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Wasser durch Abkochen trinkbar machen – Kochzeiten und Methoden ohne Topf

Wasser in einem Metallgefäß über dem Feuer abkochen
Kräftiges sprudelndes Kochen ist ohne Thermometer ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass das gesamte Wasser eine für die Desinfektion ausreichende Temperatur erreicht hat.

Wasser kann klar, geruchlos und geschmacklich unauffällig sein und trotzdem krankmachende Bakterien, Viren oder einzellige Parasiten enthalten. Vor allem Oberflächenwasser kann durch Wildtiere, Weidetiere, Abwasser, Hochwasser oder verunreinigte Hände belastet sein. In einer Survivalsituation ist Abkochen deshalb eine der zuverlässigsten Methoden, um ein mikrobiologisches Risiko deutlich zu reduzieren. Benötigt werden kein exakt dosierter Wirkstoff und kein Spezialfilter, sondern ein hitzefester oder improvisierter Wasserbehälter, eine Wärmequelle und genügend Brennstoff.

Abkochen ist eine Desinfektion, keine vollständige Reinigung. Die Hitze inaktiviert die meisten im Trinkwasser bedeutsamen Krankheitserreger, entfernt aber weder Salz noch Schwermetalle, Pestizide, Kraftstoffe oder andere gelöste Chemikalien. Auch Sand, Schlamm und tote Mikroorganismen bleiben im Wasser, wenn sie nicht vorher oder nachher mechanisch abgetrennt werden. Entscheidend ist daher nicht nur die Kochzeit. Bereits die Wahl der Wasserstelle, das Vorfiltern und der Schutz des fertigen Wassers vor erneuter Verunreinigung gehören zum Verfahren.

Die einfache Feldregel: Trübes Wasser zuerst absetzen lassen und vorfiltern. Anschließend bis zu einem kräftigen, sprudelnden Kochen erhitzen. Ab diesem Zeitpunkt eine Minute weiterkochen; im Hochgebirge ab ungefähr 2.000 Metern drei Minuten. Danach abgedeckt abkühlen lassen und in einem sauberen Gefäß aufbewahren.

1. Was beim Abkochen im Wasser geschieht

Mikroorganismen bestehen aus empfindlichen Zellstrukturen, Membranen, Eiweißen oder Erbmaterial. Ausreichende Hitze verändert diese Strukturen so stark, dass die Erreger sich nicht mehr vermehren oder eine Infektion auslösen können. Fachlich spricht man deshalb meist von Inaktivierung. Die Erreger müssen dabei nicht aus dem Wasser verschwinden: Ihre nicht mehr infektiösen Bestandteile können weiterhin darin vorhanden sein.

Die Wirkung hängt immer von Temperatur und Einwirkzeit gemeinsam ab. Viele Erreger werden bereits unterhalb des Siedepunktes inaktiviert, wenn die Temperatur lange genug gehalten wird. Ohne Thermometer ist jedoch kaum zuverlässig festzustellen, ob das gesamte Wasservolumen beispielsweise 65, 75 oder 85 °C erreicht hat. Das sichtbare sprudelnde Kochen dient deshalb als leicht überprüfbarer Endpunkt. Wer diesen Zustand erreicht, muss nicht für jede denkbare Bakterien-, Viren- oder Parasitenart eine eigene Temperaturtabelle anwenden.

Warum lauwarmes oder kurz dampfendes Wasser nicht genügt

Erste Dampfblasen am Boden eines Gefäßes bedeuten noch nicht, dass das gesamte Wasser kocht. Bei ungleichmäßiger Erwärmung können Bereiche nahe der Gefäßwand deutlich heißer sein als die Mitte oder die Oberfläche. Ein kräftiges Rollen und Umwälzen zeigt dagegen, dass das Wasser im ganzen Gefäß den Siedebereich erreicht hat. Erst dann beginnt die eigentliche Kochzeit.

