Katabatischer Wind | wenn abgekühlte Luft dem Gelände folgt
Ein katabatischer Wind ist im gebräuchlichen gebirgsmeteorologischen Sinn eine hangabwärts gerichtete Strömung, die durch Abkühlung der bodennahen Luft entsteht. Er kann als schwacher nächtlicher Hangwind auftreten oder über großen Eisflächen erhebliche Stärke erreichen. Nicht jeder Wind, der einen Hang hinunterweht, hat denselben Entstehungsmechanismus.
Wie der Kaltluftabfluss entsteht
Kühlt die Hangoberfläche aus, kann sie auch die unmittelbar darüberliegende Luft abkühlen. Diese Luft ist gegenüber der Umgebung in gleicher Höhe dichter. Daraus entwickelt sich eine Druckverteilung, die eine Strömung entlang des Hangs nach unten antreibt.
Bei schwachem großräumigem Wind kann dieser lokale Prozess besonders deutlich werden. Nachts spielt die Ausstrahlung der Oberfläche eine wichtige Rolle. Über Schnee und Eis kann eine kalte Unterlage die bodennahe Abkühlung auch unabhängig von der üblichen nächtlichen Entwicklung fördern.
Vom kleinen Hang zum Eisschild
An einem bewaldeten Hang, auf einem Gletscher und am Rand eines großen Eisschilds gelten sehr unterschiedliche räumliche Bedingungen. Länge und Neigung der Flächen, Temperaturunterschiede, Reibung sowie der großräumige Wetterablauf beeinflussen die resultierende Strömung.
In der Antarktis kann dichte Kaltluft über große Flächen hangabwärts strömen. Gelände und zusammenlaufende Täler können den Abfluss bündeln. Küstennahe Tiefdruckgebiete können die Strömung zusätzlich verstärken. Beobachtete extreme Böen lassen sich deshalb nicht als allgemeiner Kennwert jedes katabatischen Winds verwenden.
Warum ein Fallwind nicht automatisch katabatisch ist
Der Begriff wird in manchen Zusammenhängen weiter gefasst und lediglich für abwärts gerichtete Luftbewegung verwendet. Für die Erklärung des Wetters ist die Ursache jedoch entscheidend. Ein thermisch ausgelöster Kaltluftabfluss ist von anders angetriebenen Hang- und Leeströmungen zu unterscheiden.
Eine Liste aus Bora, Mistral, Santa Ana und Gletscherwind beschreibt daher keine einheitliche Gruppe identisch entstehender Kaltwinde. Schon die Frage, ob kalte Luft von der Oberfläche her erzeugt wird oder eine großräumige Druckverteilung die Strömung antreibt, verändert die Einordnung.
Beobachtungen am Standort
Wenn gegen Abend am Hang eine kältere Strömung einsetzt, passt das zu einem lokalen Kaltluftabfluss. Es beweist für sich genommen aber weder ein herannahendes Unwetter noch einen Wettersturz. Umgekehrt darf ein erwartbarer lokaler Prozess nicht dazu verleiten, starke Böen als harmlos abzutun.
Für einen Schlafplatz sind tatsächliche Windverhältnisse und mögliche Abflusswege hilfreicher als eine pauschale Regel, jedes Tal zu meiden. Ein tagsüber ruhiger Punkt kann sich nach Sonnenuntergang verändern. Kaltluft kann zudem in tieferen Geländeteilen zusammenkommen.
Folgen für Tour und Unterkunft
Windschutz und Isolation müssen auch dann ausreichen, wenn die Aktivität endet. Ausrüstung und Kleidung sollten vor dem Beginn einer kalten Pause erreichbar sein. Bei einer Gruppe zählt, ob alle Personen den Standort noch sicher wechseln können.
In verschneitem Gelände kann starker Wind Schnee verlagern und die Sicht erheblich einschränken. Die konkrete Lawinenlage bleibt eine eigene Beurteilungsaufgabe. Der Name des Winds allein gibt weder einen Hang frei noch legt er eine sichere Route fest.





