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Dead Reckoning | eine Position aus dem bisherigen Weg fortschreiben

Dead Reckoning heißt auf Deutsch Koppelnavigation. Dabei wird eine Position ausgehend von einem bekannten Ort anhand der zurückgelegten Richtungen und Strecken fortgeschrieben. Das Ergebnis ist eine berechnete beziehungsweise geschätzte Position. Eine unabhängige neue Ortsbestimmung entsteht dadurch noch nicht.

Topografische Karte mit verdecktem Kompass und mechanischem Zähler
Koppelnavigation ohne GPS

Welche Angaben gebraucht werden

Am Anfang steht ein möglichst sicherer Ausgangspunkt. Für jeden folgenden Abschnitt werden Richtung und Entfernung festgehalten. Die Entfernung kann gemessen oder aus Geschwindigkeit und Bewegungszeit abgeschätzt werden. Bei der Navigation zu Fuß kann auch eine für die Bedingungen erprobte Schrittzählung helfen.

Die verwendete Richtung muss eindeutig sein: Bezieht sie sich auf geografisch Nord, Gitternord oder magnetisch Nord? Karte und Kompass müssen passend aufeinander bezogen werden. Ein sorgfältig notierter Winkel hilft wenig, wenn sein Bezugssystem unklar bleibt.

Ein Beispiel mit zwei Abschnitten

Von einem bekannten Punkt führt der Weg zunächst 300 Meter nach Osten und anschließend 400 Meter nach Norden. Im vereinfachten ebenen Gitter liegt die gekoppelte Position dann 300 Meter östlich und 400 Meter nördlich des Ausgangspunkts.

Die direkte Entfernung zum Start beträgt nach dem Satz des Pythagoras 500 Meter. Die tatsächlich gegangene Strecke beträgt dagegen 700 Meter. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn aus Bewegungsdaten ein Punkt auf der Karte entsteht.

Die Verbindungslinie zum Start sagt außerdem nichts darüber aus, ob dieser direkte Weg begehbar ist. Ein Hindernis, das auf dem Hinweg umgangen wurde, bleibt auf einer rechnerischen Abkürzung vorhanden.

Strecke aus Zeit abschätzen

Bei angenommenen drei Kilometern pro Stunde ergeben zwölf Minuten reine Gehzeit eine Strecke von 600 Metern. Eine fünfminütige Pause erzeugt keine zusätzliche Wegstrecke. Wird sie versehentlich mitgerechnet, wächst die Schätzung auf 850 Meter.

Das Beispiel verwendet eine frei gewählte Geschwindigkeit. Steigung, Untergrund, Last und Erschöpfung verändern das tatsächliche Tempo. Ein einmal auf einer ebenen Strecke ermittelter Wert ist deshalb keine universelle Gehgeschwindigkeit.

Fehler wachsen mit der Strecke

Bei einem konstanten Richtungsfehler von fünf Grad beträgt die seitliche Abweichung nach einem Kilometer gerader Bewegung ungefähr 87 Meter. Hinzu können Fehler der Entfernungsschätzung und des Ausgangspunkts kommen. Die gekoppelte Position sollte deshalb als Bereich mit Unsicherheit gedacht werden.

Ein neuer Eintrag im Notizbuch setzt diese Unsicherheit nicht auf null. Erst eine verlässliche unabhängige Positionsbestimmung kann die bisherige Schätzung korrigieren. Dazu kann ein eindeutig identifizierter Kartenpunkt oder eine überprüfte Ortung dienen.

Umwege und bewegte Medien berücksichtigen

Richtungswechsel an Hindernissen müssen in die Wegaufzeichnung eingehen. Wer einen Bogen läuft, aber nur die ursprüngliche Richtung und gesamte Weglänge notiert, verschiebt seinen berechneten Standort.

Auf Wasser und in der Luft kommen Strömung beziehungsweise Wind hinzu. Die Ausrichtung eines Boots oder Flugzeugs ist nicht automatisch seine Bewegungsrichtung über Grund. Diese Unterscheidung gehört zum jeweiligen Navigationsverfahren und lässt sich nicht durch eine reine Kompassanzeige lösen.

Eine brauchbare Aufzeichnung

Eine einfache Tabelle mit Startpunkt, Abschnitt, Richtung, Strecke oder Gehzeit und auffälligen Geländemerkmalen genügt für eine Übung. Unklare Angaben ausdrücklich markieren. Kerben in Bäumen oder improvisierte Steinmarkierungen sind dafür nicht erforderlich.

Erwartete Geländepunkte unterwegs mit der Karte vergleichen. Bleibt ein markantes Merkmal aus, sollte die Rechnung geprüft werden, bevor weitere unsichere Strecke hinzukommt. Koppelnavigation ergänzt Kartenlesen und Ortsbestimmung; sie macht unbekanntes Gelände nicht automatisch beherrschbar.