Das Wasser minutenlang „zur Sicherheit“ stark verdampfen zu lassen bringt nach erfolgter Desinfektion kaum zusätzlichen Nutzen. Es verbraucht Brennstoff und verringert die verfügbare Wassermenge. Bei gelösten, nicht flüchtigen Stoffen steigt durch den Wasserverlust sogar deren Konzentration. Der sinnvolle Ablauf besteht deshalb aus sicherem Erreichen des Kochens, einer ausreichenden Haltezeit und anschließendem Abkühlen.

2. Die Wasserquelle entscheidet mit

Abkochen kann eine schlechte Wasserstelle mikrobiologisch verbessern, aber nicht jede Form der Verunreinigung beherrschen. Wenn mehrere Quellen erreichbar sind, wird zuerst diejenige mit dem geringsten erkennbaren Risiko gewählt. Quellwasser, austretendes Hangwasser oder schnell fließendes Wasser aus einem möglichst wenig belasteten Einzugsgebiet ist in der Regel günstiger als ein warmer Tümpel, eine Viehtränke oder Wasser unmittelbar unterhalb einer Siedlung.

Entnahmestelle richtig wählen

  • Wasser möglichst oberhalb von Siedlungen, Campingplätzen, Weiden, Tierkadavern, Abwassereinleitungen und stark genutzten Wegen entnehmen.
  • Bei einem Fließgewässer nicht direkt aus schlammigen Uferbuchten schöpfen. Eine erreichbare, gleichmäßig strömende Stelle ist meist günstiger.
  • Nach Hochwasser muss zusätzlich mit Kraftstoffen, Heizöl, Abwasser, Pflanzenschutzmitteln und anderen Stoffen gerechnet werden. Abkochen allein löst dieses Problem nicht.
  • Wasser mit Ölfilm, Lösungsmittel- oder Kraftstoffgeruch, auffälliger chemischer Färbung oder sichtbarer starker Algenblüte möglichst nicht verwenden.
  • Regenwasser, das direkt in einem sauberen Behälter aufgefangen wird, erfordert oft weniger Aufwand als stark verschmutztes Oberflächenwasser.

Die häufig wiederholte Annahme, schnell fließendes Wasser sei automatisch trinkbar, ist falsch. Strömung und Sauerstoffgehalt verhindern keine Verunreinigung durch Ausscheidungen oder Abwasser. Auch ein klarer Gebirgsbach kann oberhalb der Entnahmestelle an einer Weide, Hütte oder einem Tierkadaver vorbeifließen.

3. Trübes Wasser vorbereiten

Schwebstoffe machen das Wasser nicht nur unangenehm. Sie erschweren die Beurteilung, setzen Gefäße zu und können bei nachfolgenden chemischen oder solaren Verfahren deren Wirkung vermindern. Beim Abkochen wird das Wasser zwar trotzdem heiß, eine einfache Vorbehandlung verbessert aber das Ergebnis und erleichtert die weitere Handhabung.

Absetzen lassen

Trübes Wasser wird zunächst möglichst ruhig stehen gelassen. Grober Sand setzt sich oft innerhalb weniger Minuten ab, feiner Schluff und Ton benötigen erheblich länger. Das klarere Wasser oberhalb des Bodensatzes wird vorsichtig abgegossen oder abgeschöpft, ohne den Schlamm erneut aufzuwirbeln. Ein zweites Gefäß erleichtert diesen Schritt, ist aber nicht zwingend: Auch eine improvisierte Vertiefung, ein Beutel oder eine aufgeschnittene Flasche kann vorübergehend als Absetzbehälter dienen.

Durch Stoff vorfiltern

Anschließend kann das Wasser durch ein mehrfach gefaltetes Shirt, ein Halstuch, einen Kaffeefilter oder ein anderes möglichst sauberes Gewebe gegossen werden. Dies hält grobe Partikel, Insekten und Pflanzenreste zurück. Ein solches Stofffilter entfernt jedoch keine gelösten Stoffe und ist kein verlässlicher Schutz gegen Bakterien, Viren oder kleine Protozoen. Das gefilterte Wasser wird daher weiterhin abgekocht.

