Der Family Emergency Plan (FEP), auf Deutsch Familien-Notfallplan, ist ein strukturierter Handlungsleitfaden, mit dem Familien auf Krisensituationen vorbereitet werden. Ziel ist es, in Ausnahmelagen wie Naturkatastrophen, Stromausfällen, Pandemien oder gesellschaftlichen Unruhen die Sicherheit aller Mitglieder zu gewährleisten und das Risiko chaotischer Entscheidungen zu verringern. Während Einzelpersonen im Notfall schneller reagieren können, ist die Lage in Familien deutlich komplexer. Unterschiedliche Tagesabläufe, Altersgruppen und Bedürfnisse erfordern klare Absprachen. Der FEP gilt daher als unverzichtbares Instrument moderner Krisenvorsorge und wird sowohl von staatlichen Stellen im Bevölkerungsschutz als auch in der internationalen Prepper-Szene als Standard empfohlen.
I. Historische Entwicklung
Die Ursprünge des Familien-Notfallplans liegen im Zivilschutz der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den USA begann die Federal Emergency Management Agency (FEMA) in den 1970er-Jahren, nicht nur allgemeine Empfehlungen zu Vorräten zu geben, sondern auch gezielt darauf hinzuweisen, dass Familien verbindliche Pläne benötigen. Erfahrungen nach Hurrikanen, Waldbränden und Überschwemmungen hatten gezeigt, dass das Fehlen klarer Strukturen häufig zu Trennungen, Panik oder Verzögerungen führte.
In den 1990er-Jahren wurde der FEP in Nordamerika systematisch in Katastrophenschutzprogramme integriert. Schulen, Gemeinden und Medien begannen, Familien Checklisten und Vorlagen bereitzustellen. Parallel dazu entwickelten sich ähnliche Ansätze in Asien. In Japan, wo Erdbeben eine konstante Bedrohung darstellen, ist die Vorbereitung auf familiärer Ebene seit Jahrzehnten fest verankert. Auch in Europa kam das Thema auf, besonders nach der Wiedervereinigung, als in Deutschland die Strukturen des Zivilschutzes neu geordnet wurden. Heute ist der FEP international verbreitet, auch wenn der Begriff in verschiedenen Ländern unterschiedlich gebräuchlich ist.
II. Ziele und Nutzen
Ein Familien-Notfallplan verfolgt mehrere zentrale Ziele, die ineinandergreifen und die Überlebens- und Handlungsfähigkeit steigern:
- Klare Kommunikation: Alle Mitglieder wissen, wie sie im Notfall Informationen austauschen, selbst wenn Telefon- oder Datennetze ausfallen.
- Verbindliche Treffpunkte: Orte sind im Voraus festgelegt, sodass sich die Familie wiederfindet, wenn sie getrennt wird.
- Aufgabenverteilung: Jeder weiß, welche Verantwortung er trägt – vom Einpacken wichtiger Unterlagen bis zur Betreuung jüngerer Kinder.
- Priorisierung von Ressourcen: Welche Vorräte werden zuerst mitgenommen, welche bleiben zurück, wo sind sie gelagert?
- Reduktion von Panik: Struktur ersetzt Chaos – je klarer die Regeln, desto geringer die Gefahr hektischer Fehlentscheidungen.
Der FEP unterscheidet sich damit von individuellen Notfallplänen vor allem durch seine soziale und organisatorische Dimension. Er stellt sicher, dass keine Person vergessen, überfordert oder isoliert wird.
III. Aufbau und zentrale Elemente
Ein FEP wird idealerweise schriftlich ausgearbeitet und in mehreren Kopien an die Familienmitglieder verteilt. Häufig bewährt sich eine Mappe oder ein Ordner, der im Haushalt griffbereit liegt und im Ernstfall mitgenommen werden kann.
Zu den wesentlichen Bestandteilen gehören:
- Kontaktlisten: Telefonnummern, Adressen und alternative Kommunikationswege von Familienangehörigen, Nachbarn, Ärzten und Behörden.
- Kommunikationsstrategien: Vereinbarungen über SMS-Codes, Funkkanäle, Treffzeiten oder Nachrichtenverstecke, falls direkte Kontaktaufnahme nicht möglich ist.
- Treffpunkte: Ein lokaler Treffpunkt in unmittelbarer Nähe (z. B. ein Park oder eine Kirche) sowie ein entfernter Treffpunkt außerhalb der Gefahrenzone (z. B. ein Ferienhaus oder eine bekannte Landmarke).
