Verhalten in Krisensituationen – richtig reagieren und Risiken reduzieren
Eine Krisensituation verlangt keine allgemeine Standardreaktion. Bei Hochwasser muss ein Keller verlassen werden, bei einer Explosion kann ein innenliegender Keller Schutz bieten. Bei einer Gefahrstofffreisetzung ist ein geschlossenes Gebäude häufig sicherer, bei Rauch oder Gas im eigenen Haus muss es verlassen werden. Entscheidend ist deshalb, zuerst die konkrete Gefahr zu erkennen und erst dann zu handeln.
Die ersten Minuten dienen nicht der Ursachensuche. Zunächst werden Menschen geschützt, Verletzungen erkannt, Warnungen geprüft und Folgegefahren begrenzt. Danach wird entschieden, ob der Aufenthaltsort sicher bleibt, gewechselt oder auf behördliche Anweisung verlassen werden muss.
Grundsatz: Menschen gehen vor Eigentum. Warnungen werden vollständig gelesen, Sperrungen beachtet und gefährdete Bereiche nicht für Fahrzeuge, Vorräte oder Dokumente erneut betreten.
1. Der Ablauf in den ersten Minuten
- Unmittelbare Gefahr erkennen: Feuer, Rauch, Gasgeruch, eindringendes Wasser, beschädigte Bauteile, Stromleitungen, Verkehr oder Gefahrstoffe.
- Personen sichern: Alle zählen, Kinder und unterstützungsbedürftige Menschen begleiten, Verletzte aus dem Gefahrenbereich bringen, sofern dies ohne zusätzliche Gefährdung möglich ist.
- Notfallversorgung beginnen: Starke Blutungen stillen, Bewusstsein und normale Atmung prüfen und bei akuter Lebensgefahr in Deutschland den Notruf 112 wählen.
- Warnung bestätigen: Ort, Zeitpunkt, betroffene Zone und konkrete Handlungsanweisung über amtliche Warnung, Radio oder zuständige Behörde feststellen.
- Bleiben oder wechseln: Prüfen, ob das Gebäude schützt oder selbst Teil der Gefahr ist. Nicht automatisch hinauslaufen und nicht automatisch im Gebäude bleiben.
- Folgegefahren begrenzen: Strom, Gas, Lüftung oder Wasser nur abschalten, wenn dies zur Lage passt und der Zugang sicher ist.
- Nächsten Prüfpunkt festlegen: Lage nach einer bestimmten Zeit oder bei einem klaren Auslöser neu bewerten, etwa steigendem Wasser, zunehmendem Rauch oder sinkender Raumtemperatur.
Eine kurze Lagebeurteilung
Was ist sicher zu erkennen und was ist nur eine Vermutung?
Liegt die Gefahr im Gebäude, außerhalb, oberhalb, unterhalb oder auf dem vorgesehenen Weg?
Fehlt jemand, ist jemand verletzt oder benötigt besondere Unterstützung?
Bleibt die Lage stabil oder nehmen Wasser, Rauch, Hitze, Wind beziehungsweise gesundheitliche Beschwerden zu?
Nur den Schritt festlegen, der die größte unmittelbare Gefahr verringert.
2. Warnungen richtig empfangen und prüfen
Warn-App, Cell Broadcast, Sirene, Radio, Lautsprecherfahrzeug und Mitteilungen örtlicher Behörden ergänzen sich. Kein einzelner Warnweg funktioniert unter allen Bedingungen. Mobiltelefone können stumm, leer, ohne Empfang oder durch ein überlastetes Netz eingeschränkt sein. Ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio gehört deshalb ebenso zur Vorsorge wie eine geladene Powerbank.
Eine Warnung wird nicht nur anhand ihrer Überschrift beurteilt. Wichtig sind das betroffene Gebiet, die Uhrzeit, die erwartete Entwicklung und vor allem die konkrete Handlungsanweisung. Eine Meldung über eine andere Gemeinde oder einen bereits aufgehobenen Zustand darf nicht auf die eigene Lage übertragen werden.
Zuständige Behörde, Kommune, Polizei, Feuerwehr, Versorger oder etablierter Nachrichtensender statt weitergeleiteter Sprachnachricht.
