8 Tage mit dem Auto und Wurfzelt durch Südschweden

  • Die Route:

    Tag 1: Puttgarden-Rodby- Öresundbrücke - Malmö- Ystad
    Tag 2: Ystad-Ales Stenar- Stenshuvud- Bromölla
    Tag 3: Bromölla- Ronneby- Björketorp Runenstein- Kristianopel
    Tag 4: Kristianopel- Kalmar-Öland
    Tag 5: Öland: Skäftekärr-Langer Erik
    Tag 5: Öland- Västervik- Gamleby
    Tag 6: Gamleby- Vimmerby- Katthult- Vättern (bei Gränna)
    Tag 7: Vättern- Jönköping- Store Mosse Nationalpark- Halmstad
    Tag 8: Halmstad- Mittelhessen


    Die Campingplätze
    Puttgarden Camping
    Löderups Strandbads Camping (Skane)
    Valjevikens Camping (Blekinge)
    Kristianopels Camping (Blekinge)
    Böda Hamns Camping (Öland)
    Hammarsbadet (Smaland)
    Getingaryds Familjecamping (Smaland am Vättern)
    Hagöns Camping (Halland)

    Sehenswürdigkeiten
    Skane: Ales Stenar, Stenshuvud Nationalpark,
    Björketorp Runenstein
    Blekinge: Karlshamn, Ronneby
    Öland, Nordteil: Schloss Borgholm, Skäftekärr, Bla Jungfrun
    Smaland: Vimmerby: Astrid Lindgrens Näs; Katthult, Store Mosse
    Nationalpark

    Dies Reise ist leider schon über 10 Jahre her. Eigentlich war damals gar kein Sommerurlaub geplant. Aus dem gar-kein-Sommerurlaub sind glücklicherweise spontan doch acht geballte Julitage Schweden geworden. Mit dabei waren ein bepacktes Auto samt Navi, das neue Wurfzelt und mein Freund. Nach unzähligen Baustellen und Staus, die uns auf dem Weg durch Deutschland begleitet haben kommen wir Abends in Puttgarden an. Der Dauerregen hört auf, sobald wir die Suche nach einer Pension aufgegeben haben und uns doch entschließen auf dem Campingplatz zu übernachten. Es klart auf, der Urlaub kann beginnen!


    Der Campingplatz Puttgarden auf Fehmarn liegt in der Nähe der Fähren und eignet sich daher ideal als Stop-over. Der Platz hat zwar wenig Charme und beherbergt vor allem Dauercamper, dafür ist er günstig (8 Euro p.P.) und die Sanitäranlagen sind sauber.


    Tag 1: Puttgarden-Rodby- Öresundbrücke - Malmö- Ystad
    Nach der ersten Übernachtung im Zelt reihen wir uns am nächsten morgen in die Warteschlange zur Überfahrt nach Dänemark ein. Mittags erreichen wir über die Öresundbrücke endlich Malmö und haben die erste Gelegenheit der Lieblingsbeschäftigung aller Schweden zu frönen: Ein Besuch im Supermarkt! -Fruchtjoghurt im Literpack, schwedisches Weißbrot, gesalzene Butter und Köttbullar kaufen und über die Dimensionen des begehbaren Kühlschranks für Milchprodukte staunen- dann fahren wir den ersten Campingplatz an. Spontan auserkoren wurde Löderups Strandbad Camping in der Nähe von Ystad. Der Platz ist wunderschön in einem Kiefernwäldchen direkt am Sandstrand gelegen. Weil wir spät dran sind, bekommen wir leider keinen idyllischen, einsam im Wald gelegenen Platz mehr ab, sondern müssen uns mit einem Fleckchen eingekeilt zwischen Wohnmobilen zufrieden geben. Den Nachmittag lassen wir bei bestem Wetter am Strand in den Abend übergehen. Diesen lassen wir mit den ersten Köttbullar und schwedischem Birnencider ausklingen.