Ist nur ein Gefäß vorhanden, kann das vorgefilterte Wasser zunächst in einer sauberen Kunststoffflasche oder einem Beutel gesammelt und danach portionsweise in den Kochbehälter gegeben werden. Rohwassergefäß und Trinkgefäß sollten nach Möglichkeit getrennt bleiben. Ist das nicht möglich, wird das Gefäß nach dem Ausgießen des Rohwassers ebenfalls mit Hitze oder einer kleinen Menge des fertig abgekochten Wassers behandelt.

4. Wasser richtig abkochen

Schritt 1: Gefäß und Wassermenge anpassen

Das Gefäß wird nicht randvoll gefüllt. Ein freier Rand verhindert, dass Wasser beim Aufkochen in das Feuer schwappt oder Schmutz vom Gefäßrand zurückspült. Kleine und mittlere Portionen lassen sich gleichmäßiger und mit weniger Brennstoff erhitzen als ein sehr großer, schlecht abgedeckter Behälter. Für mehrere Personen ist ein fortlaufender Chargenbetrieb sinnvoll: Während die erste Portion abkühlt, wird die nächste erhitzt.

Schritt 2: Bis zum kräftigen Kochen erhitzen

Der Behälter wird möglichst stabil über Glut oder Flamme aufgestellt. Ein Deckel verkürzt die Aufheizzeit, hält Asche fern und spart Brennstoff. Sobald das Wasser auf der gesamten Oberfläche deutlich sprudelt und durch die Blasen umgewälzt wird, ist der Kochpunkt erreicht. Leichter Dampf, einzelne Bodenblasen oder ein heißer Gefäßrand zählen noch nicht.

Schritt 3: Kochzeit einhalten

Ab dem Beginn des kräftigen, sprudelnden Kochens wird die Zeit gemessen:

  • Flachland und Mittelgebirge: eine Minute sprudelnd kochen lassen.
  • Hochgebirge ab ungefähr 2.000 Metern: drei Minuten sprudelnd kochen lassen.
  • Höhenlage unbekannt: In eindeutig hochalpinem Gelände werden drei Minuten angesetzt; ansonsten genügt die Ein-Minuten-Regel.

Die früher verbreiteten Angaben von fünf, zehn oder sogar fünfzehn Minuten je nach Höhenstufe sind für die übliche Trinkwasserdesinfektion nicht erforderlich. Sie stammen häufig aus übervorsichtigen oder miteinander vermischten Empfehlungen und kosten unnötig Brennstoff. Auch eine getrennte Dreißig-Minuten-Behandlung wegen möglicher Wurmeier ist nicht nötig, wenn das Wasser zuverlässig sprudelnd gekocht wurde.

Schritt 4: Abgedeckt abkühlen lassen

Nach Ablauf der Kochzeit wird der Behälter vom Feuer genommen und abgedeckt abkühlen gelassen. Kaltes Rohwasser wird nicht zugemischt, weil dadurch das bereits aufbereitete Wasser erneut verunreinigt werden kann. Auch Eis oder Schnee wird nur dann zum schnellen Kühlen verwendet, wenn es zuvor selbst sicher aufbereitet wurde.

Abgekochtes Wasser kann etwas flach schmecken, weil beim Erwärmen gelöste Gase entweichen. Nach dem Abkühlen lässt es sich zwischen zwei sauberen Gefäßen hin- und hergießen oder in einer geschlossenen Flasche kräftig schütteln. Dadurch gelangt wieder Luft in das Wasser. Eine solche Geschmacksverbesserung ist für die Trinkbarkeit nicht erforderlich.

5. Höhenlage und Siedepunkt

Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck. Wasser beginnt deshalb früher zu sieden: auf Meereshöhe bei ungefähr 100 °C, in 1.000 Metern Höhe bei rund 97 °C, in 2.000 Metern Höhe bei etwa 93 °C und in 3.000 Metern Höhe bei ungefähr 90 °C. Das Wasser wird trotz sichtbaren Kochens also nicht so heiß wie im Flachland.

