Survival
  1. Home
  2. Wissen

Durchfall beim Wandern: Flüssigkeit und Salze ersetzen

Bei Durchfall verliert der Körper mit dem flüssigen Stuhl Wasser und Salze. Erbrechen, Hitze und ein langer Marsch können die Verluste zusätzlich vergrößern. Deshalb beginnt die Versorgung mit sicherem Trinkwasser und dem Ersatz der verlorenen Flüssigkeit. Eine wirksame Trinkversorgung ist auch dann nötig, wenn ein Mittel den Stuhldrang vorübergehend vermindert.

Im Survival kommen oft mehrere Probleme zusammen: Die Wasserquelle ist unsicher, die vorhandene Menge begrenzt und der nächste Toilettengang verschmutzt erneut Hände oder Kleidung. Dieser Beitrag behandelt die Versorgung eines sonst gesunden, wachen Erwachsenen, der noch selbst trinken kann. Bei zunehmender Benommenheit oder anhaltend erfolglosen Trinkversuchen lässt sich ein schwerer Flüssigkeitsmangel auf diesem Weg nicht mehr ausreichend ausgleichen.

Entscheidend ist, ob die Flüssigkeitsverluste noch ausgeglichen werden

Die Zahl der Toilettengänge allein sagt wenig darüber aus, wie viel Wasser verloren geht. Mehrere kleine Entleerungen unterscheiden sich von großen Mengen wässrigen Stuhls. Achte deshalb gleichzeitig auf die getrunkene Menge, Erbrechen, Durst und Urin. Wird der Urin deutlich weniger oder dunkler als üblich, während du weiter Flüssigkeit verlierst, reicht die bisherige Versorgung möglicherweise nicht aus.

Ein trockener Mund, zunehmende Schwäche und Schwindel beim Aufrichten passen ebenfalls zu Flüssigkeitsmangel. Besonders bedenklich sind Benommenheit, ein Kreislaufzusammenbruch oder die Unfähigkeit, noch ausreichend zu trinken. In dieser Lage wird ein notwendiger Weg zu Versorgung früh geplant; ein erschöpfter Mensch, der bereits kaum aufstehen kann, lässt sich später erheblich schwerer bewegen.

Wässriger Durchfall wird häufig durch eine Infektion ausgelöst. Welcher Erreger beteiligt ist, lässt sich am Stuhlbild meist nicht sicher erkennen. Beschwerden nach einer Mahlzeit können durch bereits gebildete Giftstoffe rasch beginnen; andere Infektionen brauchen länger. Protozoen wie Giardia können nach einem früheren Wasserkontakt erst mit Verzögerung auffallen und länger anhalten. Die letzte Mahlzeit oder der letzte Schluck Bachwasser muss deshalb nicht die tatsächliche Quelle gewesen sein.

Trinken gelingt, Zustand bleibt stabil

Beginne mit regelmäßigem Flüssigkeitsersatz. Beobachte, ob Urinmenge, Durst und Belastbarkeit sich unter der Versorgung bessern.

Verluste übersteigen die Aufnahme

Wiederholtes Erbrechen, sehr große Stuhlmengen, zunehmende Benommenheit oder Kollaps zeigen, dass die eigene Trinkversorgung unzureichend werden kann.

Eine einfache Trinklösung aus Zucker und Salz herstellen

Der Dünndarm kann Glukose zusammen mit Natrium aufnehmen; Wasser folgt dieser Aufnahme. Dieser Transport funktioniert bei vielen Durchfallerkrankungen weiter. Eine passend zusammengesetzte Lösung unterstützt deshalb die Aufnahme von Wasser und ersetzt zugleich einen Teil der verlorenen Salze. Haushaltszucker liefert nach seiner Spaltung unter anderem Glukose. Viel mehr Zucker verbessert die Wirkung nicht: Eine stark zuckerhaltige Flüssigkeit kann zusätzlich Wasser im Darm halten und den Durchfall verstärken.

Für einen Liter einfache Ersatzlösung: Löse sechs gestrichene Teelöffel Zucker und einen halben gestrichenen Teelöffel Speisesalz vollständig in einem Liter sicherem Trinkwasser auf. Die Zutaten werden gemeinsam für genau diese Wassermenge abgemessen.

Verwende ein bekanntes Litermaß und ein übliches Teelöffelmaß. Ein deutlich größerer Campinglöffel liefert bei derselben Anzahl eine andere Menge. Fehlt ein verlässliches Maß, wird die Salzmenge nicht durch eine konzentrierte Mischung nach Gefühl ersetzt. Beginne dann mit sicherem Wasser und ergänze verträgliche Nahrung, bis eine geeignete Lösung herstellbar ist.

