Harzklebstoff (Pech) herstellen – Anleitung und praktische Anwendung
Harzklebstoff gehört zu den vielseitigsten Bindemitteln, die sich mit einfachen Mitteln herstellen lassen. Als Ausgangsstoff dient das Harz von Nadelbäumen. Gereinigt und erwärmt haftet es bereits allein, ist nach dem Abkühlen jedoch häufig spröde. Durch einen trockenen Füllstoff und bei Bedarf eine sehr kleine Menge Bienenwachs oder Fett lässt sich das Verhalten gezielt verändern. So entsteht ein wieder erwärmbarer Klebstoff für Schäftungen, kleine Reparaturen, Abdichtungen und den Bau einfacher Werkzeuge.
Das Wichtigste vorweg: Harzklebstoff besitzt kein starres Universalrezept. Harzart, Alter, Verschmutzung, Füllstoff und Umgebungstemperatur verändern das Ergebnis. Ein Verhältnis von drei Teilen gereinigtem Harz zu einem Teil sehr fein gemahlener Holzkohle ist deshalb nur ein brauchbarer Startpunkt. Die fertige Mischung wird an einer kleinen Probe geprüft und anschließend nachgeregelt.
1. Harzkleber, Pech, Holzteer und Birkenpech unterscheiden
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden mehrere dunkle oder klebrige Naturstoffe als Pech bezeichnet. Für die Herstellung ist die Unterscheidung wichtig, weil die Stoffe auf völlig verschiedene Weise entstehen. Dieser Beitrag behandelt einen Harzklebstoff aus bereits vorhandenem Nadelbaumharz. Das Harz wird gereinigt, geschmolzen und mit weiteren Bestandteilen eingestellt. Es wird nicht durch trockene Destillation gewonnen.
Rohes Baumharz
Die klebrige Ausscheidung eines Baumes enthält neben Harzbestandteilen oft Wasser, Rindenstücke, Nadeln, Erde und Insektenreste. Frisches Harz kann weich und stark klebrig sein, älteres Harz dagegen trocken und glasig wirken.
Harzklebstoff
Gereinigtes Baumharz wird mit einem trockenen Füllstoff verbunden und bei Bedarf mit wenig Wachs oder Fett weniger spröde gemacht. Es handelt sich um einen thermoplastischen Klebstoff: Wärme macht ihn weich, beim Abkühlen wird er fest.
Birkenpech
Birkenpech entsteht aus Birkenrinde unter weitgehendem Sauerstoffausschluss. Die Rinde wird dabei thermisch zersetzt. Dieser Vorgang ist aufwendiger als das bloße Schmelzen von Baumharz und wird im eigenen Beitrag zur Birkenpechherstellung erklärt.
Holzteer und eingedicktes Pech
Holzteer wird durch Verschwelung harzreichen Holzes gewonnen. Durch weiteres Eindicken kann daraus ein zähes Pech entstehen. Zusammensetzung, Verarbeitung und Geruch unterscheiden sich vom hier beschriebenen Harzkleber.
Die Bezeichnung „Harzpech“ ist für die praktische Anleitung verständlich, technisch genauer ist jedoch „Harzklebstoff“ oder „Harzkitt“. Der Stoff trocknet nicht wie ein wasserhaltiger Leim und reagiert nicht wie ein Zweikomponentenkleber. Er erstarrt vor allem durch Abkühlung und kann später erneut erwärmt, gelöst und nachgebessert werden.
2. Was die einzelnen Bestandteile bewirken
Ein brauchbarer Harzklebstoff entsteht nicht dadurch, dass möglichst viele Zutaten in einen Topf gegeben werden. Jeder Bestandteil verändert bestimmte Eigenschaften. Das Ziel richtet sich nach der Anwendung: Eine Pfeilspitze benötigt eine andere Mischung als eine ruhende Abdichtung an einem Holzgefäß.
Nadelbaumharz: Bindemittel und Haftung
Das gereinigte Harz benetzt warme, trockene und ausreichend raue Oberflächen. Beim Abkühlen hält es die Teile zusammen und füllt kleine Unebenheiten. Reines Harz kann sehr gut haften, bricht bei Kälte oder Schlagbelastung aber häufig glasartig.
