Die Rule of 3, im Deutschen auch Regel der Drei genannt, ist eine einfache, aber wirkungsvolle Faustregel im Survival- und Prepping-Bereich. Sie beschreibt die grundlegenden zeitlichen Grenzen, innerhalb derer der menschliche Körper ohne bestimmte überlebenswichtige Faktoren auskommt: drei Minuten ohne Luft, drei Stunden ohne Schutz, drei Tage ohne Wasser und drei Wochen ohne Nahrung. Obwohl diese Werte nicht naturwissenschaftlich exakt sind, dienen sie seit Jahrzehnten als Orientierungsrahmen in der Ausbildung von Soldaten, Rettungskräften, Survivaltrainern und Preppern. Die Regel hilft, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen in Stresssituationen zu strukturieren.
I. Ursprung und historische Einordnung
Die Regel der Drei hat keine einzelne historische Quelle, sondern entwickelte sich über Jahrzehnte in verschiedenen Bereichen. Erste schriftliche Belege stammen aus militärischen Handbüchern des 20. Jahrhunderts, insbesondere aus Ausbildungskonzepten für US-amerikanische Soldaten. Dort wurde die Faustregel genutzt, um Rekruten einprägsam zu vermitteln, welche Grundbedürfnisse in welcher Reihenfolge zu sichern sind.
Parallel dazu fand sie Eingang in die zivilen Survival- und Outdoorbewegungen. In den 1970er- und 1980er-Jahren begannen Autoren wie Larry Dean Olsen oder John „Lofty“ Wiseman, die Regel populär zu machen. Später übernahmen auch internationale Pfadfinderorganisationen, Rettungsdienste und Katastrophenschutzeinheiten die vereinfachte Darstellung. Heute ist sie weltweit bekannt und gilt als einer der wichtigsten Leitsätze des Survivaltrainings.
II. Grundprinzip
Die Rule of 3 dient nicht der exakten Zeitmessung, sondern der Orientierung. Sie verdeutlicht, dass manche Gefahren sofort lebensbedrohlich sind, während andere mehr Zeit lassen. Sie lautet:
- 3 Minuten ohne Luft: Sauerstoffmangel führt schnell zu Bewusstlosigkeit und Tod. Atemwege freihalten und eine funktionierende Atmung sicherstellen, hat daher oberste Priorität.
- 3 Stunden ohne Schutz: In extremer Kälte oder Hitze kann der Körper schon nach kurzer Zeit lebensgefährlich geschädigt werden. Schutz vor Witterung und Temperatur ist deshalb die nächste Stufe.
- 3 Tage ohne Wasser: Flüssigkeitsmangel führt zu Dehydrierung, Kreislaufproblemen und schließlich zum Tod. Eine verlässliche Wasserquelle ist daher entscheidend.
- 3 Wochen ohne Nahrung: Hunger ist belastend, aber im Vergleich weniger akut. Nahrungssuche und Jagd stehen deshalb hinter den anderen Prioritäten zurück.
Diese einfache Struktur erlaubt es, in chaotischen Situationen schnell Prioritäten zu erkennen, ohne in Details zu versinken.
III. Bedeutung für Survivaltraining
In Ausbildungskonzepten dient die Regel der Drei als Grundgerüst, um Teilnehmern eine klare Reihenfolge zu vermitteln. Sie zeigt, dass Panikhandlungen, wie sofortige Nahrungssuche, oft ineffektiv sind, wenn andere Gefahren – etwa Kälte – dringlicher sind.
Survivaltrainer nutzen die Regel, um Übungen aufzubauen: Zunächst wird Atemkontrolle und Erste Hilfe behandelt, dann der Bau von Unterkünften, anschließend das Finden und Reinigen von Wasser und erst später die Nahrungsbeschaffung. Dadurch werden Überlebensfähigkeiten systematisch vermittelt.
IV. Praktische Anwendung
Die Rule of 3 wird in der Praxis als Entscheidungsfilter verwendet. In einer realen Notsituation bedeutet das:
- Bei Atemnot: Sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten, stabile Seitenlage oder Wiederbelebung anwenden, Atemwege freimachen.