Dieser Unterschied wird nicht durch zehn oder fünfzehn Minuten Kochzeit ausgeglichen, sondern durch eine einfache verlängerte Haltezeit. Drei Minuten kräftiges Kochen sind im Hochgebirge eine praktikable und konservative Feldregel. Gleichzeitig sollte der Topf abgedeckt und die Flamme so reguliert werden, dass das Wasser weiter rollend kocht, aber nicht unnötig stark verdampft.

Wichtig für die Zeitmessung: Die Uhr beginnt nicht beim Anzünden des Feuers und auch nicht beim ersten Dampf. Gezählt wird erst, wenn das gesamte Wasser kräftig sprudelt.

6. Welche Erreger durch Abkochen erfasst werden

Bakterien

Zu den möglichen wasserbürtigen Bakterien gehören unter anderem krankmachende Stämme von Escherichia coli, Salmonella, Shigella, Campylobacter, Vibrio cholerae und Leptospira. Sie unterscheiden sich in ihrer Hitzeempfindlichkeit, werden durch korrektes sprudelndes Kochen aber zuverlässig inaktiviert. Eine Liste individueller Minutenwerte ist für die Praxis nicht nötig und kann sogar zu Fehlern führen, wenn Temperatur, Trübung oder Messmethode der jeweiligen Untersuchung unbekannt sind.

Viren

Viren sind so klein, dass viele einfache Tourenfilter sie nicht sicher zurückhalten. Dazu zählen beispielsweise Noro-, Rota- und Hepatitis-A-Viren. Hitze ist hier ein wesentlicher Vorteil: Kräftiges Abkochen erfasst auch Viren, ohne dass Porengröße, Filterzustand oder eine chemische Dosierung berechnet werden müssen.

Protozoen, Zysten und Oozysten

Giardia und Cryptosporidium können anhaltende Durchfälle auslösen und sind gegenüber manchen chemischen Desinfektionsmitteln vergleichsweise widerstandsfähig. Gegen ausreichende Erhitzung sind ihre infektiösen Stadien jedoch empfindlich. Auch hier deckt die Regel „sprudelnd kochen und Zeit einhalten“ das praktische Risiko ab.

Wurmeier, Sporen und Prionen richtig einordnen

Der alte Beitrag stellte Wurmeier, Sporen von Clostridium botulinum, thermophile Bakterien und Prionen nebeneinander. Das vermittelt den Eindruck, Trinkwasser müsse wie chirurgisches Material sterilisiert werden. Für die Aufbereitung natürlichen Wassers ist diese Schlussfolgerung falsch. Das Ziel ist mikrobiologisch sicheres Trinkwasser, nicht absolute Sterilität. Die für Trinkwasser maßgeblichen Bakterien, Viren und Protozoen werden durch korrektes Abkochen inaktiviert.

Bakteriensporen können zwar höhere Temperaturen überstehen, doch ihre bloße Anwesenheit entspricht nicht automatisch einem realistischen Infektionsweg über abgekochtes Wasser. Prionen sind kein sinnvoller Maßstab für eine Feldmethode zur Trinkwassergewinnung. Wasser wegen solcher theoretischen Sonderfälle stundenlang zu kochen verschwendet Brennstoff, ohne die praktisch wichtigeren Entscheidungen zu verbessern.

7. Was Abkochen nicht entfernt

Salz und gelöste Mineralstoffe

Abkochen entsalzt kein Wasser. Beim offenen Kochen verdampft ein Teil des Wassers, während die gelösten Salze im Behälter bleiben. Dadurch wird Meerwasser nicht trinkbar, sondern zunehmend salziger. Nur wenn der Wasserdampf getrennt kondensiert und aufgefangen wird, entsteht durch Destillation salzarmes Wasser.