Holzkohlepulver: trockener Füllstoff
Sehr fein gemahlene, trockene Holzkohle verdickt die Masse und vermindert das unkontrollierte Fließen. Sie macht den Klebstoff nicht automatisch stärker. Zu viel oder zu grobe Kohle trennt die Harzmatrix, die Mischung wird körnig und bröckelt. Die richtige Menge erkennt man deshalb an der Probe, nicht allein am Messbecher.
Bienenwachs: weniger spröde, aber weicher
Eine kleine Zugabe Bienenwachs kann die Kältesprödigkeit verringern und die Verarbeitung erleichtern. Zu viel Wachs senkt jedoch Festigkeit und Wärmebeständigkeit; eine belastete Verbindung kann dann langsam verrutschen. Wachs wird daher nur schrittweise zugesetzt, wenn die abgekühlte Grundmischung tatsächlich zu spröde ist.
Tierfett: mögliche, aber schwer berechenbare Zugabe
Auch wenig Fett kann den Kleber geschmeidiger machen. Wassergehalt, Reinheit und Konsistenz schwanken aber stark. Fett kann ranzig werden und die Haftung bei Überdosierung deutlich verschlechtern. Bienenwachs lässt sich meist besser dosieren; Fett ist eher eine sparsame Ersatzlösung.
Kurze Fasern: Verstärkung für ausgewählte Arbeiten
Sehr kurze, trockene Pflanzenfasern, Tierhaare oder fein zerfasertes Bast können eine dicke Klebefuge überbrücken und Rissbildung hemmen. Sie ersetzen keine Wicklung. Für eine dünne, sauber passende Fuge können Fasern sogar stören und werden dann weggelassen.
3. Geeignetes Harz erkennen und sammeln
Gut geeignet sind Harzaustritte an Kiefer, Fichte, Tanne oder Lärche. Die Eigenschaften unterscheiden sich nicht nur zwischen den Baumarten, sondern auch zwischen zwei Harzstellen am selben Baum. Frisches Harz enthält mehr flüchtige und weiche Bestandteile, altes Harz ist meist härter und stärker oxidiert. Beides kann verarbeitet werden. Sehr nasses, stark erdiges oder schimmeliges Material verursacht nur unnötige Reinigungsarbeit.
- Beste Fundstellen: natürlich verletzte Rinde, verheilte Astabbrüche, alte Harznasen und bereits abgelöste Stücke am Stammfuß.
- Farbe: klares gelbliches Harz ist leicht zu reinigen; dunkles altes Harz kann ebenfalls brauchbar sein, wenn es nicht überwiegend aus Rinde und Erde besteht.
- Konsistenz: weiches Harz klebt am Werkzeug, hartes Harz lässt sich abbrechen. Für eine Charge können beide Formen gemischt werden.
- Schonendes Sammeln: vorhandene Harzaustritte nutzen und keine neuen Wunden in einen lebenden Baum schneiden. Eine kleine Menge reicht bereits für mehrere Reparaturen.
- Transport: Harz in Rinde, Backpapier, einem kleinen Metallbehälter oder einem anderen glatten Behältnis aufnehmen. In Stoff oder lose im Rucksack gehört es nicht.
Harz ist nicht gleich Baumsaft. Wässriger Saft aus Laubbäumen eignet sich für diese Anleitung nicht. Gesucht wird das klebrige bis glasig harte Harz von Nadelbäumen.
4. Material und Arbeitsplatz vorbereiten
Für den ersten Versuch genügt eine kleine Menge. Dadurch lässt sich die Mischung schneller beurteilen und eine misslungene Charge leichter korrigieren. Alle Materialien müssen trocken sein, denn eingeschlossenes Wasser führt beim Erhitzen zu Blasen und Spritzern.
Benötigt
- gesammeltes Nadelbaumharz
- trockene Holzkohle ohne Asche und Erde
- kleiner Metalltopf, Blechschale oder ausgediente Dose
- Holzspatel oder Metallstab zum Rühren
- feines Metallsieb oder ein Stück sauberes Metallgewebe
- zweites Gefäß für das gereinigte Harz
- kleine Holzstücke für die Klebeprobe
Je nach Mischung
- wenig Bienenwachs oder sehr wenig gereinigtes Fett
- kurze, vollständig trockene Fasern
- glatter Zweig als Kern für einen Klebestick
- Rinde, Backpapier oder Metallunterlage zum Abkühlen
- Handschuhe und ein standfester Platz für heiße Gefäße
Das Harz wird mit kontrollierter, mäßiger Wärme verarbeitet. Ein kleines Gefäß am Rand der Glut, auf einer erhitzten Steinplatte oder in einem Wasserbad lässt sich besser führen als eine Dose mitten in der Flamme. Harzdämpfe und flüssiges Harz können sich entzünden. Wird die Masse stark rauchend, dunkel und dünnflüssig, ist sie zu heiß. Das Gefäß wird dann sofort von der Wärme genommen und nicht mit Wasser abgekühlt.
