Das G.O.O.D.-Kit, ausgeschrieben „Get Out Of Dodge Kit“, ist ein Begriff aus der amerikanischen Prepper- und Survival-Szene und bezeichnet eine umfassende Notfallausrüstung, die für den dauerhaften Ausstieg aus dem bisherigen Lebensumfeld vorgesehen ist. Während viele Notfallsets wie der Bug-Out-Bag oder der Get-Home-Bag zeitlich begrenzt auf bestimmte Szenarien ausgerichtet sind, trägt das G.O.O.D.-Kit den Gedanken in sich, dass eine Rückkehr nicht mehr eingeplant ist. Es geht nicht um eine kurzfristige Überbrückung von Stunden oder Tagen, sondern um die Vorbereitung auf einen endgültigen Ortswechsel in Folge einer gravierenden Krise.
I. Ursprung des Begriffs
Der Ausdruck „Get Out Of Dodge“ geht auf eine Redewendung aus den USA zurück, die ursprünglich durch Westernfilme wie „Gunsmoke“ populär wurde. Gemeint war damit das sofortige Verlassen der Stadt Dodge City, einem Sinnbild für einen gefährlichen oder unhaltbaren Ort. In den 1970er- und 1980er-Jahren übernahm die aufkommende Prepper-Szene diesen Ausdruck und entwickelte daraus das Konzept eines Ausrüstungssets, das den endgültigen Abbruch aller bisherigen Strukturen ermöglichen sollte. Anders als bei klassischen Notfalltaschen wurde hier nicht nur an wenige Tage, sondern an den Übergang in ein völlig neues Leben gedacht.
II. Abgrenzung zu anderen Notfallsets
Im Vergleich zu verwandten Begriffen ist das G.O.O.D.-Kit klar definiert:
- Ein Get-Home-Bag dient dem sicheren Rückweg aus Alltagssituationen zum eigenen Zuhause.
- Ein Bug-Out-Bag ist ein Rucksack mit Ausstattung für etwa 72 Stunden Überleben, bis ein sicherer Rückzugsort erreicht ist.
- Das G.O.O.D.-Kit dagegen stellt eine vollständige Ausrüstung für den endgültigen Verbleib außerhalb des bisherigen Lebensumfelds dar.
Diese Unterscheidung macht es zum umfangreichsten und komplexesten Set innerhalb der Prepper-Terminologie.
III. Umfang und Inhalt
Ein G.O.O.D.-Kit kann den Umfang eines einzelnen Rucksacks deutlich überschreiten. Oft wird es in Modulen zusammengestellt, die je nach Transportmittel und Situation kombiniert werden können. Typischerweise umfasst es:
- Lebensmittelvorräte, die sich über Monate lagern lassen, darunter Getreide, Hülsenfrüchte, Reis, Konserven und Notrationen.
- Wasserfilter, Tabletten zur Aufbereitung und Transportbehältnisse, die langfristige Versorgung sicherstellen.
- Ausrüstung zur Herstellung von Feuer und Wärmequellen, von klassischen Feuerstählen bis zu Kocher- und Brennstoffsystemen.
- Zelte, Planen, Schlafsäcke und wetterfeste Kleidung, die den Aufenthalt im Freien über lange Zeiträume ermöglichen.
- Werkzeuge wie Beile, Sägen, Spaten, Multitools, Reparaturkits für Textilien und Ausrüstung.
- Medizinische Versorgung in Form von Erste-Hilfe-Kits, Medikamenten, Desinfektionsmitteln und Verbandsmaterialien.
- Kommunikations- und Navigationsmittel, darunter Karten, Kompasse, Funkgeräte und Solarladegeräte.
- Saatgut, Angel- und Jagdausrüstung oder kleine Handwerksgeräte, die langfristig eine autarke Versorgung ermöglichen.