Betroffene Straße, Gemeinde, Flussabschnitt oder Zone genau mit dem eigenen Standort vergleichen.
Ausgabezeit, Gültigkeit, Aktualisierung und mögliche Entwarnung beachten.
Fenster schließen, Gebiet meiden, höheres Stockwerk aufsuchen, Wasser nicht verwenden oder evakuieren – die Anweisung entscheidet.
Notrufleitungen dienen akuten Gefahren, Bränden und medizinischen Notfällen. Sie sind keine allgemeine Auskunftsstelle für Stromausfälle, Straßensperrungen oder die voraussichtliche Dauer einer Störung.
3. Starkregen und Hochwasser
Starkregen kann auch abseits großer Flüsse innerhalb kurzer Zeit Straßen, Unterführungen und Keller überfluten. Die größte Gefahr entsteht nicht erst, wenn ein Haus vollständig im Wasser steht. Strömung, verdeckte Schächte, beschädigte Straßen, mitgerissene Gegenstände und elektrischer Strom können bereits in scheinbar geringer Wassertiefe lebensgefährlich werden.
Wenn Wasser steigt
- Keller, Tiefgaragen, Unterführungen, Senken und U-Bahn-Zugänge verlassen beziehungsweise nicht mehr betreten.
- Höher gelegene Bereiche oder obere Stockwerke aufsuchen, sofern eine sichere Evakuierung nicht mehr möglich ist.
- Menschen, Medikamente, Warnmittel und Notgepäck sichern; Fahrzeuge und Sachwerte sind nachgeordnet.
- Strom nur abschalten, solange Sicherungskasten und Weg trocken sowie gefahrlos erreichbar sind. Überflutete Räume niemals zum Abschalten betreten.
- Gas- und Heizungsanlagen nicht eigenmächtig bedienen, wenn Wasser, Beschädigung oder Gasgeruch vorliegt. Feuerwehr beziehungsweise Versorger informieren.
- Weder zu Fuß noch mit dem Fahrzeug durch fließendes oder unübersichtliches Hochwasser gehen beziehungsweise fahren.
- Abstand zu beschädigten Gebäuden, Ufern, Brücken, Böschungen und herabhängenden Leitungen halten.
Nie für Gegenstände in einen gefluteten Keller zurückkehren. Türen können durch Wasserdruck blockiert werden, der Wasserstand kann rasch steigen und elektrische Anlagen können weiterhin unter Spannung stehen.
Nach dem Rückgang
Ein betroffenes Gebäude wird erst betreten, wenn Statik, elektrische Anlage und mögliche Gefahrstoffe ausreichend beurteilt wurden. Wasser und Schlamm können Fäkalien, Heizöl, Chemikalien, scharfe Gegenstände und Krankheitserreger enthalten. Lebensmittel, Medikamente und Trinkwasserbehälter mit unklarer Kontamination werden nicht allein nach Aussehen oder Geruch beurteilt.
Schäden werden fotografiert, ohne die Sicherung zu verzögern. Nasse elektrische Geräte bleiben ausgeschaltet. Trinkwasser wird nur entsprechend der aktuellen Mitteilung des Versorgers genutzt; Abkochen entfernt keine chemischen Verunreinigungen.
4. Sturm, Orkan und Gewitter
Bei Sturm entstehen Gefahren durch Äste, umstürzende Bäume, lose Dachziegel, Gerüste, Baustellenteile und beschädigte Leitungen. Vor Eintreffen werden lose Gegenstände gesichert, Rollläden und Türen geschlossen und Fahrzeuge möglichst nicht unter Bäumen, Masten oder beschädigten Gebäudeteilen abgestellt.
Während des Sturms
- In einem stabilen Gebäude bleiben und Abstand zu großen Fenstern, Glasflächen und Dachfenstern halten.
- Fenster und Außentüren geschlossen halten; nicht während der stärksten Böen versuchen, lose Gegenstände zu sichern.
- Wald, Parks, Alleen, Baugerüste, Dächer und Uferbereiche meiden.
