Handbohrer | ohne Strom sauber in Holz bohren
Als Handbohrer werden verschiedene von Muskelkraft angetriebene Bohrwerkzeuge bezeichnet. Dazu gehören kleine Nagel- und Spiralhandbohrer, Kurbelbohrer mit Zahnradantrieb sowie die Bohrwinde für größere Holzbohrer. Welches Werkzeug geeignet ist, entscheidet sich nicht allein am Lochdurchmesser, sondern auch an Werkstoff, Bohrtiefe, benötigtem Drehmoment und dem Schaft des eingesetzten Bohrers.
Handbohrer ist nicht gleich Feuerbohrer
Ein Handbohrer trägt eine schneidende Metallspitze und erzeugt ein Loch durch Materialabtrag. Beim Feuerbohren entsteht dagegen Reibungswärme zwischen Holzspindel und Feuerbrett. Beide Werkzeuge werden von Hand bewegt, erfüllen aber verschiedene Aufgaben. Auch ein improvisierter Dorn, der Fasern verdrängt, arbeitet anders als ein richtig geschliffener Holzbohrer.
Die wichtigsten Bauformen
Nagelbohrer und einfache Spiralbohrer
Kleine Handbohrer mit quer stehendem Griff eignen sich für schmale Löcher und Vorbohrungen. Sie sind leicht, übertragen aber nur begrenztes Drehmoment. Für große Durchmesser oder tiefe Bohrungen sind sie wenig zweckmäßig.
Kurbelbohrer
Beim Kurbelbohrer treibt eine seitliche Kurbel das Bohrfutter über Zahnräder an. Er lässt sich zügig drehen und eignet sich besonders für kleinere Durchmesser. Entscheidend sind ein spielfreies Futter und ein Bohrer, der darin sicher gespannt werden kann.
Bohrwinde
Die U-förmige Bohrwinde liefert durch ihren großen Kurbelradius ein hohes Drehmoment. Eine Ratsche ermöglicht Arbeiten bei begrenztem Bewegungsraum und den Wechsel der Drehrichtung. Je nach Bohrfutter werden traditionelle Vierkantschäfte, Sechskantschäfte oder bestimmte Rundschäfte aufgenommen. Rundschäfte können bei hoher Belastung rutschen, wenn das Futter dafür nicht ausgelegt ist.
Bohrer und Werkzeug müssen zusammenpassen
Ein Holzspiralbohrer mit Zentrierspitze, Vorschneider und Hauptschneide erzeugt ein anderes Ergebnis als ein Metallspiralbohrer. Schlangenbohrer räumen Späne über ihre Wendel aus tiefen Löchern. Viele besitzen eine Gewindespitze, die den Bohrer selbst in das Holz zieht. Dann ist zusätzlicher starker Druck unnötig und kann Werkzeug oder Werkstück belasten.
Vor der Arbeit müssen Schaft und Futter zusammenpassen. Ein Adapter kann bestimmte moderne Sechskantschäfte mit einer Bohrwinde verbinden; er macht aber nicht jeden Bohrer für hohe Handdrehmomente geeignet. Durchmesser, zulässige Drehrichtung und Anwendung richten sich nach dem jeweiligen Werkzeug.
Ein Loch kontrolliert herstellen
- Werkstück sichern: Das Holz auf einer tragfähigen Unterlage fixieren. Es darf sich beim Drehen nicht mitbewegen, und die freie Hand gehört nicht hinter die Bohrstelle.
- Bohrstelle prüfen: Verlauf und Austritt festlegen. Bei vorhandenen Bauteilen vorher ausschließen, dass Leitungen, Beschläge oder andere verdeckte Teile getroffen werden.
- Mitte markieren: Eine kleine, passende Vertiefung hilft der Zentrierspitze beim Ansetzen. Eine große Kerbe kann die Führung verschlechtern.
- Rechtwinklig ausrichten: Die Lage aus zwei Blickrichtungen kontrollieren. Dann mit ruhiger Drehung beginnen und nur so viel Druck geben, wie die Schneiden benötigen.
- Späne abführen: Bei tiefen Löchern den Bohrer rechtzeitig zurücknehmen und Späne entfernen. Ein verklemmter Bohrer wird nicht mit ruckartigen Bewegungen oder einer Verlängerung am Griff erzwungen.
Ausriss an der Rückseite begrenzen
Beim Durchbohren können die Holzfasern an der Austrittsseite ausbrechen. Eine fest anliegende Opferunterlage stützt sie. Alternativ wird nur so weit gebohrt, bis die Zentrierspitze auf der Rückseite sichtbar ist; anschließend lässt sich das Loch von dort fertigstellen. Welche Methode funktioniert, hängt von Bohrertyp und Werkstück ab.
Ein gebohrtes Loch ergibt außerdem nicht automatisch eine belastbare Dübelverbindung. Lochdurchmesser, Dübel, Faserrichtung, Randabstand und die übrige Konstruktion müssen zusammenpassen. Für tragende oder sicherheitsrelevante Bauten reicht eine improvisierte Verbindung ohne Bemessung nicht aus.
Improvisation hat enge Grenzen
Ein stabil geführter Nagel oder Dorn kann in weichem Material ein kleines Loch vorstechen. Er ersetzt jedoch keine Schneidengeometrie, die Späne abträgt. Ein Nagel in einem gespaltenen Ast ist wegen der hohen Torsionskräfte kein verlässlicher großer Handbohrer.
Schraubendreher oder Sägeblattstücke zu erhitzen und umzuschleifen ist ebenfalls keine allgemeine Lösung. Wärme kann die Werkstoffeigenschaften verändern; Beschichtungen und unbekannte Legierungen sind für solche Versuche ungeeignet. Scharfe, schlecht befestigte Metallteile schaffen zudem eine erhebliche Verletzungsgefahr. Für geplante Arbeiten ist ein passender Handbohrer mit wenigen ausgewählten Bohrern die deutlich kontrollierbarere Reserve.
Kontrolle und Pflege
Nach der Arbeit Späne und Feuchtigkeit entfernen. Schneiden, Gewindespitze, Schaft und Bohrfutter auf Beschädigung prüfen. Einen verbogenen Bohrer, einen gerissenen Griff oder ein rutschendes Futter nicht durch mehr Kraft ausgleichen.
Blanke Metallflächen können nach Herstellerangabe dünn gegen Korrosion geschützt werden; überschüssiges Mittel vor dem Einsatz entfernen. Schneiden nur nach ihrer vorgesehenen Geometrie schärfen. Ein falsch bearbeiteter Vorschneider oder eine ungleichmäßige Hauptschneide kann Verlauf und Lochqualität verschlechtern.