Vorsicht mit heißem Harz: Flüssiges Harz haftet an der Haut und verursacht schwere Verbrennungen. Nur kleine Mengen erhitzen, lange Werkzeuge verwenden und einen Deckel oder eine Metallplatte bereithalten, mit der sich das Gefäß bei einer Entzündung abdecken lässt.
5. Harzklebstoff Schritt für Schritt herstellen
Harz trocknen und grob sortieren
Feuchte oder schlammige Stücke werden zunächst an einem geschützten Platz getrocknet. Große Rindenbrocken, Nadeln, Steinchen und Erde lassen sich vorher mit einem Messer oder Holzspan entfernen. Die sorgfältige Vorbereitung verkürzt die spätere Filterung.
Holzkohle fein mahlen
Ein vollständig durchgekohltes, leichtes Stück Holzkohle wird zwischen zwei Steinen zu Pulver zermahlen. Asche, Sand und halb verkohltes Holz aussortieren. Das Pulver soll gleichmäßig fein sein; harte Körner wirken später wie Sollbruchstellen.
Rohharz langsam verflüssigen
Das Harz kommt in das erste Gefäß und wird vorsichtig erwärmt. Anfangs nicht rühren, solange harte Stücke den Boden zerkratzen oder Material herausschleudern könnten. Sobald die Masse weich wird, langsam bewegen. Ziel ist flüssiges Harz ohne starkes Kochen oder Rauchentwicklung.
Verunreinigungen abfiltern
Das flüssige Harz wird durch ein vorgewärmtes Metallsieb in das zweite Gefäß gedrückt. Ein kaltes Sieb lässt die Masse sofort erstarren. Grobe Rückstände bleiben zurück. Ist das Harz noch stark verschmutzt, wird der Vorgang wiederholt.
Grundmischung ansetzen
Für eine erste Probe können etwa drei Volumenteile gereinigtes Harz mit einem Volumenteil sehr feinem Holzkohlepulver gemischt werden. Die Kohle wird portionsweise eingerührt. Sobald die Masse zäh vom Spatel läuft und keine trockenen Pulvernester mehr zeigt, wird eine kleine Probe entnommen. Mehr Kohle ist nicht automatisch besser.
Probe vollständig abkühlen lassen
Ein erbsengroßer Tropfen kommt auf eine glatte Unterlage. Nach vollständigem Abkühlen wird er mit dem Fingernagel gedrückt, leicht gebogen und aus geringer Höhe auf einen harten Untergrund fallen gelassen. Erst diese kalte Probe zeigt, ob die Mischung für die vorgesehene Anwendung taugt.
Nur bei Bedarf Wachs oder Fett ergänzen
Zerspringt die Probe glasartig, wird die Charge wieder erwärmt und eine sehr kleine Menge Bienenwachs eingerührt. Für eine kleine Topfmenge genügt zunächst ein Stück in Größe eines Streichholzkopfes. Danach erneut abkühlen und prüfen. Dieser Ablauf wird wiederholt, bis die Probe noch fest, aber nicht mehr unnötig spröde ist.
Klebestick oder Portionen formen
Die fertige warme Masse kann zu kleinen Fladen oder Kugeln abgesetzt werden. Besonders praktisch ist ein Klebestick: Das Ende eines dünnen Zweiges wird in die warme Masse getaucht, gedreht, abgekühlt und mehrfach überzogen. Zur Anwendung wird später nur die äußere Schicht vorsichtig erwärmt.
6. Die Mischung prüfen und gezielt korrigieren
Ein Klebstoff kann im Topf überzeugend aussehen und nach dem Erkalten trotzdem versagen. Deshalb werden sowohl eine freie Materialprobe als auch eine echte Klebeprobe angefertigt. Zwei trockene Holzstücke werden überlappt, verklebt und nach dem Abkühlen verdreht. Für eine Schäftung wird zusätzlich geprüft, ob die Masse einen kleinen Stoß aushält und bei Handwärme ihre Position hält.
