Survival
  1. Home
  2. Wissen

Navigation mit den Sternen – Orientierung ohne technische Hilfsmittel

Ein klarer Sternenhimmel kann auch ohne Kompass eine belastbare Nord- oder Südrichtung liefern. Für eine Survivalsituation ist dabei nicht die astronomische Positionsberechnung entscheidend, sondern eine sichere Richtungsachse: den Himmelspol finden, den Punkt senkrecht auf den Horizont übertragen und diese Richtung anschließend an zwei Geländemerkmalen festhalten. Auf der Nordhalbkugel übernimmt der Polarstern diese Aufgabe. Auf der Südhalbkugel muss der südliche Himmelspol aus dem Kreuz des Südens und weiteren Sternen abgeleitet werden.

Großer Wagen am nördlichen Sternenhimmel
Der Große Wagen ist kein eigenes Sternbild, sondern der auffällige Teil des Sternbildes Großer Bär. Seine beiden hinteren Kastensterne weisen zum Polarstern.
Für die Praxis: Ein Stern zeigt zunächst nur eine Richtung am Himmel. Nutzbar wird sie erst, wenn sie auf den Horizont übertragen und durch einen nahen sowie einen weiter entfernten Geländepunkt festgelegt wird. So bleibt die Richtung auch unter Bäumen, in einer Senke oder hinter einem Hang erhalten.

1. Was Sternorientierung leisten kann

Sterne können eine geografische Himmelsrichtung liefern und helfen, eine bereits geplante Bewegungsrichtung über längere Zeit zu kontrollieren. Sie ersetzen jedoch keine Karte. Ohne bekannte Ausgangsposition, Zeitmessung, Winkelmessung und astronomische Tabellen lässt sich aus einem einzelnen Stern keine genaue Position bestimmen. In einer Notlage ist die realistische Aufgabe daher meist: Nord oder Süd finden, daraus Ost und West ableiten und eine gewählte Richtung im Gelände halten.

Sehr brauchbar

Geografisch Nord oder Süd

Der nördliche beziehungsweise südliche Himmelspol bleibt während der Nacht an nahezu derselben Stelle. Seine Projektion auf den Horizont ergibt die Polrichtung.

Bedingt brauchbar

Ost und West

Auf- und Untergang sowie die erkennbare Bewegung eines Sterns liefern eine grobe Ost-West-Achse. Das Verfahren braucht Zeit und einen freien Horizont.

Nicht ohne Weiteres möglich

Genaue Position

Für Breiten- und besonders Längengrad reichen ein erkannter Stern und eine grobe Handmessung nicht aus. Dafür wären genaue Winkel, Zeit und Berechnungsgrundlagen nötig.

Sternrichtung und Kompassrichtung sind nicht dasselbe: Der Polarstern liefert geografisch Nord. Eine Magnetnadel zeigt magnetisch Nord. Wird eine Sternrichtung später auf einen Kompass oder eine Karte übertragen, können Missweisung und bei einem Kartengitter zusätzlich die Gitterkonvergenz eine Rolle spielen.

2. Den Polarstern auf der Nordhalbkugel finden

Polaris steht weniger als ein Grad vom nördlichen Himmelspol entfernt. Deshalb verändert er seine Position im Verlauf einer Nacht nur wenig, während die übrigen Sterne scheinbar um ihn kreisen. Er ist nicht der hellste Stern des Himmels. Verwechslungen entstehen vor allem dann, wenn lediglich nach einem auffällig hellen Stern im Norden gesucht wird.

Großen Wagen richtig lesen

Der Große Wagen besteht aus sieben auffälligen Sternen: vier bilden den Kasten, drei die gebogene Deichsel. Er gehört zum größeren Sternbild Großer Bär. Seine Stellung verändert sich mit Jahreszeit und Uhrzeit. Der Wagen kann waagerecht, senkrecht oder scheinbar auf dem Kopf stehen; die Suchregel bleibt trotzdem gleich.