- Im Fahrzeug eine sichere Stelle abseits von Bäumen, Leitungen, Werbetafeln, überflutungsgefährdeten Senken und Brücken wählen. Warnblinkanlage nur situationsgerecht verwenden.
- Herabgefallene Leitungen und alles, was sie berühren, weiträumig meiden. Nicht selbst entfernen.
Nach dem Sturm können beschädigte Bäume und Bauteile noch Stunden später fallen. Ein scheinbar freier Weg wird deshalb nicht unter angebrochenen Ästen, schiefen Masten oder losen Dachflächen fortgesetzt. Stromausfall, Straßensperrung und Gebäudeschaden werden als getrennte Folgeprobleme behandelt.
Gewitter
Ein festes Gebäude oder ein geschlossenes Fahrzeug bietet besseren Schutz als eine offene Fläche. Einzelne Bäume, Waldränder, Gipfel, Masten, Zäune, Gewässer und frei stehende Unterstände werden gemieden. Ist kein geeigneter Schutz erreichbar, wird eine möglichst tiefe Stelle abseits einzelner Erhebungen aufgesucht. In der Hocke bleiben die Füße eng beieinander; zu anderen Personen wird Abstand gehalten. Nicht flach auf den Boden legen. Nach dem letzten Donner bleibt das Risiko noch bestehen; die Aktivität wird nicht sofort wieder aufgenommen.
5. Hitzewelle und gesundheitliche Überlastung
Hitze wirkt nicht nur während körperlicher Arbeit. Mehrere heiße Tage und Nächte ohne ausreichende Abkühlung belasten Herz, Kreislauf und Flüssigkeitshaushalt. Besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere sowie Menschen mit akuten oder chronischen Erkrankungen.
Wohnung und Tagesablauf
- Früh am Morgen und nachts lüften, wenn die Luft tatsächlich kühler ist; tagsüber Fenster und Verschattung der Temperatur entsprechend steuern.
- Direkte Sonneneinstrahlung möglichst von außen verschatten. Den kühlsten Raum als Aufenthalts- und Schlafbereich nutzen.
- Körperliche Anstrengung in kühlere Stunden verlegen, Pausen und Getränke fest einplanen.
- Regelmäßig nach alleinlebenden, älteren oder pflegebedürftigen Personen sehen. Durstgefühl und eigene Hilferufe können ausbleiben.
- Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache verändern; Hitze kann Wirkung, Flüssigkeitshaushalt und Lagerfähigkeit beeinflussen.
- Menschen und Tiere niemals in einem abgestellten Fahrzeug zurücklassen.
Starker Durst, Schwäche, Schwindel, Übelkeit, kalte feuchte Haut, schneller Puls oder Kopfschmerzen.
Belastung stoppen, in einen kühlen Bereich bringen, Kleidung lockern, Körper kühlen und bei wacher, sicher schluckender Person langsam Flüssigkeit geben.
Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, sehr hohe Körpertemperatur, heiße Haut, schnelle Atmung oder Bewusstlosigkeit.
In Deutschland sofort 112 wählen, überschüssige Kleidung entfernen und unverzüglich kühlen. Bewusstlosen oder stark verwirrten Personen nichts einflößen.
Bei Bewusstlosigkeit wird die normale Atmung geprüft. Bei vorhandener normaler Atmung folgt die stabile Seitenlage; fehlt sie, wird nach Notruf und verfügbarer Anleitung mit der Wiederbelebung begonnen.
6. Kälte, Schneefall und blockierte Verkehrswege
Starker Schneefall und Eis können Stromleitungen beschädigen, Straßen blockieren und medizinische Hilfe verzögern. Wer bei einer amtlichen Unwetterwarnung ohne zwingenden Grund losfährt, vergrößert die eigene Gefahr und behindert möglicherweise Räum- oder Rettungsfahrzeuge.
- Vor Einsetzen der Lage Medikamente, Wasser, Wärme, Beleuchtung und notwendige Tier- oder Pflegeversorgung prüfen.
- Nur einen geeigneten Aufenthaltsraum nutzen, Türen schließen und Wärme mit Kleidung, Decken sowie Schlafsäcken am Menschen halten.
