FEP | Kontakte, Treffpunkte, Hilfe und Zuständigkeiten verbindlich regeln
FEP wird im englischen Sprachraum unter anderem als Abkürzung für Family Emergency Plan verwendet. Die Buchstaben sind jedoch nicht eindeutig geschützt und bezeichnen keinen weltweit einheitlichen Standard. Im Deutschen ist „Familien-Notfallplan“ verständlicher: eine kurze schriftliche Vereinbarung darüber, wie ein Haushalt bei konkreten Gefahren warnt, Kontakt hält, sich trifft und Unterstützungsbedarf organisiert.
Der Plan beginnt bei Menschen
Ein Notfallplan ist keine reine Ausrüstungsliste. Er erfasst alle Personen, die zum Haushalt gehören oder regelmäßig betreut werden: Kinder, ältere Angehörige, Menschen mit Behinderung, Pflegebedarf, Sprachbarrieren oder chronischen Erkrankungen. Auch Haustiere und Assistenztiere benötigen verlässliche Zuständigkeiten.
Jede Person wird nach ihren tatsächlichen Fähigkeiten beteiligt. Ein Kind kann seinen Namen, eine Kontaktperson und einen Treffpunkt kennen. Es trägt aber nicht allein die Verantwortung, Geschwister abzuholen oder wichtige Medikamente zu transportieren.
Gefahren und Schutzhandlungen
Der Plan nennt die örtlich relevanten Gefahren und die jeweils erste sichere Handlung. Brand, Hochwasser, Stromausfall, Gefahrstofffreisetzung und Unwetter verlangen nicht dasselbe. Pauschale Regeln wie „immer in den Keller“ oder „immer sofort wegfahren“ können gefährlich sein.
| Frage | Eintrag im Plan |
|---|---|
| Wie erfahren wir davon? | Warn-App, Cell Broadcast, Sirene, Radio, Hausalarm oder direkte Mitteilung |
| Was tun wir zuerst? | Gefahrenspezifische Schutzhandlung und amtliche Anweisung |
| Wer braucht Hilfe? | Person, Hilfsmittel, Medikament, Begleitung und Vertretung |
| Wohin gehen wir? | Sicherer Treffpunkt oder bekannt gegebenes Ziel |
| Wer wird informiert? | Haushaltskontakt und Kontaktperson außerhalb der Region |
Kontaktplan
Alle Mitglieder erhalten eine kleine Papierkarte mit Namen, Telefonnummern und Adressen. Zusätzlich wird eine Kontaktperson außerhalb des unmittelbar betroffenen Gebiets bestimmt. Sie kann Rückmeldungen bündeln, wenn direkte Gespräche innerhalb der Region nicht möglich sind.
Der Plan legt Haupt- und Ausweichweg fest: Anruf, Kurznachricht, vereinbarter Messenger oder persönliche Meldung. Eigene Geheimcodes sind nicht nötig. Eine Nachricht nennt Name, sicheren Aufenthaltsort, Zustand und nächste Handlung. Notruf und Behördenkommunikation bleiben eindeutig.
Treffpunkte
Mindestens ein Treffpunkt mit Abstand zum eigenen Gebäude und ein Ausweichpunkt außerhalb einer örtlichen Sperrung werden eindeutig beschrieben. Große Plätze, Parks oder Bahnhöfe benötigen eine genaue Teilfläche. Zugang, Barrieren, Öffnungszeiten und Gefahr durch Verkehr oder Hochwasser werden geprüft.
Zum Treffpunkt gehören Auslöser, Zeitfenster und nächste Handlung. Niemand wartet unbegrenzt, wechselt eigenmächtig zwischen Orten oder kehrt in ein gesperrtes Gebiet zurück. Amtliche Sammelstellen und Evakuierungsziele haben Vorrang vor dem privaten Plan.
Alltag an mehreren Orten
Familienmitglieder sind tagsüber oft in Schule, Kita, Arbeit, Pflegeeinrichtung oder Freizeitangeboten. Der Plan berücksichtigt die dortigen Verfahren, statt eine eigenmächtige Abholung zu unterstellen. Schulen und Einrichtungen geben Kinder oder betreute Personen nur nach ihren festgelegten Regeln an berechtigte Menschen heraus.