    Tag 2: Ystad-Bromölla: Ales Stenar & Stenshuvud Nationalpark
    Ales Stenar
    Fest eingeplant für diesen Tag ist ein Besuch von Ales Stenar, die wohlmöglich größte Touristenattraktion Südschwedens gleich nach der Astrid-Lindgren Welt. Der eingezäunte Pfad zum größten "Schiffsgrab" Skandinaviens ist gut besucht und lässt Zeit für Spekulationen. Aus dem Reiseführer weiß ich, dass es sich um schiffsförmig angeordnete Hinkelsteine handelt, die seit mindestens 1500 Jahren dort stehen, vielleicht aber auch schon doppelt so lange. Die von den Erbauern intendierte Funktion der Schiffsgräber ist den Archäologen bis heute ein Rätsel. Am Ende des Wegs erblicken wir jedoch noch nicht die monumentalen Gesteinsbrocken, sondern zunächst einen Möchtegern-Forscher, der sich bemüht seine eigene Theorie über die Steine an den Mann und die Frau zu bringen. Dann aber! Das Schiffsgrab ist in der Tat eindrucksvoll und ich wundere mich wie und wieso die mannshohen Gesteinsbrocken es den Berg hinauf geschafft haben. Besonders schön soll es am Ales Stenar übrigens zu den Sonnenwenden sein, da die beiden äußersten Felsen nach diesen Tagen ausgerichtet sind.


    Stenshuvud Nationalpark
    Zweiter touristischer Stopp der Reise ist der Stenshuvud Nationalpark, den wir angesichts aufziehender Regenwolken 'Schwedens größtem Flugsandfeld' vorziehen. Der nur vier Quadratkilometer kleine Nationalpark ist an der Küste gelegen und mit gut ausgeschilderten Wanderwegen durchzogen. Am Parkplatz haben wir die Wahl: Strand, Waldweg hinauf zu den Klippen oder gleich ins Café. Wir entscheiden uns für den Wald. Nach kaum zehn Minuten Aufstieg durch den uralten, mystisch wirkenden Laubwald werden wir mit einem einzigartigen Blick von den Klippen auf die Küste und das Landesinnere belohnt. Schwindelfreie können auch in die Tiefe auf den Abgrund der Schlucht schauen. Auf dem Rückweg machen wir dann noch einen Abstecher zum Strand. Der Weg führt teilweise durchs Moor, vorbei an einer undefinierbaren prähistorischen Stätte und einigen beschilderten seltenen Pflanzen. Weil wir uns heute etwas mehr Auswahl auf dem Campingplatz wünschen, machen wir uns bald wieder auf den Rückweg zum Auto.


    Valjevikens Camping ***
    Ein gutes Stück Küste aufwärts bei Brömölla fahren wir einen, bis auf die Bahngleise einsam gelegenen, Campingplatz an. Wir sind für diesen Tag die ersten Zelt-Camper und haben auf einer Wiese direkt am Meer die freie Auswahl. Im Gegensatz zur rauen Nordsee an der Westküste, mutet die Schärenlandschaft an der Ostseeküste eher wie ein großer See an, ohne Wind und ohne Brandung.
    Der Campingplatz ist sehr gepflegt, wirkt durch die akkuraten Fußwege, die eingezäunten Vorgärten der schwedischen Dauercamper und die riesige Bühne für Modenschauen und sonstige Belustigungen recht spießig. Ein positiver Nebeneffekt des Rentner- und Familienparadieses sind die beheizten, mit Musik spielenden und zartrosa gestrichenen Sanitäranlagen. Wir genießen den Sonnenuntergang bei Abendbrot und Tee vom Gaskocher und wundern uns, dass wir noch frei von Mückenstichen sind.


