Selbstversorgung | den eigenen Bedarf teilweise selbst decken
Selbstversorgung bedeutet, einen Teil des eigenen Bedarfs durch eigene Arbeit und Produktion zu decken. Dazu können Lebensmittelanbau, Reparaturen oder die Bereitstellung von Energie gehören. Wie groß dieser Anteil ist, muss für jeden Bereich gesondert betrachtet werden. Ein Gemüsegarten allein macht einen Haushalt nicht vollständig unabhängig.
Den Versorgungsanteil konkret benennen
Eine brauchbare Zielsetzung beschreibt, welches Gut in welcher Menge selbst bereitgestellt werden soll. „Im Sommer einen Teil des Salats ernten“ ist ein anderes Ziel als „den jährlichen Gemüsebedarf decken“. Der zweite Anspruch benötigt auch eine Lösung für Monate ohne entsprechende frische Ernte.
Selbstversorgung und Bevorratung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Ein Vorrat ist bereits vorhanden und wird während einer Unterbrechung verbraucht. Ein Anbauprojekt benötigt Zeit, Wasser, Pflege und geeignete Bedingungen, bevor etwas geerntet werden kann. Noch ungekeimtes Saatgut ist deshalb keine unmittelbar verfügbare Lebensmittelreserve.
Mit einer bewirtschaftbaren Fläche beginnen
Die Anbauplanung richtet sich nach Licht, Boden, Wasserzugang, Klima und verfügbarer Arbeitszeit. Dazu kommen die Bedürfnisse der gewählten Kulturen und die Lebensmittel, die im Haushalt tatsächlich gegessen werden. Eine größere Fläche bringt wenig, wenn Bewässerung und Pflege nicht geleistet werden können.
Für einen ersten Versuch wenige Kulturen auswählen und deren Entwicklung notieren: Aussaat oder Pflanzung, Pflegeaufwand, Erntemenge und Verluste. Mehrere kleine Anbauversuche können zeigen, welche Standorte und Sorten sich bewähren. Allgemeine Ertragszahlen ersetzen diese örtliche Erfahrung nicht.
Mit der nutzbaren Ernte rechnen
Angenommen, ein Haushalt benötigt in einem bestimmten Zeitraum 40 Kilogramm eines Gemüses. Erntet er selbst 15 Kilogramm und kann davon nach Aussortieren beschädigter Ware 12 Kilogramm verwenden, deckt die eigene Ernte rechnerisch 30 Prozent dieses Bedarfs. Diese Rechnung sagt noch nichts über die Versorgung mit anderen Lebensmitteln aus.
Für den Überblick zählen deshalb die tatsächlich verwendbaren Mengen. Auch Zeitpunkt und Lagerfähigkeit sind entscheidend: Eine große Ernte auf einmal ist nur dann hilfreich, wenn sie gegessen, geteilt oder mit einem geeigneten Verfahren verarbeitet werden kann.
Verarbeitung als eigene Aufgabe planen
Für Überschüsse müssen Gefäße, Arbeitszeit, Platz und gegebenenfalls Energie verfügbar sein. Einfrieren setzt eine funktionierende Kühlkette voraus. Trocknen, Fermentieren oder Einkochen haben jeweils eigene Anforderungen an Lebensmittel und Verfahren.
Eine unspezifische Empfehlung, Gemüse einfach in Öl einzulegen oder beliebige Vorräte einzukochen, reicht für eine sichere Haltbarmachung nicht aus. Dafür werden erprobte, auf das jeweilige Lebensmittel abgestimmte Anleitungen benötigt. Die Verarbeitungsmöglichkeit gehört deshalb schon in die Anbauplanung.
Wasser und Energie getrennt bilanzieren
Regenwasser von geeigneten Sammelflächen kann zur Gartenbewässerung beitragen. Seine hygienische Qualität ist jedoch nicht automatisch mit Trinkwasser vergleichbar. Bei einer Nutzung im Haushalt sind eine fachgerechte Installation, Wartung und die sichere Trennung vom Trinkwassersystem erforderlich.
Auch bei Energie lohnt sich eine genaue Frage: Welche Geräte sollen wann betrieben werden? Eine jährliche Erzeugungsmenge beschreibt nicht unmittelbar die Verfügbarkeit in einer bestimmten Nacht oder während einer mehrtägigen Unterbrechung. Erzeugung, Speicherung und nutzbarer Anschluss sind unterschiedliche Bestandteile der Versorgung.
Abhängigkeiten und Vertretung festhalten
Eine eigene Produktion kann weiterhin Saatgut, Futter, Ersatzteile oder zugekaufte Betriebsmittel benötigen. Tierhaltung bringt außerdem tägliche Versorgungsaufgaben mit sich. Vor einer Erweiterung sollte daher geklärt sein, wer diese Aufgaben bei Krankheit oder Abwesenheit übernimmt.
Ein dokumentierter Teilbereich mit bekannten Grenzen ist eine konkrete Leistung. Die Planung wird belastbarer, wenn neben der erwarteten Eigenproduktion auch ein Ausfall und eine mögliche Ersatzversorgung berücksichtigt werden.