Das Gewicht eines G.O.O.D.-Kits kann schnell die Tragfähigkeit einer einzelnen Person überschreiten. Daher wird es häufig auf mehrere Rucksäcke verteilt, in Kisten gelagert oder in einem Fahrzeug transportiert.
IV. Funktion im Prepping
Im praktischen Kontext der Krisenvorsorge dient das G.O.O.D.-Kit dazu, im Falle eines unumkehrbaren Szenarios sofort den Lebensmittelpunkt zu verlagern. Dies kann bei großflächigen Naturkatastrophen, bei militärischen Konflikten, bei inneren Unruhen oder bei atomaren Unfällen notwendig sein. Entscheidend ist, dass ein G.O.O.D.-Kit nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern immer mit einer Zielstruktur verbunden ist. Ein solcher Zielort wird meist als Bug-Out-Location oder Retreat bezeichnet und stellt den Platz dar, an dem das Überleben langfristig organisiert wird.
V. Internationale Verbreitung
Während das G.O.O.D.-Kit vor allem in den USA eine feste Rolle im Vokabular der Szene spielt, ist das Konzept in Europa weniger stark verbreitet. Gründe dafür sind die geringeren Entfernungen zwischen möglichen Rückzugsorten, eine dichtere Infrastruktur und ein anderes Sicherheits- und Waffenrecht. Dennoch greifen auch europäische Prepper den Begriff auf, um Ausrüstungen zu kennzeichnen, die über den Rahmen eines 72-Stunden-Sets hinausgehen und für langfristige Ortswechsel gedacht sind. Hier liegt der Fokus häufig auf modularen Systemen, die einen Übergang in ländliche Gebiete oder vorbereitete Rückzugsorte ermöglichen.
VI. Herausforderungen und Kritik
Die Umsetzung eines G.O.O.D.-Kits bringt zahlreiche praktische Probleme mit sich. Der logistische Aufwand ist hoch, da Umfang und Gewicht leicht die Transportmöglichkeiten einer Person übersteigen. Ohne Fahrzeugunterstützung sind viele G.O.O.D.-Kits nicht realistisch einsetzbar. Zudem bindet die Ausstattung erhebliche finanzielle Mittel, da neben Vorräten und Werkzeugen auch langlebige Ausrüstung angeschafft und regelmäßig gewartet werden muss.
Kritisch wird auch angemerkt, dass ein G.O.O.D.-Kit nur dann sinnvoll ist, wenn ein sicherer Zielort existiert. Ohne vorbereitetes Retreat oder Rückzugsort wird das Konzept zur bloßen Last. Befürworter halten dem entgegen, dass gerade die umfassende Vorbereitung den Unterschied zwischen kurzfristigem Überleben und langfristiger Lebensfähigkeit ausmacht.
VII. Praxisbeispiele
In den USA haben viele Familien ihre G.O.O.D.-Kits in Garagen oder Kellern griffbereit verstaut. Häufig werden Anhänger oder Geländefahrzeuge genutzt, um die Ausrüstung schnell verlegen zu können. Einzelne Prepper haben ihre Ausrüstung in Modulkisten organisiert, die sich je nach Szenario mitnehmen lassen. In Europa setzen einige Gruppen auf Zwischenlager oder Caches, die in ländlichen Gebieten deponiert werden und zusammen das G.O.O.D.-Kit ergeben. Auf diese Weise wird das Transportproblem reduziert, da nicht alles an einem Ort bereitstehen muss.
VIII. Bedeutung in der Szene
Das G.O.O.D.-Kit gilt bis heute als eines der umfassendsten Konzepte der Prepper-Logistik. Es ist mehr als ein Rucksack voller Ausrüstung, sondern Teil einer umfassenden Strategie, die den dauerhaften Ausstieg aus einer gefährdeten Region vorsieht. Wer ein G.O.O.D.-Kit plant, muss nicht nur an Ausrüstung und Vorräte denken, sondern auch an Transport, Zielorte, Verteidigungsfähigkeit und die Fähigkeit, autark zu wirtschaften.