Schwermetalle, Nitrat und viele Chemikalien

Blei, Arsen, Nitrat, viele Pestizide und weitere gelöste Stoffe werden durch einfaches Kochen nicht zuverlässig entfernt. Nicht flüchtige Verunreinigungen können sich durch Verdampfung sogar stärker konzentrieren. Aktivkohle kann manche organischen Stoffe und Gerüche mindern, ist aber keine pauschale Lösung für unbekannte chemische Belastungen. Chemische Desinfektionsmittel töten Mikroorganismen, entfernen jedoch ebenfalls keine Schwermetalle oder Salze.

Kraftstoffe, Lösungsmittel und Hochwasser

Riecht Wasser nach Benzin, Diesel, Lösungsmitteln oder Chemikalien, sollte eine andere Quelle gesucht werden. Flüchtige Stoffe können beim Erhitzen in die Luft übergehen, andere bleiben im Wasser zurück. Eine unbekannte Mischung lässt sich mit einem Topf weder beurteilen noch zuverlässig beherrschen. Das gilt besonders für Wasser aus überfluteten Kellern, Industrieflächen, Tankstellenbereichen und intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen.

Algenblüten und natürliche Giftstoffe

Dichte grüne, blaugrüne oder schlierige Algenansammlungen können von Cyanobakterien stammen. Einige Arten bilden hitzestabile Giftstoffe. Kochen ist dann keine verlässliche Lösung und kann durch Wasserverlust die Konzentration gelöster Toxine erhöhen. Bei sichtbarer Algenblüte wird deshalb nach Möglichkeit eine andere Wasserstelle gewählt.

8. Filter und Abkochen sinnvoll kombinieren

Ein echter Outdoor-Wasserfilter und das Abkochen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Ein Mikrofilter reduziert je nach Porengröße Protozoen und Bakterien, erfasst Viren jedoch häufig nicht. Abkochen inaktiviert alle drei Gruppen, entfernt aber keine Schwebstoffe. Bei sehr trübem Wasser oder unsicherem Filterzustand ist die Kombination besonders sinnvoll:

  1. Wasser absetzen lassen und groben Schmutz durch Stoff entfernen.
  2. Das klarere Wasser durch den Wasserfilter pumpen oder laufen lassen.
  3. Das Filterwasser anschließend abkochen, wenn Viren, Filterdefekte oder starke fäkale Belastung nicht ausgeschlossen werden können.
  4. Das behandelte Wasser in einem sauberen, geschlossenen Gefäß lagern.

Wird zuerst gekocht und danach durch einen bereits benutzten Filter gepumpt, kann die saubere Portion erneut mit Keimen von der Rohwasserseite oder dem Auslass in Kontakt kommen. Deshalb ist „filtern, dann abkochen“ meist die günstigere Reihenfolge. Bei einem Filter mit ausdrücklicher Virenbarriere und intaktem System kann zusätzliches Abkochen je nach Lage entfallen; die Herstellerangaben zu Porengröße, Durchfluss und Wartung bleiben dabei entscheidend.

9. Wasser ohne Metalltopf erhitzen

Fehlt ein Kochtopf, bedeutet das nicht automatisch, dass Wasser nicht erhitzt werden kann. In vielen improvisierten Behältern lässt sich Wasser über heiße Steine zum Kochen bringen. Auch eine PET-Flasche kann in einer akuten Notlage als Kochgefäß dienen. Maßstab bleibt bei jeder Methode derselbe: Die gesamte Wassermenge muss sichtbar kräftig kochen und anschließend die erforderliche Zeit gehalten werden.

Kochen mit erhitzten Steinen

Für die Steinmethode wird das Wasser in einem nicht direkt feuerfesten Behälter gesammelt. Geeignet sein können ein ausgehöhltes Stück Holz, ein dichter Rindenbehälter, ein stabiler Beutel, eine mit Folie ausgekleidete Mulde oder ein anderer wasserdichter Behälter. Die Auskleidung muss so liegen, dass heiße Steine sie nicht direkt durchschlagen oder an einer einzelnen Stelle anschmelzen.