  1. Kasten und Deichsel erkennen: Zuerst das Muster aus vier Kastensternen und drei Deichselsternen sicher identifizieren.
  2. Merak und Dubhe wählen: Verwendet werden die beiden Sterne an der hinteren Kante des Kastens, also die Seite gegenüber der Deichsel. Merak liegt am Kastenboden, Dubhe darüber.
  3. Linie nach außen verlängern: Die gedachte Linie von Merak durch Dubhe ungefähr um das Fünffache ihres Abstandes fortsetzen. Eine feste Richtung wie „nach oben“ oder „nach Nordosten“ wäre falsch, weil sich der Wagen um Polaris dreht.
  4. Polaris überprüfen: Am Ende der Linie steht ein mittelheller Stern. Er bildet zugleich das Ende der Deichsel des Kleinen Wagens. Die schwächeren Sterne des Kleinen Wagens sind bei hellem Mond oder Lichtverschmutzung oft nur teilweise sichtbar.
  5. Nordpunkt bestimmen: Von Polaris eine gedachte senkrechte Linie zum sichtbaren Horizont fallen lassen. Der Punkt darunter ist geografisch Nord.
Sternkarte zum Auffinden des Polarsterns mit Großem und Kleinem Wagen
Die Verbindung von Merak über Dubhe führt nach ungefähr fünf Sternabständen zu Polaris. Die Stellung des Großen Wagens am Himmel kann dabei stark variieren.
Häufigster Fehler: Die Linie wird in der falschen Richtung verlängert. Sie muss von Merak durch Dubhe aus dem offenen oberen Rand des Wagenkastens hinauslaufen. In der Gegenrichtung führt sie von Polaris weg.

Wenn der Große Wagen teilweise verdeckt ist

In Mitteleuropa ist der Große Wagen grundsätzlich ein sehr guter Wegweiser, kann aber durch Gelände, Bäume, Wolkenfelder oder Dunst teilweise verdeckt sein. Cassiopeia liegt auf der gegenüberliegenden Seite von Polaris und fällt als breites W- oder M-förmiges Muster auf. Sie kann die Suche auf den richtigen Himmelsbereich eingrenzen. Eine einzelne helle Sternposition sollte trotzdem nicht ungeprüft als Polaris übernommen werden.

Ist nur ein Teil des Großen Wagens sichtbar, hilft die bekannte Form: Die beiden Zeigersterne gehören zur geraden hinteren Kastenkante, nicht zur Deichsel. Kurz aufziehende Wolkenlücken können ausreichen, um Wagen, Polaris und einen Horizontpunkt nacheinander festzuhalten.

Polaris sicher bestätigen

  • Er liegt auf der verlängerten Linie Merak–Dubhe.
  • Er ist mittelhell und nicht der hellste Stern des Himmels.
  • Er bildet das Ende der Deichsel des Kleinen Wagens.
  • Seine Position bleibt über längere Zeit nahezu gleich.
  • Großer Wagen und Cassiopeia wandern scheinbar um ihn.
  • Seine Höhe passt grob zur geografischen Breite.

3. Aus dem Polarstern eine nutzbare Nordlinie machen

Nur in Richtung Polaris zu gehen ist keine gute Methode. Der Stern kann hinter Bäumen oder Gelände verschwinden, und bei jedem Umgehen eines Hindernisses entsteht ein neuer Fehler. Deshalb wird die Himmelsrichtung zunächst ins Gelände übertragen.

  1. Stabil stehen: Einen Platz mit Sicht auf Polaris und möglichst auch auf den Horizont wählen.
  2. Senkrecht nach unten gehen: Den Blick von Polaris gerade zum Horizont führen, nicht schräg zu einem auffälligen Licht oder Gipfel.
  3. Fernen Punkt wählen: In dieser Linie einen markanten Baum, Geländeeinschnitt, Felsen oder eine Kuppe bestimmen.
  4. Nahen Punkt ergänzen: Einen zweiten Punkt in derselben Richtung wählen. Zwei Punkte bilden eine Linie und erleichtern die Kontrolle.
  5. Bis zum vorderen Punkt gehen: Dort die Nordrichtung erneut am hinteren und am nächsten vorderen Merkmal ausrichten.
  6. Regelmäßig neu prüfen: Nach Umwegen, in dichtem Wald oder beim Wechsel auf einen Hang die Sternrichtung erneut herstellen.
Bei verdecktem Horizont: Liegt ein Wald- oder Bergrücken unter Polaris, wird zunächst ein Punkt am oberen Rand des Hindernisses gewählt. Von dort aus kann die Richtung mit zwei Geländepunkten nach unten verlängert werden. Der gedachte Nordpunkt liegt nicht auf Polaris selbst, sondern senkrecht darunter.

Die übrigen Himmelsrichtungen ableiten

Blick nach Norden
Osten liegt rechts, Westen links und Süden hinter dem Beobachter.
Blick nach Süden
Osten liegt links, Westen rechts und Norden hinter dem Beobachter.
Richtung festhalten
Nicht ständig am Himmel korrigieren, sondern eine gerade Linie über zwei Boden- oder Geländepunkte aufbauen.