Fertige Rehydratationspräparate enthalten zusätzlich weitere Elektrolyte und Puffersalze, etwa Kalium und Citrat. Diese fehlen in der einfachen Selbstmischung. Ein vorhandener ORS-Beutel wird mit der aufgedruckten Wassermenge angesetzt; nicht jeder Beutel ist für einen Liter bestimmt. Das Pulver wird vollständig gelöst. Eine zu geringe Wassermenge macht die Lösung zu konzentriert und verändert das für die Aufnahme wichtige Verhältnis von Wasser, Zucker und Salzen.

Wasser zuerst trinkbar machen

Nutze sicheres Wasser oder behandle die vorhandene Wasserquelle mit einem geeigneten Verfahren. Lass abgekochtes Wasser vor dem Trinken auf eine angenehme Temperatur abkühlen.

In einem sauberen Gefäß ansetzen

Gib Zucker und Salz zur abgemessenen Wassermenge und löse beides vollständig. Halte Gefäßrand und Verschluss von ungewaschenen Händen und verschmutzter Kleidung fern.

Abgedeckt aufbewahren und frisch ersetzen

Bereite überschaubare Mengen zu und halte die Lösung abgedeckt. Nach spätestens 24 Stunden wird ein Rest verworfen; bei Verunreinigung früher. Neue Lösung wird in einem gereinigten Gefäß angesetzt.

Trotz Übelkeit Flüssigkeit aufnehmen und die Ernährung fortsetzen

Bei Übelkeit sind kleine, häufige Schlucke meist besser verträglich als eine große Menge auf einmal. Nach Erbrechen wartest du kurz und beginnst langsamer erneut. Ein einzelnes Erbrechen bedeutet noch nicht, dass überhaupt keine Flüssigkeit aufgenommen wurde. Entscheidend ist der weitere Verlauf: Bleiben wiederholt selbst kleine Mengen nicht drin und nehmen Schwäche oder Benommenheit zu, genügt diese Versorgung nicht mehr.

Für Erwachsene ist nach jedem weiteren dünnen Stuhl ungefähr ein Becher mit 200 bis 250 Millilitern Rehydratationslösung eine Orientierung zum zusätzlichen Ersatz. Das kommt zur sonst benötigten Flüssigkeit hinzu. Bei sehr großen Verlusten kann deutlich mehr nötig sein; eine feste Tagesmenge passt nicht zu jedem Verlauf. Beobachte deshalb die tatsächlich mögliche Aufnahme und die genannten Zeichen des Flüssigkeitsmangels, statt nur eine bestimmte Zahl von Bechern abzuzählen.

Wenn du essen kannst, nimm kleine Portionen der Nahrung, die du verträgst. Gekochte stärkehaltige Lebensmittel wie Reis oder Kartoffeln und etwas salzhaltige Nahrung können die Versorgung ergänzen. Mehrtägiges Fasten ist bei unkompliziertem Durchfall keine notwendige Behandlung. Eine strenge Auswahl weniger vermeintlicher Schonkostlebensmittel ist ebenfalls nicht für jeden Erwachsenen erforderlich. Essen ersetzt aber nicht die Flüssigkeit, die mit dem Stuhl verloren geht.

Stark gesüßte Getränke sind als alleinige Versorgung ungünstig, besonders wenn große Mengen davon getrunken werden. Wenn nur Wasser vorhanden ist, wird dennoch weiter getrunken. Bei starkem oder längerem Durchfall muss zusätzlich der Salzverlust berücksichtigt werden. Eine wieder mögliche normale Mahlzeit und eine korrekt angesetzte Trinklösung können sich dabei ergänzen.

Lagerfeuerkohle bindet Stoffe, ersetzt aber keine Rehydratation

Holzkohle kann Stoffe an ihrer Oberfläche binden. Diese Adsorption ist eine reale Materialeigenschaft. Ihre Stärke hängt unter anderem vom Ausgangsholz, der Herstellung, der Porenstruktur und dem gebundenen Stoff ab. Auch nicht medizinisch aktivierte Holzkohlen werden auf solche Eigenschaften untersucht. Ein beobachteter Bindungseffekt bedeutet jedoch noch nicht, dass eine unbekannte Lagerfeuerkohle im Darm eine bestimmte Wirkung gegen Durchfall erreicht.

Ein Stück Holzkohle mit erkennbarer Holzstruktur liegt neben zerkleinerter Kohle auf einem Naturstein
Kohlestück und zerkleinerte Kohle: Mahlen verändert die Teilchengröße. Die für medizinische Aktivkohle wichtige innere Porenstruktur entsteht dadurch nicht automatisch.

Medizinische Aktivkohle wird so verarbeitet, dass eine große zugängliche innere Oberfläche entsteht. Zerstoßen verkleinert dagegen vor allem die Teilchen eines vorhandenen Kohlestücks. Es macht aus Lagerfeuerkohle kein standardisiertes Arzneimittel. Bei selbst hergestellter Kohle sind außerdem Reinheit und Bindungsleistung unbekannt. Daraus lässt sich keine fachlich gesicherte Einnahmemenge für die Durchfallbehandlung ableiten.