    Tag 3: Bromölla- Ronneby- Björketorp Runenstein- Kristianopel
    Ronneby
    Heute können wir unsren Kaffee bei schönster Morgensonne genießen. Wir machen uns auf den Weg nach Ronneby. Der Reiseführer verspricht uns das Bath des Nordens und tatsächlich finden einen buntbepflanzten, vielfältigen Kurpark vor, der sich bis in einen Wald hinein erstreckt. Die farbigen, hölzernen Kurhäuser sind seit der Entdeckung der eisenhaltigen Heilquellen im 18. Jahrhundert mehrfach abgebrannt und wieder aufgebaut worden. Der Baustil erinnert an eine bizarre Mischung von Jugendstil und Wild-West, fügt sich aber harmonisch ins Gesamtbild ein. Die Innenstadt von Ronneby lassen wir außen vor und fahren stattdessen weiter auf der E22 gen Osten.


    Björketorp - Runenstein
    Nur wenige Kilometer hinter Ronneby halten wir erneut an. Auf einer Lichtung im Nadelwald stehen mehrere hohe Steine, angeordnet in einem Kreis. Auf einem der Steine ist eine Inschrift in den Runen des neueren Futhark angebracht. Mein Reiseführer weiß glücklicherweise die unheilvolle Botschaft aus der Eisenzeit zu entziffern, was mir die Möglichkeit gibt, diese theatralisch in die Digicam zu rezitieren. Die Runen sind, wie in Schweden üblich, mit roter Farbe nachgemalt. Im Gegensatz zu dem Stein von Källby Hallar am Vänern See findet man hier nur Inschriften, keine Bilder oder Zeichnungen vor.


    Karlskrona
    Nach Karlskrona treibt uns mittags unter anderem der Hunger. Wir parken auf dem größten Marktplatz Nordeuropas, der von imposanten Gebäuden und Kirchen umgeben ist. Dass sie aus einer Zeit stammen, in der Karlskrona eine bedeutende Hafenstadt war, sieht man vor allem dem Rathaus an. Um den Marktplatz gibt es zahlreiche Bars und Cafés, deren Terrassen leider schon voll besetzt sind. In einer Seitenstraße finden wir noch ein Plätzchen im Hof eines gemütlichen Café, wo wir Öko-Sandwiches verspeisen.
    Karlskrona verfügt als größte Stadt Blekinges noch über eine intakte Innenstadt mit zahlreichen Läden und eignet sich hervorragend für einen Einkaufsbummel.


    Kristianopel Camping ****
    Nachdem uns ein Campingplatz im Nirgendwo und ein Campingareal direkt neben einer Golfanlage abgeschreckt haben, werfen wir unser Zelt in Kristianopel aus und schauen zu, wie es sich selbst aufbaut. Dieser Platz hat es in meiner persönlichen Top 10 ganz nach oben geschafft. Direkt am Meer gelegen ist der Platz von einer stabilen Festungsmauer aus der Zeit der dänischen Besatzungen 1600 umrandet. Die offenbar nachbetonierten Überbleibsel dieser kriegerischen Zeit erweisen sich heute als nützlicher Windschutz und Gehweg. Betrieben wird der Campingplatz von einem charmanten Altrocker mit Bart, den man Abends auf der Bühne der kleinen Bar live bewundern kann. Tanzwütige schwedische Pärchen, jung wie alt gibt es gratis obendrein. Am nächsten Morgen nehme ich noch ein erfrischendes Blitzbad im Meer, bevor wir die Weiterreise nach Öland antreten.


    Tag 4 und 5: Kristianopel- Kalmar-Öland- Västervik- Gamleby

    Kalmar
    Kalmar ist eine große Hafenstadt, von der aus eine Brücke nach Öland führt. Wir decken uns mit Lebensmitteln für den Tag ein und machen eine Frühstückspause am Hafen. Die Stadt hat unter anderem eine mittelalterliche Burg zu bieten, die später zu einem Schloss ausgebaut worden ist. Dummerweise nehmen wir uns nicht die Zeit für eine Besichtigung, sondern machen uns auf nach Öland. Schließlich haben wir gehört, das schönes Wetter dort quasi garantiert wird.