4. Den Breitengrad mit Polaris grob einschätzen

Die Höhe von Polaris über dem freien Horizont entspricht annähernd dem nördlichen Breitengrad. Bei 50 Grad nördlicher Breite steht er ungefähr 50 Grad hoch, am Äquator nahe am Horizont und am Nordpol nahezu senkrecht über dem Beobachter. Diese Regel hilft vor allem bei einer Plausibilitätskontrolle: Ein vermeintlicher Polarstern, der in Mitteleuropa nur knapp über dem Horizont steht, ist sehr wahrscheinlich falsch bestimmt.

Für eine grobe Winkelmessung kann der ausgestreckte Arm dienen. Die Werte unterscheiden sich von Mensch zu Mensch; brauchbar sind sie nur, wenn der eigene Handabstand einmal bei ausgestrecktem Arm überprüft wurde.

Etwa 1°

Kleiner Finger

Die Breite des kleinen Fingers deckt bei ausgestrecktem Arm ungefähr einen Grad ab.

Etwa 10°

Geschlossene Faust

Eine Faust vom Horizont nach oben entspricht grob zehn Grad.

Etwa 20°

Gespreizte Hand

Daumen und kleiner Finger weit gespreizt ergeben ungefähr zwanzig Grad.

Gemessen wird vom astronomischen Horizont bis Polaris. Berge, Bäume und ein erhöhter Standort verfälschen die sichtbare Bezugslinie. Das Ergebnis ist daher eine grobe Einordnung, keine genaue Positionsbestimmung.

5. Südhalbkugel: den südlichen Himmelspol bestimmen

Am südlichen Himmel gibt es keinen hellen Polarstern. Die Südrichtung wird deshalb aus mehreren Sternen konstruiert. Das Kreuz des Südens – Crux – ist klein und auffällig, darf aber nicht mit größeren kreuzförmigen Sternmustern verwechselt werden. Von Mitteleuropa aus ist es nicht sichtbar; die Methode wird erst in südlicheren Breiten relevant.

Die lange Achse des Kreuzes verwenden

  1. Echtes Kreuz identifizieren: Vier Hauptsterne bilden ein kompaktes Kreuz. Die lange Achse verläuft von Gacrux am Kopf des Kreuzes zu Acrux am Fuß.
  2. Achse über Acrux hinaus verlängern: Die Strecke der langen Kreuzachse ungefähr viereinhalbmal in Richtung vom Kopf durch den Fuß fortsetzen.
  3. Südlichen Himmelspol markieren: Am Ende liegt ein sternarmer Bereich; dort befindet sich der südliche Himmelspol. Es gibt an dieser Stelle keinen auffälligen Leitstern.
  4. Zum Horizont absenken: Vom ermittelten Himmelspol senkrecht zum Horizont gehen. Dieser Punkt gibt geografisch Süd an.
Kreuz des Südens und Hilfslinien zum südlichen Himmelspol
Die lange Achse des Kreuzes wird vom Kopf über Acrux hinaus verlängert. Der gefundene Himmelspol muss anschließend senkrecht auf den Horizont übertragen werden.

Mit Alpha und Beta Centauri gegenprüfen

Alpha und Beta Centauri sind die beiden hellen Zeigersterne nahe Crux. Sie zeigen zunächst zum Kreuz und helfen, es vom Falschen Kreuz zu unterscheiden. Für eine genauere Polbestimmung wird die Verbindung zwischen den beiden Zeigersternen gedanklich halbiert und an diesem Mittelpunkt eine Senkrechte errichtet. Der Schnitt dieser Senkrechten mit der verlängerten Längsachse von Crux liegt nahe am südlichen Himmelspol.

Die Zeigersterne zeigen nicht direkt zum Südpol. Die einfache Formulierung „eine Linie durch Alpha und Beta Centauri weist nach Süden“ ist falsch. Erst die Mittelsenkrechte ihrer Verbindung liefert zusammen mit der verlängerten Crux-Achse einen zweiten brauchbaren Ansatz.

Echtes und Falsches Kreuz unterscheiden

Crux

Kompakt und markant

Das echte Kreuz ist kleiner und kompakter. Alpha und Beta Centauri stehen gut erkennbar in seiner Umgebung und weisen zum Sternbild hin.

Falsches Kreuz

Größer und langgestreckter

Das Falsche Kreuz wird aus Sternen der Sternbilder Carina und Vela gebildet. Es besitzt nicht dieselbe Lage zu den beiden Zeigersternen.

Australische Flagge mit dem Kreuz des Südens
Das Kreuz des Südens erscheint unter anderem auf den Flaggen Australiens, Neuseelands, Papua-Neuguineas und Samoas. Für die Navigation zählt jedoch die tatsächliche Sternanordnung zusammen mit den Zeigersternen.

