Ein RV-Point, ausgeschrieben „Rendezvous Point“, ist ein im Voraus festgelegter Treffpunkt, an dem sich Personen oder Gruppen in Krisensituationen, bei Kommunikationsausfällen oder nach unvorhergesehenen Ereignissen wieder zusammenfinden. Der Begriff hat seinen Ursprung im militärischen Sprachgebrauch, wurde jedoch im Laufe der Zeit auch in zivilen Bereichen, Expeditionen und schließlich in der Prepper-Szene übernommen. Im Kontext von Prepping und Survival steht der RV-Point für ein zentrales organisatorisches Element: Er stellt sicher, dass Handlungsfähigkeit und Koordination erhalten bleiben, auch wenn Technik versagt, Pläne scheitern oder Gruppen auseinandergerissen werden.
I. Historische Ursprünge
Das Konzept des Treffpunktes ist so alt wie menschliche Zusammenarbeit. Schon in Jäger- und Sammlergruppen gab es markante Geländepunkte wie Felsen, Wasserstellen oder große Bäume, an denen sich Stämme regelmäßig sammelten. Mit zunehmender gesellschaftlicher Organisation wurden Treffpunkte wichtiger. In mittelalterlichen Städten galten Marktplätze und Kirchenplätze als Orte der Zusammenkunft, nicht nur für Handel, sondern auch im Krisenfall, wenn eine schnelle Mobilisierung nötig war.
Im militärischen Bereich entwickelte sich der Rendezvous-Punkt zu einem klar definierten Instrument. Bereits in der frühen Neuzeit legten Feldherren Orte fest, an denen sich ihre Truppen nach Gefechten wieder sammeln sollten. In den Armeen des 18. und 19. Jahrhunderts gehörten Sammelpunkte zur Standardplanung: Kavallerieeinheiten, Späher und Infanterie erhielten genaue Anweisungen, wo sie sich im Falle einer Trennung wieder einzufinden hatten.
Mit der Entstehung moderner Kriegsführung wurde der RV-Point noch wichtiger. Spezialeinheiten und Aufklärungstrupps operierten oft getrennt vom Hauptkörper einer Armee. Um nicht den Anschluss zu verlieren, wurden Rendezvous-Punkte eingerichtet, die sowohl geografisch markant als auch sicher zu erreichen waren. Im Zweiten Weltkrieg und später im Kalten Krieg war das Konzept fester Bestandteil taktischer Operationen – ob bei Landungsunternehmen, Fallschirmspringer-Einsätzen oder bei Spähtrupps hinter feindlichen Linien.
II. Bedeutung im Prepping
In der Prepper-Szene wurde der RV-Point übernommen, weil er ein zentrales Problem löst: In Krisen ist Kommunikation oft gestört oder unmöglich. Mobiltelefone, Internet und Stromnetze sind fragil. Funkgeräte können zwar Abhilfe schaffen, sind aber störanfällig, ortbar oder nicht in allen Händen vorhanden. Damit Menschen dennoch handlungsfähig bleiben, müssen physische Ankerpunkte existieren, an denen man sich treffen kann.
Für Einzelpersonen, Familien oder Gruppen bedeutet ein RV-Point Sicherheit. Er bietet eine feste Struktur in unsicheren Zeiten und verhindert, dass sich Menschen im Chaos verlieren. Ein funktionierender RV-Point kann der Unterschied sein zwischen Desorganisation und geordnetem Handeln.
III. Kriterien für die Auswahl eines RV-Points
Die Wahl eines geeigneten RV-Points ist komplex und hängt stark von den Umständen ab. Mehrere Faktoren spielen eine Rolle:
- Erreichbarkeit: Der Treffpunkt muss für alle vorgesehenen Teilnehmer in angemessener Zeit erreichbar sein. Dabei muss bedacht werden, dass Transportmittel möglicherweise nicht zur Verfügung stehen und Strecken zu Fuß zurückgelegt werden müssen.
- Erkennbarkeit: Ein RV-Point muss klar identifizierbar sein. Das kann ein markantes Bauwerk, eine Kreuzung, eine Brücke oder ein natürliches Geländemerkmal sein. Wichtig ist, dass alle Beteiligten den Ort eindeutig kennen und erkennen.
- Unauffälligkeit: Gleichzeitig darf der Treffpunkt nicht so auffällig sein, dass er sofort ins Auge fällt. Ein zu prominenter Platz kann Ziel von Plünderern, Behörden oder fremden Gruppen werden. Ideal ist eine Kombination aus leichter Erkennbarkeit für Eingeweihte und relativer Unauffälligkeit für Außenstehende.
- Sicherheit: Der RV-Point sollte eine gewisse Deckung bieten, um Schutz vor Wetter und Beobachtung zu gewährleisten. Offene Plätze ohne Rückzugsmöglichkeiten sind riskant.
- Flexibilität: Ein guter RV-Point erlaubt verschiedene Anschlussmöglichkeiten, etwa Wege in unterschiedliche Richtungen oder Zugang zu Wasser und Versorgung.
IV. Arten von RV-Points
In der Praxis unterscheiden Prepper mehrere Typen von Treffpunkten:
- Primärer RV-Point: Der Hauptsammelpunkt, der als erste Wahl dient, wenn die Situation planmäßig verläuft.