Probe splittert oder zerbricht
Wahrscheinlich: sehr hartes Harz, zu wenig weichmachender Anteil oder eine für Kälte ungeeignete Mischung.
Korrektur: erneut erwärmen und Bienenwachs in kleinsten Portionen zugeben. Nach jeder Zugabe vollständig abkühlen lassen.
Kleber bleibt weich oder kriecht
Wahrscheinlich: zu viel Wachs beziehungsweise Fett oder sehr weiches Frischharz.
Korrektur: gereinigtes hartes Harz ergänzen; bei Bedarf wenig Kohlepulver einarbeiten. Die Probe auch in warmer Hand testen.
Masse ist körnig und bröckelt
Wahrscheinlich: zu viel Füllstoff, grobe Kohle oder unvollständig vermischte Bestandteile.
Korrektur: nachmahlen oder durchsieben, etwas Harz ergänzen und die Mischung gründlich, aber ohne Überhitzen verrühren.
Kleber haftet kaum am Werkstück
Wahrscheinlich: Oberfläche ist feucht, fettig, glatt oder zu kalt; der Kleber war beim Fügen bereits zäh.
Korrektur: Fläche trocknen, säubern und leicht aufrauen. Werkstück mäßig vorwärmen und die Verbindung zügig fügen.
Blasen und Spritzer entstehen
Wahrscheinlich: Wasser im Harz, in der Kohle oder im Gefäß.
Korrektur: Gefäß von der Wärme nehmen. Materialien getrennt trocknen und erst danach eine neue kleine Charge ansetzen.
Masse raucht stark oder riecht verbrannt
Wahrscheinlich: deutlich zu hohe Temperatur; flüchtige Bestandteile entweichen und das Harz beginnt sich zu zersetzen.
Korrektur: sofort von der Wärme nehmen. Stark verkohltes Material verwerfen, da seine Eigenschaften kaum noch zuverlässig einzustellen sind.
7. Harzklebstoff richtig anwenden
Kontaktflächen vorbereiten
Die Teile müssen trocken, sauber und passend geformt sein. Harzkleber überbrückt kleinere Spalten, gleicht aber keine schlecht gebaute Verbindung aus. Glatte Flächen werden mit Messerrücken, Stein oder Feile leicht angeraut. Staub wird entfernt. Holz, Knochen, Stein oder Metall können vorsichtig vorgewärmt werden, damit der Klebstoff beim Kontakt nicht schlagartig erstarrt. Das Werkstück darf jedoch nicht so heiß sein, dass das Harz raucht.
Kleber erwärmen und auftragen
Ein Klebestick wird nahe an die Wärme gehalten und gedreht, bis nur seine Oberfläche weich wird. Alternativ wird eine kleine Portion im Gefäß erwärmt. Der Kleber kommt auf beide Kontaktflächen und in vorhandene Vertiefungen. Die Teile werden sofort zusammengefügt, ausgerichtet und bis zum Erstarren ruhig gehalten. Überschüssige Masse kann mit einem warmen Spatel zu einer glatten Kehle geformt werden.
Schäftungen zusätzlich wickeln
Bei Messerklingen, Steinabschlägen, Knochenspitzen oder Angelhaken trägt der Klebstoff nicht allein die gesamte Belastung. Eine Kerbe oder Fassung hält das Einsatzstück formschlüssig, der Harzkleber füllt den Zwischenraum, und eine straffe Wicklung aus Bast, Sehne, Rohhaut oder Schnur sichert die Verbindung gegen Stoß und seitliches Ausbrechen. Die Wicklung kann dünn mit warmem Harz überzogen werden, wenn sie gegen Feuchtigkeit und Verrutschen geschützt werden soll.
Belastbare Reihenfolge bei einer Schäftung: Fassung sauber anpassen, Kontaktflächen trocknen und aufrauen, Bauteile leicht vorwärmen, Harzkleber einbringen, Spitze ausrichten, abkühlen lassen, fest wickeln und erst danach vorsichtig belasten.