6. Ost und West aus der Sternbewegung ableiten

Wenn weder Polaris noch Crux sichtbar sind, kann die scheinbare Bewegung eines Sterns eine grobe Richtung liefern. Sterne steigen im östlichen Himmelsbereich auf und sinken im westlichen. Nahe den Himmelspolen verlaufen die Bahnen jedoch überwiegend seitlich; dort eignet sich das Verfahren schlechter.

Zwei feste Visierpunkte verwenden

  1. Freien Blick wählen: Einen deutlich erkennbaren Stern nicht zu hoch über dem Horizont auswählen.
  2. Visierlinie bauen: Zwei feststehende Kanten, Zweige oder Stäbe so hintereinander ausrichten, dass der Stern genau über derselben Linie steht.
  3. Position merken: Lage des Sterns zu den Visierpunkten festhalten.
  4. Mindestens 10 bis 15 Minuten beobachten: Erst eine klar erkennbare Verschiebung auswerten. Kurzes Flimmern durch die Atmosphäre ist keine Bewegung.
Stern steigt
Der Blick geht ungefähr in den östlichen Himmelsbereich.
Stern sinkt
Der Blick geht ungefähr in den westlichen Himmelsbereich.
Stern wandert seitlich
Die Blickrichtung liegt eher nördlich oder südlich. Ohne Kenntnis der Halbkugel und Sternlage ist daraus allein keine sichere Richtung abzuleiten.
Orion als grobe Hilfe: Die drei nahezu geradlinigen Gürtelsterne liegen nahe am Himmelsäquator. Orion erscheint deshalb im östlichen Himmelsbereich und verschwindet im westlichen. In Mitteleuropa ist er vor allem im Winterhalbjahr gut zu sehen. Seine momentane Lage oder die Neigung des Gürtels allein ergibt jedoch keinen jederzeit gültigen Kompasskurs.

7. Milchstraße: auffälliges Muster, aber kein fester Kompass

Die Milchstraße erscheint bei dunklem Himmel als unregelmäßig helles Band. Ihre Lage verändert sich im Verlauf der Nacht, mit den Jahreszeiten und mit der geografischen Breite. Aussagen wie „im Sommer verläuft sie immer von Südost nach Nordwest“ sind deshalb keine verlässlichen Navigationsregeln. Dieselbe Beobachtungsnacht zeigt bereits deutlich unterschiedliche Neigungen des Bandes.

Milchstraße als helles Band am dunklen Sternenhimmel
Die Milchstraße eignet sich zum Wiedererkennen großer Himmelsbereiche, besitzt aber keine feste Ost-West- oder Nord-Süd-Ausrichtung.

Nützlich wird die Milchstraße nur als großräumige Orientierungskulisse. Wer bekannte Sternbilder darin bereits sicher erkennt, kann beispielsweise Schwan, Cassiopeia, Adler oder Schütze schneller wiederfinden. Eine zuvor am Polarstern bestimmte Nordrichtung lässt sich später anhand des gesamten vertrauten Himmelsbildes grob kontrollieren. Ohne diese vorherige Einordnung ist das Band allein kein Richtungsgeber.

8. Polarlichter sind keine Navigationshilfe

Polarlichter entstehen in ausgedehnten, veränderlichen Bereichen um die geomagnetischen Pole. Form, Höhe, Helligkeit und sichtbare Richtung ändern sich schnell. Bei schwacher Aktivität erscheint ein Nordlicht aus mittleren nördlichen Breiten oft im nördlichen Himmelsbereich. Bei starker Aktivität kann es jedoch den ganzen Himmel überspannen, südlich des Beobachters stehen oder in ungewöhnlich niedrigen Breiten sichtbar werden.

Aus einem Lichtbogen lässt sich deshalb weder geografisch Nord noch magnetisch Nord zuverlässig ableiten. Auf der Südhalbkugel gilt dasselbe für die Aurora Australis. Polarlichter können einen Sternenhimmel teilweise überstrahlen, sind aber selbst kein Ersatz für Polaris, Crux oder einen Kompass.

Tour
Polarlichter können in ganz unterschiedlichen Himmelsrichtungen erscheinen. Als Richtungsanzeiger sind sie ungeeignet.

Auf individuellen Survival-Touren in Schweden und Norwegen lassen sich Sternorientierung und das Lesen des nordischen Nachthimmels praktisch verbinden. Polarlichter bleiben dabei ein Naturereignis, dessen Auftreten nicht planbar ist.