Für medizinische Kohle werden zwar Arzneimittel gegen Durchfall angeboten. Für eine routinemäßige Behandlung akuter infektiöser Durchfälle ist ihr Nutzen aber nicht ausreichend belegt. Eine Darminfektion, der fortlaufende Wasserverlust und verlorene Salze werden durch einen bloßen Bindungsversuch nicht zuverlässig behoben. Die Flüssigkeitsversorgung bleibt deshalb auch bei einer Einnahme anderer Mittel die wichtigste eigene Maßnahme.

Laborversuche zur Bindung von Metallionen aus Wasser beantworten eine andere Frage als die Behandlung einer Vergiftung im menschlichen Körper. Daraus folgt kein allgemeines Verfahren, um „Schwermetalle auszuleiten“. Auch medizinische Aktivkohle eignet sich nicht für jedes Gift. Zudem kann sie andere eingenommene Arzneistoffe binden und den Stuhl schwarz färben. Eine solche Verfärbung verändert die Beobachtung des Stuhls und ist kein Nachweis einer erfolgreichen Behandlung.

Verhindern, dass Wasser und Vorräte erneut verunreinigt werden

Durchfallerreger gelangen über Stuhl, Hände, Gefäßränder und Nahrung wieder in den Mund. Die Übertragung kann innerhalb einer Gruppe weitergehen, selbst wenn inzwischen ausschließlich abgekochtes Wasser getrunken wird. Lege deshalb fest, wer sauberes Wasser und Nahrung handhabt. Wer den Erkrankten bei der Reinigung unterstützt, wäscht danach die Hände, bevor er Vorräte oder Trinkgefäße anfasst.

Wähle den Ausscheidungsplatz so, dass Regen und oberflächlich abfließendes Wasser keine Verunreinigung zur Wasserentnahme tragen. Abstand allein genügt nicht, wenn eine Rinne direkt zur Quelle führt. Die Reinigung von Gesäß, benutztem Stoff oder verschmutzter Kleidung findet getrennt von der Trinkwasserentnahme statt. Bei einem langen Aufenthalt wird geprüft, ob der Platz nach Regen noch geeignet ist.

Wasche die Hände nach dem Toilettengang und vor Essen oder dem Ansetzen einer Trinklösung gründlich mit Wasser und Seife. Reinige Fingerkuppen und Nagelränder mit. Bei Noroviren wirkt alkoholisches Handgel allein weniger zuverlässig als gründliches Waschen; ein mitgeführtes Gel ersetzt diesen Schritt deshalb nicht. Ohne Seife wird sichtbare Verschmutzung zunächst mit Wasser entfernt und die Reinigung mit Seife nachgeholt, sobald sie möglich ist.

Ein eigenes Trinkgefäß vermindert gemeinsamen Mundkontakt. Gibt es nur eine Flasche, kann ein Helfer Wasser ausgießen, ohne dass der Kranke den Rand mit ungewaschenen Händen oder dem Mund berührt. Behalte die Trennung zwischen der Versorgung des Kranken und dem Umgang mit den Vorräten bei, auch wenn sich dessen Zustand bereits bessert.

Wann der Verlauf eine andere Behandlung verlangt

Blut im Stuhl, hohes Fieber, starke anhaltende Bauchschmerzen, zunehmende Benommenheit oder unstillbares Erbrechen passen nicht zu einer unkomplizierten, ausreichend selbst versorgten Erkrankung. Auch wiederholt sehr große wässrige Stuhlmengen können die Trinkversorgung rasch überfordern. Wenn die Verluste nicht mehr auszugleichen sind, braucht der Betroffene eine weiterführende Versorgung; orale Flüssigkeit allein kann dann unzureichend sein.

Ein vorhandenes Loperamidpräparat kann bei Erwachsenen mit unkompliziertem Durchfall die Häufigkeit der Entleerungen zeitweise vermindern. Es wird nur nach seiner Produktanleitung und kurzfristig eingesetzt. Blut im Stuhl oder begleitendes Fieber sprechen gegen eine alleinige Behandlung damit. Eine unterdrückte Stuhlhäufigkeit beweist weder die Beseitigung eines Erregers noch einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt.

Hält Durchfall länger an oder kehrt er wieder, muss auch eine andere Ursache berücksichtigt werden. Nach Reisen und unsicherem Wasser kommen zum Beispiel Protozoeninfektionen infrage, die eine gezielte Behandlung brauchen können. Für eine spätere Untersuchung sind Beginn, Dauer, Blutbeimengungen, Fieber, Wasserquellen und eingenommene Medikamente hilfreich. Unterwegs werden Trinken, Urinmenge und die mögliche Nahrungsaufnahme weiter beobachtet, auch wenn einzelne Toilettengänge inzwischen seltener geworden sind.