Zunderpilz | aus der Trama glimmfähigen Zunder gewinnen
Mit Zunderpilz ist meist der Echte Zunderschwamm, Fomes fomentarius, gemeint. Sein faseriges Inneres kann zu Feuerzunder verarbeitet werden. Das Material nimmt unter geeigneten Bedingungen Funken an und glimmt. Für eine offene Flamme braucht es anschließend weiteren geeigneten Zunder und feines Brennmaterial.

Den Zunderschwamm einordnen
Der mehrjährige Fruchtkörper wächst an Laubbäumen, etwa Birke oder Buche, und besitzt häufig eine hufartige Gestalt. Die harte Oberseite ist oft grau bis bräunlich und zeigt Wachstumszonen. Auf der Unterseite liegen zahlreiche feine Poren.
Andere Porlinge können ähnlich aussehen. Eine hufartige Form oder ein einzelnes Foto genügt daher nicht zur sicheren Artbestimmung. Der Zunderschwamm ist ein holzabbauender Pilz; sichtbare Fruchtkörper können zu einem geschädigten Baum gehören. Bei der Materialsuche nicht unter instabilen Stämmen oder Ästen arbeiten.
Kruste, Trama und Röhren unterscheiden
Im Querschnitt wird der Aufbau deutlicher. Unter der harten Außenkruste liegt die bräunliche, faserige Trama. Darunter folgen die Röhrenschichten, deren Öffnungen auf der Unterseite als Poren sichtbar sind.
Für den hier beschriebenen Zunder wird die Trama verwendet. Ein vollständig zerkleinerter Fruchtkörper enthält dagegen auch harte Kruste und Röhrenmaterial. Das ist nicht mit einer gezielt vorbereiteten Tramaschicht gleichzusetzen.
Eine einfache Vorbereitung
Von einem sicher bestimmten, rechtmäßig entnommenen Stück die zugängliche Trama freilegen. Auf einer stabilen Unterlage arbeiten und die Schneidbewegung vom Körper wegführen. Die Trama in dünne Stücke teilen und eine Oberfläche vorsichtig aufrauen, sodass feine Fasern entstehen.
Die Zündfähigkeit hängt wesentlich vom Zustand und von der Feuchtigkeit ab. Trockenes Material mit aufgefaserter Oberfläche lässt sich mit den Funken eines Ferrocerium-Feuerstahls erproben. Dabei nur eine kleine Menge auf einer nicht brennbaren Unterlage verwenden und Löschmittel bereithalten.
Traditionell weiterverarbeitetes Amadou kann zusätzliche Bearbeitungsschritte durchlaufen. Aus einer einfachen trockenen Tramascheibe folgt deshalb keine garantierte Eignung für die deutlich schwächeren Funken von Feuerstein und Stahl. Beide Zündverfahren sollten mit dem vorgesehenen Material getrennt erprobt werden.
Von der Glut zur Flamme
Ein angenommener Funke kann sich als Glut im Pilzmaterial ausbreiten. Dieses Glimmen erzeugt noch keine offene Flamme. Die Glut wird in ein vorbereitetes, sehr feines und trockenes Zundernest überführt und vorsichtig mit Luft versorgt.
Glimmendes Pilzmaterial kann lange heiß bleiben. Auch ohne sichtbare Flamme besteht Brandgefahr. Reste vollständig löschen und kontrollieren, bevor sie verpackt oder der Platz verlassen werden. Einen glimmenden Fruchtkörper nicht lose im Rucksack transportieren.
Material sparen und Grenzen beachten
Fruchtkörper wachsen langsam und erfüllen eine ökologische Funktion. Für eine Übung genügt wenig Material. Sammelregeln und Schutzgebiete beachten; zur Beschaffung keinen Baum beschädigen oder fällen.
Pilzzunder ist keine sterile Wundauflage. Historische Anwendungen begründen keine heutige Empfehlung, Pilzmaterial auf eine Verletzung zu legen. Für kleine Wunden sind Reinigung und eine geeignete saubere beziehungsweise sterile Abdeckung vorgesehen; stärkere Blutungen brauchen eine entsprechende Erste-Hilfe-Versorgung.