  1. Mehrere trockene, kompakte und möglichst rissfreie Steine auswählen. Feuchte, poröse oder geschichtete Steine aus Bachbett und Brandungszone können beim Erhitzen aufbrechen.
  2. Die Steine im Feuer gründlich erhitzen. Mehrere kleinere Steine lassen sich besser wechseln und steuern als ein einzelner sehr großer Stein.
  3. Mit einer Holzzange, gegabelten Ästen oder zwei stabilen Stöcken jeweils einen heißen Stein aufnehmen. Lose Asche kurz abklopfen.
  4. Den Stein kontrolliert in das Wasser setzen. Er darf eine Kunststoff- oder Folienwand nicht dauerhaft berühren.
  5. Abgekühlte Steine entnehmen und durch heiße ersetzen, bis die gesamte Wassermenge kräftig kocht.
  6. Ab dem sichtbaren Kochen eine beziehungsweise im Hochgebirge drei Minuten halten. Dafür werden weitere heiße Steine nachgelegt.

Die im Wasser liegenden Steine verdrängen Volumen. Der Behälter wird daher nicht randvoll gefüllt. Asche und mineralischer Abrieb sind meist vor allem ein Geschmacks- und Trübungsproblem; sie können nach dem Abkühlen abgesetzt oder durch Stoff herausgefiltert werden. Wird erst nach dem Kochen gefiltert, müssen Stoff und Auffanggefäß sauber sein, damit keine erneute Verunreinigung erfolgt.

Wasser in einer PET-Flasche erhitzen

Eine übliche PET-Getränkeflasche kann im Notfall als Kochbehälter verwendet werden, weil das eingefüllte Wasser einen großen Teil der Wärme aufnimmt. Die Flasche wird fast vollständig mit Wasser gefüllt, aber nicht druckdicht verschlossen. Der Deckel bleibt lose oder wird abgenommen. Eine fest verschlossene Flasche kann durch den entstehenden Dampf unter Druck geraten.

Die gefüllte Flasche wird stabil nahe an die Glut gelegt, über das Feuer gehängt oder so an den Rand der Glut gelegt, dass die wassergefüllten Bereiche erhitzt werden. Ein leerer oberer Abschnitt darf nicht direkt in starker Flamme liegen, weil dort die kühlende Wirkung des Wassers fehlt. Die Flasche kann sich verformen und verrußen, ohne sofort undicht zu werden. Entscheidend ist, sie so zu positionieren, dass das Wasser zum kräftigen Kochen kommt und die Flasche nicht durch eine scharfe Glutkante beschädigt wird.

Das Erhitzen in PET ist eine improvisierte Survivallösung, keine bevorzugte Alltagsmethode. In einer akuten Lage steht das Beherrschen einer möglichen mikrobiologischen Belastung im Vordergrund. Sobald ein Metallgefäß, eine feuerfeste Flasche oder eine andere besser geeignete Möglichkeit vorhanden ist, wird diese genutzt.

Papier-, Rinden- und Holzbehälter

Auch brennbare Materialien können Wasser über einer kontrollierten Flamme halten, solange der vom Wasser berührte Bereich nicht wesentlich heißer als das Wasser wird. Ein dicht gefalteter Papierbehälter, ein geeigneter Rindenbehälter oder eine frische Holzschale kann daher funktionieren. Freie, trockene Ränder oberhalb des Wasserspiegels können dagegen Feuer fangen. Solche Behälter werden mit kleiner Flamme oder Glut erhitzt und ständig beobachtet. Bei undichten Naturmaterialien ist die Steinmethode meist besser kontrollierbar als direkter Flammenkontakt.

10. Solarerhitzung und SODIS richtig unterscheiden

Ein Solarkocher kann Wasser tatsächlich bis zum Kochen erhitzen, wenn Reflektorfläche, Sonneneinstrahlung, Windschutz und Gefäß zueinander passen. Dann gelten dieselben Regeln wie beim Feuer: sichtbares kräftiges Kochen erreichen und die Zeit ab diesem Moment messen. Ein nur warmer Behälter ist ohne Temperaturkontrolle kein gleichwertiger Ersatz.