- Evakuierungspläne: Karten mit markierten Routen, Ausweichwegen und Alternativen, falls Straßen blockiert oder öffentliche Verkehrsmittel nicht verfügbar sind.
- Aufgabenverteilung: Klare Rollen je nach Fähigkeit – wer holt Kinder aus der Schule, wer kümmert sich um Haustiere, wer übernimmt Medikamente oder Dokumente.
- Notfallgepäck: Übersicht, welche Rucksäcke oder Taschen vorbereitet sind, wo sie lagern und wer sie im Ernstfall trägt.
- Dokumentensicherung: Festgelegter Platz für Ausweise, Versicherungen, Eigentumsnachweise und medizinische Unterlagen, idealerweise in wasserdichten Hüllen.
Ein solcher Plan ist kein starres Dokument, sondern ein lebendiges System, das regelmäßig überprüft und angepasst werden muss.
IV. Praktische Umsetzung
Die Erstellung eines FEP erfordert zunächst eine realistische Risikoanalyse. Familien sollten sich fragen, welche Gefahren in ihrer Region wahrscheinlich sind – Hochwasser, Stürme, Erdbeben, Stromausfälle oder auch gesellschaftliche Krisen. Auf dieser Grundlage wird der Plan entwickelt.
Im Alltag bedeutet das, dass Familien mindestens einmal im Jahr eine „Notfallübung“ durchführen. Dabei werden Szenarien wie Stromausfall, Feuer oder Evakuierung simuliert. Kinder lernen, wo sie hingehen und wen sie informieren müssen. Erwachsene überprüfen, ob alle Materialien griffbereit sind. Wichtig ist, dass auch jüngere Mitglieder einbezogen werden – nicht durch Angstmacherei, sondern durch klare, altersgerechte Aufgaben.
Ein Beispiel: In einer vierköpfigen Familie ist festgelegt, dass sich alle im Falle einer Evakuierung innerhalb von 30 Minuten am vereinbarten Treffpunkt an der Schule der Kinder einfinden. Sollte dies nicht möglich sein, dient ein entfernteres Verwandtenhaus als Ausweichort. Jeder weiß, welche Tasche er mitnimmt, wer für die Medikamente verantwortlich ist und welche Route bevorzugt wird.
V. Internationale Anwendung
Die Bedeutung des FEP zeigt sich besonders im internationalen Vergleich.
- USA und Kanada: Hier ist der Begriff fest verankert. Behörden, Schulen und sogar Unternehmen geben Vorlagen heraus. Familien werden angehalten, Pläne regelmäßig zu üben.
- Japan: Aufgrund der Erdbebengefahr ist die Familienvorsorge institutionalisiert. Jedes Kind kennt Notfalltreffpunkte, Schulen halten Übungen ab, und Haushalte verfügen meist über gepackte Rucksäcke.
- Deutschland: Das BBK empfiehlt Notfallpläne, auch wenn der Begriff FEP weniger gebräuchlich ist. Hier wird stärker auf Vorratshaltung für zehn Tage verwiesen, dennoch betonen Fachleute die Notwendigkeit klarer innerfamiliärer Absprachen.
- Skandinavien: In dünn besiedelten Regionen spielt Transport eine größere Rolle. Familien planen Fahrzeuge, Treibstoffvorräte und Winterausrüstung besonders ein.
VI. Integration in die Prepper-Szene
In der Prepper-Bewegung gilt der FEP als unverzichtbar. Vorräte, Wasserfilter und Werkzeuge sind nutzlos, wenn die Familie im Chaos getrennt wird oder wichtige Aufgaben vergessen werden. Der FEP ist hier das organisatorische Rückgrat, das materielle Vorbereitung ergänzt. Viele Gruppen gehen über die reine Familienebene hinaus und erstellen erweiterte Pläne für Freundeskreise oder Nachbarschaften, die sich gegenseitig unterstützen.
VII. Herausforderungen und Grenzen
Ein FEP ist nur so gut wie seine Aktualität. Umzüge, neue Arbeitsstellen, Veränderungen in der Familiensituation oder technische Entwicklungen machen regelmäßige Anpassungen notwendig. Auch muss darauf geachtet werden, dass der Plan realistisch bleibt. Zu viele Details können im Ernstfall überfordern, während zu vage Strukturen Handlungsspielraum kosten.
Ein weiteres Problem ist die Verbindlichkeit. Manche Familienmitglieder nehmen Notfallvorsorge weniger ernst, wodurch Lücken entstehen. Hier helfen Übungen und klare Absprachen, den Plan lebendig zu halten.