher schluckt, bekommt verträgliche kleine Mengen zu trinken und bei Bedarf leicht essbare Nahrung. Die Gruppe prüft, ob ein anderer bekannter Weg tatsächlich in geringere Höhe führt.

Erzwungenes Vieltrinken behandelt die Höhenkrankheit nicht. Flüssigkeitsverluste werden ausgeglichen, aber zusätzliche Liter beschleunigen die Anpassung nicht und können bei übermäßiger Aufnahme eine Hyponatriämie begünstigen. Ebenso wenig beseitigt ein Schmerzmittel die Ursache: Ein nachlassender Kopfschmerz erlaubt bei fortbestehender Übelkeit oder Schwäche keinen weiteren Aufstieg. Alkohol und atemdämpfende Schlaf- oder Beruhigungsmittel sind in dieser Lage ungeeignet.

Für schwere Höhenkrankheit gibt es keinen gleichwertigen Ersatz aus gewöhnlichem Lagerzeug. Sauerstoff, ein medizinischer Überdrucksack oder geeignete Medikamente können Zeit gewinnen, müssen aber vorhanden sein und richtig eingesetzt werden. Ohne diese Mittel bleibt die Überbrückung begrenzt. Gerade deshalb werden die Möglichkeiten für einen Abstieg wiederholt geprüft, statt eine zunehmende Verschlechterung als unvermeidliche Anpassungsphase zu betrachten.

Nach der Besserung zählt die nächste Schlafhöhe

Erst nach vollständig verschwundenen Beschwerden kommt ein vorsichtiger weiterer Aufstieg überhaupt wieder infrage. Nach einem schweren Verlauf mit vermutetem Hirn- oder Lungenödem wird die Tour beendet und die weitere Höhenbelastung medizinisch beurteilt. Ein unter Schmerzmitteln besserer Abend bedeutet nicht, dass die bisherige Geschwindigkeit nun vertragen wird.

Für die vorbeugende Planung oberhalb von etwa 3.000 Metern wird die Schlafhöhe gewöhnlich um höchstens 300 bis 500 Meter pro Tag gesteigert; nach mehreren Aufstiegstagen folgt eine zusätzliche Nacht auf gleicher Höhe. Gemeint ist der Schlafplatz, nicht nur der höchste Punkt einer Tagesetappe. Das persönliche Befinden kann ein noch langsameres Vorgehen verlangen. Bleibt ein Teilnehmer zurück, verändert das die Planung der Gruppe, bevor aus einer frühen Höhenreaktion ein Transportproblem wird.