    Öland
    Öland ist für Schweden so was wie Urlaub im Ausland oder vielleicht wie Fehmarn für die Deutschen. Gleich nach der Brücke die erste Ausfahrt findet man eine riesige Touristeninformation vor, in der man sich mit Karten Öland-Nord, Öland-Süd, Informationen über Sehenswürdigkeiten und mit Mitbringseln versorgen kann. Für uns die Karte Nord und 10 Postkarten, bitte.


    Böda Hamns Camping****
    Der Campingplatz unserer Wahl ist einer der wenigen nicht völlig überteuerten im Nordwesten der Insel. Dort gibt es zwar keine riesige Wasserrutsche und Kinderbelustigung aber dafür viel Platz in einer natürlich belassenen Anlage. Wir haben freie Platzwahl und entscheiden uns für den Kiefernwald in Strandnähe.


    Wir sind früh dran und erkunden Platz und Umgebung. Der Campingplatz hat eine angenehme Größe, es gibt neben einem kleinen Laden und einem Spielplatz sogar einen Aufenthaltsraum im Falle schlechten Wetters. Bei den Duschen gibt es einen älteren und einen modernen Teil. Uns fällt hier erstmals auf, wie viele junge Familien mit drei Kindern oder mehr es in Schweden, oder zumindest auf Schwedens Zeltplätzen, gibt. Der Sandstrand mündet an der einen Seite in eine Kuhweide, die wiederum in einen Windpark mündet. Der Windpark mag ein Grund für den niedrigen Preis sein, er macht aber keinen Krach. Wenn man in die andere Richtung geht, gelangt man an den "Hafen", der sich aus einer Anlegestelle für Segelboote, sowie einer Fischräucherei in einem roten Holzhäuschen zusammensetzt. Die gehisste Fahne vor strahlend blauem Himmel macht das Schwedenfeeling perfekt.


    Der nächste Tag, den wir noch auf Öland verbringen wollen beginnt leider mit Regen -und das obwohl sich die Kronprinzessin gerade auf der Insel aufhält!-. Wir versuchen zunächst dem Regen mit touristischen Aktivitäten zu trotzen und besuchen das Freilichtmuseum Skäftekärr, wo wir Langhäuser aus der Eisenzeit besichtigen wollen. Leider ist eines der beiden Häuser des Museums im vergangenen Jahr abgebrannt, in dem anderen hält eine Frau gerade eine Lesung. Im Aufenthaltsraum werden teure Survival-Accessoires verkauft. Wir können dieser Sehenswürdigkeit nichts abgewinnen und fahren an die Nordspitze der Insel zum Langen Erik. Langer Erik wird der Leuchtturm im Norden genannt, das Gegenstück am Südzipfel Ölands heißt langer Jan. Das Kap lässt sich in einem Spaziergang bequem umrunden.


    Das Wetter wird an diesem Tag nicht mehr besser und nach einem weiteren Halt an einem interessant geformten Küstenstreifen, beschließen wir uns beim Mittagessen in einer Hafenkneipe aufzuwärmen. Hier bietet sich die Gelegenheit, die Vorteile des schwedischen Mittagsmenüs zu preisen. Im moderaten Preis inbegriffen sind neben dem Hauptgang der Wahl auch ein Getränk, das Salatbuffet, sowie Brot und Butter. Gut gesättigt, natürlich von Köttbullarn, verfallen wir den Gewohnheiten der Touristen und stürzen uns ins Getümmel der Outletstores. Bald stellen wir fest, dass die Preise der Sportklamotten und Billigartikel schätzungsweise doppelt so hoch wie der übliche Ladenpreis sind und räumen das Feld.


    Am nächsten Tag zeigt sich das Wetter wieder von seiner Schokoladenseite. Wir können das Zelt im Trockenen abbauen und uns auf den Weg ins Zentrum der Insel machen, wo wir Schloss Borgholm besichtigen wollen. Unterwegs sehen wir viele Windmühlen, die die Landschaft Ölands prägen.