Risse abdichten und kleine Fehlstellen füllen
Für einen trockenen Holzbehälter, eine Griffschale oder eine Naht kann der warme Kleber in den gereinigten Riss gedrückt und beidseitig geglättet werden. Breite Risse werden zuerst mechanisch geschlossen oder mit Fasern überbrückt. Eine reine Harzschicht auf einer beweglichen Fuge reißt sonst erneut. Bei Behältern für Trinkwasser oder Lebensmittel ist eine unbekannte Harzmischung keine verlässliche Innenbeschichtung; Geschmack, Inhaltsstoffe und Hitzebeständigkeit sind nicht kontrolliert.
8. Geeignete und ungeeignete Anwendungen
Gut geeignet
- Verkleben und Ausfüllen passender Schäftungen
- Sichern einer Wicklung gegen Verrutschen
- Fixieren kleiner Holz-, Knochen- oder Rindenteile
- Schließen kleiner Risse in trockenen Werkstücken
- provisorische Reparatur eines Werkzeuggriffs
- Formen eines griffigen, später nacharbeitbaren Harzkitts
Nur eingeschränkt geeignet
- Verbindungen nahe Feuer, Kocher oder heißem Metall
- dauerhaft stark erwärmte oder sonnenbeschienene Teile
- elastische Stoffe und ständig bewegte Nähte
- nasse, fettige oder verschmutzte Oberflächen
- hoch belastete Bauteile ohne formschlüssige Fassung und Wicklung
- Innenflächen von Koch- und Trinkgefäßen
Die Grenzen ergeben sich aus dem thermoplastischen Verhalten. In starker Wärme kann die Verbindung weich werden und unter dauernder Last langsam nachgeben. Bei Frost kann eine harte Mischung spröde werden. Eine Reparatur, die im kühlen Schatten hält, kann neben einem Feuer oder in einem aufgeheizten Fahrzeug versagen. Deshalb wird die fertige Verbindung unter den zu erwartenden Bedingungen getestet.
9. Harzklebstoff in einer Survivalsituation
In einer akuten Notlage lohnt sich die Herstellung nur, wenn der Klebstoff eine konkrete Aufgabe löst und die nötigen Materialien ohne großen Umweg verfügbar sind. Für ein beschädigtes Werkzeug, einen abgebrochenen Griff, einen improvisierten Angelhaken oder eine kleine Undichtigkeit kann eine vorbereitete Portion Harzkleber sehr nützlich sein. Das Sammeln, Reinigen und Einstellen einer neuen Charge benötigt dagegen Zeit, Brennstoff und Aufmerksamkeit.
Schnelle Reparatur
Ein lockerer Griff wird zuerst verkeilt oder fest umwickelt. Erwärmter Harzkleber füllt anschließend Hohlräume und sichert die Wicklung. So übernimmt die Schnur die Zugbelastung, während der Kleber Bewegung und Klappern reduziert.
Improvisierte Spitze
Eine Knochen-, Metall- oder Steinspitze sitzt in einer passend geschnitzten Nut. Harzkleber hält die Ausrichtung, eine feste Wicklung sichert gegen seitliches Herausbrechen. Vor dem Einsatz wird die Verbindung mehrfach kontrolliert belastet.
Kleine Abdichtung
Ein trockener Riss in Rinde oder Holz lässt sich mit zähem Harzkitt verschließen. Bewegliche Ränder werden vorher zusammengebunden. Für ständig nasse oder erhitzte Stellen ist die Reparatur nur vorläufig.
Vorbereiteter Klebestick
Ein bereits hergestellter Stick benötigt kaum Platz und spart die aufwendigste Arbeit. Er wird nur an der Oberfläche erwärmt, direkt aufgetragen und nach der Reparatur wieder abgekühlt verstaut.
Harzklebstoff ersetzt keine gute Konstruktion. Wo eine Kerbe, ein Keil, eine Wicklung oder eine Schnürung möglich ist, wird zuerst die mechanische Verbindung hergestellt. Der Kleber ergänzt sie. Genau diese Kombination ist bei wechselnder Feuchtigkeit, Kälte und Stoßbelastung deutlich zuverlässiger als eine dicke Harzschicht allein.
10. Mischung an Temperatur und Belastung anpassen
Eine Probe sollte nicht nur unmittelbar nach dem Abkühlen beurteilt werden. Für kalte Bedingungen wird sie einige Zeit an einem kühlen Ort gelagert und anschließend auf Bruch geprüft. Für warme Bedingungen hält man sie mehrere Minuten in der geschlossenen Hand oder legt sie in mäßige Sonnenwärme. Wird sie bereits dabei schmierig oder verformt sich unter leichtem Druck, enthält sie zu viele weiche Bestandteile.