Die solare Wasserdesinfektion, kurz SODIS, arbeitet dagegen nicht wie ein Solarkocher. Klares Wasser wird in durchsichtigen PET-Flaschen dem Sonnenlicht ausgesetzt. UV-A-Strahlung und Erwärmung wirken gemeinsam auf Mikroorganismen. Das Verfahren benötigt keine Kochtemperatur, ist aber stark von Trübung, Flaschengröße, Bewölkung, Sonnenstand und Expositionszeit abhängig.

SODIS in der Praxis

  • Nur klare, farblose PET-Flaschen verwenden, möglichst bis zwei Liter Volumen. Stark zerkratzte, trübe oder eingefärbte Flaschen vermindern den Lichteintrag.
  • Trübes Wasser zuerst absetzen und durch Stoff filtern. Ist die Schrift durch die gefüllte Flasche kaum erkennbar, ist das Wasser für eine zuverlässige Solardesinfektion zu trüb.
  • Flaschen vollständig füllen, verschließen und waagerecht auf eine stark besonnte Fläche legen. Ein reflektierender oder dunkler Untergrund kann die Erwärmung unterstützen.
  • Bei sonnigem bis höchstens etwa zur Hälfte bewölktem Himmel mindestens sechs Stunden bestrahlen.
  • Bei starker Bewölkung zwei aufeinanderfolgende Tage einplanen. Bei anhaltendem Regen ist das Verfahren ungeeignet.
  • Das Wasser möglichst direkt aus der Behandlungsflasche trinken, damit kein Umfüllen in ein verschmutztes Gefäß nötig ist.

SODIS ist eine Alternative, wenn Brennstoff und Kochgefäß fehlen, aber ausreichend Sonnenlicht und Zeit vorhanden sind. In einer kalten, dicht bewölkten oder zeitkritischen Lage ist Abkochen verlässlicher. SODIS entfernt ebenso wenig wie das Kochen Salz, Schwermetalle oder andere gelöste Schadstoffe.

11. Brennstoff und Zeit sinnvoll einsetzen

Abkochen kann große Mengen Brennstoff verbrauchen, wenn Wärme seitlich entweicht oder unnötig viel Wasser verdampft. Einige einfache Maßnahmen steigern die Leistung erheblich:

  • Gefäß mit einem Deckel, einer Metallplatte oder einem passenden improvisierten Deckel abdecken.
  • Windschutz so errichten, dass weiterhin genug Sauerstoff an das Feuer gelangt.
  • Den Abstand zwischen Flamme, Glut und Gefäß möglichst klein und stabil halten.
  • Gefäßboden von dicken Ruß- und Teerschichten freihalten, wenn diese die Wärmeübertragung deutlich verschlechtern.
  • Nur die tatsächlich benötigte Menge erhitzen und mehrere Portionen hintereinander bearbeiten.
  • Nach Beginn des Kochens die Hitze auf ein anhaltendes Rollen reduzieren. Höhere Flammen verkürzen die vorgeschriebene Haltezeit nicht.
  • Heißes Wasser auch für Nahrung oder ein warmes Getränk verwenden, statt dieselbe Wassermenge später erneut zu erhitzen.

Bei knappen Vorräten wird die Produktion geplant: Wie viel Wasser benötigen die vorhandenen Personen, wie groß ist der Behälter, wie lange dauert eine Charge und wie viel Brennstoff steht zur Verfügung? Ein Liter fertig behandeltes Wasser ist wertvoller als mehrere gleichzeitig begonnene, aber nicht bis zum Kochpunkt gebrachte Behälter.

12. Abkühlen, Umfüllen und Lagern

Viele Fehler passieren erst nach dem Kochen. Ein Trinkgefäß, das zuvor Rohwasser enthielt, kann die fertige Portion erneut verunreinigen. Dasselbe gilt für ungewaschene Hände, einen schmutzigen Flaschenhals, einen benutzten Schöpflöffel oder einen Deckel, der mit seiner Innenseite auf dem Boden lag.