    Borgholm
    Schloss Borgholm liegt, nahe der gleichnamigen Hauptstadt touristenfreundlich genau in der Mitte der langen Insel. Die Geschichte der Schlossruine reicht zurück bis ins 12. Jahrhundert und hat seitdem viele Umbauten, Belagerungen und Machtwechsel miterlebt. Die riesige Ruine ist größtenteils begehbar. Vom oberen Stockwerk hat man eine tolle Aussicht auf Meer und Insel. Im Erdgeschoss informiert eine Ausstellung über die Geschichte des Schlosses. Einzelne Räume, wie die Küche sind teilweise erhalten. Im Innenhof finden an Sommerabenden Konzerte statt. Borgholm ist übrigens eine der wenigen Sehenswürdigkeiten in Schweden, für die ein fester Eintrittspreis verlangt wird. In der Regel hängen Kästen aus, in die man einen Betrag, den man für angemessen hält wirft, bzw. den empfohlenen Preis.


    Västervik
    Nach dem Besuch von Schloss Borgholm haben wir unseren Aufenthalt auf Öland beendet und uns wieder aufs Festland begeben. Von Kalmar sind wir ein gutes Stück nach Norden bis Västervik gefahren. Västervik ist eine Sommerstadt im Schärengarten. Leider regnet es so stark, dass wir inzwischen damit rechnen, die Nacht in einer Stuga (kleines Ferienhaus) verbringen zu müssen. Davon gibt es auf jedem Campingplatz ein paar. Wir kehren also dem bei schönem Wetter garantiert wundervollen Västervik den Rücken zu und machen uns auf die Suche nach einem Campingplatz. Leichter gesagt als getan, denn ein Jugendfestival findet in der Gegend statt und die Zeltplätze sind gefragt.


    Hammarsbadets Camping & Stugor ****
    Im nächsten Ort, Gamleby werden wir dann doch fündig und landen auf einem Campingplatz, den ich an die zweite Stelle in meiner Top Ten Liste setzen möchte. Wieder ein Platz direkt am Wasser in den Schären. Aber diesmal sind die Zeltplätze terassenförmig am Berg angeordnet, ein kleiner Pfad führt hinab zum Strand. Das Wasser ist hier offenbar ungewöhnlich tief, es gibt jedenfalls zwei Sprungtürme in Ufernähe. Natürlich ist das Wetter schlagartig besser geworden, sobald wir Västervik verlassen hatten. Ich nutze die Gelegenheit und gehe schwimmen. Der Campingplatz verfügt übrigens über wunderbar beheizte Duschen, samt Sauna. Ein Minigolfplatz ist auch vorhanden. Außerdem gibt es direkt neben dem Eingang zum Campingplatz eine Wiese auf der angeblich Steine mit Felszeichnungen zu finden sind. Die werden allerdings von einem übellaunigen Ziegenbock bewacht, der ungewünschte Besucher sehr schnell wieder aus seinem Revier zu vertreiben weiß.


    Tag 6: Gamleby- Vimmerby- Katthult- Vättern
    Was macht man in Smaland? Man huldigt Astrid Lindgren und pilgert zu sämtlichen Stätten des literarischen Nachlasses der Kinderbuchautorin. Allerdings meldet sich da die Tankanzeige zu Wort. Das Auto möchte befüllt werden. Das sollte in einem Land, in dem Supermärkte Sonntags geöffnet sind kein Problem sein. Oh doch! In Schweden sind leider Kartentankstellen in Mode gekommen. Und leider sind diese wählerisch und akzeptieren nicht jede x-beliebige EC-Karte ausländischer Banken. Auf dem Weg nach Vimmerby, der übrigens ungewöhnlich hügelig ist, halten wir an mindestens drei Tankstellen an, bis sich eine Zapfsäule tatsächlich dazu herablässt, unsere Karte zu akzeptieren.