- Sekundärer RV-Point: Ein Ausweichort, falls der primäre Punkt blockiert, gefährlich oder unerreichbar ist.
- Notfall-RV-Point: Ein nahegelegener Treffpunkt für sofortige Zusammenführung bei akuter Gefahr.
- Langfristiger RV-Point: Ein Sammelpunkt, der für längerfristige Trennung vorgesehen ist, etwa nach Tagen oder Wochen.
Diese Staffelung erhöht die Redundanz. Fällt ein Punkt aus, gibt es Alternativen.
V. Praktische Umsetzung im Alltag
Die Einrichtung von RV-Points sollte im Rahmen der Krisenvorsorge fest eingeplant werden. Eine Familie kann beispielsweise drei Treffpunkte definieren:
- Wohnortnaher Notfallpunkt, etwa eine Schule oder ein markanter Platz, falls ein Brand oder eine Evakuierung sofortige Zusammenführung erfordert.
- Ausweichpunkt außerhalb der Stadt, z. B. ein Parkplatz an einer Landstraße, falls der primäre Wohnort verloren geht.
- Rückzugsort in ländlicher Region, etwa ein vorbereiteter Außenposten oder eine Hütte, die als langfristiger Sammelpunkt dient.
Alle Punkte müssen allen Familienmitgliedern bekannt sein. Karten mit markierten Treffpunkten, ausgedruckt und wasserfest verpackt, gehören zur Grundausstattung.
VI. RV-Points und Kommunikation
RV-Points sind eng mit Kommunikationsstrategien verbunden. Wer weiß, dass es Treffpunkte gibt, muss im Notfall keine Nachricht erhalten – er kennt den Plan. Dennoch können RV-Points mit ergänzenden Kommunikationsmitteln verbunden werden:
- Visuelle Zeichen: Markierungen mit Kreide, eingeritzte Symbole oder Steinmuster, die nur für Eingeweihte verständlich sind.
- Zeitfenster: Festgelegte Uhrzeiten, zu denen man am RV-Point wartet, bevor man zum nächsten übergeht.
- Funkzeiten: Verabredungen, zu denen Funkgeräte eingeschaltet werden, um sich am RV-Point zu koordinieren.
Diese Kombination erhöht die Sicherheit und reduziert das Risiko, dass jemand dauerhaft zurückbleibt.
VII. Sicherheit und Risiken
RV-Points bergen auch Gefahren. Jeder feste Sammelpunkt kann überwacht oder kompromittiert werden. Deshalb gelten in der Szene klare Regeln:
- RV-Points niemals dauerhaft besetzen, sondern nur zum Sammeln nutzen.
- Keine auffälligen Spuren hinterlassen, die Außenstehende auf die Nutzung hinweisen.
- Wartungszeiten begrenzen: Es muss definiert sein, wie lange am Treffpunkt gewartet wird, bevor der nächste Punkt angesteuert wird.
Auch Misstrauen ist Teil des Konzepts. Wer am RV-Point auf fremde Personen trifft, muss Strategien haben, um nicht in Hinterhalte oder Gefahren zu geraten.
VIII. Kombination mit anderen Konzepten
Der RV-Point ist eng verknüpft mit anderen Elementen des Preppings. Er ergänzt:
- Außenposten, die Beobachtung und Sicherheit gewährleisten.
- Caches, die an Treffpunkten deponiert werden können, um Versorgungslücken zu schließen.
- Fluchtrouten, die durch RV-Points strukturiert und geordnet verlaufen.
- RISTA-Konzepte, bei denen Aufklärung und Informationsaustausch in RV-Points einfließen.
In einem ganzheitlichen Krisenkonzept stellt der RV-Point also kein isoliertes Element dar, sondern einen Knotenpunkt im Netzwerk aus Sicherheit, Versorgung und Kommunikation.
IX. Internationale Perspektive
In den USA ist der RV-Point in militärischen und Prepper-Kreisen ein fester Begriff. In Europa taucht er in Fachkreisen und Foren zunehmend auf, wird aber oft mit neutraleren Begriffen wie „Treffpunkt“ oder „Sammelpunkt“ beschrieben. In Skandinavien und Großbritannien ist das Konzept auch in der Outdoor- und Expeditionsszene verankert, wo Gruppen im Falle einer Trennung feste Rendezvous-Orte bestimmen.
X. Beispiele aus der Praxis
- Militärische Beispiele: Spezialeinheiten nutzen RV-Points, um nach abgeschlossenen Operationen wieder zusammenzufinden. Oft liegen diese Orte an unauffälligen, aber markanten Geländepunkten.
- Zivile Krisenplanung: Familien in den USA legen ihre RV-Points an Wassertürmen, Kirchen oder Parkplätzen fest. Sie kombinieren dies mit Karten und Funkplänen.
- Outdoor-Expeditionen: Wandergruppen oder Pfadfinder definieren Treffpunkte entlang ihrer Routen, falls jemand zurückbleibt oder sich verirrt.
Diese Beispiele zeigen, dass RV-Points nicht nur ein militärisches Konstrukt sind, sondern universell anwendbar, sobald Gruppen in unsicheren Umgebungen organisiert bleiben müssen