- Netzunabhängige Heizgeräte nur verwenden, wenn sie ausdrücklich für Innenräume zugelassen sind; Lüftung, Abstände und Kohlenmonoxidmelder beachten.
- Holzkohlegrill, gewöhnlichen Campingkocher, Stromerzeuger oder Fahrzeugmotor niemals in Wohnraum, Keller, Garage oder Zelt als Heizung nutzen.
- Notwendige Fahrt nur mit Kraftstoffreserve, warmer Kleidung, Getränk, Telefon, Ladekabel, Decke und Kenntnis der aktuellen Strecke antreten.
- Bei festgefahrenem Fahrzeug Abgasweg freihalten, Kraftstoff einteilen und Fahrzeug nur verlassen, wenn Ziel und sicherer Weg eindeutig sind.
Nachlassendes Zittern bei zunehmender Benommenheit, undeutliche Sprache, Koordinationsverlust und ungewöhnliche Gleichgültigkeit sprechen nicht für eine Besserung, sondern können Zeichen einer schweren Unterkühlung sein. Betroffene werden vorsichtig bewegt, isoliert und medizinisch versorgt.
7. Stromausfall
Zunächst wird geklärt, ob nur ein Gerät, die eigene Wohnung, das Gebäude oder ein größeres Gebiet betroffen ist. Sicherungen und Fehlerstromschutzschalter werden nur kontrolliert, wenn weder Wasser noch Brandgeruch, Funken oder beschädigte Anlagen erkennbar sind. Eine eingeschaltete Lampe kann anzeigen, wann die Versorgung zurückkehrt; empfindliche Geräte können vom Netz getrennt werden.
Stirn- oder Taschenlampen nutzen, Treppen und Ausgänge frei halten, Aufzüge nicht verwenden und Brandgefahren beseitigen.
Medizinische Geräte, Heizung, elektrische Türen, Wasserpumpen und gekühlte Medikamente kontrollieren.
Mobiltelefon in den Energiesparmodus versetzen, Powerbanks gezielt nutzen und feste Zeiten für Nachrichten vereinbaren.
Kühl- und Gefriergeräte geschlossen lassen, Beginn des Ausfalls notieren und empfindliche Lebensmittel zuerst beurteilen.
Stromerzeuger und Ersatzheizung
Benzin- und Dieselgeneratoren laufen ausschließlich im Freien und mit ausreichendem Abstand zu Türen, Fenstern und Lüftungsöffnungen. Eine Garage ist auch bei geöffnetem Tor kein sicherer Betriebsort. Die Einspeisung in eine Hausinstallation benötigt eine fachgerecht geplante Umschalt- und Einspeiseeinrichtung. Provisorische Kabel mit zwei Steckern gefährden Bewohner, Anlage und Einsatzkräfte.
Verbrennungsgeräte werden in Innenräumen nur betrieben, wenn der Hersteller genau diesen Einsatz erlaubt. Kohlenmonoxid ist farb- und geruchlos. Ein Kohlenmonoxidmelder ergänzt die Sicherheit, macht ein ungeeignetes Gerät aber nicht zulässig oder sicher.
8. Ausfall oder Verunreinigung der Trinkwasserversorgung
Ein Wasserrohrbruch, Druckabfall, Stromausfall oder eine Verunreinigung kann die Nutzung des Leitungswassers einschränken. Zuerst wird die genaue Meldung des Versorgers gelesen: Darf das Wasser normal genutzt, nur nach Abkochen verwendet oder überhaupt nicht verwendet werden? Diese drei Lagen erfordern unterschiedliche Handlungen.
- Vorhandenes sauberes Trinkwasser zuerst für Trinken, notwendige Medikamente und Säuglingsnahrung reservieren.
- Bei Abkochempfehlung Zeit, Verfahren und Geltungsbereich der behördlichen Anweisung genau einhalten.
- Bei möglicher chemischer Verunreinigung weder Abkochen noch einen gewöhnlichen Campingfilter als ausreichende Aufbereitung ansehen.
- Toilettenspülung nur weiterverwenden, wenn Kanalisation und Wasserversorgung dies erlauben. Sonst vorbereitete Nottoilette einsetzen.
