Die Goldene Horde ist ein Begriff aus der Prepper- und Survival-Szene, der eine große, unvorbereitete Menschenmenge beschreibt, die sich in einer Krise auf den Weg macht, um Ressourcen zu suchen oder zu erzwingen. Der Ausdruck wurde zunächst in den Vereinigten Staaten geprägt und geht sinnbildlich auf die Vorstellung zurück, dass im Fall eines gesellschaftlichen Zusammenbruchs Millionen von Stadtbewohnern aus den urbanen Zentren in ländliche Gebiete strömen, um dort Nahrung, Wasser und Unterkunft zu finden. Für Prepper gilt die Goldene Horde als eine der größten Gefahren, weil sie die Versorgungslage und die Sicherheit selbst gut vorbereiteter Rückzugsorte bedrohen kann.
I. Ursprung des Begriffs
Der Begriff wurde in den 1970er-Jahren von amerikanischen Survival-Autoren aufgegriffen, die das Verhalten von unvorbereiteten Stadtbewohnern in einem großflächigen Notfall beschrieben. Der Ausdruck selbst lehnt sich an die historische „Goldene Horde“ an, einen mongolischen Herrschaftsverband des 13. Jahrhunderts, der in Europa und Asien für seine massenhaften Einfälle bekannt war. Übertragen auf den Prepper-Kontext beschreibt die Goldene Horde keine organisierte Armee, sondern eine unkontrollierte Masse verzweifelter Menschen. In Literatur und Foren der Prepper-Szene tauchte der Begriff regelmäßig auf, um die Gefahren unvorbereiteter Migration in Krisensituationen zu verdeutlichen.
II. Charakteristik der Goldenen Horde
Die Goldene Horde ist nicht homogen, sondern setzt sich aus sehr unterschiedlichen Gruppen zusammen: Familien, die ihre Kinder versorgen wollen, Plünderer auf der Suche nach Beute, Kriminelle, die das Chaos ausnutzen, aber auch ganz gewöhnliche Menschen, die schlicht verhungern oder verdursten würden, wenn sie in den Städten blieben. Ihnen gemeinsam ist die fehlende Vorbereitung auf eine Krise und die daraus resultierende Abhängigkeit von den Vorräten und Strukturen anderer.
Im Szenario einer großflächigen Krise bewegt sich die Goldene Horde typischerweise:
- Ausgehend von Städten und Ballungsräumen über Straßen, Bahntrassen und Flusstäler hinaus ins Umland.
- In Wellen, je nach Eskalation der Lage: zuerst Plünderer, dann große Migrationsströme, später kleine versprengte Gruppen.
- Ohne klare Organisation, häufig chaotisch, mit internen Konflikten und hoher Gewaltbereitschaft.
III. Bedeutung im Prepping
Für die Planung von Rückzugsorten spielt die Goldene Horde eine zentrale Rolle. Prepper berücksichtigen in ihren Szenarien die Möglichkeit, dass städtische Bevölkerungen nach wenigen Tagen ohne Versorgung beginnen, das Umland aufzusuchen. Lebensmittelgeschäfte in Städten sind in Krisen schnell leer, Strom und Wasser fallen aus, und medizinische Versorgung bricht zusammen. Die Folge ist, dass Menschen sich gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen und in ländlichen Gebieten nach Ressourcen zu suchen.
Die Goldene Horde gilt deshalb als Bedrohung für jede Form der Krisenvorsorge. Selbst abgelegene Lagen sind nicht völlig sicher, da Menschen sich in Notsituationen weiter und tiefer in unerschlossenes Terrain bewegen können, als man gemeinhin annimmt.
IV. Strategien zur Vorbereitung
Prepper, die den Faktor Goldene Horde in ihre Planung einbeziehen, entwickeln unterschiedliche Ansätze:
- Abgeschiedene Lage der Rückzugsorte, möglichst weit entfernt von Ballungsräumen und Hauptverkehrswegen.
- Nutzung schwer zugänglicher Gebiete wie Bergtäler, Wälder oder Inseln, die eine natürliche Barriere darstellen.
- Tarnung und unauffällige Lebensweise, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.
- Mehrschichtige Verteidigungskonzepte, angefangen bei äußerer Beobachtung bis hin zu Schutzmaßnahmen am Rückzugsort.
- Aufbau von Vorräten und Redundanzen, um im Falle von Kontakt mit Flüchtlingsströmen nicht sofort kompromittiert zu sein.
V. Kritik am Konzept
Kritiker werfen dem Begriff Goldene Horde vor, dass er ein verzerrtes Bild der Realität vermittelt. Nicht jede Krise führt automatisch zu massenhaften Fluchtbewegungen, und nicht jeder Stadtbewohner wird zur Bedrohung. Zudem kann die Abwertung unvorbereiteter Menschen als „Horde“ zu einer übermäßigen Distanzierung und Abschottung führen. Dennoch zeigt die historische Erfahrung mit Migrationsbewegungen in Notzeiten, dass große Menschenströme erhebliche Risiken für Ressourcen und Sicherheit darstellen können.
VI. Relevanz in Europa
In Europa ist die Diskussion um die Goldene Horde weniger stark ausgeprägt, da die geografischen Entfernungen kürzer sind und dichte Infrastrukturen bestehen. Dennoch gibt es Szenarien, in denen großflächige Evakuierungen – etwa durch Stromausfälle, Kriege oder Naturkatastrophen – vergleichbare Effekte hervorrufen könnten. Auch hier stellt sich die Frage, wie ländliche Regionen auf einen Zustrom unvorbereiteter Menschen reagieren würden.