Am einfachsten bleibt das Wasser bis zur Verwendung im Kochgefäß und wird abgedeckt. Muss es transportiert werden, eignet sich eine saubere Flasche mit dichtem Verschluss. War diese zuvor mit Rohwasser gefüllt, wird sie entleert und mit etwas heißem, fertig behandeltem Wasser ausgespült. Dieses Spülwasser wird verworfen oder erneut erhitzt. Danach wird die Trinkportion eingefüllt, ohne den Flaschenhals mit Händen oder Rohwasser zu berühren.

Bei einer Gruppe werden Rohwasser- und Trinkwasserbereich räumlich getrennt. Eine Person kann die Entnahme und Vorfilterung übernehmen, eine andere die erhitzten Chargen. Gefäße lassen sich eindeutig markieren oder an festen Plätzen abstellen. Dadurch wird verhindert, dass ein fast leerer Rohwasserkanister versehentlich mit dem fertigen Vorrat verwechselt wird.

13. Häufige Fehler beim Abkochen

  • Die Zeit beim ersten Dampf starten: Wasserdampf kann bereits sichtbar sein, bevor die gesamte Menge kocht. Die Kochzeit beginnt erst beim deutlichen Rollen.
  • Trübes Wasser mit einem Shirt filtern und danach für sicher halten: Stoff entfernt grobe Partikel, aber keine zuverlässige Bandbreite an Krankheitserregern. Das Wasser muss anschließend abgekocht werden.
  • Wasser zehn bis fünfzehn Minuten verdampfen lassen: Das kostet Brennstoff und Wasser. Für die übliche Trinkwasserdesinfektion genügen eine Minute beziehungsweise drei Minuten im Hochgebirge.
  • Meerwasser offen abkochen: Das Salz bleibt zurück und konzentriert sich. Ohne Auffangen des Kondensats findet keine nutzbare Entsalzung statt.
  • Chemisch auffälliges Wasser trotzdem verwenden: Abkochen ist keine universelle Schadstoffentfernung. Bei Ölfilm, Kraftstoffgeruch, Industrieeinfluss oder Algenblüte wird nach Möglichkeit eine andere Quelle gesucht.
  • Kaltes Rohwasser zum Abkühlen zugießen: Eine kleine unbehandelte Menge kann die gesamte Charge erneut verunreinigen.
  • Fertig behandeltes Wasser in das Rohwassergefäß füllen: Keime an Wand, Gewinde und Deckel gelangen wieder in das Wasser.
  • PET-Flaschen fest verschließen: Beim Erhitzen entsteht Druck. Der Deckel bleibt abgenommen oder deutlich gelockert.
  • Nasse oder rissige Steine ins Feuer legen: Eingeschlossenes Wasser kann beim Erhitzen schlagartig verdampfen und den Stein aufbrechen. Verwendet werden trockene, kompakte Steine.
  • SODIS und Kochen gleichsetzen: SODIS benötigt klare PET-Flaschen, kräftiges Sonnenlicht und viele Stunden. Kurzes Erwärmen in der Sonne reicht nicht.

14. Kompakter Ablauf für eine Survivalsituation

  1. Die am wenigsten belastete erreichbare Wasserstelle auswählen.
  2. Groben Schmutz entfernen, trübes Wasser absetzen und durch Stoff vorfiltern.
  3. Wasser in einen Topf oder ein improvisiertes Kochgefäß geben.
  4. Bis zum kräftigen, gleichmäßigen Sprudeln erhitzen.
  5. Ab diesem Moment eine Minute kochen; im Hochgebirge drei Minuten.
  6. Abgedeckt abkühlen lassen und kein unbehandeltes Wasser beimischen.
  7. Direkt aus dem Kochgefäß verwenden oder in ein sauberes, verschließbares Gefäß füllen.
  8. Weitere Chargen rechtzeitig herstellen, bevor der vorhandene Trinkwasservorrat aufgebraucht ist.