- Hände besonders nach Toilettengang, vor dem Essen und vor der Versorgung Kranker reinigen.
- Ausgabestellen nur über freigegebene Wege aufsuchen und geeignete, tragbare Behälter mitnehmen.
Ist Wasser wieder verfügbar, bedeutet das nicht automatisch, dass es bereits Trinkwasserqualität besitzt. Leitungen werden nur entsprechend den Angaben des Versorgers gespült und genutzt.
9. Gefahrstofffreisetzung und belastete Außenluft
Bei Rauch, Gasen oder chemischen Stoffen außerhalb kann ein geschlossenes Gebäude den besten kurzfristigen Schutz bieten. Bei einer Freisetzung im eigenen Gebäude gilt das Gegenteil. Geruch allein ist kein verlässlicher Maßstab: Manche gefährlichen Stoffe sind nicht wahrnehmbar, andere riechen bereits unterhalb einer schädlichen Konzentration.
Gefahr befindet sich außerhalb
- In ein festes Gebäude gehen, Kinder und hilfsbedürftige Personen mitnehmen und Tiere hereinholen, wenn dies ohne Verzögerung möglich ist.
- Fenster und Außentüren schließen sowie Lüftungs-, Klima- und Abluftanlagen abschalten.
- Einen innenliegenden Raum aufsuchen und Radio beziehungsweise amtliche Warnkanäle verfolgen.
- Stockwerk oder Gebäudeseite nur nach der konkreten Warnung wählen; Stoffeigenschaften und Windrichtung unterscheiden sich.
- Keine eigenmächtigen Erkundungen und keine Fahrt durch die gemeldete Gefahrenzone.
Gefahr befindet sich im Gebäude
Bei Gasgeruch, sichtbarem Austritt, Reizung oder unbekannter Flüssigkeit werden Zündquellen vermieden und der Bereich verlassen. Elektrische Schalter werden nicht betätigt, wenn dadurch ein Funke entstehen könnte. Andere Personen werden gewarnt, ohne sich selbst zu exponieren. Der Notruf erfolgt aus sicherer Entfernung. Kontaminierte Kleidung wird nur nach fachlicher Anweisung behandelt; betroffene Personen werden von unbelasteten Bereichen getrennt.
10. Brand und Rauch
Brandrauch kann nach wenigen Atemzügen handlungsunfähig machen. Ein Löschversuch kommt nur bei einem kleinen Entstehungsbrand infrage, solange der Ausgang im Rücken frei bleibt und ein geeignetes Löschmittel vorhanden ist. Breitet sich Feuer oder Rauch aus, wird nicht weiter gelöscht.
- Personen warnen und gefährdeten Raum verlassen. Kinder und hilfsbedürftige Menschen begleiten.
- Tür zum Brandraum schließen, wenn dies ohne Gefahr möglich ist. Das bremst Rauch- und Brandausbreitung.
- Gebäude über einen rauchfreien Weg verlassen. Keine Aufzüge benutzen und nicht durch verrauchte Treppenhäuser fliehen.
- In Deutschland die Feuerwehr über 112 alarmieren. Adresse, Brandort, gefährdete Personen und besondere Gefahren nennen.
- Am Treffpunkt Vollständigkeit prüfen. Nicht für Tiere, Dokumente oder Ausrüstung zurückgehen.
Ist der Fluchtweg verraucht, bleibt die Wohnungstür geschlossen. Fugen können vorübergehend gegen Rauch abgedichtet werden. Am Fenster oder Balkon wird auf sich aufmerksam gemacht und die Feuerwehr über den genauen Standort informiert. Ein Sprung aus großer Höhe ist keine allgemeine Fluchtstrategie.
Brennendes Fett, Öl, Wachs oder flüssigen Brennstoff niemals mit Wasser löschen. Wasser kann schlagartig verdampfen und brennende Flüssigkeit verteilen. Es wird ein geeignetes Löschmittel verwendet.