    Vimmerby
    Die Stadt ist Astrid Lindgren. Ein Paradebeispiel jener Art von Intertextualität, bei der sich die Literatur in die Lebenswelt einschreibt. Die kleinen bunten Häuschen der Altstadt stehen wohlmöglich nur noch um der Touristen Willen. Auf dem Marktplatz ist ein Bullerbü aus Spielhäuschen installiert, in dem sich die lieben Kleinen vergnügen können, während ihre Eltern in dem Souveniershop, nein der Touristeninformation einkaufen können. Etwa zehn Minuten Fußweg vom Stadtzentrum entfernt liegen Astrid Lindgren Zentrum, ihr Elternhaus und die Villa Kunterbunt samt Limonadenbaum. Im Elternhaus schauen wir uns eine Ausstellung über Astrid und ihre Geschwister an, die ihrerseits ebenfalls beruflich sehr erfolgreich waren.


    Katthult
    Der Lindgren noch nicht überdrüssig beschließen wir, einen der Drehorte der Verfilmungen zu besuchen. Unsre Wahl fällt aus praktischen Gründen auf Michels Katthult, Bullerbü muss auf einen zukünftigen Urlaub warten. Leider hat uns das Navi zum ersten Mal in diesem Urlaub in die Irre, nämlich ins echte Katthult geführt. Beim Namensgeber handelt es sich um einen winzigen Ort an dem, außer einem großen, mit Seerosen bedeckten Teich keine Spur von Michel zu finden ist. Im Filmkulissen-Katthult wimmelt es dagegen von kleinen blonden Jungs mit blauen Michel-Hemden und Mützen.


    Der gut besuchte Ort ist gut in Schuss und man erkennt die wichtigen Schauplätze von Geschichte und Filmen sofort wieder: Die Fahnenstange, Michels Männchen und die Trissebude, in der Anton Svensson eingesperrt wurde. Das Haupthaus kann man nicht besichtigen, denn es ist bewohnt.


    Unser Ziel für heute ist der Vättern See, auf der Strecke machen wir an einer Quelle halt zum Pfannkuchenpicknick. Vättern und Vänern sind die beiden größten Seen Schwedens und vermutlich durch Meteoriteneinschläge entstanden. Die gesamte Gegend ist einen Schwedenurlaub für sich wert.


    Getingaryds Familjecamping ***
    Der kleine aber feine Familiencampingplatz liegt nahe Gränna an der Ostküste des Vättern Sees. Gränna ist so etwas wie Schwedens Süßigkeitenhauptstadt. Dort wird an jeder Ecke das süße Polka Gris (Schweinespeck) hergestellt und angeboten. Der Campingplatz liegt etwas abseits des betriebsamen Städtchens. Ein Fußweg führt vom Zeltplatz hinunter zum See. Abends versammeln dort die meisten Gäste, um den Sonnenuntergang zu bestaunen.


    Tag 7: Vättern- Jönköping- Store Mosse Nationalpark - Halmstad
    Zum ersten Mal seit Antritt der Reise nehmen wir Südkurs auf. Die Rückreise beginnt. Um einige schwedische Delikatessen zu kaufen, von denen wir eigentlich wissen, dass sie zuhause nicht halb so gut schmecken, machen wir in einem riesigen Shoppingcenter bei Jönköping halt. In Erinnerung bleibt der riesige Komplex bei mir vor allem wegen der praktischen Parkplatzmarkierung mit Farben statt mit Ziffern oder Buchstaben. Knatschbrot, Salzbutter und Joghurt im Literpack in der Tasche fahren wir weiter südlich. Ich lese in einem Katalog, den ich aus dem Outdoorshop mitgenommen habe und verliebe mich in einen Schlafsack der wie ein Anzug mit Armen und Beinen geschnitten ist.

    Store Mosse Nationalpark


    Wir biegen von der E4 ab, um zum Abschluss der Reise noch etwas Natur zu genießen. Mosse heißt Moor und am Parkplatz, von dem die Wanderwege ausgehen wird man darauf hingewiesen, nicht von ebendiesen abzukommen. Wir entscheiden uns für eine der kürzeren Runden und drehen eine Runde auf den Holzplanken durch den sumpfigen Wald. Unterwegs sehen wir seltene Pflanzen, Blaubeeren, ein Flüsschen und zahlreiche Ameisenhügel. Auf einem Ausguck kann man das Moor überblicken.