Für jeden regelmäßigen Ort stehen Adresse, Kontakt, zulässige Abholpersonen und erwartetes Verhalten im Plan. Mindestens eine Vertretung übernimmt, wenn die zuerst zuständige Person nicht erreichbar oder selbst betroffen ist.
Gesundheit und Unterstützung
Eine aktuelle medizinische Kurzübersicht nennt notwendige Medikamente, Wirkstoffe, Dosierung, Allergien, Hilfsmittel und behandelnde Kontakte. Sensible Daten werden geschützt und nur berechtigten Personen zugänglich gemacht. Vorrat und Lagerung verschreibungspflichtiger Medikamente werden mit Arztpraxis oder Apotheke abgestimmt.
Stromabhängige Medizinprodukte benötigen einen eigenen Ausfallplan mit realistisch geprüfter Laufzeit, Lade- oder Ersatzmöglichkeit und medizinischem Ansprechpartner. Eine Telefonnummer auf Papier ist unverzichtbar, wenn Kontakte nur im gesperrten Mobiltelefon gespeichert sind.
Aufgaben und Vertretung
Jede wichtige Aufgabe hat eine Hauptperson und eine Vertretung:
- Warnung prüfen und weitergeben,
- Kinder oder unterstützungsbedürftige Personen nach zulässigem Verfahren betreuen,
- Medikamente und Hilfsmittel sichern,
- Notgepäck und Dokumente mitnehmen,
- Haustiere versorgen,
- Wohnung nur dann technisch sichern, wenn dies gefahrlos möglich ist,
- Ankunft und fehlende Personen melden.
Eine Aufgabe wird nicht allein aufgrund von Alter oder Geschlecht verteilt. Entscheidend sind Erreichbarkeit, Einweisung und sichere Ausführung. Fällt die zuständige Person aus, darf der Plan nicht zusammenbrechen.
Dokumente und Material
Der FEP verweist auf Haushaltsvorrat und Notgepäck, ersetzt sie aber nicht. Er nennt Lagerort, verantwortliche Person und Prüftermin. Notwendige Ausweis-, Versicherungs- und Gesundheitsinformationen liegen geschützt in geeigneter Form vor.
Versteckte Nachrichtenablagen, geheime Funkkanäle, Caches oder vorbereitete Ausweichhütten gehören nicht zum Grundaufbau eines Familienplans. Sie erhöhen Komplexität und können rechtliche oder sicherheitstechnische Probleme schaffen.
Altersgerecht üben
Übungen bleiben kurz, angekündigt und gefahrenbezogen. Ein Rauchwarnmelder, der Ausfall eines Telefons oder eine gesperrte Straße kann simuliert werden, ohne Angstbilder zu erzeugen. Kinder üben eine klare Teilaufgabe und wissen, dass es sich um eine Probe handelt.
Nach der Übung werden Zeitbedarf, unklare Worte, fehlende Kontakte und körperliche Barrieren erfasst. Niemand wird absichtlich zurückgelassen oder überraschend erschreckt. Bei Fragen zu Brand- oder Evakuierungsverhalten helfen örtliche Feuerwehr, Kommune und Einrichtungen mit ihren jeweiligen Vorgaben.
Pflege und Verfügbarkeit
Der Plan liegt an einem bekannten Ort, als geschützte digitale Kopie und in kurzen Papierauszügen für unterwegs vor. Änderungen werden in allen Exemplaren gleichzeitig vorgenommen. Veraltete Kontaktdaten sind sichtbar zu vernichten.
Geprüft wird nach Umzug, Arbeitsplatz- oder Schulwechsel, neuer Medikation, geänderter Mobilität und mindestens in einem regelmäßig festgelegten Rhythmus. Ein guter FEP bleibt kurz genug, um unter Stress benutzt zu werden, und konkret genug, dass jede Person ihre nächste sichere Handlung kennt.





