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Team-Survival

Grundwissen über Kletterseile

Die Sicherheit hat beim Klettern oberste Priorität. Angestrebter Nervenkitzel hin oder her, ein ungesicherter Sturz verläuft beim Klettern meistens tödlich. Wie schützt man sich also am effektivsten? Mit Vernunft aber vor allem mit der richtigen Ausrüstung. Wichtigster Bestandteil letzterer ist unumstritten das Kletterseil. Es besteht heute aus dem Kunststoff Polyamid, welcher als äußerst stabil und belastungsfähig gilt. Dieser wird bei der Herstellung eines Kletterseiles in einer Kernmantelkonstruktion verarbeitet, die aus einem Kern verflochtener Fasern und einem Schutzmantel besteht. Somit ist gewährleistet, dass der die Hauptlast tragende Kern vor Witterung und Beschädigung optimal geschützt ist.

Die verschiedenen Arten von Kletterseilen werden in zwei große Gruppen unterteilt: Man unterscheidet dynamische von halbstatischen Seilen. Letztere dienen allerdings nicht der Sicherung beim Klettern, da sie im Falle eines Sturzes kaum nachgeben und somit die Wucht des Sturzes auf den Körper des Kletterers ungebremst übertragen, was tödliche Folgen nach sich ziehen kann. Sie dienen lediglich der Fixierung. Somit kommen sie hauptsächlich beim Canyoning zum Einsatz, einer Sportart, bei der der Kletterer eine Schlucht von oben nach unten hinab steigt.

Für das Sportklettern und Bergsteigen relevant sind vielmehr die dynamischen Seile, welche fähig sind, die Sturzenergie aufzunehmen und somit die Kraft, die auf den Körper im Falle eines abrupt gestoppten Sturzes einwirkt, zu reduzieren. Die Kraft, die abzüglich jener, welche vom Seil geschluckt wird, noch auf den Körper einwirkt, wird in der Fachsprache als Fangstoß bezeichnet. Dieser und die Anzahl der Normstürze, welche ein Seil vor dem Reißen aushält, geben Auskunft über die Belastbarkeit. Die Mindestbelastbarkeit ist nach Regelungen der UIAA(Union Internationale des Associations d’Alpinisme) genormt.

Bei den dynamischen Seilen wird zwischen Einfachseilen, Halbseilen und Zwillingsseilen unterschieden. Erstere sind zwischen 9 und 11 mm dick und ausschließlich für das Klettern in Kletterhallen gedacht und somit optimal für Einsteiger, welche noch nicht in der Natur zu Gange sind. Ihr Fangstoß darf bei maximal 12 Kilonewton liegen und sie müssen mindestens fünf Normstürze mit einem Fallgewicht von 80 kg überstehen. Es wird jedoch bei allen Seilen empfohlen, sie nach einem Sturz nicht mehr zu verwenden.

Halbseile werden beim professionellen Bergsteigen verwendet. Sie weisen eine Dicke zwischen 8 und 9 mm auf und müssen ebenfalls mindestens 5 Normstürze überstehen, allerdings bei einem Fallgewicht von 55 kg. Ihr Fangstoß darf hierbei den Wert von 8 Kilonewton nicht überschreiten. Halbseile werden immer doppelt verwendet, jedoch einzeln und immer abwechselnd in den verschieden Zwischensicherungen eingehakt, wodurch die einwirkende Kraft auf jede einzelne Zwischensicherung im Falle eines Sturzes verringert wird.

Das Zwillingsseil besteht aus zwei relativ dünnen Einzelseilen, die zusammen als ein Seil verwendet werden. Die zwei dünnen Seile, zwischen 7 und 8 mm dick, besitzen einzeln keine guten Stabilitätswerte und können folglich auch niemals einzeln benutzt und somit auch nicht auf verschiedene Zwischensicherungshaken aufgeteilt werden. Sie fungieren stets zusammen, praktisch als siamesische Zwillinge. Der Fangstoß bezieht sich auf eine gleichzeitige Verwendung beider Seile und darf 12 Kilonewton nicht überschreiten. Das Zwillingsseil muss mindestens 12 Normstürze überstehen, ohne zu reißen. Der Vorteil des Zwillingsseiles liegt eindeutig im Gewicht, welches etwas geringer ausfällt als das des Halbseiles.

Heutzutage sind sich fast alle Experten einig, dass die Unterschiede zwischen Halb- und Zwillingsseilen immer geringer werden. So werden in der Fachliteratur die Begriffe nur noch selten getrennt.


  • Kategorie: Outdoor-Wiki
  • Freitag, 11 März 2011
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