    Im Gegensatz zum Autofahren macht frische Luft und Bewegung Appetit und in Värnamo kehren wir bei Mäx-Burger ein. In der Karte des Campingcard-Campingführers sind nämlich dummerweise sämtliche Restaurants dieser schwedischen Fastfoodkette eingezeichnet, was bedeutet, dass man mindestens einmal pro Urlaub ein unglaubliches Verlangen nach einem Max-Menü mit Pommes und Cola verspürt. Meiner Meinung nach schmeckt es dort allerdings auch besser als bei den beiden in Deutschland gängigsten Ketten.


    Bei Ljungby biegen wir nach Westen Richtung Halmstad ab, wo wir uns ein letztes Mal in Schweden einen Campingplatz suchen wollen.

    Hagöns Camping ****
    In Halland ist es schwierig einen guten, nicht völlig überteuerten Campingplatz zu finden. Von Hagöns Camping möchte ich an dieser Stelle dringend abraten. Beim Einchecken bekommen wir einen der durchnummerierten Plätze zugewiesen. Dieser Platz ist doch tatsächlich mit akkuraten Linien eingegrenzt und hat daher den Flair eines Parkplatzes. Die Nachbarn sitzen einem direkt auf der Pelle. Beliebt scheint die Anlage aufgrund der vielen Freizeitmöglichkeiten dennoch zu sein, er ist fast ausgebucht. Weil es am Zeltplatz so ungemütlich ist, beschließen wir einen Strandspaziergang zu machen.
    Die Dünen sind zwar als Naturschutzgebiet ausgewiesen, dafür blickt man vom Strand aus direkt auf das Industriegebiet und den Hafen der Stadt. Einige hart gesottene Jugendliche baden im Meer.


    Tag 8: Halmstad - Heimat

    Nach einer unruhigen Nacht auf dem belebten Platz reisen wir zeitig ab. Über die Öresundbrücke, durch Dänemark sind wir schon mittags auf der Fähre nach Puttgarden. Weil das Fehmarn'sche Wetter nicht gerade zum Verweilen einlädt, beenden wir den Urlaub und starten durch gen Heimat.


    Fazit
    Beim Schreiben des Berichts habe ich gemerkt, wie viel wir in der einen Woche gesehen, besichtigt und erlebt haben. Für einige der Städte und Regionen lohnt es sich wohl einen ganzen Urlaub einzuplanen. Entspannt war unsere Tour dennoch. Autofahren ist in Schweden aufgrund der Geschwindigkeitsbegrenzungen und der breiten, meist geraden Landstraßen nicht anstrengend. Außerdem bietet sich dadurch die Möglichkeit tatsächlich jeden Tag etwas neues zu erleben.


    Besonders eindrucksvoll finde ich die Gegend an der Ostküste zwischen Ronneby und Kalmar mit ihren Schärengärten.
    Von unserem letzten Urlaub im Sommer 2005 kann ich außerdem die Region um die Seen Vänern und Vättern empfehlen. Je weiter nördlich man fährt, desto leerer werden die Straßen und Campingplätze. An den großen Seen gibt es nicht nur die tollsten Sonnenuntergänge, auf die man ja an der Ostküste leider verzichten muss, sondern man kann auch prima baden, Boot fahren oder angeln.


    In Schweden kann man zwar sehr gut mit Englisch auskommen, dennoch ist es nett auch mal auf schwedisch zu kommunizieren oder sich wenigstens in der Landessprache bedanken zu können oder Hinweisschilder entziffern zu können.


    http://www.camping.se Diese Seite ist die ideale Anlaufstelle, um sich Informationen für den geplanten Schwedenurlaub zu besorgen. Hier kann man die Campingcard, die man für die Übernachtung auf den Zeltplätzen braucht bestellen und den kostenlosen Campingkatalog anfordern, in dem fast alle schwedischen Campingplätze nach Regionen geordnet aufgelistet sind.