11. Explosion und kriegsbedingte Gefahr
Eine Explosion erzeugt Druck, Splitter, Glasbruch, Feuer und möglicherweise einen Gebäudeschaden. Fensterflächen und leichte Außenwände bieten wenig Schutz. Wenn keine unmittelbare Evakuierung möglich ist, wird ein innenliegender Bereich mit möglichst zwei Wänden zwischen Personen und Außenbereich aufgesucht. Fenster, Außentüren und Dachgeschoss werden gemieden.
- Bei Warnung vor Explosion oder Angriff zunächst Deckung in einem stabilen, innenliegenden Bereich suchen.
- Keller kann Schutz vor Druck und Trümmern bieten, jedoch nicht bei Hochwasser, Brandrauch, Gas im Gebäude oder beschädigtem Ausgang.
- Nach einer Explosion Abstand zu Fenstern, Fassaden, beschädigten Leitungen und einsturzgefährdeten Bauteilen halten.
- Keine unbekannten Gegenstände, Munitionsteile oder Trümmer berühren.
- Aufzüge meiden und Gebäude nur über einen erkennbar sicheren Weg verlassen.
- Amtliche Anweisungen zu Schutz, Evakuierung, Trinkwasser und betroffenen Zonen befolgen.
In Deutschland existiert kein flächendeckend jederzeit nutzbares öffentliches Schutzraumsystem, auf das ohne örtliche Bestätigung vertraut werden kann. Ein ehemaliger Bunker, eine Tiefgarage oder ein Keller ist nicht automatisch geöffnet, erreichbar oder für jede Gefahr geeignet. Entscheidend sind aktuelle örtliche Informationen und die konkrete Gefahrenart.
12. Cyberangriff und Ausfall digitaler Systeme
Ein Ausfall von Kartenzahlung, Internet, Klinik-IT oder kommunalen Systemen beweist nicht, dass ein Cyberangriff stattgefunden hat. Für den Haushalt zählen zunächst die sichtbaren Folgen: Welche Dienste fehlen, welche Zahlungen oder Zugänge sind betroffen und welche analoge Alternative funktioniert?
Störung kritischer Dienste
- Bargeld in angemessener kleiner Stückelung und Papierlisten für wichtige Kontakte nutzen.
- Amtliche Informationen über Radio und bestätigte Kanäle verfolgen; keine Ursache aus Gerüchten ableiten.
- Fahrten, Bestellungen und medizinische Termine frühzeitig neu planen, wenn Systeme länger ausfallen.
- Digitale Dokumente zusätzlich geschützt und offline bereithalten.
- Notrufleitungen nicht für allgemeine IT- oder Versorgungsauskünfte blockieren.
Eigenes Gerät oder Konto betroffen
Ein mutmaßlich kompromittiertes Gerät wird vom Netzwerk getrennt, ohne verdächtige Dateien weiterzuverteilen. Passwörter werden von einem vertrauenswürdigen, sauberen Gerät geändert; zuerst E-Mail, Bank und zentrale Benutzerkonten. Mehrfaktor-Authentisierung und vorhandene Wiederherstellungscodes werden genutzt. Bei möglichem Zahlungsbetrug werden Bank oder Zahlungsdienst unverzüglich über deren offizielle Kontaktwege informiert.
Backups bleiben vom betroffenen Gerät getrennt und werden nicht vorschnell überschrieben. Auffällige Nachrichten, Zeitpunkte und Buchungen werden dokumentiert. Ein vollständiges Löschen des Geräts kann Beweise vernichten und ist nicht immer der erste sinnvolle Schritt.
13. Pandemie und größere Infektionslage
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom Erreger und seinem Übertragungsweg ab. Atemschutz, Lüftung und Abstand sind bei über die Atemluft übertragenen Erregern bedeutsam. Bei durch Kontakt, Lebensmittel, Wasser oder Tiere übertragenen Erkrankungen liegen die Schwerpunkte anders. Eine pauschale Monatsmenge Desinfektionsmittel oder eine bestimmte Maskenklasse ist deshalb kein vollständiger Pandemieplan.
Gesundheitsbehörden nennen Erreger, Übertragungsweg, betroffene Gruppen und geeignete Schutzmaßnahmen. Veraltete Regeln werden nicht ungeprüft weiterverwendet.