9. Sichtbedingungen richtig einschätzen

Die beste Sternmethode nützt wenig, wenn der entscheidende Himmelsbereich verdeckt ist. Für eine Richtungsbestimmung muss nicht der gesamte Himmel klar sein. Oft genügen wenige Minuten mit freier Sicht auf die benötigte Sternengruppe und einen geeigneten Geländepunkt.

Wolken und Nebel

Bei wechselnder Bewölkung nicht wahllos helle Punkte übernehmen. Auf eine ausreichend große Wolkenlücke warten und das vollständige Muster prüfen.

Mondlicht

Ein heller Mond blendet schwache Sterne aus. Großer Wagen, Polaris, Crux und die Centauri-Zeiger bleiben je nach Stellung häufig noch erkennbar.

Lichtquellen

Nach Taschenlampen- oder Displaylicht braucht das Auge Zeit. Eine schwache rote Beleuchtung erhält die Dunkeladaption besser als weißes Licht.

Unklarer Horizont

Ein Bergrücken ist nicht der astronomische Horizont. Die Polrichtung bleibt brauchbar, die Schätzung des Breitengrades wird jedoch verfälscht.

Schwache Sterne besser erkennen

Nicht starr direkt auf einen schwachen Stern sehen, sondern den Blick leicht daneben richten. Der Stern kann dadurch deutlicher erscheinen. Ferngläser helfen beim Erkennen, verkleinern aber das sichtbare Feld; für das Auffinden ganzer Sternmuster ist zunächst das bloße Auge meist günstiger.

10. Praktischer Ablauf in einer Notlage

  1. Ziel klären: Festlegen, welche Grundrichtung benötigt wird und welches Gelände in dieser Richtung liegt. Ohne sinnvolles Ziel ist auch eine korrekt bestimmte Richtung nutzlos.
  2. Himmelspol suchen: Auf der Nordhalbkugel Polaris über Merak und Dubhe bestimmen; auf der Südhalbkugel Crux und die Centauri-Zeiger verwenden.
  3. Fund überprüfen: Sternmuster, Bewegungsarmut des Polbereichs und ungefähre Höhe auf Plausibilität prüfen.
  4. Richtung auf den Horizont übertragen: Vom Himmelspol senkrecht nach unten gehen und den Nord- beziehungsweise Südpunkt markieren.
  5. Zwei Geländepunkte festlegen: Einen nahen und einen fernen Punkt in eine Linie bringen.
  6. Bewegung abschnittsweise führen: Zum nächsten Punkt gehen, dort neu ausrichten und Hindernisse kontrolliert umgehen.
  7. Gegenkontrolle nutzen: Bei Gelegenheit Sonne, bekannte Geländelinien, Karte oder Kompass hinzunehmen. Widersprechen sich die Hinweise, wird nicht einfach weitergelaufen.
Wichtig für den Kurs: Das Erkennen der Sternbilder wird nicht erst unter Zeitdruck gelernt. Sinnvoll ist eine kurze Übung bei verschiedenen Jahreszeiten und Stellungen des Großen Wagens: Polaris finden, Nordpunkt am Horizont markieren, 100 bis 300 Meter über zwei Geländepunkte gehen und die Abweichung anschließend kontrollieren.

11. Typische Fehler bei der Sternnavigation

Hellsten Stern gewählt
Polaris ist nicht der hellste Stern. Sirius, Wega, Arktur oder Planeten können wesentlich auffälliger erscheinen.
Falsche Wagensterne
Die Zeiger sind Merak und Dubhe an der hinteren Kastenkante, nicht zwei Sterne der Deichsel.
Feste Suchrichtung benutzt
Der Große Wagen dreht sich scheinbar um Polaris. Begriffe wie oben, links oder Nordost gelten daher nicht für jede Uhrzeit.
Polaris direkt angelaufen
Die nutzbare Nordrichtung liegt senkrecht unter dem Stern am Horizont und wird anschließend im Gelände markiert.
Crux nur nach der Form gewählt
Das Falsche Kreuz kann ähnlich wirken. Größe, Kompaktheit und die Lage zu Alpha und Beta Centauri gehören zur Kontrolle.
Milchstraße als feste Achse behandelt
Ihre sichtbare Neigung verändert sich während der Nacht und über das Jahr. Ohne bekannte Sternbilder ergibt sie keine feste Himmelsrichtung.
Polarlicht für Norden gehalten
Eine Aurora kann sich in mehreren Richtungen ausbreiten. Sie zeigt weder zuverlässig zum geografischen noch zum magnetischen Pol.
Nur einen Bodenpunkt verwendet
Ein einzelner naher Punkt erzeugt schnell einen schrägen Kurs. Zwei hintereinanderliegende Merkmale bilden eine kontrollierbare Linie.