- Bei extremer Witterung: Schutz suchen, improvisierte Unterkunft bauen, Kleidung anpassen oder ein Feuer entzünden.
- Bei Wassermangel: Quellen finden, Wasser abkochen, filtern oder chemisch entkeimen.
- Bei längerem Aufenthalt: Nahrung beschaffen, Fallen bauen, pflanzliche Kost sammeln.
Diese Struktur verhindert, dass Energie und Zeit in nachrangige Aufgaben fließen, während akute Bedrohungen unbeachtet bleiben.
V. Grenzen der Regel
Obwohl die Rule of 3 als Orientierung nützlich ist, darf sie nicht wörtlich genommen werden. Viele Faktoren beeinflussen die Zeitspannen:
- Ein trainierter Apnoetaucher kann deutlich länger als drei Minuten die Luft anhalten.
- Bei milder Witterung kann ein Mensch länger als drei Stunden ohne Schutz aushalten, bei extremer Kälte jedoch nur wenige Minuten.
- Ohne Wasser können manche Personen unter günstigen Bedingungen fünf bis sieben Tage überleben, in extremer Hitze jedoch nur 24 Stunden.
- Bei Nahrung gibt es noch größere Spannweiten, da Menschen je nach Konstitution mehrere Wochen überleben können.
Die Regel ist deshalb als pädagogisches Modell zu verstehen, nicht als exakte wissenschaftliche Aussage.
VI. Einbindung in die Prepper-Szene
In der Prepper-Szene ist die Rule of 3 fest verankert. Sie bildet oft den Einstieg in Literatur, Foren und Trainings. Viele Prepping-Strategien sind direkt an den Prioritäten ausgerichtet: Atemschutzmasken und Erste-Hilfe-Kits für die ersten Minuten, Notunterkünfte und Kleidung für die Stunden, Wasserfilter und Kanister für die Tage, Nahrungsmittelvorräte für die Wochen.
Durch diese Struktur wird es leichter, Vorratspläne zu erstellen. Ein Haushalt kann seine Ausrüstung anhand der Regel überprüfen: Ist die Luftversorgung im Brandfall gesichert? Gibt es Decken und Heizalternativen für Stromausfälle? Stehen Wasserreserven und Filter bereit? Sind Lebensmittel für Wochen vorhanden?
VII. Internationale Perspektive
Die Regel der Drei ist weltweit verbreitet und wird in vielen Sprachen nahezu identisch wiedergegeben. In den USA gehört sie zum Standard in Survival-Handbüchern, in Großbritannien wird sie in militärischen Überlebenstrainings gelehrt. In skandinavischen Ländern, wo extreme Kälte häufig vorkommt, wird die zweite Regel besonders betont. In tropischen Regionen liegt der Schwerpunkt stärker auf Wasser, da Dehydrierung dort zur Hauptgefahr wird.
Auch in offiziellen Zivilschutzbroschüren taucht die Regel gelegentlich auf, da sie sich leicht kommunizieren lässt und von Laien verstanden wird.
VIII. Beispiele aus der Praxis
- Bergrettung: Viele Todesfälle bei Wanderern in den Alpen gehen nicht auf Nahrungsmangel zurück, sondern auf Unterkühlung – ein klassischer Beleg für die zweite Regel.
- Wüstenexpeditionen: Hier zeigt sich die Drei-Tage-Regel für Wasser besonders drastisch. Schon nach 24 Stunden ohne Flüssigkeit sinkt die Leistungsfähigkeit massiv.
- Katastrophenszenarien: Bei Erdbeben in urbanen Regionen überleben Menschen in Trümmern häufig mehrere Tage ohne Nahrung, aber nur, wenn sie Zugang zu Luft und etwas Wasser haben.
Solche Beispiele verdeutlichen, dass die Regel zwar vereinfacht, aber dennoch zuverlässig den Blick auf das Wesentliche lenkt.