Kontakte reduzieren, Versorgung organisieren, Warnzeichen beobachten und medizinische Beratung frühzeitig einholen.
Bei entsprechender Übertragung: wirksame Lüftung, passende gut sitzende Maske und unnötig enge Kontakte vermeiden.
Händehygiene an entscheidenden Zeitpunkten. Flächendesinfektion gezielt nach Erreger und Empfehlung statt wahlloser Daueranwendung.
Medikamente, vertraute Lebensmittel und Hygieneartikel verhindern unnötige Kontakte während Erkrankung oder angeordneter Absonderung.
Einkauf und Medikamentenabholung für besonders gefährdete Personen kontaktarm organisieren, ohne Betreuung vollständig abbrechen zu lassen.
Atemnot, Bewusstseinsstörung, bläuliche Haut, starke Kreislaufprobleme oder eine rasche Verschlechterung sind keine gewöhnlichen Erkältungssymptome. In Deutschland wird bei akuter Lebensgefahr 112 gewählt. Für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb üblicher Praxiszeiten steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung.
14. Lieferausfall und knappe Versorgung
Nicht jede Versorgungskrise betrifft alle Waren. Häufig fällt ein Produkt, eine Verkehrsverbindung oder ein Dienst aus, während andere Bereiche weiter funktionieren. Hamsterkäufe verschärfen kurzfristige Engpässe und binden Geld in ungeeigneten Produkten. Zuerst werden Bestand, täglicher Verbrauch und tatsächliche Wiederbeschaffungsmöglichkeit geprüft.
- Lebenswichtige Medikamente und medizinische Verbrauchsmaterialien zuerst sichern und nicht durch ungeprüfte Ersatzprodukte ersetzen.
- Wasser, Lebensmittel, Tierfutter und Hygiene nach verbleibenden Tagen statt nach gefühlter Knappheit einteilen.
- Geöffnete, frische und kühlpflichtige Lebensmittel vor lange haltbaren Vorräten nutzen, sofern sie noch sicher sind.
- Gerichte mit vorhandener Kochmöglichkeit, Brennstoff und Wasserbedarf abstimmen.
- Bestätigte Ausgabestellen, Lieferzeiten und Bezugsbeschränkungen nutzen; keine Fahrt allein aufgrund unbestätigter Meldungen beginnen.
- Nachbarschaftshilfe konkret koordinieren, damit Wege und Einkäufe nicht mehrfach erfolgen.
Nahrung wird nicht so stark rationiert, dass Kinder, Kranke oder arbeitende Helfer geschwächt werden, solange ein geordneter Nachschub absehbar ist. Eine Verbrauchsplanung muss die Lage verbessern und darf nicht aus Angst neue medizinische Probleme erzeugen.
15. Evakuierung: rechtzeitig, leicht und mit Ziel
Evakuierung bedeutet nicht, mit möglichst viel Ausrüstung in eine unbestimmte Richtung aufzubrechen. Sie besitzt einen Anlass, ein Ziel, eine sichere Route und einen Zeitpunkt. Bei unmittelbarer Gefahr bleibt möglicherweise nur Zeit für Menschen, Medikamente, Schlüssel und Telefon. Bei Vorwarnung können Dokumente, Notgepäck, Wasser und Versorgung für Tiere geordnet ergänzt werden.
Warnung besteht, der Aufenthaltsort ist noch sicher, eine Verschärfung ist aber möglich.
Personen zusammenführen, Gepäck bereitstellen, Route prüfen, Tiere sichern und weitere Meldung beobachten.
Route kann bald ausfallen, eine besonders gefährdete Person benötigt mehr Zeit oder eine Evakuierung wurde angeordnet.
Bestätigtes Ziel und sicheren Weg nutzen; Angehörige kurz über Standort und nächstes Ziel informieren.
Feuer, Rauch, Gas, eindringendes Wasser, Einsturzgefahr oder eine andere unmittelbare Lebensgefahr.
Menschen vor Gepäck. Nicht abschließend packen und nicht in den Gefahrenbereich zurückkehren.