- Kalte Witterung: Eine geringfügig weichere Mischung kann sinnvoll sein, solange sie die Bauteile noch sicher hält. Bienenwachs nur schrittweise ergänzen.
- Warme Witterung: Weniger Wachs oder Fett verwenden und eher hartes, gereinigtes Harz einarbeiten. Die Verbindung nicht in direkter Sonnenwärme lagern.
- Stoßbelastung: Klebefuge dünn halten, Teile passend formen und mechanisch sichern. Eine dicke, glasige Klebstoffschicht bricht leichter.
- Füllende Reparatur: Zähere Mischung und bei Bedarf kurze Fasern verwenden. Breite Fehlstellen schichtweise füllen, nicht mit einem einzigen großen Klumpen.
11. Abkühlen, aufbewahren und erneut verwenden
Harzklebstoff muss nicht luftdicht verschlossen werden, damit er „nicht austrocknet“. Nach dem Erstarren ist er bereits fest und kann wieder aufgeschmolzen werden. Wichtig sind Schutz vor Schmutz, Sand, Feuchtigkeit und starker Wärme. Kleine Portionen oder Klebesticks werden in Rinde, Papier oder einem Behälter getrennt von der übrigen Ausrüstung aufbewahrt.
- kühl, schattig und sauber lagern
- nicht neben Lebensmitteln oder Kochgeschirr aufbewahren
- Klebestick gegen Abbrechen schützen
- zum Wiederverwenden nur die benötigte Menge erwärmen
- verschmutzte Oberfläche vor dem Schmelzen abschneiden oder abkratzen
- mehrfach überhitzte, stark verkohlte Masse nicht mit frischem Kleber vermischen
Werkzeuge werden gereinigt, solange die Harzreste noch warm und weich sind. Erkaltete Reste lassen sich häufig vorsichtig abschaben. Ein wenig Pflanzenöl löst dünne Rückstände, macht die Oberfläche danach aber fettig; vor der nächsten Klebung muss sie wieder gründlich gereinigt werden.
12. Häufige Fehler
- Ein Rezept wird blind übernommen: Naturharz schwankt zu stark. Immer eine kleine kalte Probe beurteilen.
- Das Harz wird direkt in der Flamme erhitzt: Die Temperatur ist schwer zu kontrollieren, das Material kann sich entzünden oder zersetzen.
- Ungefiltertes Rohharz wird verklebt: Rinde, Wasser und Erde schwächen die Fuge und erschweren gleichmäßiges Auftragen.
- Zu viel Kohle wird eingerührt: Die Masse wirkt zwar fest, wird aber trocken, körnig und brüchig.
- Wachs oder Fett wird pauschal dosiert: Eine zu weiche Mischung hält bei Wärme schlecht und kriecht unter Last.
- Kalte oder feuchte Teile werden gefügt: Der Kleber erstarrt zu früh oder haftet nur oberflächlich.
- Eine dicke Klebeschicht ersetzt die Passung: Je größer der unkontrollierte Spalt, desto höher die Bruchgefahr.
- Stoßbelastete Schäftungen bleiben ungewickelt: Harzkleber stabilisiert, eine feste Wicklung nimmt die entscheidenden Kräfte auf.
- Die Verbindung wird sofort voll belastet: Erst vollständig abkühlen lassen, dann schrittweise prüfen.
13. Kompakte Arbeitsfolge
- Harz sammeln, trocknen und grob reinigen.
- Trockene Holzkohle sehr fein mahlen und sieben.
- Harz mit mäßiger Wärme verflüssigen und durch Metallgewebe filtern.
- Als Startpunkt etwa drei Teile Harz mit einem Teil Kohlepulver mischen.
- Kleine Probe vollständig abkühlen lassen und auf Bruch sowie Druck prüfen.
- Nur bei zu großer Sprödigkeit eine kleinste Menge Wachs oder Fett ergänzen.
- Werkstücke trocknen, reinigen, anpassen, leicht aufrauen und mäßig vorwärmen.
- Kleber warm auftragen, Teile ausrichten und unbewegt erkalten lassen.
- Belastete Verbindungen zusätzlich kerben, verkeilen oder fest umwickeln.
- Die fertige Verbindung bei der zu erwartenden Kälte, Wärme und Belastung testen.