Aufzüge werden bei Brand und Stromausfall nicht genutzt. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität muss vorher geklärt sein, welche Unterstützung und welcher alternative Weg verfügbar sind. Notunterkünfte können die Aufnahme von Tieren begrenzen; Transportbox, Leine, Dokumente und eine alternative Unterbringung gehören zum Plan.
16. Rückkehr nach Hochwasser, Brand oder Evakuierung
Eine aufgehobene Evakuierung bedeutet nicht, dass jedes einzelne Gebäude sicher ist. Rückkehr und Betreten werden getrennt betrachtet. Beschädigte Statik, elektrische Anlagen, Gasleitungen, kontaminiertes Wasser, Schimmel, Chemikalien und Glutnester können nach dem sichtbaren Ereignis bestehen bleiben.
- Freigabe und Zugang prüfen. Sperren und Anweisungen gelten auch dann, wenn der eigene Weg passierbar erscheint.
- Gebäude von außen ansehen. Risse, verschobene Wände, abgesackte Bereiche, Geruch, Rauch und beschädigte Leitungen beachten.
- Keine Anlage voreilig einschalten. Strom, Gas, Heizung und Wasser nach Schäden fachlich prüfen lassen.
- Schutzkleidung verwenden. Bei Schlamm und Trümmern mindestens feste Schuhe, Handschuhe und situationsgerechten Schutz nutzen.
- Lebensmittel und Medikamente beurteilen. Kontakt mit Hochwasser, Rauch, Hitze oder unterbrochener Kühlung kann sie unbrauchbar machen.
- Schäden dokumentieren. Fotos und Listen anfertigen, ohne Sicherungsarbeiten oder Gesundheitsschutz zu verzögern.
17. Gruppe und Nachbarschaft führen
Unter Stress entstehen Doppelarbeit, widersprüchliche Entscheidungen und unkontrollierte Wege. Eine Person sammelt bestätigte Informationen, eine zweite betreut Kinder oder hilfsbedürftige Menschen, eine weitere prüft Versorgung und Technik. Jede Aufgabe benötigt eine Vertretung.
Warnungen, Uhrzeiten, betroffene Zonen und Änderungen notieren. Gerüchte nicht weitergeben.
Vollständigkeit, Verletzungen, Medikamente, Wärme und besondere Bedürfnisse regelmäßig prüfen.
Wasser, Nahrung, Akkus, Brennstoff und Hygiene nach Bestand und voraussichtlicher Dauer ordnen.
Zugänge, Fluchtweg, Treffpunkt und notwendige Unterstützung beobachten. Niemand verschwindet ohne kurze Meldung.
Hilfe wird nicht erzwungen und die eigene Sicherheit nicht aufgegeben. Ein brennendes, überflutetes oder einsturzgefährdetes Gebäude wird nicht ohne Ausbildung und geeignete Ausrüstung betreten. Nachbarschaftshilfe ergänzt Rettungsdienste, sie ersetzt sie nicht.
18. Die Lage neu bewerten
Eine zunächst richtige Entscheidung kann später falsch werden. Ein sicheres Gebäude kann auskühlen, Wasser kann weiter steigen, ein Fluchtweg kann gesperrt werden oder ein Medikament reicht nicht bis zur erwarteten Versorgung. Deshalb braucht jede Entscheidung eine Zeit oder ein Ereignis, an dem sie neu geprüft wird.
- Neue amtliche Warnung oder geänderte Gefahrenzone
- Rauch, Gasgeruch, Wasser oder sichtbarer Gebäudeschaden
- Ausfall einer lebenswichtigen medizinischen Versorgung
- Deutliche gesundheitliche Verschlechterung einer Person
- Sinkende Raumtemperatur oder zunehmende Hitze
- Verbrauch von Wasser, Medikamenten, Akkus oder Brennstoff schneller als geplant
- Verlust des sicheren Fluchtwegs oder des vereinbarten Kontakts
- Anordnung zur Evakuierung oder Entwarnung
Praktische Frage: „Was müsste sich ändern, damit wir nicht mehr hierbleiben können?“ Die Antwort wird festgelegt, solange die Lage noch ruhig genug für eine sachliche Entscheidung ist.





